
Ich will das nicht diskutieren, zumal es auch von anderer Seite Kritik an diesem Konzept und der Berechnung gab. Das Problem der NASA ist dieses Konzept „Maximale Sicherheit“ durchgängig im Constellation Programm durchgezogen wurde. Das verbietet den Einsatz neuer Technologien, selbst wenn sie erhebliche Performancevorteile versprechen. So gab es in der frühen Projektphase noch die Idee LNG/LOX für die Ascent Stage einzusetzen, davon ist man nun zugunsten von MMH/MTO abgekommen, immerhin soll der Altair Lander noch mit LOX/LH2 landen, doch ob dies noch gekippt wird denke ich ist eine Frage die auch im Raum steht.
Nun werden alle der NASA bestimmen, das Raumschiffe sicher sein sollen. Aber sollen sie um jeden Preis sicher sein? Nehmen wir das Beispiel des LOC Risikos beim Start. Es soll bei Delta und Atlas zwischen 1:600 und 1:1000 liegen und bei der Ares I bei 1:2000. Nun ist sicher diese Zahl höher, aber mir stellen sich da zwei Fragen: Lohnt es sich dafür eine neue Rakete zu entwickeln, während die anderen Modelle schon existieren? Und: Was sagen diese Zahlen denn wirklich über die Sicherheit der Trägerrakete aus? Heute haben selbst Träger die über Jahrzehnte unverändert eingesetzt werden, nur eine Zuverlässigkeit von 98 %, also 20 bis 40 mal weniger als die obigen Zahlen. Ich bezweifele, dass die Sicherheit durch die Trägerrakete kommt, sondern sie resultiert aus dem Rettungssystem, das ist aber unabhängig von der Trägerrakete.
Es ist vor allem ein berechneter Wert. Er hat nichts damit zu tun wie zuverlässig die Rakete ist. Da kann es durchaus Veränderungen geben, wie ja die Geschichte zeigte. So erwies sich das Space Shuttle als nicht so sicher wie vermutet und auch Ariane 5 ist noch ein bisschen von der 98,5 % Zuverlässigkeit die vor dem Jungfernflug angegeben wurden, entfernt. In meinen Augen spricht viel für die Argumentation von Befürwortern der Atlas V und Delta IV – es handelt sich um bewährte Träger die bis 2014 beide 12 Jahre im Einsatz gewesen wären, anstatt einige Jahre wie bei der Ares I. Vor allem aber: Sind dann noch bemannte Unternehmen möglic,h die von dem abweichen was man jetzt schon getan hat? Constellation mag noch nicht in diese Kategorie fallen, schließlich ist es eine Wiederholung von Apollo. Aber wie sieht es mit einer Marslandung aus? Praktisch alles was das Unternehmen entscheidend verbilligen würde, indem es das Startgewicht reduziert, wurde noch nie erprobt wie z.B. die Treibstoffgewinnung vor Ort. Soll man um maximalen Strahlenschutz zu bieten die Besatzung durch 1 m Wasser abschirmen und einige Zig Tonnen zum Mars und zurück bringen?
Vor allem betreibt die NASA jetzt noch die Space Shuttles – mit einem LOC Risiko, dass sie selbst als 1:80 einstuft, also 25 mal geringer las bei der Ares I und 12 mal geringer als bei einer Atlas und Delta – wie bitte soll dies dann gerechtfertigt werden. Auch die Sojus sind auch nicht viel zuverlässiger. Bei 126 Missionen bisher starben bei zweien die Besatzungen. Das ist ein Verlust auf 61 Missionen. Wenn ich die Sicherheit wirklich so ernst meine, dann warte ich nicht erst bis ich 2015 ein sicheres Transportmittel habe sondern forciere dessen Entwicklung und stelle die unsicheren Flüge ein.
Ich glaube dass sich bei dieser Situation – bei der die NASA ja nur darauf reagiert, dass die Öffentlichkeit nicht den Verlust von Astronauten toleriert – es am besten wäre die bemannte Raumfahrt komplett einzustellen. Den Raumfahrt ist unsicherer als die meisten irdischen technischen Systeme. Niemand würde in der Luftfahrt auch nur ein LOC Risiko von 1:2000 akzeptieren (das entspricht z.B. bei rund 12.500 Lufthansa Flügen pro Jahr sechs Abstürzen mit Tod aller Passagiere). Es wäre aber in der Raumfahrt ein extrem geringes Risiko. Selbst wenn man von dem Start als Hauptausfallursache weggeht: Es gehen immer wieder auch Satelliten aus unterschiedlichsten Gründen verloren, das gleiche gilt für Raumsonden. Ich denke selbst nach dem Start kann man froh sein, wenn 98-99 % der Missionen glücken. Mit dem Verlust wird gerechnet. Versicherungen für Kopmmunikationssatelliten liegen bei 11-14 % des Versicherungswerts. Das bedeutet dass man wahrscheinlich (da die Versicherung ja auch Gewinn machen will) mit einem Verlustrisiko im oberen einstelligen Prozentbereich rechnet. Kommunikationssatellitenprovider und Eumetsat haben z.B. Reservesatelliten im Orbit um einen Ausfall abzufangen. Die Vorgehensweise findet man auch bei irdischen technischen Systemen. Redundanz zum Ausfälle abzufangen. Redundanz gibt es auch in den Systemen von Raumfahrzeugen, aber nicht alles kann redundant sein, weil sonst das Raumschiff zu schwer wird.
Mein Vorschlag an die NASA: Stellt die bemannte Raumfahrt ein, oder macht der Bevölkerung klar, dass jeder Flug riskant ist – und überlegt dann auch ob wirklich jeder Flug notwendig ist, und nicht so mancher Flug auch durch einen unbemannten Träger ersetzt werden kann. Sofern es hier keinen öffentlichen Konsens gibt, wie er noch zur Zeit von Gemini und Apollo herrschte kostet es nur eine Menge Geld und bringt im Endeffekt nur wenig.