… heißt es. Manchmal führt der Krieg auch zu sehr skurrilen Entwicklungen, vor allem wenn er für die Partei die sie macht nicht erfolgreich verläuft. Im zweiten Weltkrieg liegen die Wurzeln einiger Erfindungen – des Düsenantriebs, des Hubschraubers, der Rakete, der Cruise Missile, der Atombombe, der wirksamen B und C-Waffen, die später eine Rolle im Militär spielen sollten, doch es gab vor allem in Deutschland auch Erfindungen die skurril, oder auch ziemlich ineffizient sind. Einige (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) will ich heute mal vorstellen. Am Dienstag gibt es einen Beitrag von Niels und wenn ich Zeit habe, vielleicht am Mittwoch zu dem Thema „deutsche skurrile Waffen“ noch einen zweiten Beitrag, das hängt davon ab wie schnell ich mit der Arbeit bei meinem Kunden vorwärts komme.

Offen ist ob das Muster ein gutes Jagdflugzeug gewesen wäre. Es gab Berichte die von Mängeln sprachen, aber diese mögen auch der schnellen Entwicklung und dem Materialmangel geschuldet sein. Die gebauten Exemplare hatten in jedem Falle einen Mangel: Vom Cockpit aus konnte man nicht nach hinten sehen, da es vorne am Rumpf war. Das war für ein Jagdflugzeug ein großes Manko. Projektiert war auch die Dornier 635, die aus zwei Rümpfen der Do 335 bestand und als Fernaufklärer gedacht war.
Die Me 163 und Bachem BA-349
Deutschland entwickelte die A-4, die erste Großrakete der Welt, sie war aber nicht das einzige Raketenprojekt. Neben den unbemannten Raketen wurden auch Raketenflugzeuge gebaut. Eines wurde operational, die Me-163, das „Kraftei“. Ein Flugzeug auf Basis eines Raketenantriebs zu bauen ist keine sehr gute Idee. Der Antrieb ist für den Betrieb außerhalb der Erdatmosphäre gedacht und in der Atmosphäre ineffizient. Ein Düsentriebwerk funktioniert auch nach dem Rückstoßprinzip, ist jedoch um einiges effizienter. Der erste Unterschied ist, das ein Düsentriebwerk den Sauerstoff aus der Luft bezieht mit dem das Flugbenzin verbrennt wird. Dagegen muss ein Raketenantrieb den Sauerstoffträger mitführen. Im dritten Reich setzte man für den Antrieb der Me-163 hochkonzentriertes Wasserstoffperoxid (T-Stoff) und Hydrazinhydrat/Methanol (C-Stoff) ein. Da das Wasserstoffperoxid auch Wasser enthält, benötigte man davon sehr große Mengen. Nur ein Fünftel der Treibstoffzuladung war Verbrennungsträger. Zudem erhitzt ein Düsenantrieb auch den Stickstoff der Luft mit, der dann auch Schub erzeugt. Alles zusammen bewirkt das ein Raketenflugzeug etwa zwanzigmal mehr Treibstoff pro Sekunde braucht wie ein Düsenflugzeug (bei gleichem Schub).
Warum baute man die Maschine? Nun durch den hohen Schub bei geringem Gewicht (sie wog leer 1.900 kg, die Focke Wulf 190A als leistungsfähigster konventioneller Abfangjäger wog leer 3.850 kg hatte die Me-163 eine enorm hohe Steiggeschwindigkeit die zehnmal höher als die einer Mustang war. Die Me 163 war auch schnell, die Serienflugzeuge waren 250 km/h schneller als die schnellsten alliierten Kolbenjäger. Ein Testmuster erreichte fast Schallgeschwindigkeit. Doch wie beim ersten operationalen Düsenjäger, der Me-262, die 80 km/h langsamer war, war dies nicht von Vorteil, denn alliierte Bomber waren fast 500 km/h langsamer. Es war sehr schwierig bei dieser hohen Relativgeschwindigkeit einen Treffer zu landen. Man versuchte dies mit den ersten Luft-Luftraketen zu kompensieren, die Schrapnellsprengköpfe hatten. Später setzte man ein im Schub reduzierbares Triebwerk ein, das auch die Flugdauer verlängerte. Das war auch sinnvoll, denn die Masse nahm ja durch den verbrauchten Treibstoff ab. Ohne Schubreduzierung wurde die Maschine also immer schneller.
Die Me-163 war mehr ein Indiz dass man den alliierten Luftflotten nicht mehr beikommen konnte, man erhoffte sich wohl durch den schnellen Start und das schnelle Erreichen der Bomber, dass ein Abschuss gelang, bevor die Begleitjäger eingreifen konnten. Mehr als einen Anflug lies meist die Betriebszeit von nur 8 Minuten nicht zu und danach musste die Me-163 im Gleitflug landen und war ohne Eigenantrieb sehr verwundbar. Die Me-163 war aber auch sonst ungewöhnlich. Sie hatte als eines der ersten Flugzeuge gepfeilte Tragflächen, eine spitze Nase und kein Höhenleitwerk. Sie ähnelt eher einem modernen Düsenjäger als einem Flugzeug aus dem zweiten Weltkrieg.
Noch skurriler war ein zweiter Raketenjäger, der anders als die Me 163 nicht mehr zum Einsatz kam. Die Bachem Natter oder Ba-349. Er war ein Produkt der Materialknappheit zum Kriegsende und auch dem fehlen von ausgebildeten Piloten, von denen die meisten gefallen waren. Es sollte ein Jäger sein, der aus nicht kriegswichtigen Materialien bestand und von nur kurz ausgebildeten Piloten gelogen werden konnte. Er war nicht der einzige, die Heinkel 162, ein Düsenjäger hatte dieselbe Philosophie.
Immerhin: die USA griffen das Konzept mit der X-15 wieder auf, mit der dann etliche Geschwindigkeits- und Höhenrekorde aufgestellt wurden. Ein Pilot einer X-15 war dann der erste Mensch auf dem Mond. Zumindest einen Vorteil hatte es: die Me-163 Entwicklung mündete in die Entwicklung der Luftabwehrrakete „Enzian“, die eine verkleinerte von einem Analogrechner gesteuerte Me-163 war, sie hätte mit einem Sprengkopf sich in der Nähe der Bomber gesprengt und durch Schrapnellwirkung diese beschädigt. Sie wurde nicht mehr bis Kriegsende fertiggestellt, doch die Konstrukteure fanden nach dem Krieg Anstellung in England. Dort bauten sie verbesserte Versionen des Antriebs der Me-163 und Natter in Höhenforschungsraketen ein, nicht mal der ineffiziente Treibstoff Wasserstoffperoxid wurde ausgetauscht. Zwanzig Jahre später bauten sie für England die Antriebe der Black Arrow -.der einzigen Trägerrakete die jemals Wasserstoffperoxid einsetzte. Da man den Schub kaum gesteigert hatte, brauchte diese relativ kleine Rakete nicht weniger als acht Antriebe in der ersten und zwei in der zweiten Stufe.
Blohm & Voss BV 141
Noch ungewöhnlicher sah die BV-141 aus, ein Fernaufklärer für die Marine. Da für ein Aufklärungsflugzeug eine sehr gute Rundumsicht wichtig ist, stellte man gängige Konstruktionsprinzipien auf den Kopf. Im Rumpf war ein Motor untergebracht, die Kanzel lag nicht im Rumpf, sondern in einem zweiten Körper in einer Tragfläche, dort wo bei zweimotorigen Flugzeugen der Motor war. Doch es gab nur einen dieser Rümpfe. auf der anderen Seite gab es keinen. Um die Asymmetrie komplett zu machen gab es auch nur auf der gegenüberliegenden Seite ein Höhenleitwerk. Die Kabine konnte so vorne rundum verglast werden, und ohne Motor gab es auch nichts was den Blick einschränkte – zweck erfüllt, doch woanders erreichten Aufklärer dies einfacher z.B. durch verglaste Gondeln unter dem Rumpf oder zwei Aussichtplattformen vorne und am Heck. Erstaunlicherweise beeinträchtigte die Bauweise die Flugeigenschaften kaum. Die Maschine war zwar nicht schnell, aber schneller als die verfügbaren Vorkriegsmuster wie ie BV-138. Es ging aber nie in Serienfertigung.