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Philip Estridge

Einleitung

Die Geschichte des PC ist eng an einige Namen gebunden - Pioniere, Visionäre oder knallharte Geschäftsmänner. IBM verdank dabei sehr viel einem Mann: Phillip Estridge. Dieser Artikel befindet sich auch in druckbarer Form als PDF Datei zusammen mit anderen Kurzbiographien in dem Dokument "

Philip Estridge

Philip Estridge Als Ende der siebziger Jahre Apple und andere Firmen Computer verkauften, erregte dies auch die Aufmerksamkeit von IBM. Man hatte dort wie in anderen Herstellern von Großrechnern den PC Markt total unterschätzt. Man konnte sich nicht vorstellen, das man mit solch kleinen Maschinen arbeiten konnte, und das man nur zum Spaß einen Computer zu Hause hat. Doch die Kunden belehrten IBM eines besseren. Immer häufiger berichteten Mitarbeiter vom IBM Servicepersonal, das diese neuen Rechner sich bei ihren Kunden befänden um Dinge zu machen, die zu unwichtig für den Großcomputer waren oder einfach um unabhängig zu sein.

Eine Sitzung des Managements ergab verheerendes: Um einen PC zu konstruieren brauchte man 300 Leute und vier Jahre - IBM war schon damals eine eingefahrene große Firma mit nicht geradem schlanken Personalstand und langen Entscheidungswegen. Es kam im August 1979 zu einer Krisensitzung der Abteilungen. Einzig Bill Loewe, Leiter der Abteilung in Bocca Raton meinte man könnte einen PC in einem Jahr bauen. Er bekam die Chance in 14 Tagen sein Konzept vorzustellen und überzeugte damit den Vorstandsvorsitzenden. Er schickte den Manager Philip Estridge in die "Wüste" Bocca Raton, um dort mit dem Team um Loewe den PC zu entwickeln.

Sehr bald kristallisierte sich eines heraus: Der IBM PC war schnell und preiswert nur zu bauen wenn man keine IBM Teile nahm, sondern sich wie die anderen Hersteller bei der Halbleiterindustrie bediente. Auch mit der Software für so kleine Rechner hatte man keine Erfahrung und wand sich an Microsoft und Digital Research - mit den bekannten Folgen.

Obgleich man Philip Estridge bei IBM Hackermethoden unterstellte, weil er so ungewöhnliche Wege ging, war er doch ein Geschäftsmann, der darauf achtete das der neue IBM PC zwar konkurrenzfähig war, aber keine Bedrohung für IBMs andere Rechner. Man wollte Apple und nicht sich selbst Konkurrenz machen. Deutlich wird dies an der Architektur.

1980 als der IBM PC entwickelt wurde waren 8 Bit Rechner mit den Prozessoren Z80 und 6502 der Stand der Technik. Zwar gab es seit 1-2 Jahren die ersten 16 Bitter, doch eingesetzt wurden sie noch selten, da sie teurer waren. Zudem hatte man noch nicht einmal die 8 Bitter voll ausgereizt. Um den vollen Adressraum abzudecken brauchte man 32 RAM Chips à 16 Kilobit, das war so teuer, das nur wenige Maschinen mehr als 32 K RAM hatten. Doch Estridge entschied sich gegen 8 Bit. Damit wäre IBM als Konkurrent in ein Gebiet eingetreten, in dem andere schon dominieren, die Gefahr wäre gegeben, das der Vergleich gegen IBM ausging. Außerdem hatte IBM schon einen PC, den 801 mit einem, 8085 Prozessor auf dem Markt, der sich aus diesem Grunde schlecht verkaufte.

IBM PC Es musste also ein PC her, der auf 16 Bit basiert. Man könnte damit auch werben das er besser als die 8 Bitter sei. Nun gab es aber zwei Probleme: Erstens die leistungsfähigsten 16 Bit Prozessoren wie der Motorola 68000 brachten schon die Rechenleistung eines Minicomputers, also eines Rechners ab 100.000 DM aufwärts. Damit würde man sich selbst Konkurrenz machen. Es musste also der langsamste verfügbare 16 Bit Prozessor auf dem freien Markt sein. Das war der 8086 von Intel.

Gleichzeitig brauchte man Software dazu. Microsoft favorisierte XENIX, ein UNIX Derivat das sie entwickelt hatten. Aber XENIX hatte zwei Nachteile: Es brauchte alleine 100 K Speicher und eine Festplatte. Beides war zu teuer. Wie es dann zu dem nur 12 K großen MS-DOS kam wurde schon erzählt.

Das nächste war dann aber die Hardware um den Computer herum. Hier machte Estridge Anleihen an den Rechnern die er als Konkurrenz sah. Um die Kosten zu senken verwendete er 8 Bit Bausteine, was eine Version des Intel 8086 mit 8 Bit Datenbus, der 8088 Prozessor erforderlich machte. Diese war 50 % langsamer als ein 8086. Noch ein angenehmer Nebeneffekt. (Real war ein IBM PC eigentlich genauso schnell wie ein Z80 System mit 6 MHz, also nur unwesentlich schneller als die damals üblichen und preiswerten 4 MHz Systeme, die Textdarstellung war sogar langsamer). Er konzipierte den PC als offenes System - ähnliches hatte schon den Altair 8800 und Apple II erfolgreich gemacht.

Allerdings ging die Politik von IBM seltsame Wege. Der PC selbst wurde in Teile aufgeteilt die man separat kaufen konnte, so gab es Gehäuse mit CPU, Karte für Textdarstellung, Karte für Grafikdarstellung, Tastatur und Monitor sowie Diskettenlaufwerke separat zu kaufen. Betreiben konnte der PC auch an einem Fernseher, man hatte dazu die Taktfrequenz auf 4.77 MHz beschränkt (Ein Drittel der NTSC Frequenz (amerikanische Fernsehnorm) von 14.3 MHz) und als Speichermedium konnte ein Kassettenrekorder dienen. Das waren dann doch etwas zu starke Näherungen an den Heimcomputermarkt, für den der Rechner mit 3000 USD (monochrom) und 6000 USD (Farbe) entschieden zu teuer war. In Deutschland kosteten die ersten IBM PCs 11700 DM, in etwa der doppelte Preis eines ähnlich ausgestatteten Apple II. Die meisten PCs wurden mit einem oder zwei Diskettenlaufwerken verkauft. Auch hatte man den Gedanken den Rechner nur mit 16 KByte Speicher auszuliefern aufgegeben und lieferte mit 64 KByte Speicher aus. Für die meisten Anwendungsprogramme konnten Käufer aber den Preis für eine Speichererweiterung mit einkalkulieren, denn auch 64 K Speicher reichten nur für 2-3 Seiten Text bei der Textverarbeitung von IBM.

Das einzige, aber wichtigste Teil am Rechner war das BIOS. Es enthielt die grundlegenden Routinen zum Zugriff auf die Hardware und das Startprogramm für den Rechner. Anders als MS-DOS (das als PC-DOS verkauft wurde) hatte dies IBM selbst entwickelt. Dies verhinderte den Nachbau des Computers für die erste Zeit. Bis die Firma Compaq auf die Idee kam ein eigenes BIOS zu entwickeln, nachdem sie durch Reverse-Engineering die Funktion des IBM PC BIOS bestimmt hatten. Ab 1983 kamen dadurch eine Menge von Kompatiblen PCs auf den Markt. Die reinen MS-DOS kompatiblen PCs verschwanden dadurch von der Bildfläche.

Der IBM PC verkaufte sich nach Vorstellung am 12.8.1981 gut, ohne allerdings zuerst Apple Marktanteile zu kosten. Beide Firmen wuchsen. Dies änderte sich erst im März 1983 mit dem IBM PC XT - einem Rechner mit Festplatte, mehr Speicher und neuem Betriebssystem. MS DOS 2.0 war nun nicht mehr nur eine Kopie von CP/M 86 sondern integrierte neues: Unterverzeichnisse, FAT etc. Damit gewann auch Microsoft das Rennen gegen CP/M-86 und IBM gegen die 8 Bit Rechner.

Bis 1984 wurden anstatt geplanter 500.000 PCs über 2 Millionen verkauft. Auf ihn folgte 1984 der IBM AT mit 80286 Prozessor und 30 MByte Festplatte. Der Erfolg dieser Rechner war mit ein Verdienst von Philip Estridge. Er widerstand Abwerbungsversuchen von Apple, verunglückte jedoch schon bald darauf 1985 bei einem Flugzeugunfall und kam dabei ums Leben. Die Ursache: Die Computeranlage der Fluglotsen war ausgefallen...


Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensläufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.

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© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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