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Einige häufige Fragen rund um das Thema Mineralwasser und seine Belastung

An dieser Stelle einige Fragen rund um Mineralwasser und Leitungswasser, seine Belastung mit Rückständen, die Unterschiede der einzelnen Wassersorten und ob man wasser selbst aufbereiten sollte.

Ist Mineralwasser gesünder als Leitungswasser?

Das kommt auf das Wasser an. Es gibt sowohl für Mineralwasser wie auch Leitungswasser gesetzliche Vorschriften. Beide Vorschriften setzen Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stoffe wie Pestizide, Schwermetalle oder anderes. Hier sind einige Werte bei Leitungswasser sogar noch strenger als für Mineralwasser. Einige Hersteller werben damit, dass ihr Mineralwasser aus sehr alten Wasserschichten stammt, also durch den fehlenden Austausch mit dem Grundwasser frei von Rückständen sein soll. Das kann dann bedeuten, dass keine Pestizide enthalten sind, aber trotzdem kann das Wasser Schwermetalle gelöst haben. Doch sollte man diesen Punkt nicht überbewerten, da Wasser keine bedeutende Quelle für Schwermetalle und Pestizide ist. Diese findet man eher auf Pflanzen oder in Tieren, die Pflanzen verzehrt haben. Genauso wird das Vorkommen von Medikamentrückständen, Hormonen und schwer abbaubaren Substanzen im Wasser diskutiert: da dies alles im Abwasser vorkommt, entweder weil wir es ausscheiden oder weil es in Wasch- und Spülmitteln vorhanden ist oder Medikamente in der Toilette entsorgt werden kann man es kaum vermeiden. Die Konzentration ist jedoch durch die Verdünnung im Wasser sehr gering und nach Ansicht vieler Experten zu gering um Wirkungen zu zeigen. Das war früher noch anders. So waren die ersten Tenside noch kaum abbaubar und da Waschmittel in großen Mengen verbraucht werden gab es bald Schaumberge auf den Kläranalagen. Heute sind zumindest von den waschaktiven Substanzen die meisten gut abbaubar. Theoretisch sind Pestizide und andere organische Rückstände durch eine Aktivkohlefilterung aus dem Wasser entfernbar, aber dies ist sehr aufwendig und teuer und wird daher  nicht gemacht,

Was bedeutsam sein kann, ist die Nitratbelastung. Nitrat gelangt durch Mineralstoffdünger ins Wasser. Pflanzen benötigen es zum Wachsen und es ist sehr gut wasserlöslich. Nitrat ist für Erwachsene kein Problem und bei Erwachsenen ist auch die Hauptquelle nicht das Wasser, sondern der Verzehr von Gemüse. Säuglinge mit einer noch nicht so ausgebildeten Enzymausstattung können ein Reaktionsprodukt, das Nitrit, nicht so schnell entgiften. Wasser für die Säuglingsernährung sollte daher weniger als 10 mg Nitrat pro Liter enthalten, dagegen liegt der Grenzwert für Trinkwasser bei 25 mg. Hier sollte man, wenn das Trinkwasser höher belastet ist, dann schon auf Mineralwasser ausweichen.

Für die Ernährung wichtig ist der Gehalt an zwei Mineralstoffen, das sind Calcium und Magnesium. Im Leitungswasser ist ein zu hoher Gehalt an diesen Mineralien unerwünscht, da sie beim Erhitzen sich an den Leitungen als Kalk ablagern oder chemische Verbindungen mit waschaktiven Substanzen wie Seife oder Tensiden eingehen. Mit Seife gibt es z.B. die „Speckränder“ an Waschbecken und Badewannen. Trotzdem gibt es, wenn das Grundwasser reich an diesen Mineralien ist, durchaus Leitungswasser, das sehr mineralreich ist, z.B. im Allgäu oder das Landeswasser in Baden Württemberg durch die Kalkgesteine im Untergrund.

Mineralwasser musste bis vor wenigen Jahren nicht nur eine „ursprüngliche Reinheit“ aufweisen und durfte nicht verändert werden, sondern musste auch mineralreich sein. Diesen letzten Passus hat die EU-Gesetzgebung gekippt, sodass Mineralwasser aus Frankreich oder Italien bei uns im Handel sind, die nicht mineralstoffreich sind. Von Mineralwasser zu unterscheiden ist Quellwasser. Quellwasser ist Wasser aus unterirdischen Vorkommen, welches aber Verunreinigungen aufweisen kann. Es muss den Kriterien für Trinkwasser entsprechen. Eine physiologische Wirkung muss nicht gegeben sein. Wie Mineralwasser darf es nicht chemisch verändert werden.

Tafelwasser ist abgefülltes Wasser (kann auch Leitungswasser sein), es darf – anders als Quell- und Mineralwasser – mit Salzen versetzt werden und auch weiter aufbereitet werden . Insbesondere die überregional gehandelten Marken sind relativ mineralienarm. Dies zeigt folgende Tabelle:

Wasser

Calcium

Magnesium

Fluor

Evian

78 mg/l

24 mg/l

0,02 mg/l

Vittel

91 mg/l

19 mg/l

0,14 mg/l

Volvic

11,5 mg/l

8 mg/l

0,20 mg/l

Apollinaris

94 mg/l

115 mg/l

0,68 mg/l

Aquarel

101 mg/l

22,7 mg/l

0,31 mg/l

Göppinger Mineralwasser

293 mg/l

93 mg/l

0,48 mg/l

Ensinger Mineralwasser

528 mg/l

124 mg/l

0,24 mg/l

Obernauer Löwensprudel

601 mg/l

82,7 mg/l

0,73 mg/l

Marius Quelle (lokale Billigmarke)

408 mg/l

85 mg/l

-

Landeswasser Baden-Württemberg

75,3 mg/l

10,6 mg/l

0,06 mg/l

Bodenseewasser

50,6 mg/l

7,71 mg/l

0,08 mg/l

Tagesbedarf

800 mg

300-350 mg

1,0 mg

Wer genau hinsieht, bemerkt, dass der Gehalt an Calcium und Magnesium der fünf großen Marken Evian, Vittel, Volvic, Apollinaris und Aquarell nicht höher liegt als der des Leitungswassers in Baden Württemberg. Gemessen am Tagesbedarf, müsste man mehr als 8 l Wasser trinken, um den Bedarf an Calcium zu decken und bei Magnesium sieht es teilweise noch schlechter aus. Daher kann man genauso gut Leitungswasser trinken, sofern man es „still“ mag, denn es enthält natürlich keine Kohlensäure. Wer auf Mineralstoffe Wert legt, sollte zu einem mineralstoffreichen Wasser greifen. Zwei Beispiele finden sich in dieser Tabelle. Mit diesen kann man dann auch einen signifikanten Anteil des Calcium- und Magnesiumbedarfs decken.

Wie viel Mineralwasser darf man am Tag trinken?

Nun zum einen natürlich weniger als die Menge ab der Wasser giftig wirkt (siehe S.189). Wünschenswert ist eine Zufuhr mindestens 1,2 l, besser 2 l Wasser.

Liegt man unterhalb der Grenze bei der Wasser zu einem Gift wird, so ist es egal, welches Wasser man zu sich nimmt. Mit mehreren Litern mineralstoffreichem Wasser kann man zwar mehr Calcium, Magnesium und Fluorid zu sich nehmen, als der Körper benötigt, doch dies hat keine gesundheitlichen Folgen – mit einer Ausnahme: Fluorid. Bei Fluorid liegt die Dosis, ab der das Element als toxisch eingestuft wird, nur wenig über der optimalen Dosis. Daher sollte man, wenn man viel Mineralwasser trinkt, eines wählen, das fluoridarm ist.

Als optimal werden 1 mg/Tag angesehen. Erste Veränderungen der Zähne (Fleckenbildung) gibt es schon bei 2 mg/Tag. Dies bezieht sich auf das Nahrungsfluorid. Fluoride sind leicht wasserlöslich, weswegen Wasser immer etwas Fluorid enthält.

Das Trinkwasser darf nach der Trinkwasserverordnung maximal 1,5 mg/l Fluorid enthalten. Der Gehalt ist aber regional stark schwankend. Die DGE schlägt eine Zufuhr über die feste Nahrung von 0,5 mg/Tag für Frauen und 1,0 mg/Tag für Männer vor. Die Gesamtzufuhr, inklusive Fluorid im Trinkwasser und Speisesalz, sollte bei nicht mehr als 3,1 mg/Tag bei Frauen und 3,8 mg/Tag bei Männern liegen. Das bedeutet, die Gesamtzufuhr über das Wasser sollte bei unter 2,5 mg/tag liegen.

Sollte man Wasser selbst filtrieren / entkalken?

Es gibt Geräte zu kaufen, mit denen man selbst Wasser filtrieren kann. Dabei strömt das Wasser durch eine Filterkartusche und sammelt sich unten in einer Kanne. Chemiker sehen diese Geräte sehr kritisch. Zum einen sind diese Kartuschen recht klein. Herkömmliche Säulenfilter, wie sie für die Entfernung von Ionen in Labors eingesetzt werden sind deutlich größer. Die Hersteller bleiben auch Angaben schuldig, wie effizient ihre Systeme sind, bzw. ob sie nach 50 l Wasser immer noch Kalk ausfiltrieren.

Verwendet werden zwei Methoden, oftmals kombiniert. Ein Ionenaustauscher tauscht Calcium und Magnesium gegen ein anderes Ion aus, z.B. Natrium. Dieses Prinzip kennen sie von der Spülmaschine. Dort müssen sie regelmäßig Regeneriersalz nachfüllen. Dieses enthält Natrium und verdrängt dann das gebundene Calcium und Magnesium wieder. Die Kartuschen in den Wasserfiltern sind dagegen Einmalsysteme und müssen nach einer bestimmten Menge ausgetauscht werden. Das macht das Wasser recht teuer.

Dazu kommen Aktivkohlefilter. Aktivkohle hat eine sehr große Oberfläche und ist unpolar. An ihr lagern sich daher organische Moleküle bevorzugt an und werden so gebunden. Damit kann man organische Rückstände wie Pestizide binden.

Sehr teuer, dafür wirksam ist eine Umkehrosmoseanlage, bei der das Wasser mit Druck durch durch eine semipermeable Membran gepresst wird. Es kann nur Wasser passieren. Man erhält destilliertes Wasser. Das Verfahren wird auch großtechnisch für die Herstellung von Trinkwasser aus Meerwasser verwendet. Für einen Privathaushalt dürfte sich eine Anlage mit Preisen ab 1.000 Euro zu teuer sein.

Tests ergaben aber, dass bei Filteranlagen mit Kartuschen nur der Gehalt an Kalk reduziert wurde, nicht aber die Mineralien vollständig entfernt. Dafür fanden sich in dem Wasser dann Schwermetalle wie Nickel und Zink: Diese wurden zuerst aus dem Wasser entfernt, dann aber später wieder ins Wasser abgegeben. Stand dieses so war die Konzentration deutlich höher als im Wasser aus dem Wasserhahn. Stiftung Warentest bescheinigte beim Test solcher Systeme dass sie selbst Kalk nur in kleinen Mengen binden und dann bei kalkhaltigem Wasser dann nach wenigen Litern die Filterwirkung rapide nachlässt. Legt man den Preis der Filter auf die generierte Menge um so fährt man mit dem Kauf von kalkarmen Wasser im Getränkehandel weitaus günstiger.

Die Filter haben eine große Oberfläche, da nur an dieser Stoffe gebunden werden. Dadurch sind sie aber auch ein idealer Nährboden für Keime. Sie müssen regelmäßig erneuert werden, sonst verkeimen sie, und trotzdem kann dies auch bei regelmäßigem Auswechseln vorkommen, schlicht und einfach weil sie keine abgeschlossenen Systeme sind und nicht sterilisiert werden können.

Nach Ansicht von Experten sind Kartuschenfiltersysteme nutzlos bis gefährlich (Verkeimung). Wer nur weiches Wasser für die Zubereitung von Kaffee oder Tee benötigt, kann auch ganz einfach Wasser abkochen, dabei werden auch alle flüchtigen Stoffe entfernt und dann nach dem Abkühlen nur die oberste Schicht verwenden. Kalk sollte ausfallen und auf dem Boden oder sich an der Topfwand ablagern.

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


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