Bernd Leitenbergers Blog

Thor Launchpad Chaos und nicht geflogene Thor

Hallöchen, es wird mal Zeit, dass ich mich wieder melde. Der Grund für die wenigen Posts in letzter Zeit ist das ich fleißig an meinem Buch über die Thor-Delta arbeite. Inzwischen habe ich, was die Fakten angeht, nur noch die Delta 5 vor mir und einige kleinere Ergänzungen zur 4-Digit Serie. Wie immer wird ergänzt, wo es geht. Inzwischen sind es 471 Seiten und rund 682.000 Zeichen, zum Vergleich: das Ausgangskapitel aus den US-Trägerraketen (gibt es auch bei Amazon) war 161.000 Zeichen lang. Bei 471 Seiten bin ich inzwischen angekommen, allerdings mit viel lockerem Layout und Typenblätter belegen immer eine Seite und es gibt viel mehr Abbildungen. Rechnet mal mit 500 Seiten und einem Preis von 39 Euro für das Buch.

Ich merke selbst, dass ich mir den Jahren immer anspruchsvoller an mich selbst werde. Das Gegenteil wäre besser, denn andere Raumfahrtautoren machen sich viel weniger Arbeit mit den Büchern und verkaufen dadurch mehr, denn die Zahl der Leute, welche die vielen Fakten zu schätzen wissen, ist doch recht klein. Immerhin: ich denke, man wird in kein Buch über die Thor-Delta Serie finden in dem mehr steht und bewaffnet mit dem Buch kann man leicht jeden Professor für Luft & Raumfahrt an einer Uni ins Schwitzen bringen. Für wen das zu viel ist, gibt es neben dem Ausgangswerk US-Trägeraketen (siehe oben) auch noch meinen Versuch mich kürzer zu fassen: Die Fotosafari durch den Raketenwald, wo jeder Träger nur zwei Seiten bekommt.

Daneben weiß ich auch nicht worüber ich im Blog scheiben könnte. Nicht das mich nicht viel umtreibt, aber das ist cor allem Tagespolitik und da gibt es schon genug Leute, die darüber schreiben. Und ich kenne meine Grenzen und halte mich nicht für den auf allen Gebieten den Schlauesten. Ich heiße aber auch nicht Donald …

Heute habe ich mir zwei kleine Splitter herausgesucht, auf die ich bei der Recherche bei meinem Buch gestoßen bin, denn derzeit baue ich auch mein Programm zum Auswerten von Startlisten massiv um, wie ihr schon an der nächsten Tabelle sehen könnt. Für die Statistiken habe ich mal eine Übersucht gemacht, wie oft die Thor/Delta von welchem Launchkomplex gestartet wurde und kam auf folgende Liste:

Bezeichnung

Starts

Nutzlasten

Erfolg

Start

Ende

Durchschnitt

Ø Nutzlast

Minimale Nutzlast

Maximale Nutzlast

Keine Massenangabe

SLC2E

20

23

18

1966

1972

90

312,1

74

620

19

SLC2W

75

173

74

1966

2018

98,7

1132,8

5

3145

75

SLC1W

12

42

12

1966

1971

100

519,8

95

975

12

SLC3W

23

89

22

1966

1972

95,7

298,0

210

345

23

SLC1E

7

31

7

1967

1968

100

210

210

210

7

SLC17A

27

36

27

1998

2009

100

862,1

174

1470

27

SLC17B

25

49

24

1998

2011

96

1201,8

125

4348

25

LE-6

3

4

3

1967

1967

100

58,7

18

79

3

SLC10W

20

23

19

1968

1980

95

225,3

79

467

20

75-3-5

38

105

32

1959

1966

84,2

235

5

551

38

LC17B

107

128

99

1960

1998

92,5

493,5

25

3876

107

LC17A

118

141

107

1958

1998

90,7

481,7

18

3280

118

75-3-4

43

136

33

1959

1966

76,7

200,0

50

510

43

75-1-1

28

80

24

1961

1966

85,7

169,0

4

507

28

PALC1-1

11

39

11

1964

1966

100

213,9

201

262

11

4300B6

8

8

7

1965

1967

87,5

70,8

50

79

8

75-1-2

17

53

16

1962

1966

94,1

257,8

18

600

17

LC1-1

4

12

3

1963

1964

75

242,5

213

285

4

Summe:

586

1172

538

1958

2018

Das sind nur die orbitalen Starts, nimmt man noch die suborbitalen Tests der Thor hinzu so wird die Liste noch länger:

LC Komplex

Start

Erfolge

Erfolgreich [%]

Einsatzzeitraum

4300B6

8

7

87,50

1965 – 1967

75-1-1

32

27

84,38

1958 – 1966

75-1-2

21

19

90,48

1959 – 1966

75-2-6

1

0

0,00

1959 – 1959

75-2-7

4

3

75,00

1959 – 1961

75-2-8

5

5

100,00

1959 – 1960

75-3-4

44

34

77,27

1959 – 1966

75-3-5

38

32

84,21

1959 – 1966

LC1-1

4

3

75,00

1963 – 1964

LC17A

134

118

88,06

1957 – 1998

LC17B

140

125

89,29

1957 – 1998

LC18B

17

16

94,12

1958 – 1960

LE-6

3

3

100,00

1967 – 1967

LE-7

2

2

100,00

1961 – 1962

LE-8

2

2

100,00

1961 – 1962

LE1

13

11

83,33

1962 – 1970

LE2

13

11

84,62

1962 – 1975

PALC1-1

11

11

100,00

1964 – 1966

SLC10W

20

19

95,00

1968 – 1980

SLC17A

27

27

100,00

1998 – 2009

SLC17B

25

24

96,00

1998 – 2011

SLC1E

7

7

100,00

1967 – 1968

SLC1W

12

12

100,00

1966 – 1971

SLC2E

20

18

90,00

1966 – 1972

SLC2W

75

74

98,67

1966 – 2018

SLC3W

23

22

95,65

1966 – 1972

So viele Startrampen für die Thor? Kaum zu glauben. Der Grund dafür sieht man in diesem (zweckentfremdeten) Gantt-diagram. Zahlreiche Pads haben ihre letzten Starts 1967 und just im selben Jahr nahmen neue Pads den Betrieb auf. Relativ deutlich wird das bei LC17A/B und SLC17A/B. Hier fand schlicht und einfach eine Umbenennung von „Launch Komplex“ zu „Space Launch Complex“ statt. In Vandenberg erfolgt das noch früher, hier hießen die Rampen vorher aber meist nicht „LC“, sodass man wissen muss, wie umbenannt wurde. Da das auch in der Wikipedia nicht genau steht, hier mal eine exklusive Tabelle von mir:

Bezeichnung ursprünglich

Bezeichnung neu

VAFB 75-1-1

SLC2E (ab 1966)

VAFB 75-1-2

SLC2W (ab 1966)

VAFB 75-3-4

SLC1W (ab 1966)

VAFB 75-3-5

SLC1E (ab 1966)

Point Arguelle LC1-1 / VS PALC1-1

SLC3W (ab 1966)

LE-6 / V 4300B6

SLC10W (ab 1966)

LC17A

SLC17A (ab 1998)

LC17B

SLC17B (ab 1998)

Das kann man noch auf die Atlas Startplätze und die Scout erweitern. Bei Vandenberg kommt noch dazu das Port Arguello zuerst ein eigener Launch Komplex war und dann zuerst in Vandenberg South umbenannt wurde, bevor der mit der Vandenberg Air Force Base verschmolz. Zwei Rampen wurden sogar zweimal umbenannt. Konsolidiert kommt man dann auf folgende Liste:

Bezeichnung

Starts

Nutzlasten

Erfolg

Startzeitraum

Endzeitraum

Durchschnitt

Ø Nutzlast

Minimale Nutzlast

Maximale Nutzlast

Keine Massenangabe

CC SLC17A

145

177

134

1958

2009

92,4

552,6

18

3280

145

CC SLC17B

132

177

123

1960

2011

93,2

627,7

25

4348

132

V SLC10W

31

35

29

1965

1980

93,5

169,3

18

467

31

V SLC1E

45

136

39

1959

1968

86,7

231,1

5

551

45

V SLC1W

55

178

45

1959

1971

81,8

269,8

50

975

55

V SLC2E

48

103

42

1961

1972

87,5

226,9

4

620

47

V SLC2W

92

226

90

1962

2018

97,8

971,1

5

3145

92

V SLC3W

38

140

36

1963

1972

94,7

267,8

201

345

38

Summe:

586

1172

538

1958

2018

In der konsolidierten Tabelle ist vor allem der rapide Startrückgang in Vandenberg deutlich sichtbar. Es waren ursprünglich fünf Rampen für die Thor Agena und eine für Thor Burner Starts. Nach 1972 wurde nur noch SLC2W als letzte der Thor Agena Startrampen weiter für Deltas genutzt und die Thor Burner hob 1980 zum letzten Mal von SLC10W ab. Trotzdem entfallen 309 der 586 Starts, also mehr als die Hälfte der Missionen auf Vandenberg, darunter nur 68 Delta Starts.

In der Liste gibt es noch einige Pads, die nur suborbital genutzt wurden

LC Komplex

Start

Erfolge

Erfolgreich [%]

Einsatzzeitraum

75-2-6

1

0

0,00

1959 – 1959

75-2-7

4

3

75,00

1959 – 1961

75-2-8

5

5

100,00

1959 – 1960

LC18B

17

16

94,12

1958 – 1960

LE-7

2

2

100,00

1961 – 1962

LE-8

2

2

100,00

1961 – 1962

LE1

13

11

83,33

1962 – 1970

LE2

13

11

84,62

1962 – 1975

Summe:

57

50

87,73

1958 – 1975

LE1 und LE2 sind die Startrampen auf der kleinen Johnson Insel von der aus Versuche mit Kernwaffen in der Ionosphäre gestartet wurden (siehe hier und für Antisatellitentests (siehe hier). Kernwaffentests wollte man wohl nicht von Vandenberg aus durchführen, sonst wäre wohl die Luftwaffenbasis verstrahlt, anstatt die Insel, denn eine Thor wurde auf der Startrampe mitsamt ihrer Wasserstoffbombe gesprengt.

LC18B im CCAF war eine Startrampe für frühe Thor Tests. Anders als LC 17A/B wurden von LC18B nur Teststarts durchgeführt, aber keine weitergehenden Tests, bei denen die Thor nicht abhob. Von LC18B wurden zum Beispiel auch die drei Thor DM18C gestartet, die den schubstärkeren Antrieb MB3-2 qualifizierten, so wurden LC17A/B die damals schon häufig eingesetzt wurdenn nicht blockiert.

Bei den Rampen 75-2-6 bis 8 handelt es sich um Rampen für Trainingsabschüsse (CTL: Crew Training Launches) der Thor. Sie wurden dann ab 1962 in LE-6 bis 8 umbenannt. Nur 75-2-6 wurde danach für Thor Burner Starts genutzt. Interessanterweise wurde sie dann zuerst in 4300B6 umbenannt und erst 1967 in LE-6. Wäre doch sonst zu einfach. Nomenklatur-Chaos scheint eine Spezialität der Thor gewesen zu sein, ich werfe hier mal noch die Stichworte „DM“, „DSV“ und Delta-Buchstabennomenklatur in den Ring, aber ich denke das reicht für einen eigenen Blog.

Die fehlenden Thor

Als ich mir dann mal die Liste der Thors nach Seriennummern sortierten ließ, stellte ich fest, das diese nicht durchgängig ist, das fiel mir schon bei den ersten Starts auf, weshalb ich das tat. Douglas der Hersteller nummeriertes die Thors sequentiell durch, wobei die Serie mit Nummer 101 anfing.

Es wurden 552 Thors mit Seriennummern versehen, bevor mit der Delta 167 (Start am 11.4.1983 mit Satcom 1R) die Thor-Nummerierung endete und nur noch die Deltanummerierung angewandt wurde (vorher: 653/D167). Nicht alle Thor wurden gestartet, es fehlen die Seriennummern: 106, 110, 111, 124, 125, 139, 142, 150, 157, 166, 178, 189, 211, 273, 278, 280, 284, 285, 292, 492, 494, 497, 499, 500, 502, 503, 504, 505, 566, 646. Insgesamt 30 Thor. Bei einigen ist der Verbleib bekannt, die Nummern 166, 278, 284, 285 und 292 waren IRBM, die beim Programm Fishbowl übrig blieben. Also setzte ich mich dran doch herauszufinden was mit den anderen passierte. So gibt es einige Museumsexemplare. Ich fand raus das Ed Kyle sich auch das mal nachgeforscht hat:

Thors in Museen:

125   56-6796   POSSIBLE THOR-ABLE DISPLAY AT CAPE LC26A
142   57-2650   DISPLAYED ON TRAILER AT CAPE, MISLABLED „146“
150   58-2261   DISPLAYED AT DAYTON USAF MUSEUM
273   59-1294   NY WORLD’S FAIR, NOW AT GODDARD AS THOR-DELTA
285   59-2406   UK IRBM, PROGRAM 437, NOW AT PIMA MUSEUM
–      –       THOR AGENA A DISPLAY AT DAYTON USAF MUSEUM
–      –       THOR IRBM DISPLAY AT SAC MUSEUM, NEBRASKA
–      –       DISPLAYED AS THOR-DELTA AT KSC ROCKET GARDEN
–      –       THOR IRBM AT EDWARDS AFB MUSEUM ON TRAILER
–      –       THOR-ABLE AT NATIONAL SPACE CENTRE, ENGLAND

LIST OF THORS NOT FLOWN WITH DISPOSITIONS
Based, in part, on http://home.att.net/~jbaugher/usafserials.html

THOR  USAF S/N  DISPOSITION

106   56-6756   LAST KNOWN LOCATION CHANUTE FIELD
110   56-6760   SACTO STATIC FIRE, SCRAPPED
111   56-6782   SACTO STATIC FIRE, SCRAPPED
124   56-6795   WAS DISPLAYED AT NORTON AFB
125   56-6796   POSSIBLE THOR-ABLE DISPLAY AT CAPE LC26A
139   57-2647   WAS DISPLAYED AT PATRICK AFB
142   57-2650   DISPLAYED AT CAPE, MISLABLED „146“
150   58-2261   DISPLAYED AT DAYTON USAF MUSEUM

157   58-2268   WAS DISPLAYED AT SAMSO, INGLEWOOD, CA AS THOR AGENA, BLOWN DOWN BY WIND IN 1975

166   58-2277   BLEW UP DURING STATIC TEST AT VAFB 4-9-59
178   58-2289   DISPOSITION UNKNOWN
189   58-2300   „LANGLEY HANGER QUEEN“

211   58-2322   WAS AT LA SPACE MUSEUM
273   59-1294   NY WORLD’S FAIR, NOW AT GODDARD
278   59-2399   UK IRBM REASSIGNED TO PROGRAM 437
280   59-2401   NASA STRUCTURAL TEST, DESTROYED
284   59-2405   UK IRBM REASSIGNED TO PROGRAM 437
285   59-2406   UK IRBM, PROGRAM 437, NOW AT PIMA MUSEUM
292   59-2413   UK IRBM REASSIGNED TO PROGRAM 437

492   65-10610  THOR AGENA D, STORED AT NORTON, NO AGENA
494   65-10612  THOR AGENA D, STORED AT NORTON, NO AGENA
497   65-10615  THOR AGENA D, STORED AT NORTON, NO AGENA
499   65-10617  THOR AGENA D, STORED AT NORTON, NO AGENA
500   65-10618  THOR AGENA D, STORED AT NORTON, NO AGENA

502   65-10620  THOR AGENA D, DISMANTLED FOR PARTS
503   65-10621  THOR AGENA D, DISMANTLED FOR PARTS
504   65-10622  THOR AGENA D, DISMANTLED FOR PARTS
505   65-10623  THOR AGENA D, DISMANTLED FOR PARTS

566   70-0011   LONG TANK THORAD, STORED AT NORTON

646  ?   PROBABLE DELTA 3000, POSSIBLY FLOWN

Insgesamt zeichnet die Thor aus, das man sehr viel recycelt hat. Nicht nur wurden 55 der 60 Thor, die man in England stationierte, dann suborbital oder als Satellitenträger genutzt – bei den Atlas E+F und Titan II war der Prozentsatz viel kleiner, die Atlas D und Titan I wurden nicht mehr erneut verwendet. Auch bei den Programmen sieht man oft, dass man Resteverwertung betrieb. Thor Agena und Thor Delta bestanden aus zwei bzw. drei Stufen. Später kamen noch die Booster dazu. Dabei wurden die Stufen laufend weiter entwickelt. Die erste Thor wog 48,5 t, die letzte 104 t. Oft war es so, das man Thor oder Oberstufen der letzten Generation übrig hatte und dann kombinierte man eine neue Stufe mit einer alten. Auch ein Grund, warum ich fast 500 Seiten brauche um die Geschichte zu schieben. Die Hälfte der Delta-Versionen in der Buchstabennummerierung entfällt auf solche Interimsversionen. Es gab aber auch bei der Thor nagen ähnliches. So wurden, nachdem die Agena D Oberstufe zur Verfügung stand kaum noch Thor Agena B gestartet, die letzten in der SLV-2/2A Konfiguration, also schon mit standardisierter Thor, eine bis zwei Thor-Generationen weiter.

Eine große Ausnahme ist dieser Bereich der Seriennummern 492 bis 505. Von den 14 Trägern starteten nur fünf. Die Nummerierung erfolgte nach Aufträgen, die meist in Serien erfolgten, nicht nach dem Startdatum: Hier die relevanten Serien:

Seriennummern

Einsatzzeitraum

Eingesetztes Modell

Thor

479-491 (12)

20.4.1967 – 1.4.1971

10 x Delta E1, 1 x Delta C, 1 x Delta E

DM-21

492-505 (14)

22.2.1967 – 30.3.1967

Thor SLV-2A Agena D

Thrust Augmented Thor (mit Castor I)

506-527 (22)

9.8.1966 – 30.9.1969

Thor SLV-2G Agena D

Long Tank Thrust Augmented Thor (mit Castor II)

Es handelt sich also um drei Serien mit unterschiedlichen Thor. Die Thrust Augmented Thor (TAT) hatte schon die Möglichkeit Booster anzubringen, war aber noch nicht verlängert. Sie hatte ihren Einstand wesentlich früher, die erste war die Thor 343 die am 28.2.1966 startete. Sie war das meist geflogene Modell der Thor Agena Serie. Man sieht am Startzeitraum, dass die NASA viel weniger Starts hatte. Sie brauchte vier Jahre um ihre 12 Raketen zu starten. Obwohl die USAF ihre Serie von 22 Raketen erst nach der Serie mit der Lücke orderte, erfolgte der Erststart früher und war drei Jahre später beendet.

Eine Besonderheit der Thor Agena, was schlussendlich auch das Aus für diesen Typ bedeutete, war das Verbandeln der Agena mit den Satelliten des CORONA-Projektes. Diese Fotoaufklärer waren mit der Agena fest verbunden, die Elektronik war im Instrumententeil der Agena untergebracht und die Agena führte die Lageregelung während der kurzen Mission aus. 145 der 185 Starts der Thor Agena erfolgten nur mit diesen Satelliten. Das Corona-Programm durchlief innerhalb von wenigen Jahren vier Generationen, zur Zeit der „Lücke“ war es schon bei der letzten, KH-4 angekommenen, von der es zwei Subversionen KH-4A und KH-4B gibt. Die letzteren hatten zwei Rückkehrkapseln mehr als die KH-4A und wogen (netto, ohne die Subsysteme in der Agena) 345 anstatt 210 kg.

So wäre es logisch anzunehmen, dass man die TAT Agena D nicht mehr nutzen konnte, weil die neueren Satelliten zu schwer waren. Aber dem ist nicht so. Es gab drei Starts der KH-4A Serie mit der LTAT Agena D der Serie die nach der Lücke geordert war:

r.

Startdatum

Nutzlast

Alternativname

Trägerrakete

Träger-Nr.

Gewicht

1

07.08.1967

OPS 4827

CORONA J-42

Thorad SLV-2G Agena D

510/1637

210

2

08.11.1966

OPS 1866

CORONA J-38

Thorad SLV-2G Agena D

507/1632

210

3

09.08.1966

OPS 1545

CORONA J-32

Thorad SLV-2G Agena D

506/1631

210

Für diese drei Satelliten hätten die neun Raketen, die heute zum Teil noch vollständig in NORTON aufbewahrt werden, eingesetzt werden können. Warum man also die Nummern 492, 494, 497, 499, 500, 502, 503, 504, 505 also neun Raketen Thor SLV-2A nicht startete, bleibt ungeklärt. Eine Thor kostete 1972 rund 1,6 Millionen Dollar nur für die Fertigung (für Booster, Oberstufen und Start kommen weitere Kosten hinzu) Nimmt man den Preisindex für Verbraucher als Maß für die Inflation (Faktor 9,7 für 1966), so hat man Raketen für 140 Millionen Dollar im Wert von 2026 nicht eingesetzt.

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