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Jack Tramiel

Einleitung

Die Geschichte des PC ist eng an einige Namen gebunden - Pioniere, Visionäre oder knallharte Geschäftsmänner. Die meisten, die mit dem PC berühmt wurden taten dies in den 70 ern oder Anfang der achtziger Jahre. Das hat vielerlei Gründe. Zum einen gab es noch nicht so etwas wie eine "PC Industrie", so das einzelne mit Elan und Wagemut (aber auch guten Ideen) aus dem Nichts eine florierende Firma erschaffen können. Zum anderen war die Hardware damals noch relativ einfach. Bei den 8 Bit Rechnern war das Betriebssystem typischerweise 16 KByte groß. Eine Person konnte es alleine programmieren. Das gleiche galt für die Hardware. Heute arbeiten an kleinsten PC Bauteilen Hunderte von Ingenieuren um sie zu verbessern. Wenn ich in diesem Zusammenhang von einem PC spreche so legen sie bitte nicht ihren heutigen Rechner zugrunde. Ein PC ist ein "persönlicher Computer" in diesem Sinne sind auch sehr beschränkte Geräte wie der Altair 8800 oder Apple I ein PC. Dieser Artikel befindet sich auch in druckbarer Form als PDF Datei zusammen mit anderen Kurzbiographien in dem Dokument "Väter des PC"

Jack Tramiel

Jacvk Tramiel Jack Tramiels (geboren am 1929) Einfluss auf die Computerbranche ist wohl an seinem Credo am besten zu charakterisieren: "Geschäft ist wie Krieg", und so war er es auch der den großen Computerkrieg von 1983 begann - und gewann. Jack Tramiel verträgt Widerspruch nur sehr schlecht. Sein Bekanntester Satz zu Ingenieuren, die ihm erklären wollen das etwas nicht geht ist "Do it!" - Mach's!.

Jack Tramiel gründet 1962 die Firma Commodore Business Maschines (CBM). Er stellt mechanische Addiermaschinen her und kommt schon bald in Finanznöten, weil die Japaner den Markt mit billigen Addiermaschinen überfluten. Schon jetzt ist seine Art Geschäfte zu machen sichtbar: Er und sein Partner C. Morgan werden wegen "raffgierigen und prinzipienlosen Finanzmanipulationen" angeklagt. Bei Morgan gelingt eine Anklage, bei Tramiel nicht. Er geht an die Börse um an Geld zu kommen und nach Japan um zu sehen, wie er die Maschinen billiger anbieten könnte. Er entdeckt dort die Möglichkeit einer integrierten Schaltung fertigt daraus Rechner - die sich zu einem Preis von 450 DM sehr gut verkaufen. Doch wie MITS wird auch CBM der Eintritt von Texas Instruments (TI) in diesen Markt 1972 zum Verhängnis. Der Preis sinkt und der Markt bricht ein. 1976 schafft es CBM, obwohl selbst in Finanznöten, einige kleinere Elektronikfirmen aufzukaufen. Darunter für 800,000 USD MOS Technologies - der Hersteller des 6502 Prozessors. Nach der Pleite mit den Taschenrechnern wollte er wie TI im Besitz der Chips sein, die seine Geräte brauchten. Er sagte später: "Von da an wusste ich, der einzige Weg, im Geschäft zu bleiben, war, es komplett zu kontrollieren."

1976 versucht er auch eine andere kleine Firma namens Apple Computers zu kaufen. Tramiel - knallharter Geschäftsmann pokert aber zu hoch und so kommt es nicht zum Abschluss. Nach Peddle soll es sich nur um 25-50.000 USD gehandelt haben, weswegen er mit Jobs nicht handelseinig geworden ist. Ein Jahr später ist Apple CBM's härtester Konkurrent.

Zuerst wollte er um den 6502 einen weiteren Tisch- oder Taschenrechner bauen. Doch Chuck Peddle überzeugte ihn, das man viel größeres mit dem 6502 machen könnte, einen richtigen Computer und das man diesen auch gut verkaufen könnte. So entstand der PET. Wäre der PET nicht so früh erschienen, als es nur zwei Konkurrenten auf dem Markt gab, so wäre er sicher ein Flop geworden, denn er war überhastet entwickelt worden und fehlerhaft. Das traf noch mehr auf die ersten Floppys zu. Doch Tramiel scherte sich nicht drum und entwickelte ein Verfahren das später branchenüblich war: Er benutzte den Anwender als Beta-Tester um die letzten Fehler zu finden.

Aufbauend auf dem PET entstanden noch weitere Bürorechner, die im wesentlichen auf der PET Architektur aufbauten und sich vor allem in Deutschland gut verkauften. Gegenüber dem Apple waren die Umsätze allerdings eher mittelmäßig. Die Gründe dürften vielseitig sein. Der Apple war farbfähig, erweiterbar und handlicher. Die Commodore Floppies z.B. waren 22 kg schwere Monster, die zwar dreimal so viel Daten wie die Apples speicherten, aber auch teurer waren.

Tramiel erteilt so schon 1979 den Auftrag eine 64 K Maschine zu entwickeln, die in Richtung des Apple II ging, also mit Farbgrafik anstatt Textdarstellung in S/W, kleineren Floppies und TV Anschluss. Doch dies war nicht so einfach. Alleine die RAM Chips für 64 Kilobyte hätten 1979 ein Vermögen gekostet. Sehr bald hatte man aber einen Vorläufer des Videochips - des VIC entwickelt. Auf einem Chip waren alle Komponenten untergebracht um Farbgrafik auf einem Fernseher darzustellen. Wieder schlug Peddle vor darum einen Heimcomputer zu bauen. Tramiel erkannte diesmal das Potential sofort, denn Videospiele wie das Atari VCS 2600 System verkauften sich wie warme Semmeln. Wie musste dann ein richtiger Computer einschlagen mit dem man spielen konnte?

C-64 1981 erschien daher der VC-20, zeitgleich mit drei anderen Rechnern: Dem ZX-81, dem Ti 99/4A - einer sehr fortschrittlichen Maschine mit 16 Bit Prozessor, aber einigen Schwächen wie einem sehr langsamen BASIC und insgesamt zu teurer Herstellung und dem Color Genie 1, einem Rechner mit Z80 Prozessor aber nur wenig RAM. Es bildete sich bald ein stabiles Verhältnis aus: Einsteiger wählten den ZX-81, wer etwas mehr wollte den VC-20 und wer höhere Ansprüche hatte den Ti 99. Jeder hatte zirka 25 % Marktanteil, das restliche Viertel entfiel auf andere Firmen wie Atari oder Tandy. 1982/83 setzte dann aber Tramiel sein Motto um " Business is like war " um und begann einen Preiskrieg. Da Commodore als Eigentümer von MOS die Chips zum Selbstkostenpreis bekam, musste er diesen Kampf gewinnen. Er begann im Sommer 1982, der Autor kaufte damals seinen ersten Computer einen Ti 99/4A für 925 DM (Ein VC-20 kostete 725 und ein ZX-81 375 DM). Ab Herbst 1982 auch mit dem C-64, der zuerst zu 1395 DM gehandelt wurde (schon das war billig) und dann innerhalb eines Jahres auf 700 DM fiel. Texas Instruments und Atari machten Millionenverluste. Ti stieg ganz aus dem Geschäft aus. Zeitweise erreichte der C-64 75 % Marktanteil. Der Ti 99/4A wurde kurz vor der Einstellung der Produktion im März 1984 für 275 DM verkauft!

Doch so erfolgreich wie Tramiel war, er war nicht allmächtig. Obwohl CBM eine Aktiengesellschaft war führte er sie wie ein Privatunternehmen. Als er seine Söhne in die Geschäftsleitung bringen wollte rebellierte der Vorstand und Tramiel musste Anfang 1984 seinen Hut nehmen. Was er dann tat hatte wohl keiner vermutet: Er verkaufte seine Commodore Aktien und übernahm den Atari Homecomputer Teil von Warner. Eben jene Firma die er gerade durch seine Preispolitik ruiniert hatte. Es folgten bald einige verbesserte 8 Bit Ataris mit denen er wieder einige Marktanteile gewinnen konnte.

Doch was er wirklich plante war ein ganz anderer Computer: Eine Maschine die mit dem Macintosh konkurrieren kann. Das wird der Atari 520 ST: Die Parallelen zum Macintosh sind verblüffend: MC 68000 Prozessor mit 8 MHz und 512 KB RAM, 192 KB ROM, ein Monochrom oder Farbmonitor mit 640 × 400 Punkten. 3.5 Disklaufwerk mit 720 Kilobyte. Tramiel preist den Computer als die Maschine für jeden an: " Computer for the masses not for the Classes " und " Power without price ": ein Atari ST kostet mit Disklaufwerk auch nur ein Drittel eines Mac und weniger als ein PC Kompatibler.

Atari 520 ST Der Atari ST bietet anders, als sein etwas später vorgestellter Konkurrent der Amiga, eine echte 80 Zeichendarstellung auf einem - auch bei PC Benutzern beneideten - hervorragenden S/W Bildschirm. Der Atari hätte damit erfolgreich sein können als Büro und Heimcomputer. Doch Tramiel hat wieder einmal den PC zu schnell entwickelt. Eine Computerzeitschrift bezeichnet ihn als den " fehlerhaftesten Computer der je auf den Markt kam ". Im ersten Jahr müssen reihenweise Betriebssystem ROM's und Grafikprozessoren ausgetauscht werden. Das kostet dem ST den professionellen Markt, denn hier finden sich wenige Firmen die Anwendungen schreiben und auch die Akzeptanz der fehlerhaften Maschine bei Geschäftskunden ist schlecht. Da der ST über dem eigenen Betriebssystem TOS Digital Research GEM laufen hat, gibt es sogar eine Konversion der CP/M Datenbank DBase mit CP/M 68K um die Anwendungslücke zu füllen...

Doch im Heimbereich ist der ST erfolgreich und wird weiterentwickelt. Nach und nach stellt Tramiel andere visionäre Projekte vor: Den Lowcost Laserdrucker für den Atari - Ebenfalls zu einem Bruchteil eines normalen Laserdruckers. Tramiel hat die gesamte Elektronik weggelassen und überlässt dem ST die Aufarbeitung der Druckdaten (10 Jahre später wird dasselbe Prinzip als Windows Printing System neu erfunden). Es folgt ein Low Cost CD-ROM Laufwerk, ebenfalls für einen vergleichsweise geringen Preis. Und die ST's werden weiterentwickelt. Dazu gesellen sich einige PC Kompatible und ein sehr erfolgreiches PDA mit dem 8088 Prozessor.

Doch langfristig nehmen die PC Kompatiblen immer mehr zu und die Marktanteile von Atari sinken. Klar ist auch das Motorola den Hauptprozessor des ST - MC 680x0 durch den Power PC ersetzen wird, so das diese auslaufen werden. 1995 zieht sich Atari aus dem Computermarkt zurück und 1996 verkauft Tramiel Atari an den Festplattenhersteller JTS. Seitdem geniest er den Ruhestand und verwaltet sein erwirtschaftetes Geld. Anders als andere Computerpioniere bedeuten Rückschläge bei Tramiel nicht das Aus sondern neue Gelegenheiten die er nutzte und dadurch stärker wurde.


Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensläufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.

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© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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