Bernd Leitenbergers Blog

Nur ab 18 – Griechenlands 278 Milliarden

Kürzlich sah ich eine Sendung über die Werbung im Laufe der Zeit. Da kamen einige Spots so der berühmte Afri-Cola Spot (muss ich doch mal kaufen, wehe wenn sie wie andere Colas schmeckt) und einer der mich inspiriert hat:

https://www.youtube.com/watch?v=Vvj-W-OHs-U

„Die Schokolade ab 18“. Im Internet fand ich nichts was diese Schokolade nun „jugendfrei“ macht. Es gibt zwar Spekulationen über Pheromone drin, aber wer daran glaubt glaubt sicher auch an Fluorid im Trinkwasser und die daraus steigende Anzahl an impotenten Männern (Dr. Seltsam lässt grüßen). Ich glaube vielmehr dass sie nicht so süß ist weil sich mit dem Alter das Süßempfinden ändert. Kinder brauchen viel mehr Zucker um etwas als süß zu empfinden.

Aber ich fand den Spruch „Für alle ab 18“ so gut, dass ich ihn für den Blog übernommen habe. Okay, im Internet davon zu reden, das etwas nur „ab 18“ ist ist ziemlich weit gegriffen. Jugendschutz gibt es da ja nicht. Pornografie, Gewalt das alles gibt es für alle im Netz ohne Altersbeschränkung. Manche Pornowebseite schaltet eine Alibi-Seite vor „Ich bestätige, dass ich 18 bin – Eintreten“ und „Ich bin noch nicht 18 – verlassen“. Uhhh da wird mir ganz bange und sicher klicken dann alle Teenager auf die zweite Option … das ist genauso wirklichkeitsfremd wie die PKW-Maut.

Aber ich denke es passt trotzdem, denn man braucht doch eine gewisse geistige Reife für den Blog. Zumindest die häufigeren Kommentatoren sind auch deutlich über 18.

Ich spiele ja ab und an mit dem Gedanken auch hier mal „über 18 Themen anzuschneiden“, bin bisher aber der Versuchung wiederstanden obwohl das sicher den Besucherzahlen gut getan hätte. der Grund ist recht einfach: oben steht mein Name und die Themen sind dann doch persönlich gefärbt oder lassen zumindest Rückschlüsse auf den Verfasser zu.

Themenwechsel: Griechenland kommt ja seit einigen Wochen nicht mehr aus den Schlagzeilen raus. Wenn ich den Medien glaube hat die Regierung ja ziemlichen Rückhalt in der Bevölkerung, welche die Maßnahmen von EU, WWF und IMF als Gängelung und falsch ansieht. Nun verstehe ich nichts von den Maßnahmen der Trioika. Aber anscheinend treffen sie nur die Armen und ein Hauptproblem, dass die Reichen so gut wie keine Steuer zahlen scheint nicht gelöst oder nicht angegangen worden sein. So kann ich den Unmut verstehen. Es scheint sich auch sonst nicht viel geändert zu haben: So war Griechenland im letzten Jahr auf Platz 4 der deutschen Rüstungsexporte – das Land leistet sich ein Heer das seinesgleichen sucht. So hat Griechenland die größte Panzerarmee Europas, 1.800 Stück, nur zum Vergleich: die Bundeswehr hat von 4.500 Panzern nach der Wiedervereinigung auf 220 abgerüstet. Meiner Ansicht nach wäre es sinnvoll mal zu sehen, dass die Reichen auch mal zur Abwechslung Steuern zu zahlen und kosten zu senken z.B. durch Abrüstung.

Doch was nun kommt ist schon ein starkes Stück. Also man kennt es ja, dass nach einem Krieg der Verlierer Reparationszahlungen leisten muss. Das war sowohl nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 so, wie auch nach dem ersten Weltkrieg und gerade der zeigte ja, das dies (mit anderen Faktoren) nur letztendlich zum zweiten Weltkrieg führte. Nach dem zweiten Weltkrieg war man zumindest im Westen schlauer und verzichtete auf Reparationen und half sogar beim Wiederaufbau. Russland dagegen holte was nicht niet- und nagelfest war, verständlich nach den Zerstörungen durch die Wehrmacht, aber auch mit Auswirkungen auf die ostdeutsche Wirtschaft und als Folge zu einem Exodus nach Westen.

Das ein Staat nach 70 Jahren erneut Forderungen in höhe von 278 Milliarden aufstellt ist mir neu. Das hat einige Aspekte. Zum einen scheint der Großteil auf zerstörter Infrastruktur zu beruhen. 9,1 Milliarden stammen sogar noch aus dem ersten Weltkrieg, als Griechenland auf der Seite der Sieger stand. Also egal ob man verloren hat (zweiter Weltkrieg) oder gewonnen (erster Weltkrieg) man will Geld. Der grundlegende Ansatz (zumindest beim zweiten Weltkrieg, im ersten stand ja kein Deutscher in Griechenland, sondern man wollte bloß die eigenen Ausgaben ersetzt haben, nachdem man Deutschland den Krieg erklärt hatte) ist es ja die durch die Besatzung entstandenen Kosten ersetzt zu bekommen, bzw. das meiste sind verursachte Schäden. Den Ansatz halte ich im Prinzip für legitim. Doch was passiert wenn man das durchsetzt? wenn ich mir die Schäden ansehe die im zweiten Weltkrieg entstanden sind, und ein Großteil verursacht von Deutschland dann müssten wir über Jahrzehnte zahlen. Sicher wir bekämen dann auch vieles ersetzt, dann müssten England und die USA für die Zerstörungen durch den Bomberkrieg bezahlen.

Interessant ist ja der kleine Posten „9,1 Milliarden Forderungen aus dem ersten Weltkrieg“ stammen. Das sieht so aus, als könnte man praktisch Forderungen ewig lang stellen. Man stelle sich mal die Wirkung vor, wenn das so wäre. Nicht nur das Deutschland dann mit Forderungen (aus dem zweiten Weltkrieg) aus anderen Staaten wie Polen und der Tschechei/Slowakei rechnen kann. Man stelle sich vor, man könnte Forderungen nach beliebiger Zeit noch einklagen. Die Indianer könnten die USA verklagen, afrikanische Staaten aus denen Sklaven entführt wurden ebenso. Die meisten ehemaligen Kolonialstaaten könnten Frankreich, England, Italien und Belgien verklagen. Wenn man weiter zurückgeht wird es für Italien eng: man rechne mal die Zerstörungen aus der Zeit des römischen Reiches auf die heutige Währung hoch und wie viele Staaten davon betroffen sind. Israel kann von Ägypten, der Türkei und dem Irak Kompensationen fordern, schließlich stand das Land immer im Weg wenn Ägypter, Hetiter und Assyrer/Mede/Babylonier gegenseitig Krieg führten.

Von der Logik her müsste es eine Verjährungsfrist geben, auch um die Beziehungen zwischen den Staaten nicht zu vergiften, denn das das Deutschland von 2015 ein anders als das von 1941 ist, dürften selbst die Griechen nicht leugnen. Also bei allem anderen gibt es Verjährungsfristen, außer bei Mord. Bei Steuerbetrug sind es 10 Jahre, selbst bei einem Kapitalverbrechen wie Totschlag sind es 30 Jahre. Das ist meiner Ansicht nach eine gute Ausgangsbasis für eine Regelung. 30 Jahre wären nach dem Ende des zweiten Weltkriegs 1975 gewesen. Zu dem Zeitpunkt war in Deutschland nichts mehr von den Folgen des zweiten Weltkriegs zu spüren. Angesichts des Wirtschaftswunders hätte man wahrscheinlich schon Ende der fünfziger Jahre Kompensationen leisten können. Das hat die BRD auch getan, aber relativ wenig verglichen mit dem was heute gefordert wird. Wenn nach 30 Jahren, das ist mehr als eine Garantien ein Land nicht fähig ist zu zahlen, dann sollte man es lassen, denn dann glaube ich kommt das Land nicht mehr auf die Füße. Umgekehrt: wenn ein Land nach 30 Jahren keine Forderung stellt, dann hat es seine Chance vertan, genauso wie ein Verbrecher nicht mehr belangt werden kann wenn man ihn nicht mehr findet. Die Verjährung ist bei Verbrechen im normalen Leben eine sinnvolle Sache, irgendwann sollte eben etwas vergeben und vergessen sein, sonst könnte man noch eine Oma für einen Kaufhausdiebstahl als Teenager verklagen.

Die deutsche Argumentation mit dem „2+4“ Vertrag zieht in dem Ansatz Griechenlands Falle nicht, denn der war ja zwischen Deutschland und den Siegermächten. zumindest wenn man dem Ansatz „Kompensation von Kriegsschäden“ folgt. Nimmt man den anderen Ansatz „Der Verlierer zahlt“ der ja der Forderung aus dem ersten Weltkrieg zugrunde liegt, als es keinerlei direkte Konfrontation mit Griechenland gab, dann wären allerdings die 2+4 Gespräche das Ende der Forderungen. Griechenland hat nun mal den Balkanfeldzug verloren. Es gab britische Truppen in Griechenland weswegen ja auch der Einmarsch erfolgte. So gesehen gehört es zu den Verlierern. Die Siegermächte hotten dann stellvertretend für die besetzten Gebiete handeln müssen und die waren beim 2+4 dabei. Wenn man den 3+4 Vertrag als Schlussstrich unter den zweiten Weltkrieg ansieht, dann kommt man zur selben Einschätzung, was meiner Meinung nach auch vernünftig ist, denn sonst könnte man wirklich auf die Idee kommen nach beliebig langer Zeit Forderungen zu stellen.

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