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Noname Produkte oder Marke - nur Aufpreis für die Werbung?

Werbung

Es gibt Produkte, für die sehen Sie nie Werbung. Es handelt sich um Hausmarken von Supermarktketten, "weiße" Marken oder Noname Produkte. Eine häufige Frage an mich ist, ob diese genauso gut wie die normalen Marken sind, oder ob diese nur wegen der Werbung so teuer sind.

Die Wirklichkeit

Wie auch sonst oft im Leben, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Aber es gibt einige typische Fälle.

Fall 1: Ein Markenhersteller fertigt auch Noname Produkte

Dies habe ich selbst bei der Betriebsbesichtigung von Pfanni gesehen, die nicht nur ihre eigenen Produkte fertigen, sondern auch andere Marken. Darunter die einer bekannten Supermarktkette. Warum? Nun wenn es Pfanni nicht macht, dann andere Hersteller. So lastetet man wenigstens seine Produktion aus. Trotzdem ist Pfanni nicht arm dran, denn was dort für die Supermarktkette produziert wird, ist Mainstreamware, also das was am häufigsten geht. Spezialitäten dagegen gibt es als Noname Produkte selten. Pfanni ist ein Beispiel wie ein Noname Produkt identisch mit einem Markenprodukt sein kann.

Fall 2: Die Kleinigkeiten machen den Unterschied

Für Waschmittel gibt es in Deutschland nur wenige Hersteller. Diese fertigen alle Waschmittel die auf dem Markt sind. Egal ob sie ein Noname Produkt kaufen, eines der Billig-Marken ("Spee") oder eine bekannte Marke - alles kommt von einem Hersteller. Ja teilweise wirbt ein Hersteller für mehrere Produkte. Sind alle gleich? Nein! Auch wenn Waschmittel vielleicht in der Reinigungswirkung identisch sind, für viele Verbraucher zählen auch andere Aspekte - Die Form (Pulver, Perlen, Tabs, Flüssig), Konzentration vor allem aber Additive. Weichspüler machen Wäsche weich, Parfümstoffe sorgen für einen guten Geruch, optische Aufheller für ein noch strahlendes Weiß (Persil) - Es ist sind diese "Extras" die Marken und auch Noname Produkte unterscheiden. Das ist nicht zu unterschätzen. Mancher Verbraucher schwört eben auf eine gut riechende Wäsche, ein besonderes strahlendes Weiß oder einen weichen Griff. Auch wenn die Wäsche identisch sauber ist entscheiden solche Kleinigkeiten über die Bevorzugung von Marken - oder eben nicht. Dieses Beispiel gilt auch für andere Produkte die man leicht modifizieren kann wie z.B. Kosmetika.

Gerade bei letzteren gibt es neben Marken ja dann auch noch Luxusmarken. Ähnliches findet man auch in anderen Marktsegmenten. Hier bezahlen sie dann wirklich den Namen noch extra. Tests von Hautcreme, zeigten, das Luxusmarken wie L'Oreal, Vichy oder Jil -Sander sich qualitativ nicht von Billig- oder Markenware unterscheidet. Oftmals wurden diese sogar allergisch schlechter bewertet, durch Konservierungsstoffe und Parfümstoffe.

Fall 3: Der qualitative Unterschied

Zuletzt gibt es dann noch wirklich den qualitativen Unterschied. Entweder ist er wirklich an den Zutaten festzumachen, wie eine Nuss-Nugatcreme mit viel Pflanzenöl und weniger Kakao oder in der Herstellung. Bei Schokolade z.B. bestehen die Unterschiede zwischen den Marken im "Conchieren", das ist ein Vorgang bei dem die Schokoladenmasse einige Stunden bis mehrere Tage, in riesigen Mixern bei leicht warmen Temperaturen durchgemischt wird. Dadurch entsteht nicht nur der Schmelz durch Umhüllung der Kakaoteilchen durch Fett, sondern es finden enzymatische und chemische Reaktionen statt die das Aroma entscheidend prägen. Es gibt die Möglichkeit das schnell in einigen Stunden zu machen oder lange über einige Tage - klar das man so weniger Schokolade herstellen kann oder mehr Maschinen braucht. Auch dadurch sind Markenprodukte abgesetzt von den billigeren Produkten, auch wenn die Zutaten identisch sind. Das schmecken Sie aber auch. Das gilt für eine Reihe von Produkten bei denen Sie eben dann selbst feststellen müssen was Ihnen wie viel wert ist. z.B. schmecken für mich Noname Paprikachips nicht so gut wie Markenware, aber 4 mal mehr dafür will ich auch nicht zahlen.

Durch die neue Lebensmittelkennzeichnungsverordnung ist es für den Verbraucher einfacher geworden solche Unterschiede festzustellen. So müssen Wertgebende Anteile in ihrer Menge angegeben werden. Ein wertgebender Anteil ist meistens etwas das in der Bezeichnung oder dem Namen drin steht oder von dem man erwartet das es im Produkt ist: Kakao in Kakaogetränken, Butter in Butterkeksen, Sahne in Cremeeis, Champions in Championcremesuppe etc.

Fazit

Sie sind gefragt: Was ist Ihnen wichtig und was ist es Ihnen wert? Tests von Verbraucherzeitschriften oder ähnlichem können eine Hilfe sein. Schlussendlich ist aber ihr eigener Sachverstand gefragt. Es gibt keinen pauschalen Merksatz wie "beworbene Produkte sind überteuert" oder "Noname ist Schrott".
Zum Recherchieren: http://www.wdr.de/tv/service/geld/inhalt/20020606/b_1.phtml



Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen.  Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. die zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung trägt (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren naschschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten frage wechseln habe ich mich auf 187 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 332 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen. 2015 erschien eine Neuauflage mit 60 Seiten und 33 Fragen mehr.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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