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Die Haswell / Broadwell Mikroarchitektur

Die Haswell Mikroarchitektur ist die vierte und fünfte Generation Intels bei den Core Mikroprozessoren. Wie schon die vorherigen Generationen ist diese (2014 noch aktuelle) Architektur eine evolutionär verbesserte Form der Core Mikroarchitektur, welche wiederum eine verbesserte Version der P6-Pro Architektur des Pentium II und III ist. (Und diese geht wiederum auf die des Pentium Pro zurück).

Gemäß Intels Tick-Tock System wird die neue Architektur zuerst im schon eingeführten 22 nm Fertigungsprozess eingeführt ("4 Generation", Haswell). Dies geschah im September 2014. Dem folgte im September 2014 die Einführung der Broadwell Mikroarchitektur, die gegenüber Haswell leichte Verbesserungen aufweist, nun aber im 14 nm Prozess hergestellt wird. Zur Abfassung des Artikels gibt es von der Broadwell Architektur nur Mobilprozessoren. Mobilprozessoren profitieren von dem Dieshrink, also der Verkleinerung des Chips bei Einsatz von kleineren Strukturen besonders, weil kleinere Transistoren auch eine kleineren Stromverbrauch bei gleicher Anzahl an Funktionen haben. Ab Anfang 2015 werden dazu auch fest eingelötete Prozessoren z.B. für Mini-PCs kommen.

Zwischendurch gab es ab Juli 2014 einen Haswell-Refresh. Neben einigen Prozessoren mit etwas höherem Takt, war dies vor allem die Einführung der 6-Kerner und 8-Kerner im "Enthusiast" Bereich, so nennt Intel die Core i7 Serie.

In dem Nummerierungsschema haben die Haswell CPU eine "4" als erste Ziffer der vierstelligen Typennummer (z.B. Core I7-4670). Von dem bisherigen Schema abweichend erhielten die Prozessoren mit dem Haswell Refresh dann teilweise eine "5" als vierte Ziffer. Dies betraf beim Schreiben des Artikels nur die neuen Prozessoren der I7-Reihe mit 6 zw. 8 Kernen, wahrscheinlich um die Differenz zu den vorher eingesetzten 4-Kernern deutlicher zu machen. Die neuen 2 und 4-Kerner fügten sich in das alte Nummerierungsschema ein, so ist der Core I5-4670 ein Haswell von 2013, der Core I4-4690 ein Haswell vom Juli 2014.

Technische Beschreibung

Haswell ArchitekturWie schon bei den vergangenen Generationen waren die Änderungen in der Prozessorarchitektur übersehbar. Intel hatte vielmehr zwei andere Punkte auf der Liste: als Wichtigstes die weitere Reduktion des Energieverbrauches. Diesmal vor allem des Energieverbrauches bei niedriger Belastung. Das meist in Zeitschriften als "Idle Mode" bezeichnete Verhalten ist nicht ein Rechner, der schläft (in Windows : "Ruhezustand" genannt) sondern das typische Desktopszenario: Wenn ein Benutzer surft oder Texte schreibt, wird der Rechner so niedrig belastet, dass maximal ein Kern kurzzeitig aktiv ist und dazwischen viel schläft. Die anderen Kerne schlafen komplett. Intel spricht von einer Reduktion der Idle-Power um den Faktor 20 und bei batteriegetriebenen Geräten von einer doppelt so langen Arbeitsdauer mit derselben Batterie. Um dies zu erreichen, wurden auch zahlreiche Funktionen des Chipsatzes integriert und auch diese hatte Low-Power-Modes. Dies war wichtig, weil sonst das Motherboard mehr Strom verbraucht hätte als der Prozessor selbst. Es gab daher auch neue Chipsätze die gemeinsam hatten, dass sie eine "8" als erste Ziffer hatten. Erstaunlicherweise zog sich Intel selbst aus der Mainboard Fertigung zurück. Dieser Trend der Reduktion der TDP für Mobilprozessoren geht weiter: die ersten Broadwell Chips haben eine TDP von nur 4,5 Watt. Die Reduktion um den Faktor 20 gab es übrigens nur bei den U und Y-Versionen (Ultra Low Power, 5 und 15 W TDP), bei den normalen Mobilchips war die Reduktion des Energieverbrauchs nur 20%. Sie wurden gemeinsam mit den Desktop Chips mit TDP von 37-57 Watt gefertigt (Desktop 35-95 W, jeweils in 10 Watt Stufen). Die minimale Leistungsaufnahme liegt bei Desktopprozessoren bei 8-10 Watt, bei Ivy Bridge waren es noch 17 Watt. Es wurde auch ein neuer Stromsparmodus S6 eingeführt der noch niedriger als die bisherigen Stufen waren (je höher diese ist desto mehr wird abgeschaltet). allerdings haben auch Mitte 2014 viele Mainboard Probleme auf dem S6 Zustand aufzuwachen. Zudem brauchte man Betriebssystemunterstützung, die bei Microsoft z.B. erst in Windows 8 eingeführt wurde.

Zu dem Gewinn trugen auch Verbesserungen des Prozesses bei. Der bei Ivy Bridge eingeführte "Tri-Gate-Transistor" der mehr dreidimensional ist als die planaren Typen konnte in der Verlustleistung (leakage) um den Faktor 2-3 verbessert werden. Dafür wurde der Produktionsprozess mit nun 11 anstatt 9 Metalllagen komplizierter.

Das zweite wichtige an der Haswell-Architektur war die Steigerung der Geschwindigkeit der integrierten Grafik die bei der zweiten Nehalem Generation "Westmere" eingeführt wurde. Sie sollte vor allem in Ultrabooks die doppelte Geschwindigkeit bringen. Sie unterstützte DirectX 11.1 und vor allem "Media"-Aufgaben sollten schneller werden: nach Intels Angaben 5x fache Geschwindigkeit bei "Media" bei nur halbem Stromverbauch.

Im der internen Architektur war die wichtigste Neuerung dass eine vierte Ganzzahl-Recheneinheit (ALU) eingeführt wurde. Bei den Prozessoren ohne Hyperthreading brachte diese, zusammen mit den andern Verbesserungen nur moderate Geschwindigkeitssteigerungen (z.B. 8% beim Dhrystone Benchmark), da der Code schon vorher kaum die drei Einheiten auslastete. Von ihr profitierten die Serien mit Hyperthreading (Core I7 und einige Core I3). Hier konnten andere Threads besser die Funktionseinheiten auslasten und der Geschwindigkeitsgewinn stieg in der Spitze von 30 auf 50% an (gegenüber den Prozessoren ohne Hyperthreading und gleichem Takt). Intel gab als Durchschnittsgewinn bei der Core I7 Serie 41% über verschiedene Benchmarks an.

Wie bei den vergangenen Generationen auch hat man die internen Buffer die mehr Parallelität ermöglichen sollen erhöht:

Intel Core Architektur Buffer Größen  
  Conroe Nehalem Sandy Bridge Haswell Skylake
Out-of-order Fenster 96 128 168 192 224
In-flight Loads 32 48 64 72  
In-flight Stores 20 32 36 42  
Scheduler Entries 32 36 54 60  
Integer Register File N/A N/A 160 168 180
FP Register File N/A N/A 144 168 168
Allocation Queue ? 28/thread 28/thread 56 64/Thread / 64

Sandy BridgeHaswell PortsDie vier Decoder (drei für einfache, einer für komplexe Operationen) nutzten nun eine gemeinsame Queue für 56 Mikroops. Bei Sandy Bridge und Nehalem waren es für je zwei Decoder eine 28 Stufen Queue. Das kann den Durchsatz leicht erhöhen. Die Pipeline ist wie bei Sandy Bridge je nach Submodell 14 bis 19 Stufen lang. Unverändert war auch der Fetch der Instruktionen aus dem Cache (4-5 Operationen/Takt) und der Durchsatz der Decoder (4 Instruktionen pro Takt).

Bedeutsame Änderung war die "Wide Execution Engine". Alle dekodierten Instruktionen kommen schließlich zu den Ausführungseinheiten die wiederum an Ports hängen. Die Zahl dieser Ports blieb lange unverändert: Der Pentium Pro hatte 5 Ports (0-4), so auch Pentium II,III und die Core Mikroarchitektur. Nehalem führte Ende 2008 einen sechsten Port ein. Dabei blieb es für fünf Jahre. Für Haswell wurden nun gleich zwei Ports eingeführt. Noch bedeutsamer ist die Zahl der Einheiten, die an den Ports hängen. Wie die Abbildung zeigt, wurden diese stark erweitert. Es kamen sechs neue Einheiten dazu, davon alleine zwei nur für den FMA Befehl, Dieser lieferte bei der Haswell Architektur durch eine zweite Vektoreinheit die doppelte Performance der Sandy Bridge Generation. AVX sollte auch die Kodierung mittels SHA,RSA und AES Algorithmus um den Faktor 1,6 bis 2,4 beschleunigen. Dazu trugen auch neue Befehle für Ganzzahloperationen (bis 256 Bit Länge), Permutation, Indizierung und Hashing bei.

Die beiden neuen Ports erlauben das Speichern von Adressen und die schon erwähnten Ganzzahloperationen/Sprünge. Damit wurde das Verhalten bei Code der Ganzzahloperationen erhöht, davon profitiert auch Fließkommaintensiver Code, da dann Ports 1+2 belegt sein dürften. Ebenso entlastet die zweite Verzweigungseinheit den Port 0 an dem nun schon viele Einheiten hängen. Das Port 0 so viele Einheiten hat ist historisch gewachsen. Intel hat immer nur neue Einheiten integriert, niemals aber diese so auf die Ports verteilt, dass diese alle gleich viele Einheiten haben. Ports die Adressen oder Daten transferieren haben immer nur eine Einheit.

Die Cachegrößen blieben gleich groß (je 32 KB L1-Daten und Code  Cache und 256 Level 2 Cache pro Kern) und damit seit zwei Architekturen unverändert. Die Größe des L3-Cache variierte je nach Modell zwischen 2 und 8 MB. Er konnte nun auch von den TLB zur Speicherung von Seiteinträgen genutzt werden. Die Transferraten von Level 1 Daten- und Code Cache wurden auf 64 Byte/s verdoppelt, analog die Transferrate vom für Daten und Code gemeinsam genutzten L2-Cache.

Eher für Server interessant, ist die bessere Unterstützung der VT-X Technologie. Die Round-Trip Zeiten wurden seit der Einführung 2006 von 3500 auf 500 Taktzyklen erniedrigt. Als sie eingeführt wurde, war sie nicht schneller als eine Softwarelösung, nun beschleunigt die Hardware deutlich. Davon profitieren Server die mehrere Betriebssysteme mittels Virtualisierung gleichzeitig ausführen können. Beim Privatanwender, der ab und an einmal eine virtuelle Maschine startet um alte Windows XP Programme auszuführen ist dies eher unwichtig.

Die Grafik war nun in drei Ausbaustufen auf dem Prozessor integriert. Einige Modelle verfügten auch erstmals über RAM im Prozessor (128 MByte eDRAM, das "e" steht "Embedded"). Die anderen benutzen nur den Hauptspeicher gemeinsam mit dem Prozessor. Der Geschwindigkeitszuwachs durch das eDRAM soll zwischen dem Faktor 1,2 und 1,7 liegen. Dieses DRAM wird als Level 4 Cache gemeinsam von Prozessor und HD-Grafik genutzt. Es ersetzt also kein Grafik RAM im Hauptspeicher. Da die Fertigung von DRAM ein anderer Prozess ist als die Herstellung von Logik, wird dieser Chip separat hergestellt und erst im Gehäuse mit der CPU verbunden. Die Vorgehensweise ähnelt so dem Pentium Pro, bei dem der Level 2 Cache auch in eigenen Baustein steckte und im Gehäuse mit der CPU verbunden wurde.

Folgende Grafikversionen wurden eingeführt:

Die ersten Haswell Prozessoren neigten zur Überhitzung weil der Heatspreader, ein Bleich über dem Chip, das die Wärme über eine größere Fläche verteilen sollte, damit sie der Kühler einfacher abführen kann nicht plan aufsaß. Zudem lag die maximale Stromaufnahme um bis zu 15 Watt höher als bei Ivy Bridge.

Die neuen 6- und 8-Kern Versionen der Haswell-EP Serie unterstützen DDR-4 RAM (bzw. setzen sogar diesen RAM-Typ voraus). Da bei Markteinführung DDR4 Speicher nicht mit besseren Timings als DDR3 Speicher erhältlich ist, ergibt sich dadurch aber kein Performancevorteil.

Broadwell

Mit der neuen 14 nm Technologie die Intel Mitte 2014 einführte und damit weiter an der Technologischen Front steht ging ein Die-Shrink einher: Von 131 auf 82 mm², dabei stieg die Transistorenzahl eines vergleichbaren Prozessors von 1 auf 1,3 Milliarden an. (IRIS 6100 Grafik: 131 mm², 1,9 Milliarden)

Der die-Shrink auf 14 nm, Broadwell, wird anders als bei den vergangenen Architekturen nicht Haswell in allen Bereichen ablösen. Geplant sind Mobilprozessoren mit 3,5 und 4,5 Watt TDP und 10-15 Watt RDP. Dazu kommen Prozessoren für "All in One" Systeme, wie Mini-PC mit 37 und 45 Watt TDP und zwei oder vier Kernen. Die einzige Desktopvariante wird mit integriertem eDRAM sein, dazu gibt es zwei Linien für die Xeon Prozessoren. Die 3,5 und 4,5 Watt Typen erschienen im Juli 2014. Schon vorher hat Intel die zugehörigen Chipsätze H97 und Z97 ("9" als erste Ziffer) im Mai 2014 veröffentlicht. Mit 3,5 Watt TDP sind die ersten Broadwell noch deutlich stromsparender als die Haswell-Gegenstücke die bei 4,5 bis 6 Watt liegen.

Broadwell erweitert AVX durch neue Instruktionen für die Verarbeitung von großen Integer-Werten. Die Erweiterung von AVX auf 512 Bit, die erwartet wurde, wird wohl erst bei der nächsten Generation kommen. Entsprechend ist bei fast gleicher Architektur die Geschwindigkeit nur wenig angestiegen, um rund 3% bei gleichem Takt und gleicher Kernzahl verglichen mit Haswell. Dagegen gab es kleinere graduelle Verbesserungen. So sinkt die Latenz der Gleitkommamultiplukatoon von 5 auf 3 Taket, die Division wurde druch eine neue Tabelel beschleunigt. Die Out-OF-Order Puffer von 60 auf 64 Fenster erhöht und der Puffer zwischen L1 und L2 Cache von 1000 auf 1500 Einheiten. Diese Verbesserungen bringen etwa 5% mehr Instruktionen pro Zeiteinheit als bei Haswell, also ein eher geringer Vorteil.

Broadwell hat in vergleichbaren Prozessoren für (Haswell-Y, erste Broadwell für maximal 4,5 Watt RTDP) mehr Transistoren (1300 zu 960 Millionen), die wahrscheinlich auf die erweiterte Grafikengine entfallen. Bisher haben alle veröffentlichten Broadwellprozessoren die leistungsfähigste Grafik integriert. Der H264 Decoder soll leistungsfähiger als bei Haswell sein. Bei Benchmarks war die Grafik bei vielen Anwendungs- und synthetischen Benchmarks schneller als die Vorgänger, wenn auch der Gewinn sehr unterschiedlich war (zwischen 3 und 20%). Bei Spielen aber teilweise etwas langsamer, was auch noch an einer schlechten Unterstützung die die Treiber liegen kann.

Die-Analysen zeigen, dass der Großteil der Chip Fläche nun auf die Grafikeinheit entfällt. Bei normalen Prozessoren etwa 50% der Fläche, bei den Versionen eDRAM sind es sogar Zwei Drittel. Die neuen Grafikeinheiten haben 20% mehr Recheneinheiten 12,24 oder 48. (HD-5500, HD-6000 und IRIS 6100). Neu ist auch ein integrierter Soundchip, der zwar nur Stereo kann, aber bei einem Notebook den Stromverbrauch um 0,3 Watt senken kann, was die Laufzeit bei einem Modell von 7,2 auf 8,7 Stunden erhöht. Wie bei den letzten Generationen legt also die Grafikperformance überproportional zu. Gleichzeitig verbesserte Intel die Stromsparmechanismen. Ohne Nutzung von 3D Grafik ist die GPU nur noch mit einem Achtel des Hauptttaktes getaktet und sie kann sich, wenn nichts zu tun ist auch komplett abschalten.

Erst Mitte 2015, wenn auch Skylake als Nachfolgearchitektur erscheint, wird Broadwell auch im Desktopbereich Haswell ersetzen. Das ist ein Novum. Bisher führte Intel Prozessoren in allen Segmenten nahezu zeitgleich ein. Intel kann es sich leisten, weil die Firma nach eigenen Angaben mehrere Jahre Zeitvorsprung gegenüber anderen Chipherstellern wie Global Foundries und Samsung hat. Diese setzen derzeit den 28 nm Prozess ein (z.B. NVidia Grafikkarten und AMDs Prozessoren / APU). Ein Grund für den zögerlichen Wechsel dürfte auch sein, dass Intel Ende 2014 angab mit dem 22-nm-Prozess die höchste Ausbeute (Yield) an brauchbaren Prozessoren der bisherigen Intel Geschichte erreicht zu haben.

Intel erweiterte auch das Einsatzspektrum der stromsparenden Prozessoren. Waren diese ursprünglich nur Ultrabooks oder Notebooklangläufern vorbehalten, sind sie nun auch als Core I3/I5 und i/ Reihe für Mini-PCs wie Intels NUC und andere Geräte mit fest eingelöteten Prozessoren (BGA-Gehäuseform) zu finden. (15 Watt TDP, mit IRIS Grafik 28 Watt TDP).

Die Desktopprozessoren erschienen dann Ende März 2015. Sie sind erkennbar in der "5" als ersten Ziffer. Core i7-5775C und Core i5-5675C setzen als erste Prozessoren der Desktop-Serie die Iris Pro Graphic 6200 ein. Sie hat 48 Ausführungseinheiten und 128 MByte EDRAM. Dafür wurde der Cache auf 6 MByte verkleinert. Sie takten mit 3,3 bis 3,6 MHz bei einer TDP von 65 Watt (vorige Generation bei derselben Taktfrequenz: 84 Watt).

Sehr schnell hat dann allerdings Skylake die Broadwell Einheiten ergänzt. Intel soll Probleme mit der Ausbeute gehabt haben, sowohl bei Broadwell wie Skylake. Auch der Maximaltakt liegt noch niedriger als bei Haswell, was ebenso ein Indiz für Fertigungsprobleme im 14 nm Prozess ist.

Für den Durchschnittsanwender stellt sich Ende 2015 die Situation so dar, dass er zwischen drei Architekturen (Haswell, Broadwell und skylake) wählen kann von denen alle noch Prozessoren auf dem Markt sind. Die beiden neueren sind nur marginal (5-10%) im Durchschnitt schneller. Vorteile gibt es wenn man die spezifischen Vorteile ausnutzen kann - die Stromsparmechanismen bei Notebooks, die Unterstützung von 4K Ultra HD mit 60 Hz auf mehreren Bildschirmen oder die Hardarevideodekodierung und damit die Fähigkeit 4K Videos auch auf CPUS mit nur geringem Takt anschauen zu können. Dafür muss man dann auch tiefer in die Tasche greifen.

Geschichtliche Bedeutung

Die shotAls die Haswell Architektur erschien, war Intel schon lange in Desktopsystemen führend. Die Firma konnte in den vergangenen sieben Jahren AMD immer weiter zurückdrängen. Daher verwundert es nicht das man bei Haswell vorwiegend nicht an die Verbesserung der Desktop-Performance dachte, sondern an andere Marktsegmente. der Zuwachs an Performance (bei gleichem Takt und Kernzahl) war noch geringer als bei den letzten Architekturen. Gegenüber Ivy Bridge betrug die Geschwindigkeitssteigerung im Mittel:

Man sieht das die Verbesserungen vor allem bei der integrierten Grafik liegen. Während diese Steigerung bei den meisten Desktopsystemen keine Rolle spielt, weil Spieler trotzdem eine eigene Grafikkarte benötigen und für Office Aufgaben auch der Prozessor schon genug Performance hatte, ermöglichte sie für mobile Rechner eine erhöhte Grafikperformance. Das betraf Spielenotebooks (die gibt es aber auch mit separatem Grafikmodul z.B. von NVidia). Das spielte auch eine Rolle, weil bei diesen der Takt geringer ist, um Strom zu sparen. Der gleiche Gesichtspunkt ermöglichte einen Boom bei den Mini-PC, also PC in sehr kleinen Gehäusen. Hier fehlte der Platz für den Lüfter. Durch die schnellere Grafik konnten diese Systeme trotzdem hochauflösende Videos ohne ruckeln wiedergeben. Intel brachte mit dem NUC (Next Unit of computing) sogar ein eigenes Gerät in dieser Kategorie heraus.

Durch die vor allem bei niedriger Last bedeutend geringeren Stromverbrauch wollte Intel auch die Dominanz von ARM bei Smartphones und Tablet-PCs brechen. Bei Smartphones ist dies noch nicht gelungen, doch mit Schützenhilfe von Microsoft (die bei Gerätepreisen unter 300 Dollar Windows Bing kostenlos an die Hersteller abgeben) konnte man bei den Tablett-PCs deutlich an Marktanteilen gewinnen. Für diese Geräte sind stromsparende Prozessoren aus zwei Gründen wichtig: der passive Kühler kann dünner sein und damit das Gerät und die Batterie leichter und damit auch das Gerät (Smartphones und Tabletts werden in der Hand gehalten anstatt auf einem Tisch oder den Oberschenkeln abgelegt zu werden). Intel verweist in den Präsentationen auf den Gewinn durch Haswell hinsichtlich Betriebsdauer und der abnehmenden Dicke des Gehäuses (flachere Kühler, kleinere Batterie).

Ein drittes Segment, das in Zukunft mehr Bedeutung bekommen kann, sind Rechner die permanent laufen. In einem Privathaushalt sind das z.B. NAS Geräte (Network Attached Storage - zentraler Platz für Backups auf mehreren Platten, aber auch die Ablage von Daten z.B. von mehreren Computern oder mobilen Geräten) und Multimedia PCs die am Fernseher angeschlossen werden. Beide laufen 24 h am Tag und hier wirken sich 10 Watt verringerte Leistung im Niedriglastmodus deutlich auf die Stromrechnung aus: Das sind rund 87,6 KWh pro Jahr oder bei Strompreisen von 30 ct/KWh eine um 26,29 Euro geringere Stromrechnung. Auch in diesem Segment dominiert noch ARM.

Technische Daten
Erschienen: 1.6.2103 (Haswell)
Juli 2014 (Broadwell/Haswell-Refresh)
Transistoren: 960 Millionen Dualcore mit integrierter Grafik (Haswell)
1300 Millionen Quadcore mit integrierter Grafik (Haswell)
1700 Millionen Quadcore mit Iris Pro Grafik (Haswell)
1300 Millionen Dualcore mit integrierter Grafik (Broadwell)
1900 Millionen Quadcore mit Iris Pro Grafik (Broadwell)
Technologie: 22 / 14 nm
Taktfrequenzen: 2,2 bis 4,0 GHz (Haswell, Desktop ohne Turbo Power)
bis 4,4 GHZ (Haswell-EP)
Recheneinheiten Ganz/Fließkomma 4 ALU und 7 AVX Einheiten
Geschwindigkeit: 16.700 Dhrystones MIPS  und 4700 Whetstones pro Singlethread (Core i5-4690, 3,8 GHz, 4 echte Kerne)
19.000 Dhrystones MIPS und 4320 Whetstones pro Singlethread (Core i7-5820K (Haswell EP, 4,4 GHz 6 echte Kerne)
Spannung:
Gehäuse: LGA 1150, BGA 1364 und 1168
Speicher: 64 GByte physikalisch, 64 TByte virtuell
Datenbus: 64 Bit breit
Vorgänger: Sandy Bridge Mikroarchitektur
Nachfolger: Skylake

Quellen:

Haswell Architecture

Artikel erstellt am 22.12.2014

Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensläufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.

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© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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