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Die rein pflanzliche Gemüsebrühe von M...i

Die Werbung

Eine bekannte Firma, führender Hersteller von Instantsuppen und -soßen und eigenem Werbungs-Kochstudio wirbt für die Gemüsebrühe von M...i. "Das besondere: rein pflanzlich" sagt uns ein attraktives Fotomodell, das dort kochen darf. Das ist doch auch was besonderes oder?

Die Wirklichkeit

Ja es ist schon was besonderes: Die Unverfrorenheit dieser Werbung. Bei Suppen ist es ja eigentlich wie bei Gesetzen: Wer Sie mag, sollte nicht wissen wie sie gemacht werden. Aber diese Werbung schreit geradezu nach Aufklärung. Schon seit langem weiß man, was aromatisch an Suppen schmeckt: Es sind zum einen heraus gelöste Aminosäuren und kleine Proteine aus wenigen Aminosäuren, zum anderen Nucleotide, das sind Bausteine der Erbsubstanz sowie Reaktionsprodukte dieser.

Das älteste - seit 1847 industriell hergestellte - Produkt der Fleischextrakt, der wie sein Name aussagt aus Rindfleisch durch Wasserextraktion hergestellt wird. Das Problem: Rindfleisch ist teuer und die Ausbeute liegt unter 4 %. Nun gibt es Proteine aber auch in pflanzlichen Produkten. So wird heute die Basis für Fertigsuppen aus pflanzlichen Proteinen hergestellt, die bei anderen Produkten als Abfall anfallen wie Weizen- und Reiskleber (fällt bei der Stärkegewinnung an), Soja-, Palmkern- und Erdnussschrot (bei der Ölgewinnung). Selbiges wird bei über 100°C gut mit Salzsäure gekocht, das spaltet dann die Proteine auf. Dann wird mit Natronlauge neutralisiert wodurch das ganze gleich gesalzen ist. Da pflanzliche Würzen arm an Nucleotiden sind, wird Hefeextrakt oder nach dem selben Wege gespaltete Hefe (billig als Abfall von Brauereien zu bekommen) hinzugegeben. Dieses ist reich an Nucleotiden. Bei diesem rein pflanzlichen Produkt ist sogar als Ausgleich für den fehlenden Fleischextrakt besonders viel davon drin: Einen Hinweis M...i: Hefen gehören zu den Pilzen und sind weder Pflanze noch Tier! Also nix mit "rein pflanzlich"!

Dann gibt man etwas Fett zu, bei normalen Würzen meistens Rindertalg, der ebenfalls preiswert ist und ein Abfallprodukt bei der Schlachtung von Rindern. Bei einem pflanzlichen Produkt kann man hier ein festes Fett wie Palmkernfett nehmen. Abgerundet wird das ganze durch die industriell hergestellte Aminosäure Glutaminsäure, die als Geschmacksverstärker für diese Fleischaromen fungiert.

Was ist nun mit dem, was man als Privatperson so in eine Suppe rein gibt? Nun bei normalen Suppen ist ein Gehalt von 670 mg/l Rindfleischextrakt vorgeschrieben, das entspricht weniger als 3 % der Brühwürfelmasse oder zirka 15 g Fleisch in einem Liter Wasser. Bei einer Gemüsebrühe kann man diesen teuren Stoff sogar noch einsparen und noch mehr billige pflanzliche Würzen nehmen. Gemüse spielt in den Suppen für den Geschmack keine Rolle, denn die Herstellung überleben die Aromastoffe bei dem hohen Zerkleinerungsgrad nicht, es geht hier vielmehr um optische Effekte.

Fazit

Klar ist nun das eine "rein pflanzliche" Gemüsebrühe eine Unverschämtheit ist. Schon normale als "Rindfleischbrühe" verkaufte Produkte bestehen vorwiegend aus pflanzlichen Stoffen, wenn man nun die letzten 3% Prozent tierisches Fett und Fleischextrakt durch pflanzliches Fett und pflanzliche Proteine ersetzt, so macht das am ganzen Produkt fast nichts aus. Der Hersteller spart nur noch ein bisschen an den Herstellungskosten und dafür erhöht er den Preis und verkauft das ganze auch noch als was besonderes. Ein gutes Beispiel wie man aus Abfall Geld machen kann. Aber irgendwer muss die Werbung mit den Fotomodels ja bezahlen.



Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.