In dem Radiosender, den ich höre, gibt es samstags immer den „Brief der Woche“ in dem die Autoren satirisch einen Tatbestand auf die Schippe nehmen. Das Spektrum ist weit vom Dieselskandal zum Trainerwechsel bei Bayern München oder zu einem Kommentar des Chefs von Kärcher, der sich gegen den Ausdruck „Kärchern“ im Zusammenhang mit dem Abschieben von Asylanten durch einen französischen Politiker wehrte.
Ich habe mir gesagt, so was kann ich auch, und so folgt heute der erste Brief der Woche an die ct‘:
Liebe Redakteure, ich schreibe ihnen einen Brief, damit sie sich freuen. Ich lese die ct‘ sporadisch seit 1983, Mitte der neunziger Jahre kaufte ich dann fast jede Aufgabe, sodass ich Abonnement wurde – bis heute. Ich möchte euch danken, denn durch euch weiß ich endlich, das ich ein alter Sack bin. Ich habe mir schon so was gedacht, weil in den letzten Jahren immer mehr Rubriken und Tests in der ct‘ kamen mit denen ich nichts anfangen konnte und die ich auch nicht in einem Computermagazin erwartet hätte.
Das fing mit Smartphones an. Ich habe die Geräte nie verstanden. Warum soll ich ein Gerät mit einem kleinen 6 Zoll Display ohne richtige Tastatur als Computer nutzen? Ich meinte wenn man hunderte von Euros ausgibt, dann hätte man logische und rationale Gründe dafür. Genauso wie mein Verzicht auf Handys. Ich arbeite meist zu Hause und wenn ich das verlasse, z. B. zum Einkaufen oder Sport machen will ich eigentlich nicht antelefoniert werden. Wenn ich mal auswärts bei einem Kunden bin, bzw. bei vielen anderen Orten sind eingeschaltete Handys heute auch verboten. Die dauernde Erreichbarkeit gibt es also nicht und ich empfand diese auch nicht als Segen sondern als Fluch. Meiner Ansicht nach sind Handys was für wirklich wichtige Leute die keinen Anruf verpassen dürfen. Da sich 90 % aller Menschen für sehr wichtig halten wundert mich aber die Verbreitung nicht.
Dann kam vor einigen Jahren Smart-Home auf. Mir leuchte schon das Prinzip nicht ein. Warum soll ich woanders oder mit einem Smartphone etwas steuern, was ich viel schneller direkt mit einem Drehschalter regeln kann? An mir ging das Thema schon deshalb vorbei, weil ich bei einem Haus die Regelungstechnik in Jahrzehnten mal ausgewechselt wird, Apps für das Smartphone aber innerhalb weniger Jahre veraltet sind und was macht man dann? Das gleiche galt für die Roboter für den Haushalt. Staubsaugende Roboter machen nicht richtig sauber und würden bei mir wohl bald das Treppenhaus herunterstürzen oder ich bräuchte zwei – einen fürs Erdgeschoss und einen fürs Obergeschoss. Bei meinem Garten mit vielen Sträuchern und Bäumen wären rasenmähende Roboter wohl auch bald mit ihrem Latein am Ende.
Tests? Welche Tests?
Aber zurück zur ct‘ Es gibt ja noch die klassischen Tests von PC, Druckern, NAS. Ihr habt mich da inzwischen zu einem schnellen Blick auf die Tabelle am Schluss erzogen. Denn wenn ihr mal testet, dann gerne hochpreisiges. Diese Woche den Ryzen Threadripper 2990X. Er hat 32 Kerne und SMT, also 64 logische Kerne. Da er aber dreimal teurer als mein ganzer PC ist, ist er für mich nicht so interessant. Liegt wohl an mir, denn ihr testet gerne High-End Grafikkarten, Workstations oder Abteilungs-Multifunktionsgeräte. Der letzte Test von MP3-Playern liegt Jahre zurück, klar, das kann auch ein Smartphone und die hat ja jeder. Als ich mir im Juni ein NAS kaufen wollte, war der letzte Test der Gruppe, die mich interessierte drei Jahre alt und keines der Geräte mehr am Markt. Ich habe mich dann für den Amazon Verkaufsschlager von QNAP entschieden. Liegt wohl an mir, ihr würdet ja bestimmt nicht Dinge testen die nur 1 % der Bevölkerung kaufen, nur damit ihr mal euer Lieblingsspiel in 8K Auflösung mit 100 fps spielen könnt.
Hardwarebasteleien und Programmieren
Irgendwie komme ich nicht mehr mit, ich werde wohl zu alt. In den letzten Jahren gab es zunehmend Hardwarebasteleien. Nur den tieferen Sinn habe ich bei den meisten nicht gefunden. Welchen Sinn hat ein Raspberry Pi der auf einem VGA Panel Wattenmeerstationen anzeigt, die man auch durchs Raussehen aus dem Fenster sieht und der mit einem schallundurchlässigen Spiegel belegt ist, sodass man gleichzeitig sich kämen und das Wetter beobachten kann? Wofür brauche ich eine Türklingel die sich ins Wlan einhängt?
Ich bin wohl zu alt den Sinn zu erkennen und auch zu dumm. Denn wann immer es in einem Vergleichstest über Prozessoren um die Singlethread-Performance geht beklagt ihr, dass die seit Jahren gleich ist und es so für „Office-PC“ sich nicht lohnt einen teureren Prozessor als einen Pentium 4560 zu kaufen. Schuld dran sind die Programmierer die es nicht fertigbringen gängige Programme wie Browser multithreadingfähig zu programmieren. Ihr steht wohl über denen denn tiefer gehende Artikel die Algorithmen behandeln mit Programmlistings, wie sie früher in der ct‘ üblich waren finde ich nicht mehr. Wahrscheinlich könnt ihr euch nicht auf das Niveau der Allgemeinheit herunterlassen.
E-Bikes
Ich bin ja nun mal Programmierer und wahrscheinlich genauso doof wie die anderen Programmierer der Programme für Office PC. Ich habe noch keinen Weg gefunden bei den meisten Aufgaben, die von den Eingaben des Benutzers abhängen, diese zu parallelisieren. Vielleicht geht ihr mal zu den Softwarefirmen und bringt denen bei wie man eine Textverarbeitung oder einen Browser parallelisiert.
Aber seit der letzten Ausgabe weis ich endgültig, das ich zu den alten Eisen gehöre. Da ist ein Bericht über E-Bikes drinnen. Eigentlich zwei. Einen über Grundlagen und einen über Motoren. Ich dachte mir schon „Was hat das in einer Computerzeitschrift zu suchen?“, aber die Motoren haben natürlich App-Anbindung. Das ist ja auch extrem wichtig.
Ich bin Besitzer eines Citybikes und ich schwöre drauf. Für ein Fahrrad als Verkehrsmittel gibt es nichts besseres. Man kann damit auch einkaufen und anders als alle anderen Fahrradtypen haben diese sogar noch den Luxus eines Schutzblechs um die Kette. Ich hielt Schutzbleche und Kettenschutz immer für eine Grundausstattung des Fahrrads. Sie wiegen als Bleche oder Kunststoffteile fast nichts und bewahren die Kleidung vor dem Versauen. Citybikes sind aber heute die einzige Klasse die noch einen Vollschutz mitbringt.
Das ist für Leute die ihr Fahrrad ganzjährig benutzen und nicht nur im Sommer wenn es nicht regnet, wichtig, sonst saut man sich ein. Ich meinte ja immer, das ist wie mit dem Büro-PC und Gamer-PC. Der eine wird täglich genutzt und ist ein Arbeitspferd. Der andere nur stundenweise nach Feierabend fürs Vergnügen. Entsprechend gibt es Fahrräder um von A nach B zu gelangen und dabei noch einzukaufen (setzt einen Gepäckträger voraus) und andere die sind primär Hobby oder Sportgerät. Doch was lese ich da „vor allem rüstige und solvente Senioren haben mit den Citybikes den Boom losgetreten“ und „Citybikes, die Art von Fahrrad die vor allem von älteren Fahrern gekauft wird“.
Okay, das bezieht sich auf E-Bikes, aber da es gibt ja auch die gleichen Typen wie bei normalen Fahrräder. Also wer ein Citybike kauft ist ein Rentner. Und ihr habt ja so recht, vor allem wenn ihr feststellt, das es sich nicht lohnt den Strom beim Bremsen nicht zurückzugewinnen. Es ist ja so wenig, Besser ist es vorausschauend zu fahren und rechtzeitig vor der nächsten Ampel das Tempo zu drosseln. Natürlich ist überall auf der Welt das Land so schön flach wie in Hannover wo die ct entsteht. Ich werde mal dran denken wenn ich wieder ins Neckartal fahre (170 m Höhenunterschied auf 1,6 km Fahrstrecke) und die Bremse nicht mehr einsetzen. Ihr müsste mir nur noch sagen wie ich da das Tempo vorausschauend vor der Ampel auf halber Strecke reduzieren kann, ohne die Bremse zu benutzen. Dafür habe ich in eurem Beitrag gelernt, das es wichtig ist den aktuellen Motor zu haben und nicht einen vom letzten Jahr. Danke. Früher musste man drauf achten eine aktuelle CPU zu haben, seit die kaum noch schneller werden, muss man jetzt auf Elektromotoren achten – wer hätte gedacht das man die nach 150 Jahren noch jährlich verbessern kann? Wahrscheinlich wird das E-Bike das was der PC vor 20 Jahren war. Durch die technische Entwicklung braucht man alle drei Jahre ein neues. Auch wegen der Akkus – siehe unten.
Aber ich habe ja kein e-bike, sondern nur ein normales Bike. Ich komme noch ohne aus. Ins Neckartal muss ich nur einige Male im Jahr und die 30 bis 60 m Höhenunterschied auf den auch nicht gerade flachen Fildern bei den täglichen Fahrten schaffe ich auch so noch. Was mich davon abhielt waren die Folgekosten. Akkus, das weiß ich aus der täglichen Erfahrung, kann man maximal 100-mal aufladen und sie verlieren dabei kräftig an Kapazität. Ich fahre im Jahr rund 3.000 km. Die preiswerten Räder, die ich mir leisten kann haben, unter 400 Wh Vollkapazität. Die 100 km Strecke, die die Hersteller angeben, interpretiere ich mal so wie die Laufzeit bei Notebooks – bestenfalls die Hälfte, wenn man den Antrieb wirklich aus Unterstützung nutzt. Zumindest wären es bei 250 W Motor nur 1,6 h Vollbetrieb was bei 25 km/h nur 40 km entspricht. Nehmen wir mal 30 km pro Ladung als Durchschnitt über die ganze Akkulebensdauer an (Abnahme auf 0 km in 100 Ladungen vorausgesetzt) dann bräuchte ich pro Jahr einen neuen Akku – die günstigen kosten 300 bis 400 Euro pro Stück, man kann aber auch 700 dafür ausgeben. Ein Kollege hat ein solches E-Bike. Der Service kostet pro Jahr weitere 200 Euro, bei meinem Fahrrad fallen alle 2 Jahre 100 Euro für Reparaturen an. Kurz, der Spaß kostet mich mindestens 450 Euro mehr pro Jahr zusätzlich zum Anschaffungspreis.
Das ist in eineinhalb Jahren ein neues Cityfahrrad ohne Antrieb. Doch davon steht nichts in eurem Beitrag. Offensichtlich irre ich mich und man hat nun Akkus entwickelt, die keine Kapazität beim mehrfachen Laden mehr verlieren und die man unendlich oft aufladen kann. Es könnte natürlich sein, das der Autor zu den Leuten gehört die nur bei schönem Wetter in der Freizeit Fahrradfahren und sich dafür gerne ein sündhaft teures Rad kaufen. Der braucht Jahre um auf die 3000 km Jahresleistung von mir zu kommen, denn acht Monate im Jahr ist das Wetter zu schlecht und an 5 von 7 Tagen in der Woche arbeitet er ja. Aber so jemanden würdet ihr in der ct‘ sicher keinen Testbericht über Fahrräder machen lassen. Vielleicht ist die ct‘ aber inzwischen eine Zeitschrift für Leute mit zu viel Geld oder Leute die viel Geld für relativ nutzlose technische Spielereien ausgeben und ich bin nicht mehr eure Zielgruppe.
Ich hätte es so machen müssen wie euer Kollege Andreas Stiller. Seine Beiträge mit technischem Tiefgang und Fakten habe ich immer zuerst gelesen. Er ist vor wenigen Monaten in die Rente gegangen. Doch ganz trennen will ich mich von der ct nicht. Im Restaurant gibt es immer Rentner-Portionen, die sind etwas kleiner als die normalen. Wie wäre es mit einer Renter-ct‘, für Leute die sich nur für Computer interessieren, nicht Smartphones, gekurvte TV, Wlan-Steckdosen mit Bluetooth oder Fahrradcomputer mit Appanbindung?