Erneut habe ich eine SpaceX-Wette gewonnen. Elon Musk hatte vor etwas mehr als einem Jahr angekündigt, das es 150 Starts der Falcons letztes Jahr geben sollte. Bill Gerstenmeyer, der aus der NASA ausgeschieden und zu SpaceX wechselte, war etwas vorsichtiger und nannte 144 Starts. Doch es waren im ganzen Jahr 21024 nur 134.
Immerhin, sie sind der Zahl recht nahe gekommen. Ich habe ja schon mehrfach auf die Ankündigungen von Startzahlen von SpaceX gewettet und bisher immer gewonnen, aber meist mit deutlicherem Abstand. Vielleicht hätten sie die 144 Starts sogar geschafft, wenn inzwischen sich nicht immer mehr die Anzeichen häufen, das nicht nur die mit Raketenentwicklung vertrauten die Firma verlassen haben, was man an der viel langsameren und von mehr Rückschlägen geprägten Starship-Entwicklung sieht, sondern sich auch in die Produktion Fehler einschleichen. Es gab zwei Oberstufenversagen, bei einem der letzten Starts mussten sie den Booster austauschen. Das ist besorgniserregend. Bei Raketen ist es wie bei anderen Gegenständen auch: Zum Entwickeln braucht man Experten sie sich mit der Materie auskennen. Das Zusammenbauen können ungelernte bzw. angelernte Arbeitskräfte übernehmen. Sie arbeiten eben eine vorgegebene Liste an Anweisungen ab. Das ist bei Raketen etwas komplexer als bei Autos, weil die Stückzahl kleiner ist. Bei einem Auto braucht man für die Produktion von Tausender Autos pro Jahr viele Personen die dann jeweils nur einen Arbeitsschritt durchführen. Bei eiern Rakete geht das nicht, selbst wenn man wie SpaceX nun 134 Oberstufen pro Jahr fertigt. Man benötigt hier so mit mehreren Produktionsschritten vertraute Arbeiter.
Mich erinnert dies an die Krise die Russlands Raketenindustrie vor rund 20 Jahren hatte. Da häuften sich zum einen die Fehlstarts. Zum anderen gab es sehr skurrile Ursachen für die Fehlstarts. Beim ersten Start des neuen Block DM mit einem Triebwerk mit weniger Schub und dafür einen höheren spezifischen Impuls tankte man die Stufe zu voll auf. Klingt zuerst etwas widersprüchlich, benötigt man doch Treibstoff um einen Orbit zu erreichen. Aber Block DM zündet bevor er einen Orbit erreicht hat und da der Schub nun geringer war musste er leichter sein, sonst reichte die Zeit nicht aus genügend Treibstoff zu verbrauchen damit er, bevor er den Orbit nicht erreicht hat, nicht wieder verglüht. SpaceX hat es ja auch mit dem Treibstoff: bei ITF-2 war wohl auch zu viel an Bord und dann haben sie den einfach mal während des Flugs abgelassen, was natürlich zur Explosion des Starships führte. Die Ursachen ähneln sich also.
Fehlt nur noch, das auch eine Falcon einen Looping vollführt, das tat eine Proton, nachdem man einen Beschleunigungsmesser verkehrt herum eingebaut hat, was man erst mal hinbekommen muss, denn ich vermute das die einen definierte Ober- und Unterseite (mit Anschlüssen) hat. Bei Russland waren die Fehler eine Folge dessen das viele Facharbeiter und Ingenieure das Land verließen, weil die Bezahlung schlecht war und sie mit der Inflation effektiv ärmer wurden. Von diesem Exodus hat sich Russland nie wieder erholt, auch zwanzig Jahre danach noch nicht wie man an der extrem langsamen Entwicklung der Angara sieht – Sieben Flüge seit 2014, davon vier Teststarts, immerhin gab es zwei Starts dieses Jahr.
Ich denke, ich werde wohl auch dieses Jahr eine neue SpaceX Wette aufstellen. Es sind sogar zwei: SpaceX hat schon vor zwei Monaten (nach dem letzten Testflug des Starships) angekündigt, dass sie im März dieses Jahres den ersten Betankungstest durchführen wollen. Sie hinken im HLS Programm ja mächtig hinterher. Als sie den Vertrag bekamen, war noch von einer Landung vor Ende 2024 die Rede. Das Datum ist nun passe, dabei wurde der Vertrag sogar noch um einen unbemannten Testflug aufgestockt, weil nach dem Ausscheiden von Lueders (die nun auch bei SpaceX arbeitet, was für ein Zufall, genau das Unternehmen dem sie einen Milliardenauftrag verschafft hat). Bisher hat die Firma nicht mal demonstriert, dass sie überhaupt Nutzlast mit dem Starship in einen Orbit bringen kann.
Wette 1: Ich wette das SpaceX es nicht schafft bis zum 1.4.2025 eine Betankung eines Starships im Orbit durchzuführen.
Es geht noch weiter: Von Anfang an gab es Kritik an dem Konzept, vor allem daran, dass man sehr viele Betankungen durchführen muss, weil ein Starship eben sehr schwer ist. Elon Musk konterte, das man anfangs wohl acht Tankflüge brauchen würde, später – er meint wohl das Starship V3 – nur noch vier. Daran hat sich, obwohl die letzten Flüge wie man am Resttreibstoff sieht, weit unter den 100 bis 120 t Zielnutzlast des Starships V1 liegen – nichts geändert. Nach dem Golem Bericht geht die Firma immer noch von 100 bis 150 t Treibstoff pro Flug aus. Das bezweifele ich:
Wette 2: Ich wette das SpaceX es nicht schafft, im Jahr 2025 die 150 t Treibstoff pro Tankflug zu erreichen.
Die 100 t als niedrigere Größe nach diesem Golem Bericht greife ich nicht auf, weil die durchaus möglich sind, wenn man bei den nun folgenden Starship Versionen diese massiv an Masse zulegen, das Starship V3 soll ja 40 Prozent schwerer als das aktuelle V1 sein. Immerhin sind selbst 150 t Treibstoff noch deutlich weniger als die acht Tankflüge die Musk für den Anfang versprach. Bei 1.500 t Treibstoffladung beim Starship V2 sind das rechnerisch 187,5 t Treibstoff pro Flug. Die NASA rechnet mit 10+ Flügen. Ab dem 11. Januar könnte der erste Start des Starships V2 erfolgen, aber die SuperHeavy ist noch V1. Mal sehen wie es ab dem 20. sten Januar weiter geht, ob da der neue NASA-Chef vielleicht einfach mal den Konkurrenzkontrakt zu Blue Origin wieder einkassiert.
Hier findet ihr eine Liste aller SpaceX Wetten. Es sind nun 14 Stück insgesamt, 10 gewonnene, zwei verlorene und zwei offene. SpaceX ist die einzige Firma, bei der man gegen Ankündigungen von Unternehmensergebnissen wetten kann und regelmäßig gewinnt. Woanders landete eine Firma in den Nachrichten, wenn sie ihre Umsatz- oder Gewinnprognose nicht erreicht, bei SpaceX ist das Normalfall und das nicht nur einmal, sondern dauernd. Wäre ich CEO oder CTO einer solchen Firma so würde ich an meiner Kompetenz zweifeln, wenn regelmäßig die Planziele nicht erreicht werden. Aber das scheint bei SpaceX so zu sein wie in der DDR: Das die Planziele nicht erreicht werden, daran ist nicht die Führung die diese (vielleicht unerreichbaren) Ziele vorgibt, sondern die arbeitende Bevölkerung. Und wie dort wird natürlich nie zugegeben, das man falsch mit der Prognose lag,