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PISA und die Werbung

Die Werbung

In der letzten Zeit findet man immer mehr Werbung bei denen bei Nahrungsmitteln Kalorien verglichen wird. Aber nicht mit Nahrungsmitteln der gleichen Art, die fettreduziert oder ohne Zucker sind, sondern mit völlig anderen. So wirbt ein Hersteller von Fruchtquark damit, dass dieser 50 % weniger Kalorien habe als Marmelade und preist ihn als Brotaufstrich an.

Ein Hersteller von Schokopudding betont, sogar dass dieser nur ein Fünftel des Fetts von Schokolade habe und preist auch ihn als Schokoladenersatz an.

Die Wirklichkeit

Ignorieren wir einmal, dass in der Werbung lächerliche 27 Jahre nach Einführung von Joule als offizieller Einheit für Energie in der Werbung immer noch von Kalorien die Rede ist. Kommen wir auf den Vergleich. Eigentlich sollte doch klar sein, dass man nur Dinge vergleichen kann die vergleichbar sind. Es macht überhaupt keinen Sinn die Kalorien von einem Lebensmittel mit dem eines anderen zu vergleichen, wenn man die Verzehrsmenge nicht kennt. Beispielsweise nehmen die meisten Menschen erheblich mehr Kalorien in Form von Kartoffeln zu sich als in Form von Schokolade. Ganz einfach deswegen, weil viel mehr Kartoffeln gegessen werden. Sollten wir deswegen Schokolade essen um Kalorien zu sparen ?

Die Gesamtenergie eines Lebensmittels resultiert aus der Energie pro Gramm und der Menge :

Gesamtenergie = Energiegehalt x Menge

Das ist eine Formel und ein Zusammenhang, den Hauptschüler in den unteren Jahrgangsstufen verstehen und berechnen können. Wenn die Werbung trotzdem nur auf den Energiegehalt abhebt so nimmt sie wohl an das ein Großteil der anvisierten Konsumenten verblödet ist. Für diese Tatsache spricht neben der seit 27 Jahren nicht mehr gebräuchlichen Einheit Kalorien (selbst Autohersteller geben inzwischen die Leistung in kW und nicht PS an) wohl auch das insgesamt niedrige Niveau der deutschen Werbung. Wenn man im Fernsehen nachmittags über Privatsender oder 9live zappt kann man auch wirklich den Eindruck haben, PISA steht nicht nur für die Leistungen der Schüler sondern auch die Bildung der Erwachsenen.

Machen wir es konkret:

Wenn man das Brot wie in der Werbung mit einer dicken Quarkschicht und einem fetten Belag oben drauf belegt, dann ist es egal das der Fruchtquark nur 50 % der Energie von Marmelade hat. Der Belag ist viel dicker als bei Marmelade. Eigene Versuche mit selbst gemachtem Fruchtquark ergaben dass man selbst bei dünnerem Auftragen meist mehr als die doppelte Menge der Marmelade braucht. Die Werbung ist um so unverständlicher, weil ein Fruchtquark ernährungsphysiologisch vorteilhafter ist als Marmelade. Diese besteht weitgehend aus Zucker. Fruchtquark dagegen auch noch aus Milcheiweiß und Milchfett, Calcium und einigen Vitaminen.

Noch klarer wird dies bei dem Schokopudding. Eine Portion hat je nach Hersteller 150-200 g. Bei 600 KJ pro 100 g entspricht dies einem Energiegehalt von 900-1800 KJ, also dem von 40-60 g Schokolade, also etwa einer halben Tafel. Der Autor hat kein Problem einen Schokopudding nebenher zu essen, doch er würde nicht eine halbe Tafel Schokolade am Stück essen. Die meisten essen ein Rippchen, das ist je nach Hersteller der Tafel etwa 16-25 g Schokolade. Auch hier nimmt man in jedem Falle mehr Energie zu sich. Das liegt vor allem an der Sahneportion die oben drauf kommt. Ernährungsphysiologisch ist dabei ein Schokopudding auch nicht Schokolade überlegen, weil beide aus Kakao, Zucker und Milch bestehen.

Seit auf einigen Packungen nun auch zusätzlich zu den bei vielen Produkten sowieso vorgeschriebenen Nährwertangaben nun auch noch Nährwertangaben pro Portion auftauchen wird die Verdummung noch besser: Schauen sie mal auf die Portionsmenge! Also nur mal zwei Beispiele dir ich gesehen habe:

Ich weiß nicht, wollen die Hersteller überhaupt ihre Produkte verkaufen wollen: Wenn sie also davon ausgehen, dass nur ein Keks pro Portion reicht, dann sollet die Packung knapp 2 Wochen reichen und die Chips Packung auch 10 Tage....

Wir immer bleibt und also die Weisheit: Werbung lügt oder manipuliert uns.

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.