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Planetenmissionen

In meinen Raumsonden Aufsätzen sind die Missionen zu den Planeten nach diesen gegliedert. Einige Sonden auch besonders hervorgehoben. In diesem Artikel geht es um die Erforschung der Planeten im Gesamtzusammenhang, wobei ich mich um eine geschichtliche Gliederung bemüht habe. Aus historischer Sicht ist eine grobe Einteilung in 4 Perioden zweckmäßig

Der Aufbruch - Das erste Jahrzehnt (1959-1969)

Venera 1 (1961)Sehr bald nach den ersten Satelliten begannen sowohl die UdSSR wie auch die USA erste Schritte weg von der Erde. Vorläufer des bemannten Wettlaufs zum Mond war der unbemannte Wettlauf, der innerhalb eines Jahrzehnts die schnellen Schritte von dem Vorbeiflug, dem Orbiter bis zur Landung einer Sonde durchlief. Dies war natürlich in einem engen Zusammenhang mit der bemannten Mondlandung zu sehen. Man benötigte genaue Karten der Landegebiete - genauer als die 1 km genauen Fotos von der Erde aus. Landesonden sollten die Tragfähigkeit des Mondbodens und seine physikalischen Eigenschaften erforschen.

Auf amerikanischer Seite gab es hier zuerst das Ranger Programm - Aufschlag von Sonden auf dem Mond, dann die Lunar Orbiter und Surveyor Landesonden. Die UdSSR starteten unter der Sammelbezeichnung Luna zuerst Vorbeiflugsonden, dann Landesonden und Orbiter, legten dann jedoch eine Pause ein, die in ein zweites Programm mündete, welches erheblich leistungsfähigere Sonden umfasste.

In diesem Jahrzehnt gab es nur Flüge zu den beiden nahen Nachbarplaneten Venus und Mars. Vorbeiflugsonden sollten erste Erkenntnisse liefern bevor man schwerere Orbiter senden wollte. Zudem standen leistungsfähige Raketen und Technik die über längere Zeiträume als einige Monate funktionierte nicht zur Verfügung. In den USA gab es das Marinerprogramm, welches alle Planetensonden umfasste. Die Sowjets benannten die Sonden dagegen nach dem Zielplaneten. Die USA starteten Mariner 1,2, und 5 zur Venus und 3,4,6,7 zum Mars. Die Sowjets entwickelten ein Venus- (Venera) und Marsprogramm und begannen bei der Venus recht bald mit dem Versuch eine weichen Landung. Das Marsprogramm war weitaus weniger erfolgreich. Keine einzige Sonde erreichte den Planeten funktionstüchtig.

Auch die USA hatten in der Anfangsphase ihres Planetenprogramms Ausfälle - 6 von 9 Ranger Sonden scheiterten. Diese legten sich ab 1965. Bei den Sowjets blieb dagegen die Fehlstartrate sehr hoch, wobei die meisten Sonden einem Versagen der Trägerrakete zum Opfer fielen. Im Interplanetaren Raum gab es von amerikanischer Seite aus das Pioneer Programm. Die Sowjetunion nutzte ihre stärkeren Trägerraketen zum Mitführen von Instrumenten an Bord der Planetensonden um den interplanetaren Raum zu erforschen. Es gab kein spezielles Programm für interplanetare Sonden.

Charakteristisch für diese Zeit war auf beiden Seiten eine hohe Quote an verlorenen Sonden. Auf beiden Seiten traf dies vor allem auf die frühen Mondsonden zu, das amerikanische Pioneer P Programm, das keinen erfolgreichen Start verbuchen konnte ist sogar heute weitgehend vergessen.

Die Blütezeit der Planetenmissionen (1970-1980)

Voyager (1977)Die meisten Missionen, die in den Siebzigern gestartet wurden haben ihre Planung Ende der Sechzigern genommen, als sehr viel Geld für Planetenmissionen als Nebenprodukt des Mondwettrennens abfiel. Man ging nun dazu den Vorbeiflugsonden Orbiter und Lander folgen zu lassen. Dabei zeigte sich bald ab, das die USA kein Interesse an der Venus hatten, während die Sowjets unter großen technischen Schwierigkeiten (auf der Venusoberfläche herrscht ein Druck wie in 900m Wassertiefe und eine Temperatur von 480°C ) auf eine weiche Landung auf der Venus hinarbeiteten und diese auch 1970 mit Venera 7 erreichten. 1975 machte Venera 9 die ersten Oberflächenaufnahmen von einem anderen Planeten. Gegen Ende des Jahrzehnts starteten auch die Amerikaner ihre bislang umfassendste Venus Mission: Pioneer Venus bestehend aus einem Orbiter und 4 Atmosphärenkapseln.

Weitaus weniger erfolgreich war das sowjetische Marsprogramm: Von 1971-1973 wurden nicht weniger als 8 Sonden zum Mars geschickt - 4 Lander und 4 Orbiter. Doch nur ein Orbiter war erfolgreich und sandte über einige Wochen einige Bilder zur Erde. Anders als die USA arbeitete die SU auch noch in den siebziger Jahren an einem Mondprogramm. Nachdem klar war, das es keine bemannte russische Landung geben würde, entwickelte man Landesonden die unbemannt Proben nehmen sollten, Lunochods - steuerbare Rover die zusammen fast 50 km zurücklegten und ausgeklügelte Orbiter. Die letzte Mondsonde Luna 24 startete erst 1976. Dabei beweisen die Sowjets trotz einiger Misserfolge erhebliches technisches Geschick.

Die Amerikaner starteten in diesem und auch dem nächsten Jahrzehnt keine Mondsonden mehr. Stattdessen konzentrierten sie sich auf den Mars. 1971 kartographierte Mariner 9 den Mars und 1976 landeten die bislang komplexesten Planetensonden Viking 1+2 auf dem Mars. Zur Venus sandten die Amerikaner nur 1978 die Pioneer Venus 1+2 Missionen - wesentlich weniger komplex als die Mariner Sonden.

Dafür wurde nun die Erforschung auf die anderen Planeten des Sonnensystems ausgedehnt: 1973 startete Mariner 10 zum Merkur und 1972/73 Pioneer 10+11 zum Jupiter. Den Abschluss und die wohl erfolgreichste Mission war jedoch die der Voyager Raumsonden. 1977 gestartet passierten Sie nacheinander Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Letzteren erst 12 Jahre nach dem Start.

Das dunkle Jahrzehnt (1981-1991)

Giotto (1985) Mit dem Ende des Wettlaufs zu den Planeten wurde es still in der Planetenforschung. Die Sowjetunion verfolgte noch ihr Venusprogramm weiter mit den Flügen von Venera 11-14 und Vega 1+2, machte jedoch erst 1988 wieder einen Startversuch zum Mars, die Phobos 1+2 Mission. Diese bisher komplexeste russische Marsmission scheiterte jedoch. Dafür begann mit den Sonden zu Halley VeGa 1+2 die Zusammenarbeit mit Europa, die in der Mars 96 Mission gipfeln sollte.

Auch in den USA nahm das Interesse an der Planetenforschung ab. Zuerst erforderte der Space Shuttle erhebliche Mittel bei insgesamt rapide sinkendem Budget, dann kamen ab 1984 noch die Planungen zu Freedom und SDI dazu. Hinzu kamen zwei Präsidenten die der Weltraumforschung nicht viel Interesse entgegen brachten - Carter und Reagan, der sogar persönlich Projekte stoppte.

So starteten in den achtziger Jahren die ESA genauso viele Raumsonden wie die USA - 2 Stück. Die Kometensonde Giotto und die Sonnensonde Ulysses. Auch die ersten Raumsonden Japans stammen aus dieser Zeit. Die USA starteten erst 11 Jahre nach Voyager wieder eine Raumsonde: Galileo, deren Planung noch in der Carter Regierung begann, aber erst unter Bushs Regierung startete, sowie Magellan, einen einfachen Venus Orbiter hergestellt aus Ersatzteilen anderer Missionen. Während Magellan die Erwartungen weit übertraf, ist Galileo durch den Ausfall der Hauptantenne hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Inzwischen gab es auch Änderungen in der Nomenklatur. Waren bisher Sonden Teil einer Serie und bekamen eine Nummer, so waren es nun Namen von Entdeckern. Dies sollte sich schon im Discovery Programm wieder ändern. Heute heißen Sonden nach ihrem Missionsziel und einer (manchmal poetischen) Beschreibung was man sich von Ihnen erhofft.

Ein neuer Aufbruch (1992-2000)

Mars Odyssey (2001)Die neunziger brachten weitere Umbrüche in der Welt und in der Forschung. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR schrumpfte auch deren Raumfahrtprogramm. Das ehrgeizige internationale Mars Programm musste um 2 Jahre verschoben werden und scheiterte doch durch Versagen der Trägerrakete, Mars 96 war die letzte Raumsonde der UdSSR, gestartet 11 Jahre nach Phobos, der vorletzten Raumsonde.

In den USA wurden zunächst neue große Raumsonden aufgelegt - Mars Observer und Cassini, zusammen mit der europäischen Huygens Sonde. Nach dem Scheitern des Mars Orbiters und der erfolgreichen experimentellen Mondsonde Clementine legte die NASA ein neues Konzept auf: "Cheaper, faster, better". Raumsonden sollten einfacher, schneller verwirklicht und preiswerter sein. Zuerst schien dieses Konzept aufzugehen. 1996 starteten NEAR zu Eros, Pathfinder und Global Surveyor zum Mars. In der Folge kamen weiter Sonden zu Kometen und dem Mars hinzu. Doch Ende des Jahrzehntes kamen auch mehr Rückschläge - Verzögerungen beim MGS und NEAR, Ausfall der 1999 er Marsmissionen, wenige Ergebnisse von Pathfinder und DS-1.

Vor allem von Wissenschaftlern wurde die öffentlichkeitswirksame Ausrichtung auf den Mars und Asteroiden / Kometen bemängelt getreu dem Motto "Suche nach den Ursprüngen des Lebens". Während die Erforschung der äußeren und inneren Planeten zurückblieb. Ab 2000 verschärfte sich die Lage mit dem Streichen der wenigen Missionen ins äußere Sonnensystem, während gleichzeitig die Marsmittel nochmals erhöht wurden.

Anstelle der UdSSR folgen nun andere Weltraumnationen nach. Die ESA wird von 2003-20012 mindestens fünf Raumsonden starten: Zum Mars, Venus, Kometen Wirtanen und Merkur und zum Mond. Eine weitere Raumsonden ist geplant. Japan hat nach den 1985 gestarteten Kometensonden eine Marsmission und eine Asteroidenmission gestartet. Weitere geplante Missionen gehen zum Mond. Selbst Indien arbeitet an einer Mondmission. Wie in den USA sinken auch bei der ESA die Budgets. Anders als dort werden aber Programme nicht kurzfristig eingestellt, weil ein neuer Präsident andere Vorstellungen von der Raumfahrt hat.

Die Zukunft scheint zumindest für die Marsforschung rosig zu sein. Gleiches gilt für Asteroiden und Kometen. Andere Planeten haben weniger Glück. Pluto wird nach längeren Verzögerungen nun doch einen Sondenbesuch bekommen, wenn womöglich auch zu spät um die Atmosphäre untersuchen zu können. Damit wäre auch der letzte Planet im Sonnensystem zumindest einmal besucht worden.

Krieg statt Forschung (2000-2008?)

StartübersichtVon den Discovery Missionen ist man in den letzten Jahren wieder abgekommen, weil es zu viele Rückschläge gab. Wie es vor allem in den USA weitergehen wird ist offen. Die neue "Space Initiative" von Präsident Bush hat zwei Effekte. Zum einen gibt es kurzzeitig neue Missionen zum Mond als Vormissionen für eine bemannte Landung. Langfristig zieht diese aber Mittel von der Erforschung der Planeten ab, da die bemannten Flüge auch durch Einsparungen in anderen Ressorts finanziert werden sollen. So wurde ein Kommunikationsorbiter der 2009 zum Mars starten sollte gestrichen.

Die zweite Hälfte der ersten Dekade wird daher eine Verlagerung sehen: Unter Bush gab es nur eine neu genehmigte Sonde, New Horizons welche 2006 startet. Alles was seitdem startete wurde schon unter Clinton genehmigt und so werden die Starts ab 2007 abnehmen. Dafür sieht man mehr Missionen von Europa (Ende 2005 waren 5 europäische Raumsonden aktiv) , Japan, Indien und China. Selbst in Russland steigen die Raumfahrtetats wieder und es sind neue planetare Missionen vorgeschlagen worden.

In den USA scheint sich dagegen die Zeit Reagans zu wiederholen. Das NASA Budget für 2007 zeigt die ersten Folgen die bald gravierender werden sollen. Space Shuttle und ISS, zwei Projekte aus denen die NASA lieber heute als morgen aussteigen möchte, es aber wegen der internationalen Beteiligung an der ISS nicht kann ohne größere Mengen an politischem Porzellan zu zerdeppern und Ansehen zu verlieren verursachen Mehrkosten in Milliardenhöhe. Dazu kommt die Rückkehr zum Mond. Doch da die NASA nicht mehr Mittel bekommt muss an anderer Stelle gespart werden. Dies sind neben der Planetenforschung (gestrichen: Europa Orbiter, gerade noch gerettet: Dawn) vor allem die Astrophysik und Astronomie.

In den nächsten Jahren wird dies noch schlimmer werden, weil das Mondprogramm noch mehr Mittel erfordert. Vielleicht hat man Glück und der nächste Präsident stellt diese Geldvernichtungsmaschine wieder ein.



© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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