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H. K. und 0 % Fett

Die Werbung

"Seit ich weiß, das sie kein Fett enthalten, kann ich gar nicht mehr genug davon bekommen.". So wird für Joghurt Gums von Katjes geworben. Wenn ich Frau Klum wäre, ich hätte diese Werbung nicht gemacht. Warum? Es ist Werbung mit einer Selbstverständlichkeit. Jeder weiß, dass Gummibärchen kein Fett enthalten, sie bestehen aus Wasser, Gelatine und Zucker. Wenn das Frau Klum nicht bekannt ist, so hinterlässt das keinen guten Eindruck. Offensichtlich muss man als (Super?) Modell nicht viel Wissen oder gar Intelligenz besitzen. Es wirft auch ein schlechtes Licht auf unsere Promis, die nach dieser Werbung ziemlich blöd sind. Dabei scheint Frau Klum doch sonst in Geschäftsdingen sehr clever zu sein, denn sie bekommt für diese Werbung 1.25 Millionen € pro Jahr. Hätte Sie da nicht sich mal für eine intelligentere Werbung einsetzen können?

Die Wirklichkeit

Das ärgerliche sind aber die in dem letzten Jahrzehnt rapide zugenommen Werbung mit (angeblich) gesundheitsfördernden Eigenschaften von Nahrung. Da stärken Joghurts die Abwehrkräfte, da sind Schoko-Milch Desserts gut fürs Wachstum. Es wird immer schlimmer, obgleich wir in § 17 Abs. 5a und § 18 LMBG eindeutige Regelungen haben, dass gesundheitsbezogene Werbung bei uns verboten ist. Dazu brauchen wir nicht erst die geplante EU Richtlinie, dieses Gesetz gibt es seit Jahrzehnten. Aber man braucht einen Kläger. Solange die Lebensmittelüberwachung personell unterbesetzt ist und vor großen Firmen kuscht wird sich da nichts ändern.

Wie wäre es wenn man mal mit ein paar anderen Tatsachen für die Joghurt Gums werben würde:

  1. Gums enthalten kein biologisch verwertbares Eiweiß (Sie enthalten zwar Eiweiß, aber der Körper kann es nur zur Energiegewinnung nutzen, da die essentielle Aminosäure Trypotphan fehlt, die in Gelatine nicht enthalten ist).
  2. Gums enthalten keinerlei Vitamine
  3. Gums enthalten keinerlei Mineralstoffe
  4. Gums enthalten keine Ballaststoffe
  5. Gums bestehen zu 76 % aus Zucker
  6. Gums haben mehr Energie pro 100 g als Marmelade und viele Wurstsorten
  7. Gums sind eine Mischung aus 6 % Gelatine, 76 % Zucker und 18 % Wasser, mit etwas Aroma und Farbstoffen
Lecker, oder doch nicht? Nicht das ich etwas gegen Gummibärchen oder andere Produkte habe. Sie sind eine Süßigkeit und wenn man sie in Maßen isst ist dagegen auch nichts zu sagen. Doch warum muss man diese Werbung machen ? Wäre es nicht überzeugender wenn Frau Klum den Geschmack hervorheben würde ? Es weiß doch inzwischen jeder, dass man auch von Nahrung dick werden kann die kein Fett enthält. Da kommt man sich etwas veralbert vor.

Nachtrag : Promis und Glaubwürdigkeit

Seit Februar 2005 macht Frau Klum eine neue Werbung: Diesmal nicht für Katjes sondern für MacDonald. Dabei könnten die Produkte unterschiedlicher nicht sein. Wurde bei der Katjes Werbung noch Wert darauf gelegt, dass diese wenig Fett enthalten (und damit für ein "Modell" das schlank sein muss so geeignet wären, als würde man nur von Fett dick werden). So geht es nun um Werbung für Fastfood: Fette Jogurt Drinks, Hamburger, süße Cola, Salats mit dickem Majonaise Dressing. Alles Produkte die sehr energiereich, fett, reich an Zucker und Stärke, arm an Vitaminen, Mineralstoffen und Belaststoffen sind. Außer der Gemeinsamkeit, dass Jogurt-Gums auch nicht gesund sind, haben beide Produkte fast nichts gemeinsam. Wie glaubwürdig ist dann solche Werbung, wenn ein Promi erst Werbung mit dem Argument macht "Davon wird man nicht dick" und dann für eine Kette Werbung macht, deren Essen nach verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen beim dauerhaften Genuss fettleibig macht ?

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.