Bernd Leitenbergers Blog

Das Ende der PC Revolution – Teil 3

Ich habe das Thema ja schon mal aufgenommen. Es ist abzusehen, dass die bisherigen exponentielle Wachstumskurve bei den Chips sich abflachen wird und vielleicht zum Stillstand kommt. Ich habe mich schon mal mit dem technischen Aspekt beschäftigt: Basis für eine weitere Steigerung ist im Prinzip die Verkleinerung der Strukturen. Dazu benötigt man immer kurzwelligeres Licht. Die Erzeugung von Extremer UV-Strahlung ist aber aufwendig und der Wirkungsgrad ist gering, optische Elemente müssen außerordentlich hohe Genauigkeiten aufweisen, bei der nächsten Generation im Bereich von Atomdurchmessern. Das ist der technische Aspekt, denn ich schon mal erläutert habe.

Der zweite Aspekt ist der finanzielle. Eine Chipfabrik der nächsten Generation kostet schon 4 Milliarden Dollar. In dem Maße in dem die Fertigung aufwendiger wird, steigen die Kosten an. Schon heute ist es so, dass die aktuelle Strukturbereite (45 nm) nur von wenigen Firmen beherrscht wird, weil einfach die meisten sich die Investitionen nicht leisten können. Neben den beiden Großen IBM und Intel sind es vor allem Allianzen. Die anderen Halbleiterfirmen schließen sich zusammen und betreiben zusammen eine Fabrik. Das ergibt sich einfach daraus, dass die Investitionen nur bei sehr hohen Stückzahlen und/oder hohen Gewinnen hereinkommen. Das klappt vielleicht bei den schnellsten CPU’s für PCs oder GPU’s, aber sicher nicht bei Chipsätzen, Embedded Prozessoren etc. die zu ganz anderen Preisen verkauft werden.

Das ist auch der Grund, warum ARM Prozessoren oder andere RISC Konzepte soweit in der Leistung hinter einem aktuellen Core X von Intel hinterherhinken. Die Architektur mag veraltet sein, aber 1 Milliarde Transistoren rechnen bei 3 GHZ eben schneller als 100 Millionen bei 1 GHz, auch wenn man sie nicht optimal ausnutzt.

Was wird passieren: Irgendwann wird die Fertigung so teuer sein, dass auch Intel und IBM mit anderen Firmen zusammen gehen und es vielleicht noch 1-2 Firmen gibt welche die aktuelle Generation entwickelt und etwas später wird es wohl unwirtschaftlich werden die Strukturbreiten zu verringern, weil die Investitionskosten zu hoch werden.

Was wird dann passieren?

Wenn die Integrationsdichte nicht mehr steigt, wird die Branche dann noch mehr als heute sich evolutionär verändern. Ähnlich wie dies in anderen Branchen auch heute der Fall ist. Es ist ja heute kein Problem einen Motor zu bauen, der 350 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht, aber die meisten begnügen sich eben mit 200 km/h und können dafür bequemer fahren oder mehr Dinge transportieren oder einfach weniger Benzin verbrauchen. So wird es auch der Chipindustrie gehen. Man wird dann versuchen die möglichen Prozesse optimal auszunutzen Das heisst aus den Transistoren das Maximum herauszuholen, da man nicht davon ausgehen kann dass in zwei Jahren doppelt so viele zur Verfügung stehen.

Es wären mehrere Möglichkeiten denkbar:

Neue Architekturen sind nicht so problematisch für die Software, wie gedacht. Schlussendlich wird heute fast alles in Hochsprachen programmiert. Beim Mac ist die Migration über drei Prozessoren sehr gut gelungen (MC680X0, PowerPC, IAx86). Es ist auch heute nicht das Problem. Windows Mobile gibt es für verschiedene Architekturen und Software kann man auf dem PC erstellen. Das Problem ist nicht der Prozessor, sondern die Umgebung – das „normale“ Windows ist z.B. ausgelegt für die Bedienung mit Tastatur und Maus, nicht mit Stiften oder Gesten. Die Fenster haben bestimmte Größen, was schon bei den Netbooks (die ersten hatten nur ein 800 x 480 Pixel Display) dazu führte, dass bestimmte Einstellungsfenster der Systemsteuerung nicht mehr ganz auf den Bildschirm passen. Sofern man also nur den Prozessor auswechselt, gibt es keine Probleme, dagegen wird eine Generation von ultramobilen Geräten, die mal in einem Kommentar hier vorgeschlagen wurde, andere Bedienkonzepte und Anpassungen an 3″ Bildschirme erfordern.

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