Bernd Leitenbergers Blog

Der Tod und die Todesstrafe

Geht es eigentlich nur mir so? Immer wenn jemand im Fernsehen so theatralisch stirbt, frage ich mich wie das wohl in Wirklichkeit so ist. Also wenn jemand zweimal in die Brust getroffen ist, kann der noch die Wunden ansehen bevor er zusammenbricht? Überhaupt, fallen die nicht gleich Tot um und wenn was fühlen die so?

Nun ja, seit Montag habe ich da einen kleinen Vorgeschmack. Ich will die Straße überqueren, schaue nach links – nächstes Auto weit weg, nach Rechts – Truck muss warten bis er abbiegen kann, gehe auf die Straße und Wumm! Ein Auto das aus der Straße kam aus der ich gerade kam und daher nicht von mir einsehbar im Rücken war hatte mich erwischt.

Das Resultat: ein geprellter Fuß und Schrammen am Ellenbogen. Da das Auto maximal 10 m zum Beschleunigen hatte, verlief es noch glimpflich. Mich ärgert mehr, dass ich nach dem Unfall so verwirrt war, das mir nicht auffiel, das mein MP3 Player nun weg war. Aber eines war erstaunlich – ich habe davon nichts mitbekommen. In einem Moment war ich noch auf der Straße und im nächsten war ich auf der Straße. Ich habe weder den Aufprall mitbekommen, noch wie ich gestürzt bin. Wenn das nun eine höhere Geschwindigkeit gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich tot – aber auch da hätte ich wohl nichts vom Aufprall mitgekriegt.

Das leitet mich zum zweiten Thema über. Der Todesstrafe. In Filmen und Romanen werden da ja die absonderlichsten Methoden beschrieben. Zuletzt bei den Windsors – da wurde ein Koch der Bischöfe vergiftete in siedendes Wasser getaucht. Immerhin scheint das Köpfen ja auch nicht so toll gewesen zu sein – für Anne Bolyn wurde ja extra ein Scharfrichter bestellt, der das mit dem Schwert erledigte anstatt mit dem Beil, und das dürfte wohl ein Grund für die Erfindung der Guillotine gewesen sein.

In den USA gibt es ja eine Reihe von Möglichkeiten, die in diesem doch so fortschrittlichen und aufgeklärtem Land, noch immer verbreitete Todesstrafe zu vollziehen. Der Trend geht über die Jahrhunderte ja dazu das ganze „humaner“ zu machen – humaner für die die sie durchführen müssen, nicht die Todeskandidaten. Möglichst wenig Verantwortung an der Handlung oder die Reduktion auf etwas was Alltägliches oder nicht direkt der Handlung zuzuordnendes. So wie im Krieg auch der Pilot eines Bombers nur noch aufs Knöpfchen drücken muss und nicht mehr die Opfer seiner Bomben sieht.

So verwundert es nicht, das kürzlich die Erschießung eines Todeskandidaten durch die Presse ging. Interessanterweise gilt das als „archaisch“. Ich kann das nicht nachvollziehen. Zwar würde ich auch annehmen, dass die Giftspritze vorzuziehen wäre, doch dafür müsste sie fachmännisch ausgeführt werden. Im Prinzip ist das ja so wie bei einer Operation oder dem Einschläfern von Haustieren. Erst gibt es etwas das man ohnmächtig wird und dann eine tödliche Dosis. Nur darf das kein Arzt durchführen und wohl auch anderes medizinisch ausgebildetes Personal. Stattdessen lässt man dann Laien auf die Todeskandidaten los. So gibt es immer weder Fälle von verwechselten Venen/Arterien. Die anderen Hinrichtungsarten scheinen auch nicht so toll zu sein.

Vor ein paar Jahren kam mal auf diesen Wissensendungen bei den Nachrichtensendern (also die Entsorgung des US-Mülls, den sonst keiner haben will), eine Sendung in der sich der Autor mit den verschiedenen Todesarten beschäftigte und den Nachteilen die sie haben. Das dies nicht neutral war, zeigte sich schon daran, dass er nach einer „schmerzlosen“ Art suchte, anstatt den Sinn der Todesstrafe generell anzuzweifeln. Schließlich fand er auch eine: Einatmen von Luft in der der Stickstoffanteil langsam gesteigert wird, er probierte das auch aus, soweit es eben ging ohne Schäden davon zu tragen. Man wird durch den Sauerstoffmangel zuerst müde und dann ohnmächtig. Er schlug das dann als „humane“ Todesstrafe vor. Doch selbst er war erstaunt als er dann mit dem Vorsitzenden einer „Pro Todesstrafe“ Vereinigung sprach über seinen Vorschlag. Der meinte nämlich. Die Todesstrafe soll nicht human sein, sondern im Gegenteil möglichst schmerzhaft langsam um abzuschrecken. Solche Leute sind dann sicher auch noch für abgestufte Todesstrafen je nach Verbrechensschwere und würden bestimmt auch Todeskandidaten in den Löwenkäfig des nächsten städtischen Zoos einsperren…

Ja, die USA, das Land des unendlichen Wahnsinns.

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