Bernd Leitenbergers Blog

Rumpelstilzchen im Orbit

Helium-3 auf dem Mond, seltene Erden auf dem Mond – gibt es nicht genügend Gründe Raumfahrt zu betreiben um die Rohstoffprobleme auf der Erde zu lösen? Ich will mal ein modernes Märchen skizzieren: Auf der ISS kann durch wundersame Dinge ein Astronaut namens „R. Umpel Stilzchen“ aus gemeinem Stroh Gold spinnen! Wäre damit nicht endlich bei den rapide gestiegenen Goldpreis eine sinnvolle Verwendung der ISS gefunden?

Leider nein. Der einzige Anbieter, der derzeit Fracht in nennenswerten Mengen von der ISS zurückbringen kann ist SpaceX. Sie transportieren für 1.6 Milliarden Dollar 20 t zur ISS. Angenommen sie können auch die gleiche Menge wieder zur Erde zurückbringen, so entspricht dies einem Preis von 80.000 $ pro Kilogramm. Der Goldpreis für eine Feinunze beträgt nachdem die Libyienkrise ihn mal gerade wieder hochgetrieben hat, derzeit 1.432 Dollar pro Feinunze (28,35 g). Das sind also 50.500 Dollar pro Kilogramm.

Also selbst wenn dieses moderne Märchen Wirklichkeit wird, die ISS wird nicht finanziell lukrativ. Für jedes Kilo Gold dass R.Umpel Stilzchen aus dem Nicchts produziert macht die NASA glatte 30.000 Dollar Verlust. Dabei deckt dies ja nur die Kosten des Strohtransportes. Dass die Besatzung noch Essen und Wasser und die ISS Treibstoff braucht und alleine in den USA rund 2 Milliarden Dollar Fixkosten pro Jahr verursacht. Nur mal so als Gedanke: Bekommt die Besatzung wenigstens Champagner und Austern? Bei 20.000 $ pro Gläschen sollte das doch mit drin sein…

Das ist ja nicht das erste Mal, das man die Wirtschaftlichkeit der Rohstoffgewinnung oder Produktion im Weltraum postuliert. Ich kann mich noch an Prognosen aus den späten siebziger Jahren erinnern, als ein neues System namens Space Shuttle den Transport in den Orbit auf 1.000 Dollar pro Kilo verbilligen sollte – damit sollte die Produktion wirtschaftlich werden. Sie wurde es nicht.

Andere Ideen die ich im Laufe der Zeit hörte war das Einfangen eines Eisenasteroiden und das bergmännische Abbauen der Metalle (vor allem Eisen und Nickel, also nicht mal so was wie Neodym, Silber oder Platin….). Dabei benötigt man um in den Asteroidengürtel zu kommen noch einiges mehr an Treibstoff / Technologie etc. und das ganze muss dann ja auch noch zur Erde geschleppt werden.

Die Kommerzialisierung lohnt sich nur wenn entweder einem einmaligen Transport laufende Einnahmen gegenüberstehen wie bei Kommunikationssatelliten oder es sich um extrem hochpreisige Produkte handelt die trotzdem keinerlei Infrastruktur zur Produktion brauchen. Nun hochpreisige Produkte gibt es auch auf der Erde – Medikamente, Hochleistungschips. Nur: Ohne Infrastruktur geht das nicht. Man möge sich auf der Erde mal eine Chipfabrik ansehen oder das Werksgelände von Merck oder Böhringer. Das sind dann schon ein paar Tausend Tonnen,. selbst wenn man nur die Maschinerie nimmt. Bis das Gewicht wieder reingeholt ist, muss man etliche PC’s oder Viagras prodzieren.

Was kommt als nächstes? Der Transport von Wasserstoff vom Jupiter als kohlendioxidfreier Treibstoff der Zukunft oder eine direkte Pipeline zu Titan, um dort das Methan aus der Atmosphäre abzuschöpfen? Oder warum das Helium-3 nicht gleich von der Sonne holen? Wie wäre es mit einem Umspannwerk dort? Das würde die kostspielige Erforschung der Fusionstechnologie hier komplett ersparen.

Bestimmt kommt bald der Vorschlag das Bevölkerungsproblem zu lösen indem man die Chinesen auf den Mars aussiedelt und für ganz gierige ein Tipp: Mann vermutet dass im Innern von Uranus und Neptun der Kohlenstoff in der SP3-Konfiguration mithin als Diamanten vorliegen. Allerdings denke ich dürfte der Preis etwas bröckeln, wenn Diamanten nicht mehr in Karat, sondern in Tonnen gemessen werden….

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