Seit gestern ist nun die Artemis II Mission auf dem Mond, wenige Tage zuvor hat NASA Administrator Isaac Jaredmann neue Pläne ankündigt. Zeit mal was dazu zu schreiben. Ich fange aber mit was an was zusammenhängt: Die Verseichtung. Keine Ahnung ob es den Begriff schon gibt, ich beschreibe damit das man zu Ereignissen immer weniger tiefer gehende Informationen bekommt. Zudem werden schriftliche Informationen durch Videos ersetzt. Das letztere habe ich schon mehrere Male angesprochen. Videos haben einen extrem niedrigen Informationsgehalt, sie leben von Bildern. Zudem wollen sie ja unterhalten, also geht es um Stories von Menschen, nicht Technik und Zahlen kommen da gar nicht gut an. Für mich der vor allem an der Technik interessiert ist sind sie daher eigentlich nur Zeitverschwendung.
Aber auch das offizielle Press Kit der NASA ist relativ detailarm. In den deutschen Medien fand die Tatsache, dass die Mission sich noch weiter von der Erde entfernt als jede Apollomission großes Echo. Bei Tagesschau, „Heute“ und in Zeitungen wurde das vermeldet. Der Unterschied ist gering und liegt daran dass eine freie Rückkehrbahn eingeschlagen wird, ohne in eine Umlaufbahn um den Mond einzutreten. Der bisherige Rekord waren 400.171 km bei Apollo 13 wo es ebenfalls nicht zum Einschwenken in die Umlaufbahn kam. Die NASA betont das im Presskit nicht, auch weil die Maximalabstand vom Mond dort nur in einem Bereich von 4000 bis 6000 Meilen angegebenen wird. Nach dem Press Kit liegt die Maximalentfernung bei rund 250.000 Meilen, also 400.500 km. Die Welt spricht von bis zu 402.000 km. Okay, das ist etwas mehr, aber viel wichtiger wäre doch die Tatsache das die Mission nicht mal in eine Mondumlaufbahn einschwenkt. Das fiel komplett in der deutschen Berichterstattung unter den Tisch. In einem Haloorbit würde sie sich übrigens noch weiter von der Erde entfernen und vergessen wurde auch, dass die Mission schon nach dem Start den höchsten jemals erreichten Erdorbit erreicht hat und zwar hier mit sehr großem Unterschied zum bisherigen Rekord.
Technisch ist Artemis II ein Rückschritt gegenüber Artemis I. Bei der Mission erreichte die unbemannte Kapsel den Halororbit, durchflog ihn einmal und kehrte zurück. Bei Artemis II ist die Kapsel von der IPCS in einen 184 x 71.330 km Orbit gebracht wurden, also deutlich weiter von der Erde entfernt als der bisherige Rekord, der bei rund 1.500 km Erdferne in einer Umlaufbahn liegt und die Besatzung hat auch schon beeindruckende Bilder der Erde geteilt. Diese Mission ähnelt den ersten beiden unbemannten Apollo Missionen mit der Saturn V, Apollo 4 + 6. Bei ihnen wurde das CSM unbemannt in einen exzentrischen Erdorbit gebracht, wo der eigene Antrieb gezündet wurde damit die Kapsel mit der Geschwindigkeit vom Mond wieder eintritt. das erprobte den Hitzeschutzschild und das Antriebssystem. Es ist aber eine relativ risikolose Sache. Fällt der Hauptantrieb aus, so kann man die geringe Geschwindigkeit die man braucht um den Orbit zu verlassen (der erdnächste Punkt liegt ja relativ niedrig und durch das hohe Apogäum braucht man weniger Geschwindigkeit als ihn zu verlassen als bei einer LEO-Bahn) mit den Lageregelungstriebwerken aufbringen. Genauso jetzt, wo das Antriebssystem aus Europa aus diesem 24 Stunden Orbit mit seinem Antrieb noch etwas Geschwindigkeit addiert und das Gespann auf eine freie Rückkehrbahn bringt. Fällt hier etwas aus, so hat man eine weitere Ellipse um die Erde, aber der erdnächste Punkt liegt immer noch in 184 km Höhe und man kann, wenn die Bahn halb durchflogen ist am erdfernsten Punkt durch die Lageregelungstriebwerke so viel Geschwindigkeit abbauen das man wieder eintritt. Klappt beim Einschuss in die Mondumlaufbahn was nicht so ist man je nach Brenndauer entweder in einer elliptischen Mondumlaufbahn gefangen aus der man nicht mehr herauskommt oder es resultiert eine Erdumlauf bahn aber mit einem sehr hohen Apogäum, dass man nicht durch Lageregelungstriebwerke absenken kann.
Diese Mission ist in der Komplexität irgendwo zwischen Apollo 7 und Apollo 8 einzuordnen. Damals war man bedeutend wagemutiger. Solche Artemis II ähnelnden bemannten Erdorbitmissionen waren übrigens auch mal geplant, anstelle von Apollo 8, aber weil man meinte die Sowjets starten vor den USA war das nächste Ziel gleich eine Mondumlaufbahn. Richtig neu ist es auch nicht. Russland schlug für zahlungskräftige Weltraumtouristen vor eine Sojus mit einer Proton auf eine freie Rückkehrbahn um den Mond zu schicken und SpaceX hatte auch so was mit der Dragon vor, bevor man die Passagiere aufs Starship verschob. Inzwischen hat der Milliardär der das finanzieren soll, die Lust verloren.
Das einzige was die Mission leistet, ist die Orion bemannt zu testen. Die Frage für mich ist, warum dann die Vorbereitung über zwei Jahre dauert.Der große Sprung zur Landung war auch dem Advisatory Panels zu viel, das wäre auf Apollo übertragen der Sprung von Apollo 7 zur Landung mit Apollo 11. Daher wird ja nun Artemis III umgeplant und im Erdorbit mit den Landern üben und Artemis IV dann die erste Landung.
Damit komme ich zum Zeiten Teil den Ankündigungen. Es soll nun eine Lunar Base kommen, also eine länger bemannte Basis auf der Mondoberfläche. Die Raumstation um den Mond, das Lunar Gateway ist dagegen Geschichte, obwohl der Großteil der Station nicht von den USA gebaut wäre. Mal abgesehen davon, das ich es für unsinnig halte etwas einzustellen und was neues anzufangen das nochmals länger braucht, bis es fertig ist, woher soll das Geld kommen? Schon letztes Jahr wollte Trump die NASA zusammenstreichen. Dazu ist es nicht gekommen. Erst haben die Senatoren in denen Hardware für Artemis gebaut wird, dafür gesorgt das Artemis für die nächsten Jahren 10 Mrd. Dollar zusätzlich bekommt, dann ging im Januar das NASA-Budget mit leichten Kürzungen mit der „big great bill“ durch. Doch schon vorgestern gab es die nächste Streichrunde. NASA Budget um ein drittel gekürzt, nur Artemis legt zu. So was erhält man wenn man einen Weltraumtouristen zum NASA Chef macht. Wofür sollte der sich den interessieren als für bemannte Abenteuer mit denen man angeben kann?
Es stehen die Chancen gut, das Artemis davon kommt und sogar die Gelder für die Lunar Base bekommt. Wie dieses Jahr weil wirtschaftliche Interessen einzelner Bundesstaaten betroffen sind. Das ist ja nichts neu, als das Space Shuttle in den Siebzigern und achtzigern zu teuer wurde hat man eben woanders im NASA Etat gekürzt. Aber ist es beständig? Mit dem Lunar Gateway hat man die Entwicklung der neuen Oberstufe EUS gestoppt. Die war fast fertig. Vor der Einstellung waren die Qualifikationen des ersten Flugexemplars geplant. Es wäre dann nächstes Jahr an die NASA übergeben worden. Ebenso gab es schon Tests der neuen Booster. Ob diese eingestellt sind weiß man nicht, aber es ist wahrscheinlich. Man stellt also Projekte ein, die man seit Jahren für Milliarden entwickelt hat krurz bevor sie abgeschlossen wurden Die Mehrnutzlast hätte man fürs Gateway gebraucht. Jeder Orionmission hätte ein weiteres Modul befördert zum Gateway zusätzlich befördert. Ohne Gateway braucht man zwar nicht die Mehrnutzlast fürs Gateway, aber die Zertifizierung der Centaur V wird auch nicht billig, die IPCS gibt es ja durch die einstellung der Delta 4 nicht mehr und eine Lösung für noch mehr Nutzlastbedarf bei der Mondbasis ist das auch nicht. Meiner Ansicht nach spricht viel dafür das Jaredmann Artemis „privatisieren“ will. Sprich: Die Firmen die Mondlander bauen sollen auch die Module zur Mondoberfläche bringen oder vielleicht die Station gleich ganz aufbauen. Ich bin für diesen Ansatz, aber nicht für das Hin-. und Her. Ich glaube auch nicht das Jaredmann das mit Trump abgestimmt hat. Sonst gäbe es nicht die erneuten Streichungen und vor allem glaube ich nicht das Trump sich das nehmen lassen würde eine Mondbasis anzukündigen.
In den deutschen Medien haben sich die Astronauten Maurer und Gerst zur Mondbasis geäußert, das dann auch deutsche und europäische Astronauten dort forschen können. Also an Forschung denke ich bei einer Mondbasis nicht, eher an ein Space Race 2.0 eben gegen China. Das war ja auch die Idee von Trump – Artemis nach der Landung einfach einstellen. Der Ruhm ist dann eingeheimst, warum noch weitermachen. Ist jetzt nicht so neu, direkt nach der Landung von Apollo 11 wurden die Missionen Apollo 18 bis 20 gestrichen. Sparte 5,3 % der Gesamtaufwendungen für Apollo ein, dafür fielen 33 % der Landungen weg. Das lag daran das die Hardware bis auf de LM längst gebaut war. Damit führte man dann noch Skylab durch bzw. sie steht heute in Museen.
Die Streichlust ist ja nicht neu. Ich schreibe gerade am Buch über Galileo. Galileo sollte auch 1981 gestrichen werden als Reagan Präsident wurde. Proteste verhinderten dies aber nicht das das Budget für unbemannte Missionen zusammenschrumpfte. In acht Jahren Präsidentschaft entstand gerade mal Magellan, aus Restteilen zusammengebaut neu. Das wiederholte sich unter Bush junior. Das unter Trump die unbemannte Raumfahrt, in der es vorwiegend um Wissenschaft geht, leidet war vorhersehbar. Damit kann man nicht angeben. Wissenschaft gewinnt harte Tatsachen die man nicht einfach durch Geschwätz wegdiskutieren kann (Desinfektionsmittel gegen Corona injizieren) und für deren Verständnis eine gewisse Intelligenz benötigt wird. Ich habe mal gehört das Menschen instinktiv nicht Personen wählen, die intelligenter sind als sie selbst. Sie befürchten – und in den USA ist das eine Manie – das sie dann von der Regierung hintergangen oder ausgenutzt werden. Das erklärt eine Menge bei den Regierungen und warum sich völlige Volltrottel als Regierungschefs halten können. Wenn ich da in die USA schaue muss der Durchschnittsamerikaner ziemlich doof sein, sonst würde er wohl kaum gestalten wie Reagan, Bush junior oder eben Donald Trump wählen wobei einen so besonders intelligenten Eindruck macht die Merzregierung auch nicht. Alle Präsidenten die viel bei der NASA gestrichen haben – Nixon, Reagan und G.W. Bush und eben Trump waren Republikaner. Zufall?
Was gibt es noch? SpaceX hat den Start ds ersten V3 Starships erneut verschoben, nun nach Musk in 4 bis 6 Wochen, da er immer Daten angibt die zu früh liegen wohl eher später. Das ist die größte Pause zwischen zwei Starts bisher. Ich hoffe man hat sie genutzt und es wiederholt sich nicht die Serie der bisherigen Flüge wo erst mal zwei Flüge nicht den Orbit erreichen oder bei V2 mal die Hardware schon auf dem Boden zerstört wird. Viel zu tun gäbe es, denn auch die V2 hinken ja zwischen Anspruch und dem Erreichten hinterher. So ist die Nutzlast minimal und die Raptor 2 haben nach drei Jahren Flugtests immer noch nicht den Schub erreicht der angegeben wird – vergleicht mal in den Videos den Start von Artemis 2 mit dem letzten Starship. Beide Raketen sind in etwa gleich hoch und haben – wenn SpaceX Angaben stimmen würden – die gleiche Startbeschleunigung. Artemis 2 startet aber rasant währen das Starship gemächlich abhebt, eben weil der publizierte Schub nicht der erreichte ist. Und die Raptor 2 arbeiten bei weniger anspruchsvollen Bedingungen als die Raptor 3, die ja alles viel besser machen, zumindest nach SpaceX / Musk.