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Die Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche

Viele, die ihren Computer schon in den achtziger gekauft haben, wissen noch, das man damals auf den IBM PC nur DOS benutzte und andere Computer schon grafische Oberflächen hatten, wie der Commodore Amiga, der Atari ST und natürlich der Macintosh. Was jedoch nur wenige wissen, ist das die grafische Benutzeroberfläche aber wo ganz anders entwickelt wurde. Dieser Artikel soll die Entwicklung der GUI in diesen frühen Jahre bis 1985 beleuchten.

Alle begann im Xerox Parc

In den siebziger Jahren wurde Xerox reich mit der Patentierung des Trockenkopierers und den dadurch eingenommenen Umsatzerlösen. Sie leisteten sich 1972 eine Forschungseinrichtung die völlig frei war - ohne den Zwang ein kommerzielles Produkt zu entwickeln. Dies war der Xerox Parc (Palo Alto Research Complex). In den siebziger Jahren entstanden im Xerox Parc die Technologien die auch heute noch die Computerwelt bestimmen:

Es wurde auch versucht diese Technologien in Produkte umzusetzen, doch war man damit nicht ganz so glücklich. Smalltalk hat z.B. hat eine Syntax die völlig neu war und so setzt man heute mehr auf C++ und Java, die sich mehr an C orientieren. (Ein Beispiel dafür, dass nicht immer das bessere oder erste Produkt siegt. Solches findet man im PC Bereich häufig). Das Ethernet setzte sich dagegen schnell durch, weil es auf dem bekannten "Aloha" Protokoll basierte und einfacher zu realisieren war, als andere Netztechnologien. Weiterhin versuchten sie einen Computer zu bauen, der eine grafische Oberfläche hatte: Der Xerox Alto. Er erschien schon 1973 und damit noch vor dem ersten "PC" Altair 8800, der im Vergleich zum Alto wie ein Spielzeug wirkt. Zuerst wurde er im Xerox Parc intern eingesetzt. Danach gab es einige Hundert Exemplare für einige Universitäten. Erst 1978 wurde er auch kommerziell angeboten.

Xerox Alto (1973)Der Alto basierte auf einem eigens für ihn entwickelten 16 Bit Prozessor von Data General, der 400.000 Instruktionen in der Sekunde ausführen konnte. Anders als andere Computer zu dieser Zeit wurde die Zentraleinheit unter den Tisch verbannt. Während andere Computer damals die Tastatur und das Gehäuse verbunden hatten.

Auf dem Schreibtisch war nur eine Tastatur, ein hochauflösender Bildschirm (in der Größe eines US Letter Briefes: 10.5 × 8.5 Zoll, 800 × 600 Pixels) und zum ersten mal eine Maus. Die Oberfläche war rein grafisch, wenn auch nur schwarz-weiß. Dafür konnte jedes Bit direkt adressiert werden. (Dafür gab es einen separaten Bildschirmspeicher von 50 KByte). Der Prozessor hatten einen Adressraum von 64 K × 16 Bit Worten, (128 KByte). Der Speicher konnte durch Bankswitching aber erweitert werden. Den Altos gab es mit bis zu 256 K × 16 Bit, also 512 KByte Arbeitsspeicher. (Normal waren allerdings 128-256 KByte). Die Massespeicher waren 2.5 Megabyte Wechselplatten, jeweils 2 davon hatte jeder Alto.

Damit man eine vernünftige Arbeitsgeschwindigkeit erreichen konnte, waren zahlreiche Systemroutinen direkt in Mikrocode im Prozessor implementiert, so z.B. das Dekodieren des Keyboards (welche Taste ist gedrückt, wenn die Tastatur einen Kontakt von Zeile 2 und Spalte 6 meldet?). Darüber hinaus war der Prozessor fähig 16 Prozesse gleichzeitig auszuführen.

Das Betriebssystem wurde in BCPL geschrieben, einem Vorläufer von C. Zahlreiche Dinge die später UNIX übernahm, hatte es schon, wie Dateinamenvervollständigung, 31 Zeichen lange Dateinamen mit Unterscheidung von Groß / Kleinschreibung, oder das System einer Beschreibung einer Datei mit einem Header und der eigentlichen Datei in einem separaten Bereich (Inodes und Datenblöcke bei UNIX verwenden dasselbe Konzept).

Jeder Alto war netzwerkfähig und konnte Programme über das Netzwerk laden und ausführen. Die grafische Benutzeroberfläche war beim Alto schon sehr ausgereift und unterstützte verschiedene Fonts und eine intuitive Bedienung bei der auch der Cursor seine Form änderte je nach Kontext der Arbeit.

Wie weit dies von den damaligen Computern weg war, wird klar, wenn man sich die technischen Daten der ersten Heimcomputer anschaut: Wenige Kilobyte Speicher, keine Massespeicher. Als er 1978 kommerziell angeboten wurde, hatte der Apple II z.B. 8 KB Hauptspeicher, Disks mit 143 KByte Größe und zwar auch Grafik (Auflösung 280 × 192 Bildpunkte), aber nur für Spiele, nicht um damit zu arbeiten (das Betriebssystem war nicht grafisch). Bis Netzwerkfähigkeiten breit von PCs genutzt wurden, verging sogar noch mehr Zeit: Die PCs waren bis in die neunziger Jahre als Einzelplatz Geräte gedacht.

Das Manko: Der Rechner war einfach zu teuer: Massespeicher und viel Speicher für die Grafik kosteten viel Geld, zu Zeiten als der größte erhältliche Speicherchip 4 Kilobit aufnehmen konnte. Der Alto kostete 1979 etwa 32.000 Dollar, alleine der Speicher kostete davon 7.000 Dollar. Der Xerox Alto war was sein System anging, zwar der restlichen Computerwelt um 10-15 Jahre voraus, aber die Hardware war einfach noch zu teuer für den kommerziellen Einsatz. Trotzdem wurden etwa 1000 Altos, vor allem an Universitäten verkauft.

Der Xerox Star

Xerox System 8010 Star (1981)1981 wurde eine erheblich preiswertere Maschine der Xerox Star (offizielle Bezeichnung "Xerox Office System 8010") auf den Markt gebracht. Sie kostete jetzt nur noch 16500 USD. Anstatt einem rechteckigen Monitor (mit einer Darstellung wie gedruckte Seiten) nahm man einen normalen Monitor von 17" Größe. Bei einer angegebenen Auflösung von 72 dpi muss er eine ähnliche Auflösung wie ein heutiger 17" Monitor im 1024x768 Mode gehabt haben. Auf dem Keyboard gab es Funktionstasten, die für elementare Funktionen standen wie Kopieren, Bewegen, Eigenschaften ansehen. In der Bedienung war der Star erheblich intuitiver als heutige GUI: Eine Datei druckte man indem man über dem Druckersymbol auf Copy drückte. Eine Mail mit der Datei wurde erstellt wenn man über dem Ausgangs Korb Move drückte. Hier zeigt sich der Einfluss von Smalltalk: Das ganze System war Objektorientiert: Eine Datei war ein Objekt mit der man etwas tun konnte. (Wenngleich das System nicht in einer objektorientierten Sprache entstand).

Anders als der Alto, hatte der Star eine Festplatte von 10,20 oder 40 MByte Größe. Auch hier war der Prozessor speziell für den Star entwickelt. Er konnte Objektcode der Programmiersprache Mesa (in welcher das Betriebssystem entwickelt war, sie ähnelte etwas Pascal) direkt ausführen und z.B. in einer Instruktion einen rechteckigen Bildschirmbereich kopieren. Dadurch war die Grafik für damalige Verhältnisse sehr schnell. Der Speicher betrug 384 KByte, erweiterbar auf 1.5 MByte und eine herkömmliche 8" Floppy war auch vorhanden. Wie der Alto verfügte er über Ethernet Anschluss und war netzwerkfähig. Drucken konnte man schon damals über Laserdrucker, die von Xerox entwickelt wurden, während die restliche Welt ratternde Nadel- oder Typenraddrucker verwendete.

Leider war Xerox eigentlich nicht so sehr an einem kommerziellen Produkt interessiert und machte wenig Anstalten den Star zu vermarkten. Es wurde später noch eine Variante, das Xerox System 6085 für nur 6340 USD verkauft (1985: 1-4 MByte Speicher, 15-19" Bildschirm, 10-80 MByte Platte, optische Maus (15 Jahre vor Microsoft!)), aber auch dieses war nicht sehr erfolgreich.

Lisa - der erste grafische Computer von Apple

Apple Lisa 1Im Frühling 1979 besuchte Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, den Xerox Parc, wo er den Alto vorgeführt bekam. Er war davon sofort begeistert und registrierte zwei andere Entwicklungen vom Parc nur mehr am Rande : Die  Smalltalk und das Ethernet. Es war ihm sofort klar, das diese Art Computer zu bedienen die Zukunft gehörte und er ersuchte um eine Demo vor den Programmierern von Apple. Mehr noch, er bekam Details über die Entwicklung des Systems. Es gibt die Anekdote, dass Steve Jobs fragte, ob man nicht nur Pixelweise anstatt zeilenweise scrollen könnte und der Chefentwickler des in Smalltalk entwickelten Systems, während des Betriebs, die Routine änderte und danach scrollten die Fenster Pixelweise! (Ohne Neucompilierung des Kernels oder Neubooten, auch bis heute undenkbar)

Steve Jobs konnte auch einige der Entwickler abwerben, darunter einen der Vordenker im Xerox Parc, Alan Kay. Mit diesem Know-how ging Jobs daran, ein eigenes System zu konstruieren. Dabei lizenzierte er von Xerox die Technologie der grafischen Benutzeroberfläche im Austausch gegen Aktienanteile von Apple.

Ein wesentlicher Unterschied zum Xerox Star war, das man bei Apple nicht auf Hardware-Eigenentwicklungen setzte, wie bei Xerox, wo der Prozessor speziell für diesen Rechner konstruiert war und man auch das Betriebssystem in einer dort entwickelten Sprache schrieb. Apple setzte auf den damals schnellsten und leistungsfähigsten verfügbaren 16/32 Bit Prozessor Motorola 68000. (16/32 weil der Prozessor intern mit 32 Bit arbeitete, aber nach außen hin nur über einen 16 Bit Bus verfügte).

Heraus kam im Januar 1983 die Lisa, später in Lisa 1 umbenannt, als eine Lisa 2 folgte. Ursprünglich nach der ersten Tochter von Steve Jobs benannt, wurde der Name später groß geschrieben und als Abkürzung für Local Integrated Software Architecture interpretiert.

Die Lisa 1 hatte einen Motorola MC 68000 Prozessor mit 5 MHz, 1 MB RAM, 2 MB ROM für das Betriebssystem, eine 5 MB Festplatte und einen 12" Monitor mit 720 × 364 Punkten sowie zwei Floppys im Format 5.25" HD (damals frisch auf den Markt gekommen und noch unausgereift) mit je 860 KByte Spiecherkapazität. Die Lisa besaß intern 2 Slots für Erweiterungskarten und Anschlüsse für gängige Schnittstellen und eine weitere Festplatte. War der Alto der erste grafische Computer, so war die Lisa der erste grafische Computer, aufgebaut aus Standardbausteinen. Trotzdem war er noch zu teuer. Der Anfangspreis betrug 9999.- USD, in Deutschland wegen des damals hohen Dollarkurses fast 30.000 DM. Dazu kam, das der MC 68000 Prozessor bei nur 5 MHz mit der Aufgabe der Darstellung gerade noch nachkam, der Rechner also verhältnismäßig langsam war. Der Grund für den Preis waren die Anforderungen: Festplatten waren 1982 noch teurer als die PC's selbst und zu einer Zeit als andere Computer mit 64 oder 128 KByte Speicher ausgerüstet waren, kam die LISA mit 1 MB RAM und 2 MB ROM.

Apple Lisa 2 (1984)Es gab im Januar 1984, zeitgleich mit der Vorstellung des Macintosh eine Neuauflage, die Lisa 2. Sie verwendete nur noch ein Diskettenlaufwerk im Format 3.5" Zoll und 400 K Kapazität (übernommen vom Mac, da sich die 5.25" Laufwerke als fehlerhaft erwiesen). Die interne Festplatte wuchs auch 10 MB, eine externe konnte angeschlossen werden. Anstatt einem 2 MB ROM gab es nur noch ein 16 KB großes Bootstrap ROM. Der Arbeitsspeicher konnte auf 2 MB erweitert werden. Durch die Einsparung der teuren Spezialfloppys und des großen ROMs konnte die Lisa 2 preiswerter werden. Eine zur Lisa 1 gleichwertige Konfiguration kostete 4495 USD. 1985 wurde die Lisa dann in Macintosh XL umbenannt und bis 1986 verkauft. (Zusätzliche Bildschirmauflösung 608 × 431 Punkte). Der Haupteinsatzzweck der Lisa 2 war die Entwicklung von Software für den Mac. Von der Lisa 1 sollen je nach Quelle zwischen 11000 und 50.000 Stück verkauft worden sein, von der Lisa 2 weitere 50.000 Stück.

Der Macintosh - der erste bezahlbare grafische Computer

MacintoshSteve Jobs hatte alles auf die Karte Lisa gesetzt - Vom Sommer 1979 bis Ende 1982 dauerte die Entwicklung und verschlang mindestens 50 Millionen USD. Als 1983 die Lisa sich nicht verkaufte, war Apple in einer schlechten Situation. Der Apple 2 war schon 1978 vorgestellt worden und es gab zwar inzwischen die verbesserten Versionen Apple II+ und Apple IIe, aber sowohl der Nachfolger Apple III, wie auch die Lisa waren nicht erfolgreich und die Kunden wanderten mehr und mehr ab, zu IBM kompatiblen Rechnern, welche leistungsfähiger als ein Apple II waren. Zudem gab es durch die offene Architektur des Apple II zahlreiche Nachbauten, die weiter den Marktanteil senkten.

Als Rettung zeigte sich, das eine kleine Entwicklergruppe von Apple an einem 8 Bit Rechner mit einer GUI arbeitete. Sie wollten selbst einen grafischen Computer und konnten sich keine Lisa leisten. Steve Jobs übernahm die Gruppe und brachte es fertig in 12 Monaten einen neuen Rechner zu machen, dabei setzte er aber auf den schon in der Lisa verwendeten Prozessor MC 68000 und nicht auf den 8 Bit Prozessor MC 6809, der ursprünglich vorgesehen war.

Das Konzept des Macintoshs war Geld zu sparen wo es nur ging. Alle bisherigen grafischen Computer waren so teuer gewesen, da die grafische Oberfläche viel RAM (für eine komplexe Software) und viel Speicher auf dem Massespeicher verbrauchte. Sowohl ein Star wie auch eine Lisa hatten Festplatten und die waren 1983 noch unerschwinglich teuer. Als 1983 die ersten 5 und 10 MB Festplatten für den IBM PC auf den Markt kamen kosteten diese etwa 15000 DM - also die Hälfte der Gesamtkosten der Lisa.

Doch wie konnte man das grafische System kleiner machen? Da die Gruppe ursprünglich an einem 8 Bit Rechner arbeitete, hatte sie nie die Ressourcen zur Verfügung, für ein großes System. Man ging einen anderen Weg. Anstatt wie bei der Lisa (und auch bei heuten Rechnern) komplexe Routinen zu haben die z.B. mit einem, Befehl ein Fenster aufbauten, gab es beim Macintosh nur 500 sehr kleine Low-Level Routinen entsprechend den BIOS Aufrufen in MS-DOS. Anstatt das der Rechner eine grafische Oberfläche hatte, bot er nur die Routinen für eine solche an, welche die Anwendungen nutzen mussten. Man hatte also die Arbeit vom Betriebssystem auf die Anwendungen ausgelagert.

Der erste Macintosh hatte daher keine Festplatte sondern nur ein 64 KB großes ROM. Das RAM betrug bei der kleinsten Version 128 K, doch damit konnte man eigentlich nicht arbeiten, weil die Anwendungen größer als bei anderen Rechnern waren und die grafische Darstellung auch Speicher erforderte. Zum Arbeit taugte die nächst größere Version, der  "Fat Mac" mit 512 K RAM. Die Bildschirmauflösung war mit 512 × 342 Punkten kleiner als der Lisa, und da der Motorola MC 68000 Prozessor nun mit 8 MHz getaktet war, ging die Arbeit flotter voran. Wie bei der Lisa, war der 9 Zoll Monitor fest in das Gehäuse eingebaut. Der Name Macintosh war gewählt nach der Lieblingsapfelsorte des Chefentwicklers.

Im Januar 1984 vorgestellt, erwies sich der Mac als der Rettungsanker von Apple. Er verkaufte sich mit eienm Anfangspreis von 2495 USD erheblich besser als die Lisa, im ersten Jahr wurden 1.2 Millionen Macs verkauft. Auf lange Sicht jedoch zeigte sich ein Mangel des Macs: Anders als der Apple II, der IBM PC und selbst die Lisa war er nicht erweiterbar. Das ROM war geschützt und so gab es auch keine Clones, die vielleicht ein paar Marktanteile von Apple gekostet hätten, aber auch die installierte Basis und damit die Bedeutung des Macs vergrößert hätten. Es gab nur den Mac in 2 Speicherausbaustufen, keine Erweiterungskarten, keine Festplatten, keine farbigen oder höher auflösende Monitore. Als Apple Nachfolgemodelle mit diesen Eigenschaften Ende der achtziger Jahre anbot, hatten sie schon enorme Marktanteile an die IBM Kompatiblen verloren.

Software GUI

GEMIm Jahre 1982 gab es auf der Comdex Falls in Las Vegas die erste Demo einer Software namens VisiOn. Es war ein Aufsatz für DOS um dieses grafisch benutzerfreundlich zu machen und bewog letztendlich Bill Gates zur Entwicklung von Windows (nicht weil er ein grafisches OS wollte sondern um zu bewirken, das niemand VisiOn kaufte). Doch die erste verfügbare Software GUI war GEM (Graphical Environment Manager) von Digital Research. Digital Research, die Firma von Gary Kildall war in den achtziger Jahren nicht nur der größte Konkurrent von Microsoft sondern schon legendär durch CP/M - ein Betriebssystem für 8080, Z80, 8085, 8086 und 68000 Prozessoren. Schnell, klein und Ressourcen sparend oder wie es ein Fachmann ausdrückte "Das Auto das mit Wasser fährt". So war es kein Wunder, das GEM schon 1984 verfügbar war, 2 Jahre vor Windows 1.0. Es war ein Aufsatz auf DOS oder CP/M 86 beziehungsweise CP/M 68 K, ähnlich wie Windows kein eigenes System.

Das besondere war: Anders als das spätere Windows benötigte man keinen leistungsfähigen PC mit viel Speicher und Festplatte. Es lief auf jedem IBM/PC mit 256 K RAM und einem Diskettenlaufwerk. In Deutschland wurde z.B. der Amstrad PC serienmäßig mit GEM ausgeliefert und war sehr populär. GEM war auch die Oberfläche die in den ersten Atari ST steckte. GEM war bis Anfang der neunziger Jahre wesentlich erfolgreicher als Windows, Gary Kildall - genialer Programmierer aber schlechter Geschäftsmann - traf jedoch Ende der achtziger Jahre einige unternehmerische Fehlentscheidungen, die schließlich dazu führten, das GEM von Windows verdrängt wurde. Weitere Gründe waren ein verlorener Copyrightprozess gegen Apple, welche gegen die Nachahmung des "Look and Feels vorgingen" (obgleich dieses auch nicht von Ihnen, sondern von Xerox stammte). So musste GEM mühsam abgeändert werden, was Zeit und Geld kostete.

Windows selbst hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Eigentlich schon auf der Comdex im Oktober 1983 angekündigt für das nächste Frühjahr, dauerte es bis November 1985 bis Windows 1.0 erschien. Dabei brauchte die Software doppelt so viel Speicher wie geplant und lief aufgrund des Umfangs nur mit einer Festplatte, obgleich die meisten PCs keine hatten. Grund dafür war nicht nur, das man bei Microsoft die Aufgabe unterschätzt hatte - auch Apple und Xerox hatten Jahre für eine grafische Benutzeroberfläche gebraucht die, Microsoft in weniger als der Hälfte der Zeit schreiben wollte. Nein, auch der große Vorsitzende Bill Gates hatte das Projekt mindestens 3 mal um Monate zurückgeworfen, als er Änderungen verlangte:

Einige kleinere Verzögerungen gab es durch einige absurde Forderungen, wie die zeitweise von Gates favorisierte Idee, die GUI mit Postscript Befehlen zu zeichnen, damit sie schöner aussah und leichter auszudrucken war.

Nach Fertigstellung der Version 1.0 wurde die Windows Gruppe auf wenige Entwickler reduziert, die nur die Aufgabe hatten die Funktionen die in Windows drin sein sollten, aber nicht waren, dort hinein zu kodieren, damit die Excel Gruppe ihr Programm fertig stellen konnte (Diese hatten sich leider darauf verlassen, das die Dokumentation der Windows Gruppe im selben Hause stimmte, was aber nicht der Fall war). Nachdem man noch einige Bugs behoben hatte erschien im Januar 1988 die Version 2.03. Damit war seitens Microsoft Windows zu den Akten gelegt. Windows 2.03 war eine GUI auf DOS, die nur ein Programm zu einer Zeit laufen lassen konnte und diese musste auch kooperativ sein, d.h von sich aus Rechenzeit an Windows abgeben. (Einige Anwendungen waren dies nicht, so war ein Running Gag bei Vorführungen mit Paint komplexe Zeichnungen zu erstellen, und dabei auf die Uhr zu schauen, die dann regelmäßig nachging oder stehen blieb).

Der Zufall kam durch einen Debugger für den Protected Code Mode des 80286 Prozessors, der zugekauft worden war. Mit diesem war es möglich den ganzen Windows Code durchzugehen und festzustellen, ob er im Protected Mode lief. Dies bedeutete, das man mehr als eine Anwendung laufen lassen konnte und DOS Anwendungen nicht Windows abstürzen lassen konnten. Ein Entwickler arbeitete damit an Windows weiter und konnte so den Kern von Windows 3.0 erstellen. Da man zum gleichen Zeitpunkt Probleme mit IBM hatte, mit denen man eigentlich das Betriebssystem OS/2 als neues System für den Protected Mode erstellte, bewilligte Bill Gates die Weiterentwicklung von Windows 3.0 als zweites Standbein und Übergangssystem zu OS/2, Wieder erwarten kam dieses im August 1990 gut an und verkaufte sich sehr gut - der Rest ist eine 12 Jährige langsame Übergangsphase von einer 16 Bit Software zu dem heutigen Windows XP als echter 32 Bit Software.

Microsoft hat dabei zwei Linien zusammen geführt. Die eine des Konsumer Windows für "Otto Normalverbraucher", welches lange Zeit einen sehr schlechten Ruf hatte. Dies ist die Linie Windows 1.0 -> Windows 2.03 -> Windows 3.0 -> Windows 3.1 -> Windows 95 -> Windows 98 -> Windows ME. Diese basieren alle auf DOS, bis Windows 95 musste man DOS zuerst installieren und dann Windows oben drauf. Ab Windows 95 war in Windows DOS versteckt (man konnte sich jedoch jederzeit eine DOS Bootdiskette erstellen). Schrittweise wurde dabei das 16 Bit System in ein 32 Bit System umgewandelt, das mehr Speicher unterstützte, vor allem aber  Anwendungen voneinander abschottete und das System sicherer machte.

Die zweite Linie war Windows NT, ein Produkt für Firmen, das von ehemaligen Entwicklern von DEC geschrieben wurde. Dieses System war modular und enthielt so anfangs noch Unterstützung für verschiedene Prozessortypen und andere Betriebssysteme wie OS/2 und UNIX Anwendungen nach dem POSIX Standard. Als es mehr und mehr den Markt dominierte wurde dieser Teil gestrichen. Windows NT war von Anfang an für den Betrieb in Firmen ausgelegt mit anderen Anforderungen an Sicherheit. Es verfügte über Rechteverwaltung von Benutzern von Anfang an über Netzwerkfähigkeiten und das Teilen von Ressourcen über das Netz. Es hinkte Windows aber immer hinterher was die grafische Oberfläche anging.

Heimcomputer mit GUI

Atari 520 STJack Tramiel ist eine der schillernden Persönlichkeiten in der Computerindustrie, die heute weitgehend vergessen sind. Er war Chef von Commodore und schaffte es 1982-1984 den größten Teil des Heimcomputermarktes mit dem C64 zu dominieren. Danach überwarf er sich mit dem Aufsichtsrat von Commodore. Die Firma war eine AG, aber Tramiel führte sie wie ein Unternehmen das ihm gehörte, und platzierte an die einflussreichsten Posten seine Söhne.

Als 1984 Jack Tramiel Commodore verließ übernahm er den Konkurrenten Atari von Time Warner, den er zuvor mit dem C64 an den Rand des Ruins gebracht hatte. Wie beim C64 forderte er von seinen Ingenieuren einen neuen Rechner zum Kampfpreis "Power without the Price". Es entstand der Atari ST. (ST = Sixteen/Thirtytwo für den 16/32 Bit Prozessor MC 68000, der als CPU gewählt wurde). Der auch als "Jackintosh" bezeichnete Rechner, war als Konkurrenz zum Macintosh konzipiert.

Der Atari ST kam 1985 mit 256 bzw. 512 KB RAM heraus. Wie beim Macintosh wurde als Zentralprozessor der MC 68000 mit 8 MHz gewählt, Massespeicher waren externe 3.5" Floppys mit jeweils 360 K Kapazität. Die grafische Benutzeroberfläche war eine Version von GEM über einem CP/M 68K Basissystem. Schlechte Anpassungen von Atari an die Hardware schadeten dem Ruf des STs aber in der Anfangszeit. Schließlich gab es sogar einen kostenlosen ROM Austausch.

War der Mac der erste "bezahlbare" Computer so war der Atari ST ein richtiger Preisbrecher: Für 1295 USD bekam man den Rechner mit einem hochwertigem Schwarz-weiß Monitor (der PC Besitzer erblassen ließ, das Bild war mit 70 Hz anstatt der damals üblichen 50 Hz sehr scharf und ruhig) sowie einer externen Floppy mit 360 K Kapazität. Er war auch der erste grafische PC der Farbe konnte: Man konnte zwischen Auflösungen von 640 × 400 Punkten (s/w) bis 320 × 200 Punkten (mit 16 Farben) wählen. Die serienmäßige MIDI Buchse war damals eine Sensation - und bewirkte das Atari STs bis in die neunziger Jahre der Computer für Musiker waren, die über ihn ihre Synthesizer programmieren konnten.

Jack Tramiel blieb dem Kurs konkurrenzlos preiswerte Computer anzubieten, dabei aber es nicht ganz so genau mit der Sorgfalt zu nehmen, treu. Die Atari ST Reihe wurde nach und nach erweitert durch Rechner mit mehr Speicher oder integrierter Floppy, es kamen Festplatten, Laserdrucker und CD-ROMs auf den Markt zu Preisen, die bei PC Besitzern Verwunderung hervorriefen. Anfang der neunziger geriet die Firma aber wie Commodore in Schwierigkeiten, da IBM kompatible PCs immer billiger wurden und der Verkauf der Ataris zurückging.

AmigaWährenddessen war Commodore nicht untätig geblieben und brachte Ende 1985 den Amiga heraus. Auch er basierte auf der MC 68000 CPU mit 7.14 MHz, hatte 256 bzw. 512 KB RAM und verwendete 3.5" Floppys. Dann endete aber die Gemeinsamkeit zum Atari ST. Der Amiga war erweiterbar. Es gab Steckplätze für Karten, es gab sogar eine IBM PC Emulator Karte. Der Amiga war ein viel farbigeres Gerät als der Atari. Es gab 64 Farben aus einer Palette von 4096 Farben. Die Auflösung von 512 × 384 war so gewählt worden, das sie der amerikanischen NTSC Norm entsprach und so konnte man auf dem Amiga mit ein wenig Zusatzhardware Videoschnitt betreiben. Zur Unterstützung der CPU setzte der Amiga eigene Bausteine ein, die den Bildschirmaufbau bewerkstelligten und Sprites - Spielfiguren - und Bilder schnell verschieben konnten. Eine Amiga Demo eines tanzenden Balls war lange Zeit ein beliebter Benchmark.

Der Amiga war allerdings immer etwas teurer als der Atari, Commodore brachte daher 1987 eine abgespeckte Version, den Amiga 500 heraus, der nicht erweiterbar war und die Floppy in einem flachen Gehäuse integriert hatte, damit kam auch der Verkaufserfolg. Es folgten Modelle mit der MC 68020 und MC 68030 CPU. Wie Atari ging die Firma Mitte der neunziger pleite, als die Verkaufszahlen für weitere fortgeschrittene Amigas rapide absanken.

Grund für den Konkurs beider Firmen war schlussendlich, dass sie die Entwicklungskosten für ihre Rechner selbst aufbringen mussten, die Konkurrenz im PC Lager aber ihren Rechner aus Standardkomponenten zusammen bauen konnte. Weiterhin sanken die Preise für PC Hardware viel stärker, weil die Verkaufszahlen größer waren.

Das gleiche passierte auch Apple, welches Ende der neunziger Jahre vor dem Aus stand. Steve Jobs kehrte in die Firma zurück und konnte zum einen Geld akquirieren, zum anderen brachte er neue innovative Produkte heraus, für die ein kleinerer, aber zuverlässiger Personenkreis die höheren Preise zahlte. Trotzdem wechselte man nach und nach zu Standards die beim PC üblich waren, wie beim Bussystem, dem Festplattenanschluss (von SCSI auf IDE) und zuletzt auch den Prozessor. Heute kann man auf einem MAC auch Windows installieren. Vielleicht gibt es ja auch mal das Mac OS für PCs die nicht von Apple stammen.

Fazit

Es ist interessant, das alle frühen GUI Versuche zwar Geschichte schrieben, doch letztendlich sich nicht auf dem Markt durchsetzten. Das heutige Apple Betriebssystem hat mit dem des Macintosh nichts mehr zu tun. Windows XP zwar noch etwas mit Windows, aber innerhalb dieser Reihe ist es so ziemlich das letzte Produkt das man noch erwähnen sollte, wenn man als Zeitgrenze die ersten 10 Jahre bis 1985 nimmt. Auch XFree 86, das System welches Linux nutzt wurde erst ab 1986 entwickelt. Der Amiga, Atari ST und GEM sind heute Geschichte. Wie so oft hat nicht der frühe Vogel den Wurm gefangen, sondern der mit dem besseren Marketing Konzept.

Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensäufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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