Bernd Leitenbergers Blog

Wie veränderlich ist der Charakter?

Vor einigen Wochen bin ich beim Zappen mal bei „Samatha Who?“ hängen geblieben. Die Story ist recht simpel und weils sich immer wieder wiederholt blieb ich auch nicht lange dran. Also: Samantha wacht nach einem Autounfall wieder auf und hat ihr Gedächtnis verloren. Das alleine ist nun nichts besonderes, dass sie es dauerhaft verloren hat, schon  eher. Was aber das Kernstück der Serie ausmacht ist, dass sich Samantha verändert hat: die alte Sam war nur auf ihren eigenen Vorteil aus, hat andere Leute ausgenutzt oder reingelegt. Die neue Sam, hat ab und an „Erinnerungssplitter“ an das alte Verhalten und versucht jetzt Dinge von früher gutzumachen und daraus entstehen dann immer die kleinen oder großen Katastrophen. Entscheidend als Aufhänger für den heutigen Blog ist aber, dass die „neue Sam“ anders als die alte ist und etwas für andere Menschen tun will und sich nicht vorstellen kann so gewesen zu sein.

Und das glaube ich nicht.

Ich glaube dass man sein Verhalten durchaus ändern kann, mit Disziplin, Selbstreflexion, mehr Nachdenken vor dem Tun, aber was man meiner Meinung nach nicht ändern kann, sind die Gefühle die man primär hat, die den Charakter bestimmen. Wir können nur zulassen dass die Gefühle nicht unser Handeln bestimmen. Ich möchte das an zwei Dingen von mir beleuchten, die mich selber ärgern. Das eine ist, dass ich dazu neige mehr zu kaufen, um was zu sparen. Das klingt idiotisch und ist es auch. Dazu zwei Beispiele: Vor einigen Jahren gab es mal elektrische Zahnbürsten im Angebot und weil die Köpfe nur immer auf ein Basismodell passen habe ich gleich zwei Packs mit Ersatzbürsten, zusammen 24 Stück gekauft. Was passierte? Die Zahnbürste gab den Geist auf, bevor ich auch nur den ersten Pack verbraucht hatte. Der Gedanke dahinter war, dass ich wenn ich keine Ersatzköpfe mehr bekomme ich die Zahnbürste wegschmeißen kann, so gings mir zumindest schon mit etlichen Rasierern. Inzwischen nehme ich übrigens wieder die normale Zahnbürste ohne elektrischen Antrieb.

Derzeit habe ich auch rund 10 Staubsaugerbeutel auf Vorrat, was für ungefähr 3 Jahre reichen sollte, aber immer wenns bei ALDI welche gibt nehme ich einen neuen Pack mit. Immerhin: ich habe den gleichen Staubsauger für unser Ferienhaus gekauft, falls er also mal den Geist aufgibt kann ich die Beutel dort noch einsetzen.

Das zweite ist, dass ich mich enorm ärgere, wenn ich umsonst oder zu viel Geld ausgegeben habe. Also etwas kaufe und kurze Zeit später entdecke, woanders hätte es das billiger gegeben. Oder anderes Beispiel: diesen Winter hat mein Nachbar extensiv viel gestreut, sodass es als der Schnee weg war eine ganze Steinchenschicht auf dem Weg gab und ich bin beim Abbremsen vor dem Rausfahren ins Rutschen gekommen – Bremsen verbogen, Licht kaputt, 80 Euro Reperaturrechnung. Mich machen die 80 Euro nicht arm, aber sie haben mich mindestens zwei Wochen lang geärgert, weil ich, wenn er seinen Dreck wegräumen wäre, ich mir das sparen könnte.

Was ich nun meine ist, dass ich natürlich mein Handeln rational beeinflussen kann, also nachdenken, nicht auf Vorrat kaufen. Sich zu sagen, dass man sich ohne Problem die 80 Euro für die Rechnung leisten kann und es sich nicht lohnt darüber aufzuregen. Doch was ich nicht beeinflussen kann, ist das die Gedanken aufkommen.

Das ist eben der Unterschied zur Serie, dort hat sich ja die Einstellung der Person geändert. Ich denke es ist schwierig, aber nicht unmöglich sein Verhalten nach außen hin beeinflussen. Also eben nicht den Gefühlen und Gedanken nachgeben, sondern nachdenken und sich eben anders verhalten. Aber das man überhaupt einen solchen Gedanken hat, dass kann man nicht verhindern – zumindest denke ich das.

Die einzige Möglichkeit wie sich der Charakter von jemand ändert denke ich ist, wenn sich am Gehirn was verändert. Beispiele dafür gibt es zu Hauf, vor allem durch Beschädigungen des Gehirns durch Verletzungen oder Tumore. Doch soweit ich informiert bin, verändert sich dann nur alles zum schlechten. Aus netten Leuten werden fiese Typen oder bestimmte Eigenschaften wie Mitgefühl fallen komplett aus. Meine Theorie: Wir brauchen das ganze Gehirn oder zumindest viel von der Leistung um zu verhindern, dass wir nicht nur an uns denken und nur kurzfristig an die direkt vor uns liegenden Dinge. Da gibt es ja auch so ein Experiment, das nicht direkt zum Thema passt, aber irgendwie doch: Zwei Studentengruppen wurden einmal in „Häftlinge“ und „Wärter“ eingeteilt. Die letzteren sollten nur die ersteren beaufsichtigten, entwickelten aufgrund der Situation aber bald sadistische Züge, selbst Leute die sonst sehr freundlich und umgänglich waren. Schalte die Kontrolle durch das Umfeld ab, und das Tier taucht in jedem auf. Genauso denke ich ist es beim Charakter. Ohne laufende Kontrolle durch unseren Verstand würden wir alle wohl den Trieben nachgehen.

Was meint ihr zum Thema?

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