Bernd Leitenbergers Blog

Geheimprojekt SMS

Als das Raumfahrtzeitalter begann, da war zwar die Sowjetunion erster, aber die USA hatten viel schneller erkannt, dass man den Weltraum militärisch nutzen kann. Doch wie dies tun, ohne das dies publik wird oder gar Proteste verursacht? Nun man hat sich einen Trick überlegt und ein Satellitenprogramm ausgedacht, das nach offizieller Verlautbarung der Forschung dienen sollte. Netterweise hat man es gleich „Discoverer“ (Entdecker) getauft. Die gestarteten Satelliten des Corona Programms waren aber allesamt militärischer Natur. Nur ab und an installierte man noch zusätzlich Strahlenmeßgeräte oder einmal wollte man auch Mäuse ins all schicken.

Mit der Praxis hört man nach Discoverer 35 auf, weil zu diesem Zeitpunkt niemand mehr glaubte, dass ein Forschungsprojekt so viele Starts in weniger als drei Jahren erforderlich machte und niemand etwas von den Ergebnissen hörte. Die USA übernahmen den Gedanken und benannten alle ihre militärischen Satelliten als „Cosmos“ und bezeichneten sie als Satelliten der Erforschung der Erde und des Weltraums. Über 2400 Cosmos hat die UdSSR gestartet, ein enormes Forschungsprogramm!

Die USA nannten ihre Satelliten dagegen nur noch unter der Bezeichnung „USA“ oder „NRO“ mit einer laufenden Nummer und man muss raten, wofür er gut ist. Hinweise geben die Bahnen, aber ein erdnaher Satellit kann sowohl ein Radarsatellit wie auch ein Fotoaufklärer sein. In jedem Falle weiß man durch den Start von den Satelliten und das scheint mehr und mehr ein Problem zu werden.

Das letzte Programm für Fotoaufklärungssatelliten der USA wurde zum Desaster. Es wurde zu teuer und nach Wechsel des Herstellers schließlich eingesetzt. Seitdem nutzen die militärischen Dienste vor allem zivile Quellen und sind bester Kunde von Digiglobe, die immerhin bis zu 0,45 m Auflösung liefert. Die schon fertiggestellten Teleskope bekam die NASA, die nun einen Verwendungszweck dafür sucht. Das Problem: die zivilen Satelliten decken nicht alles ab was das neue System leisten soll. In der derzeitigen Haushaltssituation und nach dem Fiasko des letzten Programms gab es keine Chance ein neues Programm genehmigt zu bekommen.

Worauf das DoD kam war ein Objekt aus „schwarzen Kassen“. Sprich es taucht nirgendwo im Etat auf, sondern andere Etats werden höher angesetzt als sie tatsächlich sind und das Geld wird abgezweigt. So wurde schon viel finanziert, der F-117A oder die SR-71. Bei diesem Projekt ist es offensichtlich woher das Geld kommt – von den EELV Programm das in den letzten Jahren deutlich teurer wurde und das für das DoD deutlich mehr kostet als für die NASA, die rund 30% weniger für einen Start zahlt.

Nur durch Zufall wurden Details des geheimen Programms, das nur SMS heißt – als Abkürzung für „Satellite Monitoring System“, an die Öffentlichkeit. Es soll den Hauptnachteil der zivilen Erdaufklärer beseitigen: sie haben keine Thermal-IR Sensoren und sie bilden nur ein kleines Gebiet ab. Die alten KH-11/12 machten auch Weitwinkelaufnahmen und den einzigen IR-Satelliten mussten die USA selbst zerstören, als er kurz nach dem Start außer Kontrolle geriet. In einer Welt in der man überall nach Terroristen sucht nützen Detailaufnahmen nur etwas, wenn man weiß wonach man suchen muss. und mittels IR kann man auch getarnte oder verdeckte Gebäude anhand ihrer Thermalsignatur finden. SMS soll die gesamte Erde zur Suche nach Terroristen, geheimen Waffenfabriken oder Atomforschungsanlagen in wenigen Monaten ablichten und so aktuelles Material für hochauflösende Inspektionen durch die Worldview Satelliten liefern.

Das es Satelliten gibt, die mehr können, als die bestehenden, dafür gab es Hinweise. So hat das DoD seit einigen Jahren mit kommerziellen Telekommunikationssatelliten Laserlink Terminals gestartet. Nur gibt es bisher keinen militärischen Satelliten der Laserkommunikation nutzt und auch keiner der geplanten. Laserlink-Kommunikation hat nicht nur den Vorteil, dass man keine Funksignale abfangen kann, sondern auch sehr viele Daten übertragen werden können und die Kommunikation zur Erde erfolgt durch einen zivilen Kommunikationssatelliten – die ideale Tarnung.

Doch das ist nur ein Aspekt. Wie kommt ein System ins All? Jeder dezidierte Start würde auffallen. Doch man fand eine Firma in großen Finanznöten, die über ihre Starts kaum etwas veröffentlichte: SpaceX. SpaceX hat offensichtlich die Satelliten gegen Bezahlung transportiert. Dazu passt auch das offensichtliche Missverhältnis zwischen den Kosten des Programms von SpaceX (1,2 Milliarden im letzten Mai), den eigenen Investitionen (220  Millionen) und den bekannten NASA Zahlungen (388 Millionen). Offensichtlich kam der Rest vom DoD, für einen kleinen Gefallen. Sie transportierten beginnend mit dem zweiten Start der Falcon 9, die SMS Satelliten als Sekundärnutzlast. Schon immer wunderten sich Journalisten über ein Objekt mehr im Orbit nach den NORAD Daten. Beim vierten Start waren es vier: die Zweitstufe, der Orbcomm, die Dragon und ein SMS. Darauf von Journalisten bei dem letzten Start angesprochen meinte Shotwell, es wäre die Verkleidung der Dragon. Doch nach den älteren Presskits wird die zeitgleich mit Brennschluss der ersten Stufe abgetrennt. Die fehlende Nutzlast macht auch klar, warum die Nutzlasten der Dragon so bescheiden sind. Damit ist auch eine Abschätzung möglich wie schwer die ersten SMS-Satelliten sind: es müssen etwa 1000 bis 1500 kg sein. Wahrscheinlich wurde deswegen auch das Block II Design durch die „v1.1“ ersetzt, denn sonst wären gleichzeitig SMS und Dragon Transporte unmöglich. Es erklär auch die Nutzlastabnahme der „v1.1“ von 16 auf 13,23 t, die zweite Generation der SMS wird offensichtlich noch schwerer. Wahrscheinlich wird „v1.1“ auch vom DoD finanziert.

Wie die SMS-Satelliten funktionieren, darüber gibt es noch keine Informationen. Wahrscheinlich haben sie eine Batterie von mittelauflösenden Kameras. Sie können in kürzester Zeit die gesamte Erde im sichtbaren und Infrarot in einer Auflösung von mehreren Metern ablichten. Da sie nur passiv im Orbit verbleiben, also innerhalb von einigen Monaten durch die erdnahe Bahn verglühen, müssen sie ihre Daten mit hoher Datenrate zur Erde übermitteln – daher der Laserlink. TESAT, die die Laserlinks für das US-Militär herstellten, sprechen von einer Datenrate von 10 GBit vom LEO in den GEO. Damit kann man in einem Monat bei Übertragung über 50% der Zeit schon die Erde in einem monat mit 2 m Auflösung in 11 Spektralkanälen ablichten und die Daten übertragen.

Das ganze wäre wohl noch jahrelang geheim geblieben, wenn jemand nicht die Abkürzung mit „Short Messaging Service“ verwechselt hätte und einen Link auf ein Dokument per SMS verschickte. Das Dokument wurde gelöscht, doch es war zu spät. Nun suchen viele in den NORAD Daten nach weiteren verdächtigen Objekten. So könnte auch der Start der Antares einen fest montierten SMS Satelliten umfassen. Es gibt dazu zumindest einen Hinweis: er erfolgte in einen 51,6 Grad Orbit wie auch alle Starts mit der Falcon. Von Wallops aus wäre für einen Erprobungsflug eine Inklination von 33 bis 38 Grad üblich gewesen, doch damit deckt der Satellit nicht die Regionen der Erde ab, die man fotografieren muss. Eventuell wird auch OSC weitere SMS Satelliten transportieren, denn auch diese Firma arbeitet an einem upgrade ihrer Rakete und die Nutzlast hat sich trotz stärkeren Castor 30A Antriebs um 700 kg gegenüber den Werten von 2009 erniedrigt.

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