Bernd Leitenbergers Blog

Vorausschau aufs Raumfahrtjahr 2010

Zum Jahreswechsel ist es Mode zurück zu blicken und nach vorne. Das Zurückblicken überlasse ich andere. Ich konzentriere mich auf das nach Vorne-Blicken. Was wird uns das Raumfahrtjahr 2010 bringen? Hier eine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Planetare Erforschung

Das seit Anfang des neuen Jahrtausends zunehmend weniger Raumfahrtmissionen bei den USA genehmigt werden wirkt sich nach und nach aus. Das nächste Jahr wird eines ohne einen Start von den USA sein. Auch Europa plant keine Missionen für 2010. Die einzige Mission die ich für 2010 kenne ist „Planet C“, nun „Akastuki“ benannt von Japan. Es ist ein Orbiter mit Kameras empfindlich im nahen Infrarot und sichtbaren Licht. Das verspricht eindrucksvolle Bilder, besser als die wenigen die die EA von Venus Express veröffentlicht.

2011 wird dann einige Starts mehr sehen: Phobos Grunt, das MSL alias „Curiosity“, Juno und LADEE stehen 2011 auf der Startliste.

Trägerraketen

Hier gibt es 2011 definitiv mehr zu berichten. Eine Reihe von Trägern wird 2010 ihren Jungfernflug absolvieren. Die Vega und Sojus von Kourou aus (die Sojus ist natürlich schon eingeführt, aber der Start von Kourou aus ist eine Premiere). In den USA steht der Jungfernflug der Minotaur IV, Falcon 1e und Falcon 9 an. Der zweite Start der Naro 1 ist ebenfalls angesetzt für das nächste Jahr. Die Angara wird wohl nicht vor 2011 starten. Verspätungen könnte es auch bei den anderen Typen geben. Schließlich waren der Erststart der Falcon 9 schon für letzten Juli und die der Minotaur IV für September vorgesehen.

Bemannte Raumfahrt

Hier sind sicherlich die größten Ereignisse zu erwarten. Zwei Ereignisse sind vorhersehbar: Die Fertigstellung der ISS und zeitgleich die Außerdienststellung der Space Shuttles. Viel interessanter wird die im Frühjahr erwartete Entscheidung von Obama über das „Constellation“ Programm. Das es zu einer Entscheidung kommen würde überrascht mich nicht, und das anders als bei den meisten anderen Beobachtern nicht erst seit es die Augustine Kommission gibt. Warum? Weil der Ansatz als die ersten Planungen 2005 liefen, dass dieses Programm nur durch Einsparungen finanziert werden sollte: Einsparungen beim Wissenschaftsprogramm, Einsparungen durch das Ausmustern der Space Shuttles und Einsparungen durch Versenken der ISS 2016 (besonders sinnvoll: 12 Jahre Bauzeit und nach 6 Jahren Betrieb wird sie aufgegeben).

Wer mal das NASA Budget zu Apollozeiten angesehen hat weiß, dass ein Mondforschungsprogramm so nicht zu finanzieren ist, auch wenn Apollo teurer war weil es in kurzer Zeit von Null begann und vieles erst entwickelt werden muss, während Constellation auf schon existierendem aufbauen kann.

Wie es mit Constellation weitergeht ist eigentlich egal, Hauptsache es leidet nicht noch mehr das Forschungsprogramm der NASA. Vor allem sollte aber das laufende ISS Programm – und deren sichere Versorgung Vorrang vor einem neuen Programm haben.

Forschungssatelliten

Aus Europas Sicht war 2009 ein sehr ereignisreiches Jahr: GOCE, SMOS, Herschel und Planck wurden gestartet. Nächstes Jahr steht nur der Start vor Cryosat 2 an. Das einzige ESA Projekt das 2010 für den Start vorgesehen ist, ist der zweite ATV, doch das ist keine Forschungssonde. Die NASA wird nächstes Jahr die Sonnensonde Solar Dynamics Observatory, den Wettersatelliten GEOS-P, die Satelliten zur Umweltbeobachtung Aquarious und Glory starten.

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