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Parker Solar Probe

Vorgeschichte

Bei den StartvorbereitungenEin Projekt, das es seit Langem auf der Agenda der NASA gab, war eine Raumsonde, die sich möglichst stark der Sonne nähert. Sie soll die Korona durchfliegen, eine Hülle aus mehrfach ionisierten Ionen rund um die Sonne und diese direkt untersuchen. Das himmelsmechanische Problem: Um den sonnennächsten Punkt so weit abzusenken, muss man etwa 2/3 der Bahngeschwindigkeit der Erde abbauen, was zu einer Startgeschwindigkeit führt, die mit einem Raketenantrieb nicht erreichbar ist.

Es gab verschiedene Vorschläge für eine Sonnensonde. Erst Ende der Neunziger Jahre gab es auch ein konkretes Projekt, die Solar Probe. Sie sollte Jupiter als Sprungbrett nutzen. Jupiters Gravitationskraft hätte sowohl den sonnennächsten Punkt abgesenkt, wie auch die Bahnebene gedreht, sodass die Sonde wie Ulysses die Sonnenpole überquert. Mit dem Amtsantritt, des von George W. Bush eingesetzten neuen NASA-Administrators Keefe, wurde das gesamte Programm, zu dem auch ein Vorläufer von New Horizons gehörte, eingestellt.

Seitdem suchte die NASA nach Wegen die Mission zu verbilligen. Herauskam die Solar Parker Probe. Zum einen durch eine größere Distanz zur Sonne – 6,2 Millionen km anstatt 3 Millionen km. Das reduziert die Anforderungen an den Hitzeschutzschild beträchtlich. Die Solar Probe hatte einen sehr schweren ablativen Schild, da es kein Material gab, das bei der Minimaldistanz nicht verdampft wäre. Die Parker Solar Probe erhält viermal weniger Energie, was mit einem Kohlenstoff-Verbundschild beherrschbar sein soll.

Der zweite Kostentreiber waren die wegen der Spitzenentfernung der originalen Solar Probe nötigen RTG. Sie sind, da die USA seit den Neunziger Jahren kein Plutonium mehr produzieren, sehr teuer. Schon 2006 kostete ein RTG mit nur 285 Watt Leistung 90 Millionen Dollar. Inzwischen wurde die Produktion neu gestartet. Sie soll 75 bis 90 Millionen Dollar für die Gewinnung von 7,5 bis 10 kg Plutonium während fünf Jahren kosten. Ein GPHS-RTG den Galileo, Ulysses, Cassini und New Horizons einsetzen, benötigt 9,71 kg Plutonium, entspricht also nur für die Produktion des Plutoniums einer Investition von 90 bis 100 Millionen Dollar. Die moderneren MMRTG des MSL benötigen 4,3 kg Plutonium und kosten 36 Millionen Dollar pro Stück.

Die Parker Solar Probe wird nicht Jupiter anfliegen, stattdessen soll die Bahnenergie durch mehrfache Vorbeiflüge an der Venus abgebaut werden. Trotzdem benötigt die Sonde die stärkste und teuerste US-Trägerrakete Delta IV Heavy zum Start. Sie wurde durch eine Star 48BV Oberstufe von Northrop-Grumman ergänzt. Es ist der erste und auch einzige Einsatz dieser Trägerrakete für eine Raumsonde. Sie wird die Sonnensonde schon um 12,4 km/s relativ zur Erde beschleunigen, bzw. in diesem Falle abbremsen. Dadurch liegt das erste Perihel schon in 32 Millionen km Entfernung. Damit schlägt sie den bisherigen Rekordhalter die deutsch-amerikanische Sonde Helios 2,  die diesen Rekord seit 1976 hält. Ebenso wird die Sonde New Horizons als Rekordhalter für die höchste Startgeschwindigkeit ablösen.

Ein Vorbeiflug an der Venus senkt das erste Perihel auf 24,85 Millionen km ab. Jeder Venusvorbeiflug muss so ausgelegt werden, dass die Sonde beim nächsten die Venus wieder erreicht. Am einfachsten geht dies, wenn Umlaufszeit der Sonde und Umlaufszeit der Venus ein ganzzahliges Verhältnis haben. Der erste Vorbeiflug an der Venus auf dem Weg zum Perihel reduziert die Umlaufszeit auf 150 Tage, 2/3 der Umlaufszeit der Venus von 225 Tage. Der Nächste dann auf etwa 130 Tage oder 3/5 der Umlaufszeit. Nach sieben Vorbeiflügen an der Venus liegt die Umlaufszeit bei 88 Tagen. Insgesamt wird die Parker Solar Probe mindestens 24 Umläufe absolvieren.

OrbitAm 19.12.2024 ist dann der Endorbit erreicht und die Parker Solar Probe durchläuft ihr erstes Minimal-Perihel. In diesem dreht sie während elf Tagen den Schild zur Sonne hin und gewinnt Messdaten. Danach überträgt sie die Daten, während des Rests des Orbits (mindestens 77 Tage). Die Primärmission umfasst dann noch vier weitere Minimaldurchgänge im Jahr 2025, einen alle 88 Tage.

Um die Sonde vor der Hitze zu schützen, setzt man auf einen großen Schild aus Kohlenstoff-Verbundmaterial. Dieses Material wurde schon als Hitzeschutzschild, beim Space Shuttle bei den am höchsten beanspruchten Zonen eingesetzt, z. B. der Nasenspitze und den Flügelkanten, die bis zu 1.600 °C heiß werden. Der Schild ist 11,43 cm dick und hat einen Durchmesser von 2,30 m. Die Fertigung ist sehr aufwendig. Dazu wird ein Kunststoff mit Kohlefasern imprägniert, unter Sauerstoffabschluss pyrolysiert und das entstehende hochporöse Kohlenstoffgerüst mehrfach mit Furanol getränkt, in einem Autoklaven ausgehärtet und dann erneut pyrolysiert. So erhält man ein festes, sehr hartes Material, das nur noch aus Kohlenstoff besteht. Die Form wurde während der Entwicklung von rund auf sechseckig angepasst. An der Rückseite ist der Schild immer noch 343 °C heiß. Trotz seiner Größe wiegt er nur 73 kg und damit etwa ein Neuntel der Sondenmasse.

Zwei Instrumente müssen unter dem Schild herausragen um Teilchen direkt zu messen. Das ist der Farady-Cup der den Plasmastrom, Winkel und Temperaturen misst und das Gitter an das ein elektrisches Feld angelegt wird um nur Teilchen bestimmter Energie zu den Detektoren passieren zu lassen. Die Faraday-Sonde besteht aus einer Titan-Zirkoniumlegierung mit einem Schmelzpunkt von 2349°C. Das Gitter aus reinem Wolfram mit einem Schmelzpunkt von 3422°C. Wegen des hohen Schmelzpunktes von Wolfram konnte man die Gitter aus einem Blech nicht mit Lasern herausschneiden wie dies üblich ist, sondern musste die Löcher mit Säure heraus ätzen.

Der eigentliche sechseckige Sondenkörper hat nur 1 m Durchmesser. Da der Schutzschild sich erhitzt, und so selbst Wärme abstrahlt, verbindet ein Abstandgitter Schutzschild und Sonde. Die Sonde soll im Inneren nur eine Temperatur von 20 Grad Celsius aufweisen. Zusammen mit dem Schild hat die Kombination eine Höhe von 3 m. Damit die Sonde sich nicht aus versehen überhitzt gibt es an den Ecken des Sondenkörpers Sensoren, jeder so groß wie ein Handy, die den Computer benachrichtigen wenn auf die Licht fällt. Er dreht dann die Sonde so, dass der Schild wieder den ganzen Sondenkörper bedeckt.

Die Raumsonde nutzt erstmals exklusiv nur das Ka-Band zum Senden der Daten. Seit 2005 setzen US-Raumsonden Ka-Band Sender ein, primär nutzen die meisten aber das X-Band zur Kommunikation. Einzige Ausnahme war der LRO (S. 278). Allerdings ist der LRO maximal 400.000 km von der Erde entfernt. Die Wetterabhängigkeit kann so leicht durch höhere Sendeleistung ausgleichen werden.

Durch die höhere Frequenz von 30 bis 32 GHz anstatt 8,4 GHz kann ist Datenrate im Ka-Band höher. Der größte Nachteil des Ka-Bands ist, das es viel stärker wetterabhängig als das X-Band ist. Es kann für Stunden oder Tage die Verbindung komplett abbrechen, z. B. bei Regen oder dichten Wolken. Da die Raumsonde ihre Daten sowieso aufzeichnet, ist dies aber kein so großer Nachteil wie bei anderen Sonden. Sie muss bei Verbindungsproblemen einen Datenblock nur erneut senden. Ein X-Band Sender mit einer Rundstrahlantenne überträgt die Telemetrie und empfängt Kommandos. Die Hochgewinnantenne von nur 0,6 m Durchmesser kann Daten mit 167 kbit/s in 1 AE Entfernung mit einem 34-Watt-Sender übertragen. Da die Antenne unterhalb von 0,59 AE unter den Schutzschirm eingeklappt wird, muss die Sonde weitestgehend autonom arbeiten.

Die Stromversorgung ist ebenfalls eine Herausforderung. Erhitzen sich Solarzellen, so nimmt ihre Leistung ab. Andere Raumsonden lösen das Problem, indem sie die Solarpaneele schräg zur Sonne drehen, wenn der Abstand sinkt, das Licht fällt so unter flachem Winkel ein. Als zweite Möglichkeit rotiert die Raumsonde schnell um ihre Achse, sodass jede Zelle nur kurz der Sonnneneinstrahlung ausgesetzt ist. Beide Konzepte werden bei Bepi Colombo (S. 407) eingesetzt. Wegen der großen Sonnennähe ist dies bei der Solar Probe keine Lösung. Die Parker Solar Probe hat zwei Arten von Solarzellen. Zum einen normale, die bis zu einer Entfernung von 0,25 AE eingesetzt werden. Sie dürfen auf maximal 180 °C erhitzt werden und sind an diesem Punkt 75 Grad aus der Senkrechten zurückgeklappt. Bei unterhalb 0,25 AE Distanz werden sie eingefahren. Es übernehmen nun spezielle Hochtemperatursolarzellen, die unter dem Hitzeschutzschild herausragen. Doch selbst sie würden beim Erreichen des Minimalabstandes überhitzen. Sie werden daher aktiv gekühlt, wobei der Radiator im Schatten des Hitzeschutzschilds ist, damit er die Überschusswärme abgeben kann. Der Radiator hat mit 4,2 m² Fläche eine viel größere Fläche als die Solarzellen mit gesamt 1,55 m². Sie liefern beim Perihel 388 Watt Leistung. Die Kühlung erfolgt nicht durch klassische Kühlmittel wie Ammoniak das bei den Radiatoren der ISS verwendet wird sondern mit deinonisiertem Wasser. Kein andere Flüssigkeit hat einen so hohen Bereich in dem sie flüssig ist und eine so hohe Wärmekapazität wie Wasser. Die Sonde hat einen Tank mit 3,7 l Wasser, der unter Druck steht damit es nicht siedet, denn es wird bis zu 125°C heiß. Beim Start hält eine Heizung es auf einer Temperatur von 10°C, da es im Schatten des Panels sonst gefrieren würde. Zwischen 10 und 125°C liegen denn auch die Betriebstemperaturen des Radiators.

Der sechseckige Bus nutzt Reaktionsschwungräder für Lageänderungen und Hydrazin für Bahnänderungen.

Die vier Instrumente sollen klären, wie der Sonnenwind beschleunigt wird – er hat im Mittel eine Geschwindigkeit von 300 bis 600 km/s. Sie kann bei Sonnenstürmen auf über 1.000 km/s steigen und ein Paradoxon untersuchen: Die Sonnenkorona ist eineiige Millionen Grad Celsius heiß, während die Sonnenoberfläche nur rund 5.500 Grad heiß ist. Sie ist nicht sehr dicht, zum Glück für die Sonde, denn sonst würde die Korona viel Energie auf die Raumsonde übertragen.

Solar Parker Probe wurde nach Eugene Parker benannt. Parker hat zeit seines Lebens Artikel veröffentlicht, wie Sterne Energie abgeben. Die NASA verweist auch auf sein Postulat des Sonnenwindes, vergisst aber dabei, dass dieser schon vier Jahre früher von Ludwig Bierman prognostiziert wurde. Die Namensgebung ist ein Unikum. Zum einen ist die Phase, in der Raumsonden nach Wissenschaftlern benannt wurden, vorbei. Das war in den Achtzigern so als Galileo, Cassini, Magellan und Huygens nach bekannten Forschern benannt würden. Zum Zweiten ist es erst die zweite US-Mission, die nach einem US-Bürger benannt wurde. Die Zweite ist das James Web Weltraumteleskop, das auch 2018 starten soll. Doch da Eugene Parker noch lebt, ist die Mission einzigartig – noch nie wurde eine Mission nach einer noch lebenden Person benannt. Es ist auch eine Ausnahme, da Parker lange nicht so bekannt ist wie die anderen Forscher und damit eine Flagship-Mission benannt wird: Die Raumsonde hat ein Budget von 1,5 Milliarden Dollar.

Das FIELDS-Experiment besteht aus zwei verschiedenen Magnetometern und fünf Spannungssensoren. Es misst den magnetischen und elektrischen Fluss, bestimmt die Plasmadichte, Elektronentemperatur und detektiert Plasmawellen.

Das ISOS-Experiment (Integrated Science Investigation of the Sun) bestimmt hochenergetische Elektronen, Protonen und Ionen mit drei Teilchendetektoren.

Das Wide-field Imager for Solar PRobe Plus (WISPR) Experiment soll die innere Sonnenkorona direkt abbilden. Das ist derzeit nur bei einer totalen Sonnenfinsternis möglich. Dazu gibt es zwei Teleskope, die zusammen ein Gesichtsfeld von 58 × 94,5 Grad abdecken. Zwei Sensoren von je 2.048 × 1.920 Pixeln bilden nebeneinander die innere und äußere Corona ab. Die Messfrequenz wird der Distanz von der Sonne angepasst. Beim niedrigsten Abstand wird alle 8 Sekunden ein Teilbild und alle 2 Minuten ein ganzes Bild gewonnen.

Das SWEAP-Experiment (Solar Wind Electrons Alphas and Protons) bestimmt mit drei Sensoren die Eigenschaften der häufigsten Teilchen: Elektronen, Protonen und Heliumkerne des Sonnenwinds, wie Geschwindigkeit, Temperatur und Dichte.

Insgesamt rechnet man mit rund 1.000 Stunden wissenschaftlicher nutzbarer Zeit um die 24 Periheldurchgänge. Die Messphase beginnt, sobald 30 Sonnenradien (rund 21 Millionen km) unterschritten werden. Bei den engen Periheldurchgängen sind es 101,7 Stunden pro Durchgang.

Zeitplan

Während der Encounterphase wird die Sonde nur dreimal pro Woche einen Status übermitteln der nur kennzeichnet das die Sonde lebt - diese Statustöne wurden erstmals bei New Horizons erprobt die ansonsten sich monatelang im Tiefschlaf befand. Hier ist der Grund das während dieser Phase die Hochgewinn-Kommunikationsantenne nicht auf die erde ausgerichtet werden kann. Während der normalen Phase in der die Sonde weder Messdaten sammelt noch überträgt kontaktiert sie auch die erde dreimal pro Woche übermittelt dann aber Telemetrie mit hoher Datenrate. Bis zu 555 kbit/s können es je nach Distanz werden. In der Post Encounterphase hat die Sonde dagegen 10 bis 24 Stunden Kontakt zum Deep Space Network.

Die sieben Venusvorbeiflüge ersparen eine solare Geschwindigkeitsänderung um 9 km/s. Auf die benötigte Startgeschwindigkeit von 23,6 km/s hätte keine Trägerrakete sie beschleunigen können. Schon für die 16,3 km/s mit der sie startet wurde eine weitere Oberstufe für die Delta IV Heavy benötigt-.Der folgende Zeitplan ist der vor dem Start geplante, je nach Startzeitpunkt werden sie sich die Daten verschieben.Start

Ereignis

Zeitpunkt

Real

Start

31.7.2018

12.8.2018

Venus Vorbeiflug 1

28.9.2018

3.10.2018

Perihel 1

1.11.2018

5.11.2018

Perihel 2

31.3.2019

 

Perihel 3

28.8.2019

 

Venus Vorbeiflug 2

22.12.2019

 

Perihel 4

24.1.2020

 

Perihel 5

2.6.2020

 

Venus Vorbeiflug 3

6.7.2020

 

Perihel 6

22.9.2020

 

Perihel 7

13.1.2021

 

Venus Vorbeiflug 4

16.2.2021

 

Perihel 8

24.4.2021

 

Perihel 9

5.8.2021

 

Venus Vorbeiflug 5

11.10.2021

 

Perihel 10

5.11.2021

 

Perihel 11

21.2.2022

 

Perihel 12

28.5.2022

 

Perihel 13

1.9.2022

 

Perihel 14

6.12.2022

 

Perihel 15

13.3.2023

 

Perihel 16

17.6.2023

 

Venus Vorbeiflug 6

16.8.2023

 

Perihel 17

23.9.2023

 

Perihel 18

24.12.2023

 

Perihel 19

25.3.2024

 

Perihel 20

25.6.2014

 

Perihel 21

25.9.2024

 

Venus Vorbeiflug 7

2.11.2024

 

Perihel 22

19.12.2024

 

Perihel 23

18.3.2025

 

Perihel 24

14.6.2025

 

Mission

Mit eintägiger Verzögerung startete die Parker Solar Probe am 12.8.2018,. nachdem schon im Vorfeld der Startzeitpunkt leicht verschoben wurde.  Die Trägerrakete brachte die Solar Probe in einen 3,4 Grad geneigten heliozentrischen Orbit.. Die DCSS beschleunigte die Star 48 BV Oberstufe und die Parker solar Probe auf 13,2 km/s (c=59,9 km²/s²). Dies würde schon für einen 0,37 x 1,0 AE Sonnensorbit reichen. der bis zur Merkurbahn reicht. Eine Minute nach Abtrennung von der DCSS zündete die Star 48 BV die die Sonnensonde auf 16 km/s (c3=152,3 km²/s²) beschleunigte. Sie erreichte einen 0,21 x 1,01 AE x  5,6 Grad Sonnenorbit mit einem Perihel in 31,3 Millionen km Entfernung.

Ohne weitere Kurskorrekturen wird die Sonnensonde so am 3.10.2018 in 8415 km Entfernung von der Oberfläche die Venus passieren, welche die Bahn in eine 0.18 x 0.96 AU x 4.9 Grad Bahn umlenkt. Das erste Perihel wird so am 6.11.2018 durchlaufen in einer Entfernung von 38 Sonnenradien, das sind 26,9 Millionen km von dem Sonnenzentrum.

Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3.10.2018 flog die Parker Solar Probe zum ersten Mal an der Venus vorbei. Es war aufgrund der hohen Startgeschwindigkeit die schnellste Venuspassage die es jemals gab. Der Vorbeiflug verringerte die Sondengeschwindigkeit um 7000 Meilen/h (~3100 m/s). und das Perihelium sank um 4 Millionen Meilen (~6,4 Millionen km) ab. Wissenschaftliche Beobachtungen fanden bei dem Vorbeiflug nicht statt.

Am 29.10.2018 erreichte die Raumsonde die bisher geringste Entfernung eines künstlichen Körpers von der Sonne. Der vorherige Rekordhalter war die deutsch-amerikanische Raumsonde Helios 2 oder Helios B welche die Distanz von 43,3 Millionen km 1976 erreichte - der Rekord hielt immerhin 42 Jahre. Kurz danach begann die erste Datensammelphase um das Perihelion herum. Sie begann am 31.10.2018 und endete am 11.11.2018. Am 5. November wurde das Perihelion durchlaufen. Davon erfuhr man aber auf der erde nicht, denn es befand sich hinter der Sonne, die durch ihre Plasmaschicht Radiostrahlen wie sie der Sender überträgt stört. Am 7.11.2018 meldete sich die Parker Solar Probe erneut, wenn auch nur mit einer Statusmeldung, da die Hauptantenne in dieser Entfernung nicht nutzbar ist. Damit hatte der Schutzschild seine erste Bewährungsprobe überstanden. Er wird aber noch mehr aushalten müssen, denn das erste Perihel war in 26,9 Millionen km Distanz, das finale in 6,2 Millionen km wird eine viel höhere thermische Belastung aufweisen - diese steigt quadratisch mit sinkendem Abstand.

Datenblatt Parker Solar Probe

Start:

geplant am 6.8.2018 mit Delta IV Heavy, gestartet am 12.8.2019

Ankunft:

19.12.2024 erstes endgültiges Perihel

Missionsende:

2025

Mission:

Sonnenorbiter

Gewicht:

688 kg, 610 kg ohne Treibstoff

Abmessungen:

3,10 m Länge, 2,30 m Durchmesser. Bus: 1,00 m Durchmesser

Instrumente:

Vier Instrumente im Gesamtgewicht von 50 kg.

  • Wide-Field Imager for Solar Probe Plus (WISPR): Zwei Kameras mit zwei 2048 x 1920 Pixel CCD, Gesamtblickfeld 94 x 58 Grad. Auflösung 2,6 bzw. 3,4 Bogenminuten.

  • Fields Experiment (FIELDS): direkte Messung von Magnetfeldern und elektrischen Feldern mit zwei Magnetometern und fünf Spannungssensoren. Misst Plasmadichte, Temperatur, Radioemissionen und Magnetfelder.

  • Integrated Science Investigation of the Sun (IS☉IS): Untersuchung von beschleunigten Elektronen, Protonen und schweren Ionen von 10 keV bis 10 MeV

  • Solar Wind Electrons Alphas and Protons (SWEAP) Investigation: Bestimmt die Eigenschaften der Teilchen des Sonnenwindes: Elektronen, Protonen und Alphateilchen: Geschwindigkeit, Dichte und Temperatur.

Ergebnisse:


Bilder:

23 GBit Bilddaten pro Umlauf.

Kosten:

1.500 Millionen Dollar gesamt, davon 389,1 Millionen Dollar Trägerrakete

Links

Artikel erstellt am 26.12.2014


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

Bücher vom Autor über Raumsonden

Lang Zeit gab es von mir nur ein Buch über Raumsonden: die beiden Mars-Raumsonden des Jahres 2011, Phobos Grunt und dem Mars Science Laboratory. Während die russische Raumsonde mittlerweile auf dem Grund des Pazifiks ruht, hat für Curiosity die Mission erst bekommen. Das Buch informiert über die Projektgeschichte, den technischen Aufbau der Sonden und ihrer Experimente, die geplante Mission und Zielsetzungen. Die Mission von Curiosity ist bis nach der Landung (Sol 10) dokumentiert. Einsteiger profitieren von Kapiteln, welche die bisherige Marsforschung skizzieren, die Funktionsweise der Instrumente erklären aber auch die Frage erläutern wie wahrscheinlich Leben auf dem Mars ist.

2018 wurde dies durch zwei Lexika, im Stille der schon existierenden Bücher über Trägerraketen ergänzt. Jedes Raumsonden Programm wird auf durchschnittlich sechs bis acht Seiten vorgestellt, ergänzt durch eine Tabelle mit den wichtigsten zeitlichen und technischen Daten und Fotos der Raumsonde, bzw., Fotos die sie aufgenommen hat. Ich habe weil es in einen band nicht rein geht eine Trennung im Jahr 1990 gemacht. Alle Programme vorher gibt es in Band 1. Die folgenden ab 1990 gestarteten dann in Band 2. In Band 2 ist ein Raumsonden Programm meist eine Einzelsonde (Ausnahme MER). In Band 1 dagegen ein Vorhaben das damals zumeist aus Doppelstarts bestand, oft auch mehr wie z.B. neun Ranger oder sieben Surveyor. Beide Bänder sind etwa 400 Seiten stark. In Band 1 gibt es noch eine gemeinsame Einführung für beide Bände über Himmelsmechanik und Technik der Instrumente. Beide Bände haben einen Anhang mit Startlisten, Kosten von Raumsonden und Erfolgsstatistiken. Band 2 hatte Redaktionsschluss im Januar 2018 und enthält die für 2018 geplanten Missionen über die es genügend Daten gab.

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