Bernd Leitenbergers Blog

Warum sind Verschwörungstheorien so erfolgreich?

Das mein Namensvetter mal wieder einen alten Blog von Michael K. herausgekramt hat, will ich mich mal heute mit Verschwörungstheorien beschäftigen. Und zwar nicht mit den Urhebern dieser Theorien, wozu nicht nur Verschwörungstheorien sondern auch wissenschaftliche Theorien abseits dessen was etabliert ist zählen, wie das Hohlerdemodell. Sondern warum sind mache so erfolgreich, das viele dran glauben?

Nun man wird nicht vermeiden können, das es immer Empfängliche für Verschwörungstheorien gibt. Eine Erkenntnis, die wir auch bei allen Wahlen sehen, ist das es in der Gesellschaft rund 5-10% Volltrottel gibt. Das sind Leute, die Parteien wie die AFD, NPD oder FDP wählen. Das bedeutet auch für jede noch so verrückte Theorie wird man ein Publikum finden. Doch wenn eine Theorie von 20-30% der Leute geglaubt wird, wie dies beim Moon Hoax der Fall in den USA sein soll, dann muss das doch eine weitere Ursache haben.

Das erste, ist mal das man trennen muss zwischen abartigen Theorien hinsichtlich der Naturwissenschaft und anderen Theorien. Die ersten unterscheiden sich von den anderen, das sie einen emotional nicht berühren. Wenn jemand meint, das Universum besser erklären zu können als dies Einstein mit der Relativitätstheorie tat, dann berührt das wohl nur wenige emotional, genauso wenig wie ob die Erde eine Hohlkugel ist oder nicht. Das berührt einen nicht. Bei den Wissenschaftstheorien hat man es auch sehr einfach. Eine Theorie ist ein Erklärungsmodell für die Natur. Anders als es die Verwendung des Wortes „Theorie“ im Sprachgebrauch suggeriert, ist eine Theorie eine Behauptung die durch Beweise abgesichert ist und solange gültig ist, bis Tatsachen Fragen aufwerfen. Wenn man etwas nur vermutet, aber nicht beweisen kann so spricht man in der Naturwissenschaft nicht von einer Theorie, sondern von einer Hypothese,.

Der populärste Irrtum ist die Relativitätstheorie. Viele sehen das als eine Idee an, die ihnen entweder zu kompliziert ist oder deren Aussage ihnen nicht passt (das z.B. die Zeit nicht absolut ist). Doch die Relativitätstheorie wurde schon 1919 bewiesen (zumindest eine Aussage, dass die Gravitation das Licht ablenkt wurde bei einer Sonnenfinsternis mit Aufnahmen von Sternen nahe der Sonne bewiesen). Und GPS würde wenn man nicht die unterschiedliche Dauer der Zeit an Bord der Satelliten korrigieren würde nicht brauchbar sein. Ein weiterer Punkt ist das eine Theorie sehr oft ein Modell ist eine Erklärung für Beobachtungen. Anders als die meisten meinen ist das nicht so, das ein neues Modell einfach das alte ersetzt und das dann falsch ist. Im Gegenteil: Das alte Modell ist nutzbar, solange man das neue Modell nicht braucht. Ein Chemiker braucht kein Atommodell das sich mit dem Aufbau des Kerns beschäftigt. Die NASA braucht für die Berechnung von Raumsondenbahnen nicht die Relativitätstheorie, sondern kommt mit den Keplerschen Gesetzen und der Gravitationstheorie aus.

Bei den naturwissenschaftlichen Theorien hat man es auch meistens mit einem besonderen Klientel zu tun. Das sind Leute, ohne eine Ausbildung in dem Fach um das es geht, aber voll überzeugt von ihrer Hypothese. Ich glaube das eine bedingt das andere. Wenn ich was von dem verstehe, was ich propagiere, dann käme ich wohl nicht drauf, weil mir auch die Einwände einfallen würden, oder weil ich nachprüfen könnte ob die gemachten Aussagen stimmen. Auf der anderen Seite fangen ihre Mails so an „Einsteins Theorie ist völlig falsch, aber ich habe in 5 Minuten die richtige Lösung gefunden“ (die Tausenden von Physikern nach jahrelangem Studium der Physik und Einsteins Theorie in den letzten 100 Jahren entgangen ist). Da die meisten selbst wenn sie nichts von der Materie verstehen noch glauben, das Fachleute die etwas studiert haben mehr Ahnung von dem Sachverstand haben als Leute die das nicht taten, finden diese aber nicht so viele Anhänger.

Anders sieht es bei der klassischen Verschwörungstheorie aus, die nicht eine naturwissenschaftliche Theorie betreffen sondern historische Ereignisse. Heute populär sind die Moon Hoaxer und die 911 Theorie, doch es gab sie schon immer. Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Holocaust Leugnerei auf (übrigens die einzige Verschwörungstheorie die unter Strafe steht). Nach dem ersten Weltkrieg war es die Dolchstoßlegende, Die wurde immerhin von vielen geglaubt und damit konnte man auch gut Politik machen wie Hitler zeigte. Dass man andere zum Schuldigen macht ist nicht neu und wurde in der Geschichte auch schon öfters erfolgreich praktiziert. Das älteste Beispiel das mir einfällt ist die Christenverfolgung im alten Rom.

Sie unterscheiden sich von den wissenschaftlichen Theorien, weil jeder eine Meinung dazu hat bzw. viel mehr Leute sich dafür interessieren. Zudem haben Leute die Neigung immer für irgendetwas einen Schuldigen zu suchen, selbst wenn es keiner Verursacher ist oder man ihn finden kann. Dann kann man auf jemanden wütend sein. Bei einem Brandt (von Rom) oder bei toten Terroristen ist das schwer möglich. Außerdem entlastet es doch einen. Nicht man selbst ist am verlorenen ersten Weltkrieg schuld sondern die „Heimatfront“.

Warum sind solche Theorien so erfolgreich? Ich denke es hat zum einen mit der Gesellschaft zu. Je aufgeklärter sie ist, je kritischer, je höher das allgemeine Bildungsniveau, desto geringer die Gefahr, dass solche Theorien geglaubt werden. Wie kann man selbst wenn man kein Fachmann ist beurteilen ob eine Verschwörungstheorie nur das ist oder etwas hinter ihr steckt. Na da sind zum einen mal die Urheber. Haben sie überhaupt die Möglichkeit den Tatbestand aufzuklären? Autor der Moon Hoaxer Theorie ist Bill Kaysing. Er war zwar bei Rocketdyne beschäftigt, doch angesichts seiner Ausbildung (Studium in Englisch) als Archivar. Von dem Mondprogramm hat er so nicht viel mitbekommen. Die Qualifikation fehlt also.

Das zweite ist etwas das dem Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“ zugrunde liegt. Die Wahrheit ist oft ziemlich einfach. Erfindet man dagegen eine Gesichte. So braucht man meistens noch weitere Stützbehauptungen um die Fehler der Geschichte abzudecken´, die dann weitere offene Fragen  aufwerfen. In der Philosophie gibt es dafür den Ausdruck „Ockhams Messer“ – die beste Theorie ist die, die mit am wenigsten Annahmen auskommt. Das gilt eigentlich für die Wissenschaft, wo es meist so ist, das Erklärungen um so besser sind, je einfacher sie sind, auch wenn oft die Vorstellungen über „Einfach“ bei Laien und Wissenschaftlern auseinander laufen. Man kann das Kriterium aber auch auf alle anderen Theorien anwenden. Nehmen wie die Moon Hoaxer Theorie. Sie erfordert viele Stützannahmen. Was passierte z.B. mit den über 25 Milliarden Dollar die ausgegeben wurden? Wie hat man die vielen Leute die beim Mondprogramm zumindest in verantwortlichen Positionen waren zum Schweigen gebracht? Was passierte mit den Raumfahrzeugen nach dem Start? Warum hat sie keiner entdeckt? All das und noch viel mehr muss erst noch geklärt werden, macht also weitere Theorien und Stützannahmen nötig.

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