Zeit mal nach längerer Pause einen Blog zu verfassen. Ich habe in den letzten Tagen die zweite Ausgabe der Fotosafari durch den Raketenwald endkorrigiert. Doch dazu in einigen Tagen mehr, wenn es erscheint. Ich will mich heute mal im Anschluss an den Blog „faktenbasierte Verkehrspolitik“ heute mit den Maßnahmen beschäftigen, die ich betrieben würde, wenn ich Verkehrsminister wäre.
Ich habe eine etwas andere Sicht als andere, weil ich durch eine Augenerkrankung nie einen Führerschein machen konnte. Als damals alle den Führerschein machten, wurde ich bemitleidet, von der großen Mobilität ausgeschlossen. Doch das hat sich meiner Beobachtung mittlerweile gewandelt. Immer mehr verzichten zumindest in den Städten auf ein Auto, weil sie ohne schneller vorwärts kommen. Die Staumeldungen im Radio werden auch immer länger. Natürlich haben noch nicht alle umgedacht. Ich sehe jeden Tag die in unserem kleinen Ort mit maximalen Wegen von 0,8 km bis zum Zentrum mit dem Auto einkaufen oder ihre armen Kinder von der Schule abholen müssen.
Der erste Grundsatz ist, die Verkehrsteilnehmer mehr gleich zu behandeln. Denn das war jahrzehntelang nicht der Fall. Für Autofahrer wurden Straßen und Autobahnen gebaut und erweitert. Das Schienennetz dagegen zusammengekürzt, Bahnhöfe und Anschlusspunkte stillgelegt. Ebenso wurden Flughäfen immer weiter ausgebaut. Dezidierte Fahrradwege gibt es dagegen kaum, meist müssen sie sich einen schmalen Weg mit den Fußgängern teilen und selbst die werden noch benachteiligt: In einem Neubaugebiet in unserer Stadt gibt es auf einigen Straßen nur an einer Seite einen Bürgersteig, auf anderen gar keinen mehr.
Zeit dieses Ungleichgewicht zu verändern. Dazu werden keine Straßen mehr gebaut, außer es ist nötig, diese für Radfahrer und andere nicht vierrädrige Fortbewegungsmittel zu errichten. Das Geld sollte vielmehr in das Schienennetz gesteckt werden. Dem mangelt es nicht nur daran das man nicht alles erreicht. Es gibt auch das Problem, das viele Strecken nur einen Schienenstrang haben. Wenn ich von Stuttgart nach Ulm fahre, muss der Zug regelmäßig warten, weil ein vorhergehender Zug Verzögerung hat und er nicht überholt werden kann. Mehr Strecken mit zwei Gleisen erlauben es auch, leichter den geplanten und längst überfälligen 30 Minuten Takt einzuhalten. Derzeit verlängert sich pro versäumten Zug die Reisedauer um eine Stunde wegen des 60 Minten-Taktes. Das macht die Verspätungen noch ärgerlicher als sie eh schon sind. Dazu gehören auch echte Hochgeschwindigkeitsbedingen für die längere Strecke. Es mutet ja wie ein Witz an, wenn eine Neubaustrecke München Berlin die Reisedauer nicht viel länger ist als vor dem Krieg.
Umgekehrt ist es nicht nachvollziehbar, warum Kerosin für Flugzeuge nicht besteuert ist. Sonst ist jeder Treibstoff massiv besteuert und selbst der elektrische Strom hat hohe Abgaben. Meiner Ansicht nach muss Kerosin genauso wie Benzin besteuert werden. Die Einnahmen kann man für das Schienennetz gut brauchen und dann überlegt sich auch der eine oder andere, ob er mit dem Flugzeug innerhalb Deutschlands reisen muss.
Man benötigt natürlich auch ein besseres Netz. Das grundsätzliche Problem bei öffentlichem Verkehr ist das er in den Großstädten gut ist, doch jenseits davon wird’s schwer. Beispiel aus meinem Ort: ich komme schnell in die beiden nächsten Großstädte Stuttgart und Esslingen. Wenn ich aber zwei Nachbarorte weiter will, wird’s abenteuerlich. Dann muss man zuerst nach Stuttgart/Esslingen fahren und dann wieder heraus. Bei noch größerer Distanz „Richtung Pampa“ geht es gar nicht mehr. Klar orientieren sich Betreiber an der Nachfrage. Doch dann gibt es auch andere Alternativen. Es muss ja nicht immer ein Riesenbus sein. Es geht auch eine Nummer kleiner, abgestuft nach Tageszeit könnte man kleinere Fahrzeuge einsetzen, bis hinab zum Kleintransporter. Das wäre auch nützlich beim etablierten ÖPNV auf den Hauptstrecken, bei dem es morgens und abends mit dem Pendlerverkehr die Busse voll sind und dazwischen halb leer, dann könnten zu der Zeit kleinere Busse verkehren. Es bleiben natürlich die Personalkosten. Doch wenn sich wirklich mal selbstfahrende Fahrzeuge durchsetzen werden, dann wäre das der ideale Einsatzzweck für diese.
Das Alternativen zu Auto und Flugzeug gefördert werden ist ein Punkt. Das Zweite ist man muss weg vom Individualverkehr per Auto. Für jeden mit naturwissenschaftlicher Vorbildung ist klar, das ein Beförderungsmittel das über 1 t wiegt und nur genutzt wird um 75 kg Nutzlast (eine Person) zu befördern enorm ineffektiv ist. Mit der Alternative Pedelec und Konsorten hat man das typische Henne-Ei Problem. Solange das Fahren auf Straßen, die primär von Autos genutzt werden, gefährlich und stressig ist, wird man ein Fahrrad/E-Bike nicht nutzen, auch wenn man Zeit und Geld spart. Solange es aber kaum Leute gibt die per Bike unterwegs sind, denken Städte nicht an den Ausbau der Wege dafür.
Man muss also erst mal Platz für Fahrradfahrer machen. Das ist nicht so schwer. Den den gibt es in Hülle und Fülle. Er wird nur von den Autofahrern belegt. Wie ich bei einer Bürgeranhörung über Konzepte für eine Straßensanierung (die ein Problem mit dem Durchgangsverkehr und Parken hat) erfuhr gibt es kein Recht sei Auto auf der Straße zu parken. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ich kenne keine Seitenstraße, die nicht zugeparkt ist. Auch die Autos haben nichts davon, denn da diese immer größer werden, kommen sie oft nicht mehr aneinander vorbei und einer muss in eine „Parklücke“ (früher: Straße) abtauchen. Langfristig würde ich daher die Neuzulassung eines Autos an einen nachgewiesenen Stellplatz auf Privatgelände koppeln. Das wird natürlich auch überprüft, nicht das einer einen Stellplatz für drei Autos ausweist oder einen der 100 km vom Haus weg ist. Das macht zum einen Kommerzelle Parkmöglichkeiten attraktiver, zum anderen sinken so langfristig die Zahl der Autos ohne Stellplatz und ein bisschen auch die Zahl der Autos insgesamt, da dann vielleicht der eine oder ander nochmals über einen Zweit- oder Drittwagen nachdenkt.
Kurfristig habe ich zumindest für die meisten Straßen eine einfache wie praktikable Lösung. Man hat oft eine Hauptstraße, von der in regelmäßigen Abständen Seitenstraßen abgehen, die dann parallel zueinander verlaufen. Für die gibt es nun ein einfaches System:
- Erste Straße: Einbahnstraße für Autofahrer, dafür eine Spur für Radfahrer, Mopeds, etc ausgewiesen.
- Zweite Straße: Einbahnstraße für Autofahrer andere Richtung, dafür eine Spur nur zum Parken ausgewiesen
- Dritte Straße: zweispurig für den Durchgangsverkehr nutzbar.
Wo keine Explizite Parkerlaubnis ist, gilt absolutes Parkverbot. Autobesitzer müssen also maximal einen Block weit ihr Auto abstellen, da eine Parkstraße alle drei Straßen folgt. Die Radfahrer hätten eine sichere und breite Spur, die auch Gegenverkehr zulässt und kämen Fußgängern nicht in den Weg und der Durchgangsverkehr käme auch schneller vorwärts als heute mit zugeparkten Straßen. Man hat das Parken nur kanalisiert und dadurch mehr Platz geschaffen.
Langfristig sollet aber der Trend nicht nur weg vom Benziner/Diesel gehen, sondern auch weg vom persönlichen Auto. Für Ersteres würde ich einfach mal die Subventionspolitik umstellen. Anstatt das E-Auto zu subventionieren, sollten die anderen Autos eine Abgabe zahlen. Mein Vorschlag wären 5 % des Neupreises. Doch dafür gibt es auch etwas: und zwar einen Gutschein in gleicher Höhe, nicht übertragbar, nicht umtauschbar für ein ökologisch besseres Zweirad (Fahrrad, E-Bike, E-Moped). Das reicht bei einem Kleinwagen für ein gutes Fahrrad oder Einsteiger E-Bike, bei einem Mittelklassewagen in jedem Falle für ein E-Bike. Meine Überlegung ist das, wenn auch ein Auto gekauft wird, es weniger häufig benutzt wird und es mehr Fahrradfahrer gibt, die dann noch mehr Druck auf die Autofahrer ausüben.
Die Zukunft sehe ich aber nicht in dem bisherigen System. Zumindest wenn wir E-Autos in breiter Front einsetzen, muss sich was ändern. Bisher läuft es so: Jemand tankt seinen Tank voll, fährt einige Hundert Kilometer und tankt dann erneut. Die meisten E-Autos sind auch nach diesem System aufgebaut mit Batterien von 50 bis 85 kWh Kapazität. Damit man einen Vergleich hat: 1 l Benzin entspricht etwa 8,6 kwh/l. Selbst wenn man berücksichtigt, das ein Ottomotor nur einen Wirkungsgrad von 25 bis 30 % hat und ein E-Motor einen von 90+ % ist klar das eine 85 kwh Batterie maximal dem Energiegehalt von 40 l Benzin entspricht. Aber sie wiegt bei 200 Wh/kg, dem Energiegehalt von leistungsfähigen Lithiumzellen über 400 kg, also über das zehnfache. Entsprechend schwerer ist das Auto, auch weil jedes Kilogramm Batterie weiteres Gewicht am Fahrzeug für die Struktur die es halten muss, Stoßdämpfer etc addiert. und damit muss mehr Masse bewegt werden und der „Verbrauch“ in kWh/100 km steigt an. Ich sehe das E-Auto als Gefährt für die Kurzstrecke. Es gibt auch kleine Wagen, die so ausgelegt sind wie der E-Go life, ein Wagen im Smart Stil aber eben nur rund 100 km Reichweite, dafür auch 700 kg leichter als das neueste Modell von Tesla (Batterie mit nur 15 kwh Kapazität) und 20.000 Euro billiger. Es gibt noch ein zweites Problem bei der derzeitigen Verhaltensweise. Damit die Leute ihre E-Autos genauso schnell aufladen können, wie wenn sie tanken, haben die Schnellladestationen enorm hohe Stromstärken. Bei Tesla z.B. 350 kW Leistung. Wenn einer seinen Tesla auflädt, verursacht er also kurzfristig einen Verbrauch, der dem von 150 Backöfen entspricht und nun stelle man sich das mal vor, wenn es Millionen tun. Dafür ist weder unsere Stromerzeugung ausgelegt, noch das Stromnetz. Natürlich kann man das Problem mildern, indem Ladestationen eine große Batterie haben, die sie dann langsam wieder aufladen. Aber in meiner Vision sieht die Zukunft anders aus und da belasten E-Mobile nicht das Stromnetz. Sie entlasten es.
Es wird sicher Leute geben, die brauchen ein Auto als Statussymbol. So der Typ der auf seinem Porsche einen Aufkleber hat „Übrigens auch mein Zweitwagen ist ein Porsche“. Aber der Großteil der Leute will nur von A nach B. Wenn der öffentliche Verkehr entsprechend ausgebaut ist, braucht man dann das Auto in Großstädten nur noch für sperrige Besorgungen. Ein Problem bleibt das Umland. Doch muss man da selbst ein Auto besitzen? Wenn die selbstfahrenden Autos funktionieren. (ich habe da einige Zweifel, vor allem gibt es dann ganz neue Fragen bei der Haftung bei Unfällen und ethische Fragen – wenn bei einem Unfall in jedem Falle jemand stirbt, wie entscheidet dann das Auto?). Aber wenn sie selbstständig fahren können, dann braucht man auch keinen Fahrer. Man könnte eine Flotte von Fahrzeugen anschaffen die man, wenn man eines braucht, abruft und wenn man es nicht mehr braucht, fahren sie zur nächsten Ladestation oder den nächsten Kunden selbstständig an. Da die Autos so viel unterwegs sind – nicht nur 1 Stunde wie im Durchschnitt ein PKW pro Tag – braucht man viel weniger. Nachts und und wenn wenig los ist, laden sie sich selbstständig auf. Dafür braucht man dann keine riesigen Wagen, sondern so kleine wie der E-GO life reichen aus. Man bezahlt die Fahrt wie beim Taxi, nur müsste es ohne Fahrer eben viel günstiger sein und damit gibt es ein individuelles Verkehrsmittel, ohne das man ein eigenes Auto besitzen muss.
Man kann dieses Szenario noch weiter spannen. Wenn der Betreiber einen Rahmenvertrag mit der Stromversorgung abschließt, ist das ein potenziell riesiger Speicher. Mal eine Zahl in den Raum geworfen. Unser Stromnetz kann derzeit maximal 68 GWh übertragen. 2 Millionen Elektrofahrzeuge die 10 kWh freie Kapazität haben würden also 20 Minuten lang so viel Strom aufnehmen, wie das ganze Netz liefert. Wenn man nur Spitzen abfedern muss, sagen wir mal 10 % der Gesamtstrommenge erhöht sich das auf 3 Stunden. Damit können E-Autos als Speicher für kurzzeitigen Spitzenbedarf oder Erzeugung (wie z.B. in Tagen wie heute, wo nur die Sonne scheint) dienen. Sie entlasten dann das Stromnetz.
Das wäre möglich, zumindest sollte man den Strompreis an den Spitzenverbrauch anpassen. Es sollte für Leute die ein eigenes Fahrzeug haben finanziell attraktiv sein, ihr Auto wenn sie es nicht brauchen über die normale Steckdose aufzuladen – dauert Stunden, aber wie schon gesagt, der Durchnitts-PKW wird nur eine Stunde am Tag benutzt. Schnellladestationen die einen teuren Netzausbau nach sich ziehen und dazu sorgen das es solche Kraftwerke wie in Irsing vorhalten mus: 800 Millionen Euro teuer, nur wenige Tage pro Jahr am Netz, weil es Spitzen abfangen soll, aber der Strom aus Gas teurer als Braunkohle ist.
Noch ein Wort zu anderen Autos: die wird es auch geben. Denn es gibt natürlich noch Berufsfahrer, Transporte etc. Die beste Technik denke ich ist Erdgas. Es zwar auch ein Kohlenwasserstoff, aber einen den man aus regenerativen Quellen erzeugen kann und die Motoren sind wegen der höheren Verbrennungstemperatur effektiver.
Aber das setzt voraus das die Leute vernünftig sind. Wenn ich mir die Autos anschaue, die auf den Straßen unterwegs sind, habe ich da aber einige Zweifel. Wenn man ein „vernünftiges Auto“ konstruiert, dann würde man es auch mit Solarzellen pflastern. Ein Golf hat z.B. eine Länge von 4,26 m und ist 1,79 m breit. Rechnet man 76 cm in der Länge für die Scheiben ab, so hat man eine Fläche von 3,5 x 1,79 m = 6,2 m² zur Verfügung die man mit Solarzellen belegen kann. Bei Standardmodulen von 1,6 m² Fläche und 430 Watt Spitzenleistung sind das 1,2 kw Peakleistung oder bei optimaler Ausrichtung pro Jahr das Tausendfache in kwh als Ertrag also rund 1200 kwh. Selbst wenn man nur 50 % dessen ansetzt, so sind das 600 kWh, mit denen ein E-Auto je nach Gewicht rund 2500 bis 4000 km fahren kann. Es sieht nicht toll aus, aber wenn man 20 Jahre als Lebensdauer des Autos ansetzt, sind es bei Abnahme der Leistung auf 80 % rund 10.800 kWh, die heute bei 30 ct/kWh rund 3240 Euro kosten – und das auch nur, wenn der Strompreis nicht ansteigt. Bei 3240 Euro, die ich spare, wäre mir es egal, dass ein Auto mit Solarzellen nicht so toll aussieht wie eines mit Metalliclegierung. Ein solches Auto müsste bei einem typischen Pendler im Sommer nicht mal an die Steckdose. Aber es gibt ein solches Auto nicht. Daher wird auch der Rest meiner Ideen wohl nur eine Vision bleiben.
Nicht beabsichtigt, aber durch Zufall ist heute „Equal-Day“. Meine PV-Anlage, die am 19.4. in Betrieb ging, hat bis heute 1892,2 kWh geliefert – meine letzte Stromabrechnung lautete über 1874 kWh. Das heißt, in den 70 Tagen hat die Anlage so viel Strom geliefert, wie ich im letzten Jahr verbraucht habe.