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Was ist drin... in Beerentraum Pannacotta?

Einleitung

Bei dem vorliegenden Produkt handelt es sich um Fruchtgummis. Auf der Verpackung (siehe Bild) wird zum einen Bezug genommen auf eine höhere Qualität (durch das Stichwort "Gourmet" und "feinste Fruchtgummi-Spezialität" und "erstklassige Qualitäten und die besten Zutaten" - das bedeutet dass man von einem qualitativ hochwertigen Produkt ausgehen muss.

Zum zweiten wird neben den Gummis auch die Früchte und eine Portion Panna cotta. abgebildet. Die Fruchtgummis selbst bestehen auch aus einer hellen Schicht und einer farbigen Fruchtschicht.

Zutatenverzeichnis

Verpackung"Fruchtgummi" - das ist die eigentliche Verkehrsbezeichnung, denn "Beerentraum Pannacotta" ist ja keine Bezeichnung eines Lebensmittels sondern nur der Produktname.

Zutaten

Glucosesirup: Natürlich bestehen solche Produkte weitgehend aus Zucker. Glucosesirup wird dafür verwendet, weil es nicht so leicht auskristallisiert, eine geringere Süßkraft hat und vor allem preiswerter als Zucker ist

Zucker: Der zweite Zucker: Hat eine höhere Süßkraft und einen anderen, von vielen Menschen bevorzugten Süßgeschmack.

6% Fruchtsaft aus Heidelbeeren, Holunderbeeren und Himbeeren aus Heidelbeer-, Holunderbeer- und Himbeerensaftkonzentrat: Die erste Fruchtzutat. Die Prozentangabe ist notwendig wegen der Auslobung der Zutaten.

Gelatine: Damit werden die Fruchtgummis gebunden. Die früher bei manchen Herstellern übliche Auslobung als "wertvolles Eiweiß" ist verboten worden, weil Gelatine aus dem Protein Kollagen besteht. Kollagen fehlt aber die essentielle Aminosäure Tryptophan, ohne die aus der Gelatine kein körpereigenes Eiweiß gebildet werden kann. Als "wertvoll" konnte man es deswegen nicht bezeichnen.

Magermilch-Jogurtpulver (1.6 %): - dies soll wohl die Basis des Panna cotta Anteiles sein.

Säuerungsmittel: Citronensäure und Milchsäure: Ohne Säuerungsmittel schmecken die Fruchtgummis langweilig, nur süß. Zitronensäure hat eine angenehme Süße, erfrischend nach Früchten. Milchsäure eine nicht so starke Säure, sie ist daher besser zur Abrundung des Geschmacks geeignet.

Erdbeermark 1%: Die letzte Fruchtzutat.

Süßmolkenpulver: Soll wohl auch zum Panacottateil gehören

Geliermittel: Pektin: Ein zweites Geliermittel, das besonders durch die Säure gut bindet.

Aroma: Für den Geschmack

Milchzucker: Als Feuchthaltemittel eingesetzt

Überzugsmittel: Bienenwachs weis: Ein Überzug ist notwendig, damit die einzelnen Gummis nicht aneinander haften.

Nährwertkennzeichnung

Durchschnittliche Nährwerte
  pro 100 g 5 Stück (20.5 g)
Brennwert 1352 kJ/ 318 kcal 277 kJ / 65 kcal
Eiweiß 4.9 g 1.0 g
Kohlenhydrate 72.8 g 14.9 g
davon Zucker 53.0 g 10.9 g
Fett 0.2 g 0.04 g
davon gesättigte Fettsäuren < 0.2 g < 0.04 g
Ballaststoffe 0.4 g 0 g
Natrium 0.1 g 0.02 g

Es folgt noch die GDA Kennzeichnung, welche dieselben Angaben in anderer Form enthält, aber keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn liefert. Auf diese habe ich verzichtet, zumal es bei dem Produkt nicht um die Zusammensetzung im eigentlichen Sinne geht.

Beurteilung

Das Produkt habe ich gekauft, weil ich vorher vom selben Hersteller im selben Sortiment Furchtgummis des Typs "Burgundische Johannisbeere" gekauft habe. Diese enthielten 30 % Johannisbeersaft, also einen sehr geschmacksintensiven Saft und entsprechend waren diese Fruchtgummis sehr gut mit einem intensiven Fruchtgeschmack, der nicht künstlich war. Das weckt Erwartungen, die von diesem Produkt nicht gehalten werden. Zum einen ist der Fruchtgeschmack nicht so ausgeprägt - Hier finden sich 7 % Fruchtsaft, verglichen mit 30 % bei dem anderen Produkt. Es ist immer noch natürliches Aroma bemerkbar, ein deutlicher Unterschied zu billigeren Produkten ohne Fruchtsaft, nur mit Aromen hergestellt. Die Enttäuschung ist aber die Auspreissung als Pannacotta Beerentraum. Pannacotta ist gesüßte Schlagsahne, die mit einer Vanilleschote aufgekocht und mit Gelatine gebunden wird. Ich erwarte daher einen Geschmack der sahnig-rahmig ist und auch Vanillearoma (nicht Vanillin). Von dem auf der Verpackung ausgelobten "cremigen Pannacotta" Geschmack stelle ich aber nichts fest. Der weiße Anteil schmeckt nach Jogurt, aber nicht nach Sahne und nicht nach Vanille.

Es handelt sich also um Frucht-Jogurt Gums oder einem ähnlichen Produkt. Also solches beworben, wären es reelle, solide produzierte Fruchtgummis gewesen. So wecken sie aber Erwartungen, die sie nicht erfüllen können. Warum dies der Hersteller getan hat, ist unverständlich. Dies ist keine Kritik an der Qualität - die ist in Ordnung und ein Kollege, der die Gums zum probieren bekam fragte danach wo man sie kaufen kann - es ist schlicht und einfach eine Frage was ich kaufen will. Wenn ich einen Pannacotta Geschmack auslobe, dann müssen die gums auch danach schmecken. Da nützt es nichts, wenn sie gut sind und nach was anderes schmecken - Wenn ich im Restaurant ein paniertes Schnitzel bestelle und bekomme ein Jägerschnitzel, dann lasse ich das ja auch zurückgehen, obwohl es vielleicht genauso gut schmeckt.

So ist das eine Fehldeklaration, die wahrscheinlich auf die Produktphilosophie zurückgeht. Es gibt schließlich noch die Sorten "Burgundische Johannisbeere" und "Sizilianische Zitrone". Also in jedem Falle klingt es immer del und nach was besonderes. Für den Normalbürger ist es wurst ob die Zitronen aus Sizilien kommen und die Johannisbeeren aus Burgund. Ich wage zu behaupten das es schon bei frischen Früchten kaum Geschmacksunterschiede zwischen Zitronen aus Sizilien und Zitronen aus Spanien geben wird. Erst recht verwischen sich Unterschiede bei einem verarbeiteten Produkt mit erhitztem und konzentriertem Saft. Während der Verbraucher also keine Möglichkeit hat "burgundische Johannisbeeren" von Johannisbeeren von XY zu unterscheiden und es für ihn eine unwesentliche Information ist, gibt es aber einen Unterschied zwischen Panna cotta und Jogurt. Das eine schmeckt nach Vanille und Sahne, das zweite säuerlich nach Milchsäure und Jogurt. Diese beiden Geschmacksrichtungen kann man leicht unterscheiden und so ist dies eine Fehldeklaration. Überträgt man dies auf die Zusammensetzung, so wird es noch offensichtlicher: Durch den hohen Fettanteil von Panna-Cotta durch die Schlagsahne würde man auch mehr Fett im Fruchtgummi erwarten - Fehlanzeige. Natürlich wirft dies technologische Probleme auf (Verderb, Stabilität), doch wenn der Hersteller deswegen auf eine andere Zutat ausweicht, so muss er eben auch die Bezeichnung und Aufmachung anpassen.

Bücher vom Autor

Zum Thema Lebensmittelchemie/recht Ernährungsberatung ist bislang ein Buch von mir erschienen:

Das Buch Was ist drin?: Die Tricks der Industrie bei der Lebensmittelkennzeichnung verstehen und durchschauen wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Unabhängig heißt: Eine Beschreibung des Nutzens und der Risiken, ohne eine eigene Wertvorstellung dem Leser aufzwingen zu wollen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung (wozu werden Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß benötigt, was sind die Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr und bei Vitaminen und Mineralstoffen). Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geographischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Dieser Teil ermöglicht es, schnell nachzuschlagen, was sich hinter bestimmten Stoffen auf der Verpackung verbirgt.

Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist.

Geplant ist für das Jahr 2011 ein zweites Buch mit dem Titel „Das ist drin!“. Es ist eine Ergänzung zu dem ersten Buch. Es wird die einzelnen Lebensmittelgruppen genauer beschreiben und neben Angaben über den Nährwertgehalt, ernährungsphysiologische Bedeutung (die man auch in anderen Büchern findet) auch die eingesetzten Zusatzstoffe, mögliche Rückstände und Kontaminationen beschreiben.

Beide Bücher wenden sich an interessierte Laien, wobei ich mich speziell auf den Themenbereich Kennzeichnung und Zusatzstoffe konzentriere, da es sehr viele Bücher zum Thema Ernährung oder die Inhaltsstoffe der Grundnahrungsmittel gibt. Dagegen wird der Bereich der verarbeiteten und verpackten Lebensmitteln und die rund 300 möglichen Zusatzstoffe meist ignoriert. Des weiteren gibt es kaum Bücher für den Laien, die über die rechtlichen Grundlagen oder was die Angaben auf den Verpackungen bedeuten informieren. Die meisten haben dann auch eine Zielsetzung, wie die Industrie anzuprangern oder eine vorgefasste Meinung dem Leser näher zu bringen. Ich halte es für wichtiger den Leser zu befähigen selbst sich eine eigene Meinung zu bilden. Dass dies auch Kritik mit einschließt, zeigt sich durchaus im letzten Teil des Buchs „Was ist drin?“, da die meisten dort besprochenen Lebensmittel Mängel in der Kennzeichnung haben, Zusatzstoffe zur Täuschung eingesetzt werden oder Aufmachung und Inhalt im krassen Gegensatz stehen. Diese abschreckenden Beispiele sind aber gerade deswegen besonders lehrreich.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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