Bernd Leitenbergers Blog

Der Casio FC-991ES im Besonderen und Taschenrechner im Allgemeinen

Seit mindestens 10 Jahre arbeite ich mit einem Casio FX-115s. Inzwischen ist das Display verkratzt, eine Hälfte der Schutzhülle abgebrochen und die Beschriftung auf dem Tastenfeld schwer zu lesen. Also schaute ich mal nach einem neuen Rechner und meine Wahl fiel nicht auf das Nachfolgemodell, sondern den Casio FX-991ES. Der kann eigentlich mehr als ich brauche. Ich denke er ist das optimale Modell für alle, die numerisch Gleichungen lösen wollen. Er kann differenzieren, Integrieren, Summen über Formeln bilden, Wertetabellen erstellen und bestimmte Gleichungen numerisch lösen. Also alles außer algebraisch die Gleichungen zu lösen.

Ich brauche das nicht. Mich interessierte ein größeres Display und eine bessere Darstellung. Dafür zahlte ich gerne 7 Euro mehr, verglichen mit dem FX115 Nachfolger. Mein Eindruck ist gespalten. Zum einen braucht man deutlich mehr Tastendrücke für einige häufig benutzte Funktionen, z.B. Min und MR. Letztere beiden gingen vorher direkt oder mit Shift. Nun ist ein zusätzlicher Tastendruck über STO/RCL nötig.  Es ist zwar systematischer, weil dieser Speicher nun nur noch einer von mehreren ist (wie schon beim FX115), aber ungewohnt und eben mehr Tastendrücke.

Mit der Zeit gewöhnt man sich um. Dann fallen einem die Vorteile bei der Darstellung (mehrere Zeilen, echte Brüche, Verwendung von Wurzel und Pi als Symbolen) auf. Trotzdem finde ich zwei Dinge verbesserungswürdig: Man kann die letzten Ergebnisse mit Rechengang anzeigen über den Cursorknopf und bearbeiten, aber nicht in die aktuelle Rechnung einfügen – das ist dumm wenn man gewohnt ist etwas in mehreren Schritten zu berechnen. Vor allem schaltet er sich schnell ab – Wenn ich mal kurz wechsele ist er meistens aus wenn ich ihn wieder brauche. Casio gibt auch nur eine Batterielebensdauer von 3 Jahren bei 1 h Nutzung/Tag an – mein Alter hat mindestens 10 Jahre auf dem Buckel.

Das Tastenfeld ist hell, man kann gut lesen. Die Schale führt die verwendeten Konstanten und Konvertierungsroutinen auf, und liegt nur lose am Rechner – weil die Beschriftung auf der Innenseite ist. Da fand ich die Deckelschale das alten besser. Also er ist wohl der ideale Rechner für Schüler die ihn noch in Klassenarbeiten einsetzen können, weil er nicht programmierbar ist, aber wer als Ingenieur oder Student einen technischen Rechner braucht wird wahrscheinlich mit etwas weniger (ohne Gleichungslösung) besser bedient sein.

Nun warum scheibe ich das? Es ist denke ich erstaunlich wie man sich an Tastendrücke blind gewöhnt. Ich merke das, wenn ich mal eine andere Fernbedienung für einen Fernseher benutze oder ein neues Gerät habe. Meistens beschränkt man sich dann auch auf ein paar Funktionen und benutzt das meiste gar nicht. Beim Taschenrechner ist das anders. Ich brauche viele Funktionen, wenn auch nicht alle, aber deutlich mehr als bei einer Fernbedienung für einen DVD Player. Und man gewöhnt sich daran. Also die Tasten eines Taschenrechners bediene ich blind, weil ich weiß wo sie sind und da machen Layoutveränderungen einiges aus. Das ist auch der Grund warum ich bei Casio geblieben bin. Bei der Berufsfachschule bekam ich mit 15 den ersten – einen FX81, dem folgte im Gymnasium ein FX82, später privat gekauft der FX100 und FX115. Nun der ES991 – das sind fünf Modelle in 30 Jahren. Ich habe zweimal mir einen anderen Noname Rechner gekauft. Einmal weil er programmierbar war und mir langweilig im Urlaub war und ich so ein paar Berechnungen anstellen wollte und einen zweiten, weil ich einen zweiten haben wollte um nicht immer nach dem ersten zu suchen wenn ich einen Gedanken hatte und ihn in der Werbepause mal durchrechnen wollte. Aber die wurden beide verschenkt, weil die Belegung von denen Casios abwich. Wahrscheinlich gewöhnen sich Sharp, HP oder TI Benutzer genauso an ihre Rechner.

Ich denke Taschenrechner haben heute einen Grad erreicht, denn man kaum noch verbessern kann. Also den Abruf der letzten Ergebnisse und ein größeres Display stehen bei mir auf der Wunschliste. Aber vieles mehr was schon möglich ist halte ich für überflüssig. Ich hatte mal einen grafischen Rechner von Casio. Nettes Spielzeug, aber er nuckelte die CR2032 Batterien richtig schnell leer und trotzdem war das Display nur grob. Die geringe Displaygröße und das Problem mit der Tastatur Buchstaben einzugeben spricht meiner Meinung nach auch gegen programmierbare Rechner. Taschenrechner sollten da sein um was schnell zu berechnen. Wenn ich dafür lange brauche kann ich einen PC nutzen, bei dem es komfortabler geht – egal ob es Grafik ist (Gnuplot) oder Berechnungen (mein Formelrechner) oder algebraische Lösungen (Euler, Mathematica, Maple etc…). Dabei sind die Geräte inzwischen echt billig geworden. Programmierbare Rechner gibt es ab 35 Euro (CASIO FX-50F Plus) und Grafikrechner (Casio FX-7400GPLUS) ab 50 Euro. Ich glaube meiner kostete so Ende der achtziger Jahre noch um die 180 Mark.

Es geht dafür aber auch schneller als wenn ich in Windows den Taschenrechner nutze, einfach weil ich schneller an die Tasten rankomme als in Windows, von den Funktionen mal ganz zu schweigen. Also eine Existenzberechtigung für Rechner gibt es immer.


Was gibt es sonst noch neues? Ich habe schon 240 Seiten im Manuskript des Skylab Buchs geschrieben. Ich denke ich werde diese Woche noch das Kapitel über die drei bemannten Missionen abschließen. Danach steht als letztes Kapitel noch die Station selbst an, wobei ich meinen Skylab Aufsatz stark ausbauen werde. Es macht viel Spaß dran zu arbeiten und daher komme ich recht schnell vorwärts. Mit Sicherheit wird es mein größtes Buch über bemannte Raumfahrt sein, vielleicht sogar umfangreicher als die Bücher über Ariane 5/Vega oder europäische Trägerraketen.

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