Atom- und Wahlnachlese

Nun einige Wochen nach dem Super-Gau von Japan wird es an der Zeit für eine Nachlese und zwar eine etwas allgemeiner gehaltene. Ich möchte an dieser Stelle mal meine Einstellung zur Kernkraft in den letzten Jahrzehnten reflektieren. Ich war ursprünglich für Kernkraft. Wie viele andere, glaubte ich an umweltfreundliche Energie und für mich war zumindest in den frühen achtziger Jahren es kein Widerspruch das Klima zu schützen und Kernkraft einzusetzen um Kohlendioxid zu vermeiden.

Dann kam Tschernobyl. Bei mir hat es die Meinung geändert und ich bin (anders als die meisten) auch bei dieser über die letzten 25 Jahren geblieben. Vor allem ist es interessant wie man bestimmte Phrasen immer hört: Als es in Fukoshima ernster wurde, aber man noch nicht ganz genau wusste was passiert ist, gab es in den ersten Verlautbarungen ja auch die gleichen Sprüche: „deutsche Atomkraftwerke sind sicher“ und ein Unionspolitiker verwies dann auch darauf, was passiert wenn man in Deutschland aussteigt – was wird mit den unsicheren Atomkraftwerken in den Nachbarländern wie Frankreich Tschechien und Österreich… Die sind ja dann immer noch da und gefährlich (sie sind ja keine deutschen Atomkraftwerke).

Nun das zeigt schon wie es läuft. Abwiegeln, beschwichtigen, von den Problemen ablenken. Das zeigt sich schon am obigen Zitat: Österreich hat in der Tat ein Kernkraftwerk, nur ging es nie ans Netz. Es wurde vorher durch Volksentscheid stillgelegt und ist wohl das einzige sichere Kernkraftwerk der Welt. Aber es geht ja darum zu suggerieren, das Deutschland von Kernrkaftwerken umzingelt ist und eh nichts machen kann. Immerhin kann man für das Landesinnere die Situation verbessern und den Osten auch, weil die meisten an der Westgrenze liegen.

Dann das so ewig beschworene „deutsche Kraftwerke sind sicher“. Warum eigentlich? Nur weil sie in Deutschland hergestellt werden? Bei anderen Industrien hat doch Deutschland auch keine Führungsrolle, so bei der Elektronik. Das kommt alles aus Asien oder Amerika. Das Argument zog noch bei Tschernobyl – der Reaktortyp war ein anderer und man unterstellt den Russen ja, dass Ihnen Menschenleben nicht so wichtig ist, Hauptsache es gibt Strom. Nun eines ist sicher unstrittig: Durch den Moderator Graphit konnte der Tschernobylreaktor brennen und so großflächig die Landschaft verseuchen. Das ist bei einem Siedewasserreaktor nicht in dem Maße gegeben. Aber wie Fukoshima zeigt kann auch hier Radioaktivität austreten. Und was war 1979 mit Harrisburg? Da entging man ja auch gerade noch einer Kernschmelze und einer Wasserstoffexplosion. Sind amerikanische Kernkraftwerke vom netten großen Bruder denn auch so unsicher? Ich habe das Argument ja schon 1986 nicht mehr geglaubt, im Gegensatz zu den Politikern.

Es gibt natürlich einige Einwände gegen das „ist sicher“ Argument. Das eine ist, dass nur Fälle berücksichtigt werden, die man annimmt. Bei Fukoshima war ja nicht das Erdbeben oder der Tsunami schuld. Beides war am Ort des Reaktors schon soweit schwächer (das Epizentrum war deutlich nördlicher), dass der Reaktor es überstand. Er wurde ordnungsgemäß heruntergefahren, ganz nach Handbuch. Was ihm zum Verhängnis wurde, war der Ausfall des Stromnetzes als Folge der Ereignisse über einige Tage und dadurch Ausfall der Pumpen. Unwahrscheinlich? Hatten wir nicht vor ein paar Jahren in Norddeutschland mal einen Ausfall des Stromnetzes in einigen Regionen über Tage?

Das ist also1:1 auf Deutschland übertragbar. Das zweite was die eigentliche Explosion von Tschernobyl verursachte, waren Bedienungsfehler und die können immer vorkommen, nicht nur in Russland.

Das zweite warum ich mich gegen Kernkraft wendete, war einfach die Güterabwägung: Was hat man als Nutzen und was als Risiko. Das Risiko, das zeigte Tschernobyl, ist eine unbewohnbare Gegend in einem Umkreis von 60 km. Ziehen sie mal einen Kreis mit einem Radius von 60 km um jedes deutsche Kernkraftwerk und malen sich die Folgen aus – es müssten ganze Großstädte wie Stuttgart oder Hamburg aufgegeben werden. Das ist das Risiko. Was ist der Nutzen? Es sind höhere Gewinne der Stromkonzerne. Wohlgemerkt nicht billiger Strom wie er immer genannt wird. Denn er ist nicht billiger. Wir haben nun seit 10 Jahren eine Strommarktliberalisierung und ich habe letztes Jahr von EnBW auf einen anderen Anbieter gewechselt. Der EnBW Strom war zu 40% aus Kernenergie und er war teurer als der eines kleineren Stadtwerkes ohne Kernenergie. Es ist schlicht und einfach nicht so, dass Atomstrom billiger ist, zumal nur ein Drittel des Strompreises auf die Herstellung entfällt, der Rest auf die Gebühren für das Leitungsnetz und die Steuern und verordneten Abgaben.

Ich finde es auch interessant wie z.B. das Entsorgungsproblem von den Politikern völlig ignoriert wurde. Seit 30 Jahren sucht man nun schon ein Endlager. Bzw. man streitet über das beste. Ich frage mich: Gehört das nicht mit zur Konzeption? Müsste ein solches Lager nicht schon bereit stehen, bevor überhaupt der erste Reaktor in Betrieb geht? Wie kann man es verantworten, diese Frage nicht zu lösen und trotzdem die Reaktoren weiter zu betreiben und mehr und mehr Atommüll zu produzieren?

Ich frage mich, wie nun Politiker ernsthaft für die Atomkraftwerke sein können, denn sie nutzen ja nur den Interessen von vier großen Konzernen und bürden die Kosten für die Entsorgung der Allgemeinheit auf. Man kann sich nicht des Eindrucks entziehen, dass die Politiker, die sie trotzdem noch vertreten, entweder strunzdoof oder gekauft sind. Diesen Eindruck kann man sich auch nicht erwehren, wenn sie (was immer wieder der Fall ist), davon sprechen, dass ohne Atomstrom es nicht geht. Das Fernsehen hat nach der Wahl in BW nochmals an Whyl erinnert. Da hat unser ehemaliger MP Filbiner 1975 prognostiziert, dass ohne das AKW Whyl in BW „Ende des Jahrzehnts die ersten Lichter ausgehen“. Und nichts ist passiert. Innerhalb von zehn Jahren ist der Anteil regenerativer Energien auf 17,5% gestiegen. Wir haben eine Überkapazität aufgebaut und nur deswegen war es möglich von Heute auf Morgen einfach sieben Reaktoren vom Netz zu nehmen, also ein Drittel aller AKW. Wenn das so weiter geht, brauchen wir in weiteren zehn Jahren keine AKW mehr.

Auch hier muss man den Sachverstand von Politikern anzweifeln. Kennen sie nicht die Überkapazität? Aber das muss man nicht, denn das Moratorium zeigt ja, dass sie genau wissen, dass man vin wenigen Tagen sieben Reaktoren abschalten kann ohne die Versorgung zu gefährden, während sie vor wenigen Monaten noch sagten ohne sie bricht alles zusammen und man muss die Laufzeiten verlängern. Nur wird dann eben nicht das Gesetz mal schnell geändert (ging vor vier Monaten ja auch) sondern wahlkampfwirksam ein „Moratorium“ verkündigt. Das Ziel war es wohl nach drei Monaten das wieder aufzuheben, wenn der Staub sich gelegt hat. Scheint so als ginge diese Rechnung nicht auf.

Meine Meinung: Man braucht keine Gesetze über Laufzeiten sondern nur Marktwirtschaft. Das klingt verrückt? Nein ist es nicht. Die Konzerne sollen ihre AKW betreiben können auch neue bauen können, wenn sie wirtschaftlich sind, Nur eben mit allen Kosten auch denen die heute der Allgemeinheit aufgebürdeten. Dazu gehören:

  • Eine Versicherung, die das Risiko aller Unfälle und Freisetzungen vollständig abdeckt (man denke mal an die Prämien die nötig sind, wenn man bei einer Explosion von Kürmel, alle Hamburger entschädigen will)
  • Die Bezahlung der sicheren Entsorgung des Atommülls
  • Der Staat sollte seine Vorfinanzierung der Erforschung der Atomenergie und die früher gezahlten Subventionen verzinst zurückfordern.

Ich wette, wenn man so die Kosten der Atomenergie den echten Kosten anpasst, sind die Reaktoren schneller vom Netz als es sich selbst grüne Politiker vorstellen können.

Man kann die letzten Wahlen ja auch anders interpretieren. Nicht als Folge von Fukoshima, denn es hat die Regierung ja sofort gehandelt. (Andere Länder wie die USA ja gar nicht, dort werden sogar neue AKW gebaut). Sondern als Ausdruck der Glaubwürdigkeit der Parteien. Die liegt nach Ansicht des ZDF Politbarometers derzeit so:

„Noch schlechter steht es um die Glaubwürdigkeit seiner Partei: 79 Prozent halten die FDP für unglaubwürdig. Am besten schneiden auch bei der Glaubwürdigkeit die Grünen mit 62 Prozent ab. Bei allen anderen Parteien ist das Verhältnis von Glaubwürdigkeit zu Unglaubwürdigkeit deutlich schlechter: SPD 45 zu 49 Prozent, CSU 37 zu 54, CDU 35 zu 60, Linke 22 zu 71 Prozent.“.

Die Mehrheit der Bürger hält also die Regierung für unglaubwürdig. Die Verluste der FDP sind am höchsten und ihre Glaubwürdigkeit am geringsten. Die Gewinne der Grünen am höchsten und ihre Glaubwürdigkeit die höchste. Es wurden die Partien abgestraft denen man ihre dauernden Wechsel nach dem Wind nicht mehr abnimmt. So dumm ist der Wähler dann doch nicht,

22 thoughts on “Atom- und Wahlnachlese

  1. > Ich wette, wenn man so die Kosten der Atomenergie den echten Kosten
    > anpasst, sind die Reaktoren schneller vom Netz als es sich selbst
    > grüne Politiker vorstellen können.

    DAS glaube ich auch. 🙂

  2. Der Vergleich der Strompreise sagt nicht unbedingt etwas über die Herstellungskosten aus, eher etwas über die Raffgier der Firma.
    Das fehlende Endlager ist allerdings ein Problem. Vor allem halte ich das für die Grundvoraussetzung für einen Atomausstieg. Schließlich fällt der meiste radioaktive Müll nicht beim Betrieb eines Reaktors an, sondern erst beim Abriß. Die Frage ist also: Können wir uns einen Atomausstieg ohne sicheres Endlager überhaupt leisten? Und zwar eins das wirklich sicher ist, nicht mit einer nur von oben angeordneten Sicherheit. Da besteht dringender Handlungsbedarf, und die Glaubwürdigkeit der Parteien ist nicht zuletzt daran zu sehen, wie sie zu diesem Problem stehen.

  3. Für einen Staat und dessen Verwaltung hat die Stromerzeugung aus Kernenergie die folgenden Vorteile:

    – für ein Industrie- oder Schwellenland welches Kernenergie einsetzt, und die komplette Technik selbst beherscht, und nicht nur eingekauft hat, ist der Weg zur Atombombe kürzer, falls man sie doch mal braucht.

    – für ein Land, welches die Atombombe schon hat ist es interessant, die schon bezahlte Technik auch zivil einzusetzen. (Hier geht es um die Einschätzung der Politiker, nicht notwendigerweise die der Techniker.)

    – Kernkraftwerke sind Großprojekte und oft genug Unikate. Das macht sie interessant, da es bei einem Großprojekt einfacher ist Geld abzuzweigen, oder Versorgungsposten zu verlangen, als wenn viele kleine Projekte realisiert werden.

    – Es gibt genug Politiker und Führungskräfte, für deren Ego es wichtig ist ein Großprojekt durchgesetzt oder durchgeführt zu haben.

    – Es gibt genug Politiker und Führungskräfte, für deren Ego es wichtig ist ein sichtbares Ergebnis vorweisen zu können, die aber zu faul sind viele kleine Projekte zu machen. (Idee: viel Renomee für wenig Arbeitsleistung.)

    – Kernkraftwerke haben gegenüber mit fossilen Brenstoffen gefeuerten Kraftwerken den Vorteil, daß ein Land sich gegen eine Blockade viel besser schützen kann, da es zu vertretbaren Kosten machbar ist, Brennstoff für ein Jahrzehnt zu lagern.

    – Kernkraftwerke haben gegenüber Windkraftwerken den Vorteil, daß man Windkraftwerke fast komplett im Voraus bezahlen muß, während Kernkraftwerke effektiv auf Kredit laufen: Die Entsorgung muß erst in X Jahren bezahlt werden.

  4. Es scheint leider ein ungeschriebenes Gesetz zu geben: Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste und Kosten. Bei der Atomindustrie sind es mit Sicherheit die Kosten einer wie auch immer gearteten Endlagerung. Im Schadensfall natürlich auch die Kosten von Evakuierung, Umsiedlung der Bevölkerung, Strahlenerkrankung tausender Menschen.
    Die Strommonopolisten werden sich mit allen Mitteln, dagegen wehren den jetzigen Status zu ändern. Mit Geld, Macht und Desinformation.
    Wir müssen zu einer dezentralen Energieversorgung kommen und da wären unsere Politiker gefordert.
    Wärme – Kraft Kopplung wo es möglich ist. Großflächiger Einsatz von Photovoltaik und Kollektoren, Windkraft. Das ist mit den bestehenden Monopolstrukturen aber nicht möglich.
    Desertec, also Solarenergie aus den Wüstengebieten Nordafrikas wäre auch eine Option. Das geht aber nur, wenn man diese Länder bei ihrer demokratischen Entwicklung unterstützt und sie auch politisch an die EU bindet. Ich meine damit vornehmlich fairen Handel und Pespektiven für die dortigen Menschen. Energiepolitik ist immer auch Innen- und Außenpolitik. Dazu braucht man klare Ziele und die Kompetenz die einzelnen Alternativen hinsichtlich ihres volkswirtschaftlichen Nutzens durchzukalkulieren.

    Ich hab den Eindruck, nur weil Frau Merkel und Herr Westerwelle SMS austauschen, meinen die schon im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Der Pressesprecher der Bundesregierung twittert gar.

    Aber im Kopf sind die alle noch höchstens im Jahr 1950.
    Dank aktueller Informationstechnologie könnten wir sogar Windkraftwerke in Polen und Solarkraftwerke in Portugal zu virtuellen Kraftwerken zusammenschalten (wenn es Sinn macht).
    Stattdessen werden Windkraftanlagen bei Überangebot vom Netz genommen, weil ein AKW nicht so schnell runtergefahren und wieder angefahren werden kann, wie es die Bedarfsschwankungen erfordern.

    Man hat auch die Möglichkeit Solarenergie zu speichern. Nicht nur in Talsperren und Speicherkraftwerken. Auch hier in Deutschland. Stichwort: Synthese von Wasserstoff und Bioerdgas. Das lässt sich in den vorhandenen Leitungssystemen und Speichern für Erdas lagern und verteilen. Damit könnte man hocheffiziente Kleinkraftwerke betreiben. VW baut auf Basis des Polo – Motors Kleingeneratoren für Privathaushalte.

    Was ich damit sagen will: die Technik ist vorhanden, man muss es nur betriebswirtschaftlich durchkalkulieren und wenn sinnvoll MACHEN. Dafür bräuchten wir Politiker, die die richtigen Zeichen setzen und das auch verstehen.

    Die Realität: ein schönes Beispiel ist der Elektro PKW. Der hat sich seit 100 jahren nicht durchsetzen können. Als Antrieb ist der E-motor genial. Nur leider sind Akkus das ineffizienteste Mittel Energie zu speichern und werden es auch bleiben. Irgendein Politiker – Clown kam auf die Idee, ab 2000-irgendwas nur noch Elektrofahrzeuge im Stadtverkehr zuzulassen. Ein Oberboss von BMW griff das sofort auf und wies auf die Notwendigkeit von Subventionen für die Akkus hin, sonst wäre so ein PKW nicht marktfähig. (Marktfähig mit Subventionen!!??)
    Und da haben wir es wieder, Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Kosten!

  5. Allgemeine Kommentare zur Situation Strom aus Windkraft vs. Kernkraft:

    – für die Betreiber von Kernkraftwerken lohnt es sich ein bereits bestehendes Kernkraftwerk möglichst lange zu betreiben, zumindest solange keine erheblichen Investitionen erforderlich sind. Der Bau und die Inbetriebnahme ist ja bereits bezahlt, die Abrißkosten fallen später an.

    – der Bau zusätzlicher Zwischenlager direkt am Kraftwerk, um dieses oder mehrere Kraftwerke länger betreiben zu können, sollte sich auf jeden Fall finanziell lohnen.

    – Ob es sich für einen Staat lohnt, vorhandene Kernkraftwerke länger beteiben zu lassen, hängt davon ab, was dadurch an zusätzlichen Steuern anfällt, welche Investitionen aufgeschoben werden können, und wie das Risiko für verschiedene mögliche Unfälle eingeschätzt wird.

    – es wäre ggf. sinnvoll direkt an einigen Kernkraftwerken (denen mit der längsten Restlaufzeit) zusätzliche Zwischenlager in Form von Hallen zu bauen, in denen abgebrannte Brennstäbe in Castor Behältern (o.ä.) mehrere 100 Jahre gelagert werden. Der Vorteil gegenüber Vergraben ist, daß die Behälter regelmäßig kontrolliert werden können, und die Hallen können alle 150-200 Jahre ersetzt werden.

    – warum können Kernkraftwerke eigendlich nicht im Mittellastbetrieb eingesetzt werden? Ich weiß das sie extrem träge sind, und nicht einfach ausgeschaltet werden können, aber warum können die keinen 30% – 100% Zyklus über den Tag fahren?

    – für neu zu bauende Kraftwerke sollten Deutschland, und alle Länder, die ausreichend Wind haben meiner Ansicht nach eher auf Windkraft setzen denn auf neue Atomkraftwerke. Windkraftwerke liefern 2-3 Jahre nach Bau bzw. Planungsbeginn Strom, und können in Serie gebaut werden, bei Kernkraftwerken dauern Bau/Planung 12 Jahre und länger, und es sind oft Unikate (jeder Standort hat eine andere Kühlwassersituation).

    – ergänzt werden müßten die Windparks durch Druckluftspeicherkraftwerke mit Gasturbine und nachgeschaltetem Dampfkraftwerk. Ja, der Wirkungsgrad eines reinen Druckluftspeicherkraftwerks ist nicht besonders toll, aber
    a) Es sind Spitzenlastkraftwerke
    b) Wenn man die Leistung vom Druckluftanteil und Gasanteil passend zueinander regelt, kann man einen Großteil der Abwärme der Gasturbine + Dampfkraftwerk zum wiedererwärmen der Druckluft verwenden.

    – eine weitere Option ist die Nutzung der vorhandenen Netzersatzanlangen für Mittellast oder Spitzenlast.
    Die Netzersatzanlangen haben Mindestlaufzeiten zur Sicherstellung der Funktionlität, und um die Garantie nicht zu verlieren. (d.h. die müssen irgendwann laufen.)
    Erforderlich sind:
    ggf. Nachinstallation der Möglichkeit des Netzparallelbetriebes
    Fernsteuerbarkeit des Starts der Netzersatzanlangen, oder Vereinbarung daß diese zu bestimmten (Uhr-)Zeiten betrieben werden.
    Das wäre dann mal ein sinnvoller Einsatz von intelligenten Stromzählern.

  6. Beim Ansatz Druckluftspeicher ist mir auch noch etwas eingefallen. Die gelten zwar nicht als besonders effizient, sind aber schon Stand der Technik. Es gibt aber noch andere unkonventionelle Möglichkeiten, die bereits zur Verfügung stehen.
    Ich wohn in Essen, â

  7. Zitat Frank „Nachtspeicherheizungen. In meiner Wohnanlage sind die nur zu enormen Kosten auszutauschen. Die Geräte laden ab morgens 5 oder 6 Uhr. Auch hier könnte man Solarstrom speichern, der weiter im Osten um diese Zeit schon produziert wird.“

    Strom mit Photovoltaik zu erzeugen, um ihn dann min Nachtspeicherheizungen schlecht gedämmter Häuser zu verheizen, ist das Dümmste, was man überhaupt machen kann.

    Strom ist die edelste Energieform. Regenerativer Strom ist die edelste unter den Stromsorten. Edel im Sinne von: Ich habe Achtung vor dir. Dich benutze ich für diejenigen Anwendungen, die nur, und ausschließlich nur, mit Strom direkt versorgbar sind. (Kommunikation, Unterhaltungselektronik, Licht)

    Wer schlecht gedämmte Häuser (alles was schlechter als Passivhaus ist definiere ich als schlecht gedämmt) mit Nachtspeicherstrom heizen will, damit der verzärtelte verhätschelte Westeuropäer es schön kuschelig hat, soll den Strom doch gleich über chinesische Laufrad-Kraftwerke beziehen (ein Kraftwerksblock besteht aus einem Hamsterrad mit 200m Durchmesser, in dem eine Gruppe aus 100 Chinesen Marathon läuft). Dann wäre die Dekanenz dieses Vorhabens unmittelbar sichtbar.

    Wo wir gleich bei meinem tiefergehenden Lösungsansatz sind: Wir brauchen eine Abwrackprämie für schlecht gedämmte Bausubstanz. Mich fasziniert die Idee des Passivhauses. Der Luftaustausch erfolgt über Wärmetauscher, so daß die Wärme zum Großteil drin bleibt. Das zusammen mit der hohen Dämmung sorgt dafür, daß die Körperwärme der Bewohner und die Abwärme elektrischer Geräte bereits völlig zum Heizen ausreicht.

    Und jetzt der Gedankensprung zur Stromversorgung. Wenn Passiv- (und deren Steigerungen Nullenergie- und Plusenergie-) häuser im großen Stil eingesetzt würden, könnte das so eingesparte Erdgas und Erdöl in modernen GuD- (Gas- und Dampf) Kraftwerken verfeuert werden. Das sind Wärmekraftwerke mit dem höchsten bisher erzielten Wirkungsgrad: Knapp 60%. Es handelt sich um die Kombination einer Gasturbine mit einem Dampferzeuger und einer Dampfturbine.
    GuD-Kraftwerke haben Mittellast-Eigenschaften (recht schnelles Hoch- und Runterfahren) und würden recht gut mit regenrerativen Energien harmonieren.

    Zum Thema Kraft-Wärme-Kopplung: Da zentrale Großkraftwerke das Problem haben, die Abwärme (im Gegensatz zu BHKW) nicht vollständig an Wärmekonsumenten abgeben zu können, sollte jeder Großkraftwerkbetreiber unmittelbar am Kraftwerk ein schönes beheiztes Bad errichten. Ob Mineral- Thermal, Spaß oder Sportbad, ist zweitrangig. Damit wäre auch im sozialen/infrastrukturellen Bereich etwas getan.

  8. Ich will ja hier keine Nachtspeicheröfen propagieren. Auch ich würde gern in einem Plusenergiehaus wohnen. Tu ich aber leider nicht und mit mir Millionen andere auch nicht. Wir müssen bezahlbare Lösungen finden, die in einer Massengesellschaft mit ihren Massenbedürfnissen auch funktionieren.

  9. Ja richtig Frank, das ist das Dilemma. Als Mieter hat man keine Motivation und kaum Einfluß darauf, das Energiesparen voranzutreiben. Der Vermieter nutzt die Wohnungsknappheit, um alte Bruchbuden (bessere Zelte) gewinnbringend zu vermieten. Die NK werden ja abgewälzt.

    Diese Schlamperbauten aus den 1950er, 1960er Jahren gehören allesamt abgebrochen und eingeebnet. Mit einer Abwrackprämie für schlechte Häuser würde man 100mal mehr CO2 sparen als mit der Abwrackprämie für PKW im Jahr 2009, zudem würde man die Bauwirtschaft beleben.

    Passivhaus-Technologie ist etwas, was in unseren Breiten mehr bringt als Photovoltaik. Photovoltaik gehört nach Süd-Spanien, wo man nahezu die doppelte Jahressonneneinstrahlung hat wie in Deutschland.

  10. Verkehrsvision ist wohl Mieter und hat noch nie selbst die Kosten aufwenden müssen um aus seinem Eigenheim ein „Nullenergiehaus“ zu machen.

    Das bekommt man mit alten Häusern auch mit noch so viel Kapitaleinsatz nicht hin und selbst bei Eigenheimen muss man erst mal die Summe haben, die wenn man alles zusammenzählt (Boden, Dach und Fenster kommen ja auch noch dazu) leicht 5 Nullen haben können.

  11. Deswegen ist mein Vorschlag ja auch: Staatliche Abwrackprämie bei Passivhaus-Neubauten, die einen schlechten und minderwertigen Altbau ersetzen.
    Gegenfinanzierung: Streichung der Photovoltaik-Förderung.

    Laut Wikipedia muß man bei einem Passivhaus ca. 20% Mehrkosten gegenüber einem Standard-Neubau veranschlagen. Die Amortisationsdauer ist überschaubar und wird verkürzt durch ständig steigende Energiekosten.

  12. „Der Vermieter nutzt die Wohnungsknappheit, um alte Bruchbuden (bessere Zelte) gewinnbringend zu vermieten. Die NK werden ja abgewälzt.

    Diese Schlamperbauten aus den 1950er, 1960er Jahren gehören allesamt abgebrochen und eingeebnet. Mit einer Abwrackprämie für schlechte Häuser würde man 100mal mehr CO2 sparen als mit der Abwrackprämie für PKW im Jahr 2009, zudem würde man die Bauwirtschaft beleben.“

    … hörte sich ganz anders an. Dämmung ist eine gute Sache. Das Grundproblem ist nur, dass sie nur bezahlbar ist, wenn es beim Bau geschieht. Nachher muss man weil Wärme sich sonst andere Schlupflöcher sucht nämlich nicht nur die Fassade dämmen, (wo dann auch noch gleich ein neuer außenputz dazu kommt), sondern auch alle Fenster und Türen auswechseln, die Decken dämmen und den Boden. Und selbst dann hat man nie ein Niedrigenergiehaus.

    Abreisen klingt supertoll, geht aber an der Realität vorbei. Häuser leben nunmal etwas länger. Die meisten die selbst ein Haus bauen, zahlen fast ihr ganzes Leben an einem ab und ob sie dann noch das Geld für die Sanierung haben, die trotzdem niemals so gut sein wird wie ein Neubau? Vielleicht bauen die Kinder ein neues, aber ich glaube die Eltern werden kaum aus ihrem alten ausziehen nur damit die Kinder ein neues bauen können. Außerdem ist nicht alles schlecht nur weil es alt ist.- Früher wurde teilweise erheblich solider als heute gebaut.Alte Backsteinwände haben zumindest etwas bessere Dämmeigenschaften als neue Betonwände.

    Der Hausbau ist so teuer, dass da der Staat eine ziemliche Abwrackprämie leisten müsste um das finanzierbar zu machen.

  13. Hallo zusammen,

    Ich denke auch das eine Abwrackprämie für Häuser ein bischen übers Ziel hinausschießt denn wie bereits gesagt kostet ein Haus einfach ne ganze Menge.
    Aber Subvention für Energiesparende Neubauten halte ich für Sinnvoll. Ich denke das es diese bereits gibt.

    Dann wollte ich noch was zu Desertec sagen:

    Natürlich ist die Sonneneinstrahlung in Nordafrika besser als in Europa aber die aktuelle Situation zeigt ja wie instabil diese Staaten sind und wer weiss wie es mit den Magreb-Staaten weitergeht. Einst war Gaddafi auch ein Revolutionsführer. Vielleicht bekommen die Islamisten nun mehr kontrolle…
    Ich denke das wir nicht in diese Staaten viele Milliarden Investieren und uns von ihnen abhängig machen sollten.

    Atomkraft:

    Als Student der Elektrotechnik bin ich fasziniert von der Atomkraft. Gewaltige Energie in nur ein paar Tonnen Material….
    Deswegen kann ich den Zeitgeist in den 60ern und 70ern, in denen man sich sogar atombetribene Autos vorgestellt hat, absolut verstehen aber ich denke das Tschernobyl und nun auch Fukushima gezeigt haben das es einfach nicht zu verantworten ist. Ich hoffe das die Bundesregierung das durch die beiden Landtagswahlen endlich verstanden hat.

  14. Desertec und Abhängigkeit. Klar, das Projekt setzt politische Stabilität in Nordafrika voraus. Die ist eigendlich nur mit Demokratie erreichbar und einem Wertekonsenz der beteiligten Parteien (Europa/Afrika). Derzeit sind wir stark von Russland abhängig. Das ist auch nur wegen der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit relativ sicher. Niemand könnte im ernsten Streitfall die Russen daran hindern den Gashahn zuzudrehen.

  15. Ich habe schon laenger spekuliert, dass die ganzen von der CIA angezettelten „Demokratisierungen“, die gerade in Nordafrika im Gange sind, den Weg fuer Desertec freiraeumen sollen…

    Ist aber wie gesagt nur Spekulation und jetzt halten mich bestimmt alle fuer einen boesen Verschwoerungstheoretiker 😉

  16. Wenn man die Atomkraft „dem Markt unterwerfen“ soll, dann bitte auch Windkraft und besonders den Solarstrom … dann sind wir aber ganz schnell wieder bei 95% Kohleverstromung. Marktlösungen sind auch nur bedingt effizient, weil in einer betriebswirtschaftlichen Rechnung externe Kosten nicht berücksichtigt werden müssen.
    Ein Atomausstieg ist in Zeiten des Klimawandels fatal. Deutschland wird seine Emissionsziele nie und nimmer einhalten können. Anstatt die relativ sauberen Atomkraftwerke durch einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien zu ersetzen sollte man lieber bei Öl und Kohle anfangen.
    Ich finde eine zeitnahe Abschaltung der Altmeiler ist eine kluge Entscheidung, die neueren Kraftwerke müssen aber am Netz bleiben und die fehlenden Kapazitäten der Altmeiler ggf. durch den Neubau von Druckwasserreaktoren der dritten Generation ausgeglichen werden. Noch dazu ist eine gefährliche Nebenwirkung des Atomausstiegs, dass Deutschland den Anschluss in diesem wichtigen Forschungsbereich verliert. So beiteiligen wir uns nicht an vielversprechenden Initiativen wie dem Generation IV. Forum, dass die Entwicklung von inhärent sicheren und sehr effizenten schnellen Brutreaktoren vorantreibt (liquid flouride thorium reactor, peeble bed reactor, lead cooled fast reactor usw.). Dise Reaktortypen könnten unsere Energieprobleme und sogar die Atommüllproblematik lösen, auf die sehr elegante Weise übrigens, in dem sie den Atommüll aus Leichtwasserreaktoren als Brennstoff zur Energiegewinnung nutzen und dessen Halbwertszeit von Jahrmillionen auf Jahrhunderte oder gar Jahrzehnte reduzieren. Von daher bin ich für fortschreitende Grundlagenforschung in diesem Bereich (was natürlich Forschungsreaktoren mit einschließt) und gegen die pauschale Ablehnung einer Technologie in all ihren Ausprägungen.

    Leider verbietet die Logik der Umweltbewegung in Deutschland (die ja auch viele gute und richtige Ziele verfolgt) jede ernsthafte Lösung des Atommüllproblems, weil man so ja ein wichtiges Argument gegen die Kernkraft entkräften würde …

    Gruss aus dem Ausland, wo man im Moment mit Verwunderung auf die Bundesrepublik blickt 😉

  17. @Max, China scheint diesen Ansatz zu verfolgen, ich erinnere mich an einen Bericht, man habe eine Technologie, die vorhandenen Uranreserven sehr stark strecken zu können und auch bisherigen Atommüll effizienter nutzen zu können.
    Leider habe auch ich keine vernünftige Gegenüberstellung der Kosten verschiedener Energieträger. Ich vermute, Wärme/Kraftkopplung mit Erdgas ist die kostengünstigste Variante, Photovoltaik die unrentabelste.

  18. @Frank: Ja, die Reaktoren der IV. Generation sollen Uran und die entstehenden Spaltprodukte sehr viel effizienter nutzen. China baut im Moment einen Kugelhaufenreaktor, eine Weiterentwicklung des THTR (Thorium-Hochtemperaturreaktor), der ursprünglich in Deutschland mitentwickelt wurde. Kugelhaufenreaktoren haben den Vorteil, dass sie bedingt durch ihre Geometrie nicht auf externe Kühlung angewiesen sind, es kann also nicht zur Kernschmelze kommen. Noch dazu stellen sie große Mengen Prozesswärme bereit, was für die Wasserstoffproduktion von Nutzen ist. Kugelhaufenreaktoren sind also defintiv eine Technologie mit Potential, besonders wenn man später von Öl und Gas auf Wasserstoff als Hauptenergieträger umsteigt.

    Schnelle Reaktoren könnten das Problem der Uranknappheit und das des Atommülls lösen sowie die Reaktorssicherheit verbessern. Deswegen halte ich es für wichtig, dass in diesem Bereich unbedingt weiter geforscht wird. Die heutigen Leichtwasserreaktoren realisieren nicht das volle Potential der Kernkraft.

    Was einen Vergleich der Energieformen angeht, da empfehle ich diese Seite:

    http://www.energie-fakten.de/
    http://www.energie-fakten.de/html/as-pull-down/uebergeordnetes/wirtschaftlichkeit.html

    Besonders die Errechnung des weltweiten Energiebedarfs im 21. Jahrhundert stimmt mich sehr skeptisch, dass man das alles schnell genug auf Erneuerbare Energien umstellen könnte. Für mich ist die logische Schlussfolgerung, dass die Kernkraft weltweit an Bedeutung gewinnen muss, wenn wir in einem akzeptablen Zeitraum (bis 2050) die Kohlendioxidemissionen auf ein Minimum reduzieren wollen, ohne dabei zu Deindustrialisieren oder den Entwicklungs- und Schwellenländern Wohlstand vorzuenthalten. China, Indien u.a. werden nicht verzichten.

  19. „Noch dazu stellen sie große Mengen Prozesswärme bereit, was für die Wasserstoffproduktion von Nutzen ist.“

    Äh wie?
    Der THR-300 erreicht im Kern 700 °C, da man die Wärme über einen Wärmetauscher herausführen will ist es draußen weniger. Beim THR-300 lag die Eintrittstemperatur bei 250°
    Doch schon bei 700 °C ist man in keinem Temperaturbereich der zur Wasserstoffgewinnung ausreicht. Er fällt als Nebenprodukt beim Steamcracken an, doch dazu braucht man 800 bis 850°C und es funktioniert nur mit Kohlenwasserstoffen, was ja nicht regenerativ ist.

    Um Wasserstoff aus Wasser thermisch zu gewinnen raucht man 1.500°C. Ich halte das also nicht für technisch mit Kernreaktoren machbar.

  20. Im AVR in Jülich lag die Temperatur des Kühlmittels (Helium) bei circa 950 Grad. Sowas in der Region peilt man auch in zukünftigen Hochtemperaturreaktoren an. Wasserstoff und Sauerstoff können dann im Schwefelsäure-Iod-Kreislauf aus Wasser produziert werden, mit einem Wirkungsgrad von etwa 50%.

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