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Eiweiß und die Schlacken im Darm

Im Magen denaturiert die Salzsäure die Struktur der Proteine. Dazu werden Enzyme, wie das Pepsin ausgeschüttet, welche beginnen das Eiweiß zu spalten. Im Dünndarm wird dann Bauchspeichelsekret zugegeben, welches durch die enthaltenen Proteasen (eiweißspaltende Enzyme) das Eiweiß in Aminosäuren oder kleine Bruchstücke von wenigen Aminosäuren Länge spaltet. Diese werden dann im Dünndarm resorbiert. Soweit sollte alles klar sein.

Besonders auf Webseiten, die eine rein vegetarische Ernährung propagieren, wird postuliert, dass zu viel Eiweiß im Dickdarm zu faulen anfangen kann. Das kann vorkommen, jedoch nicht wegen einer zu reichlichen Eiweißernährung, sondern eher bei einer Darmerkrankung oder gestörten Darmflora. Im Normalfall wird das Eiweiß auch bei großen Mengen quantitativ resorbiert. Es gibt schließlich Völker, die als Jäger fast keine pflanzliche Kost aufnehmen. Diese Vorstellung ist die Grundlage einiger Diäten oder Ernährungsformen, wie der Waerlandt Kost, der auch die Vorstellung inne liegt, der Körper würde bei einer zu reichlichen Eiweißernährung „Schlacken“ bilden. Dieses Bild stammt aus einer Zeit, als man noch nichts über die biochemischen Vorgänge im Körper wusste. Wenn es etwas gibt, das im Sinne einer Schlacke wie bei einem Hochofen anfällt, so ist es der beim Abbau entstehende Harnstoff. Dieser ist jedoch wasserlöslich. Probleme kann es nur geben, wenn man zu wenig trinkt. Proteine bilden keine Leber-, Nieren und Gallensteine, wie dies manche Autoren behaupten. Diese bestehen aus Cholesterin und Pigmenten bzw. bei der Niere auch aus Calciumsalzen. Nur Nierensteine kann man nach medizinischer Meinung auf natürlichem Wege ausscheiden.

Waerlandt Kost

Are Waerlandt ist der Erfinder der „Schlacke“, die sich seiner Ansicht nach im Körper bildet, wenn man die Nahrungsmittel in verarbeiteter Form isst. Man sollte seiner Ansicht nach das Essen so genießen, wie die Natur es anbietet. Weiterhin ist er der Erfinder der „Übersäuerung“ des Körpers. Er empfahl daher eine basenreiche Kost.

Zur „Übersäuerung“ ist zu sagen, dass es zwar eine Übersäuerung geben kann. Diese entsteht nicht durch beim Abbau von Lebensmittel entstehenden Säuren und Basen. Ursachen sind vielmehr Verlust an Körperflüssigkeiten die Säure oder Basen enthalten z.B. durch Durchfall oder Erbrechen, Nierenschädigungen (dort werden H+-Ionen zurückresorbiert), eine zu geringe Abgabe von Kohlendioxid an die Atemluft. Sie kann auch bei bestimmten entgleisten Stoffwechselkreisläufen entstehen. Dies kann z.B. bei Diabetikern vorkommen. In der Regel fangen aber körpereigene Puffersysteme sowohl Säure wie auch Basen ab. Wenn es eine Übersäuerung übrigens gibt, dann ist diese lebensbedrohend. Demgegenüber postulieren Waerlandt und andere Verfechter dieser Theorie einen schleichenden Prozess, der viele andere Krankheiten induzieren soll. Ob die Lebensmittel selbst sauer oder basisch sind, spielt bei der Beurteilung der „Übersäuerung“ sowohl nach Waerlandt wie auch andern Konzepten übrigens keine Rolle, so wird Obst, das sauer ist zu den basischen Lebensmitteln gezählt. Säuren bilden dagegen proteinreiche Nahrungsmittel aber auch Vollkornprodukte. Basenreich sind dagegen Blattsalate, Obst, Gemüse und saure Frischmilchprodukte. Die normale gemischte Nahrung hat einen leichten Säureüberschuss.

Fleisch, Eier und Fisch sollten nach Waerlandt gemieden werden, mild gesäuerte Produkte wie gesäuerte Milchprodukte, Sauerkraut und ein Brottrunk sollen die günstige Darmflora fördern, die keine Fäulnisgase produziert.

Nach Waerland sollte man basenreiche Rohgemüse, Milch, Sauermilch, Quark, Kartoffeln und Vollgetreide verzehren. (zumindest Letzteres ist in Realität Säure bildend) Es gibt strenge Richtlinien für den Tagesablauf, Bewegung und Schlaf. So postuliert er morgens eine Ausscheidungszeit, mittags sei die Zeit günstig für die Verdauung und abends würden Schlacken und Gifte angehäuft.

Die Waerlandkost ist eine lactovegetarische Ernährungsweise mit hohem Rohkostanteil. Sie eignet sich als Dauerernährung, jedoch nicht für alle. Es kann leicht zu Defiziten bei der Versorgung von Eisen, Iod und Calcium kommen. Für Schwangere, Ältere und Kinder ist sie nicht geeignet. Die Postulate von Waerlandt konnten nicht beweisen werden.

Andreas Moritz

Are Waerlandt lebte von 1979 bis 1955. Viele seiner Postulate, so das Konzept der Schlacke waren schon zu seiner Zeit unhaltbar, andere Dinge die er übernahm stammten aus dem damaligen Stand der Wissenschaft, so das Lebensmittel beim Stoffwechsel Basen und Säuren bilden. Dies bezog sich auf den Stoffwechsel, denn z.B. enthalten saure Milchprodukte natürlich Säuren, aber sie gelten als basenreich.

Das sich Schlacken, also Ablagerungen wie bei einem Hochofen im Körper ansammeln sollten, war schon damals nicht haltbar.  Trotzdem kann man mit dem Begriff der Schlacke auch heute noch gutes Geld machen. So gibt es das Buch von Andreas Moritz. Er verspricht, dass man nach einer kurzen Fastenperiode durch den Genuss von Olivenöl, Grapefruitsaft und Bittersalz seine Gallen- und Lebersteine los wird. Auch dies sollen Schlacken sein, nur haben sie sich eben im Körper gebildet. Und in der Tat finden sich dann in den Ausscheidungen kleine Steinchen, sogar recht viele, so viele, wie niemals die Gallenblase oder Leber aufnehmen kann. Nur sind diese „Gallensteine“ doch sehr seltsam. Sie sind sehr weich, lassen sich problemlos schneiden, ohne zu zersplittern, und verfärben sich nach kurzer Zeit ins Dunkelbraune, Schwarze.

Das Rätsel löst sich auf, wenn man Grundkenntnisse in Chemie hat und die Physiologie des Körpers kennt. Das Bittersalz ist chemisch Magnesiumsulfat. Sulfate haben eine stark abführende Wirkung und werden daher auch vor Fastenkuren eingenommen, um den Darm zu entleeren. Das Bittersalz bewirkt daher eine stark verkürzte Darmpassage. Zur „Kur“ gehören noch 100 ml Olivenöl. Die auf einmal getrunken werden. Diese große Fettmenge kann in der verkürzten Passagezeit nicht aufgenommen werden. Was passiert ist eine Reaktion zwischen den Fettsäuren, die durch die Enzyme aus dem Fett entstehen und dem Magnesium aus dem Magnesiumsulfat. Was entsteht ist eine Seife, nur mit Magnesium anstatt mit Natrium, woraus normale Haushaltsseife besteht. Eingeschlossen in die Seifenkörner wird dann noch, was sonst noch so im Darm schwimmt, vor allem Abbauprodukte von eisenhaltigen Eiweißen, die dann an der Luft schnell nachoxidieren und so von einer ockergelben Farbe ins Dunkelbraune wechseln. Die steinförmige Struktur bekommen sie von der Darmperistaltik, die den Inhalt bewegt. Genauso wie sie im Schnee einen schönen Schneeball durch Rollen im Schnee bekommen, sammelt so ein kleiner Anfangsstein umliegende Seifenmoleküle auf und wächst zu einem kugeligen Seifensteinchen heran. Wie jede andere Seife sind die Steine dann leicht schneidbar und weich. Kurzum: Die Gallen- und Lebersteine sind erst durch die aufgenommenen Ingredienzien entstanden. Immerhin gehört zu dieser Masche einiges an Fachwissen, denn wählt man das falsche Öl, z.B. eines mit hochungesättigten Fettsäuren, so entstehen Schmierseifen, die man nicht mehr als Gallensteine ausgeben kann. Wenn diese Kur gesundheitsförderlich ist, dann vor allem durch den Glauben an sie und die vorher nötige Fastenzeit, denn sonst verbinden sich die Seifensteine mit dem Darminhalt und sind nicht aufzufinden.

Es gibt weiterhin das Problem, wie diese Steine aus den inneren Organen Leber und Galle in den Darm kommen sollen. Die Leber hat keinen Zugang zum Verdauungssystem. Die Galle über die Gallenblase hat einen, doch ist dieser nicht weit genug um Steine passieren zu lassen, sonst würde man sicher Gallensteine wie Nierensteine vorwiegend durch nichtoperative Maßnahmen entfernen.

Obwohl als jedermann an den Steinen erkennen kann, dass sie sicher nicht aus der Galle öder der Leber stammen, weil sie zu weich sind und dies physisch nicht möglich ist, ist Andreas Moritz populär. Auch dies zeigt wie grundlegende Kenntnisse in Biologie heute bei vielen nicht mehr vorhanden sind.


Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.