Heute wieder ein Gastbeitrag. Diesmal (Premiere!) von Elendsoft:
Die schwebende Venussonde hat mich auf eine Idee gebracht. Für größere Höhen wäre eine Ballonsonde möglich, mit Wasser als Füllung. In einer fast nur aus CO2 bestehenden Atmosphäre hat Wasserdampf einen Auftrieb, der zwischen dem von Wasserstoff und Helium in Luft liegt. Das Konzept hätte eine Reihe von Vorteilen.
- Bei Temperaturen um die 100° kommt die Bordelektronik noch ohne so exotische Materialien wie Galliumarsenid-Halbleiter aus. (Für einzelne Bauteile hat man die GaAs-Technologie inzwischen recht gut in Griff, aber bei höher integrierten Schaltungen wie Prozessoren oder Speicher ist nichts zu machen.)
- Für die Energieversorgung sind Solarzellen möglich, hier dürften aber GaAs-Zellen wegen der relativ hohen Temperatur besser sein.
- Wasser kann leicht transportiert werden, es sind keine schweren Hochdruckbehälter nötig.
- Wenn der Ballon steigt, sinkt die Temperatur. Dadurch kondensiert Wasser und der Auftrieb geht zurück. Sinkt der Ballon wieder, verdampft Wasser und der Auftrieb steigt. So regelt sich die Flughöhe selbst, ohne Gas ablassen und Balllast abwerfen.
- Weil die Sonde nicht unter so extremen Temperaturen wie ein Lander arbeiten muß, ist eine deutlich größere Lebensdauer möglich. Mindestens einige Wochen, mit Glück auch Monate.
- Wegen dem geringeren Druck kann der Druckbehälter für die Sonde deutlich leichter werden.
- Die Ballonsonden könnten auch kleine Lander tragen, die nach und nach über interessanten Gebieten abgeworfen werden. Wenn die Ballonsonden als Relaisstation zwischen Lander und Orbiter arbeiten, kann die Sendeleistung der Lander gering sein. In der kurzen Lebenszeit der Lander kann sich der Ballon noch nicht all zu weit entfernen.
Das Problem dabei: Ist der Boden aus dieser Höhe überhaupt sichtar? Das müßte vorher durch Lander geklärt werden, die beim Abstieg Bilder übertragen.
So hat jeder Sondentyp seine Vor- und Nachteile. Sinnvollerweise sollten sie also kombiniert eingesetzt werden. Eine „vierstöckige“ Erkundung wäre so möglich. Lander am Boden, Schwebesonden in geringer Höhe, Ballonsonden in größerer Höhe und darüber Orbiter. Und als Ergänzung noch andere Sonden, die an der Venus zum Schwung holen vorbeifliegen.