NASA Chaos um Blue Moon und Artemis 3

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Es gab ja letzte Woche die Explosion einer New Glenn auf der Startrampe. Das sah dramatisch aus und wie immer beim „New Space“ weiß man bisher nichts über die Ursache. Es wird eben nur noch kommuniziert was positiv ist, sodass die Schäden nicht so schlimm sind wie man meint und die Firma meint, dass sie Ende des Jahres wieder starten könnte.

Um so verwirrender fand ich diese Nachricht: „NASA head urges new launcher for Blue Origin’s moon landers to meet Artemis mission deadlines“. Jared Isaacman selbst meint, dass die New Glenn nicht bereit wäre für die Artemis 3 Mission die seiner Ansicht nach im nächsten Jahr stattfinden soll. Blue Origin solle doch bitte eine andere Rakete als die New Glenn nehmen.

Ach ja? Da stellen sich mir zwei Fragen. Die eine ist technischer Art: Welche Rakete soll denn Blue Origin bitte nehmen? Man weiß ja nicht sehr viel über den Blue Moon Mondlander. Ich habe schon Berechnungen zu ihm angestellt. Vom Gewicht her ist klar, dass er für die Artemis 3 Mission in einem 463 km hohen Edorbit den größten Teil des Treibstoffs nicht brauchen wird. Der soll ja ausreichen, um vom Haloorbit ausgehend auf dem Mond zu landen und wieder zurückzukehren, was grob 6 km/s erfordert. Schon mit der Hälfte der Geschwindigkeit würde man einen Erdorbit verlassen in dem die Tests von Artemis 3 stattfinden sollten. Lässt man Treibstoff weg so dürfte das Gewicht sicherlich in einem Rahmen liegen, den viele Raketen wie Ariane 6, Vulcan oder vielleicht auch die Falcon 9 transportieren könnten. Etwas Treibstoff wird man brauchen, für die Tests von Manövern so wie man dies bei Apollo 9 tat. Aus Sicherheitsgründen wird man sicher keine Bahn einschlagen, die man mit der Orion als Absicherung nicht wieder korrigieren kann und die hat ein maximales Δv von 1.050 m/s. Man muss also relativ wenig Treibstoff beim Blue Moon zuladen.

Der entscheidendere Grund ist aber die Größe. Zuerst mal: es gibt zwei Blue Moon Lander. Eine erste Version, genannt Mark I, die eine New Glenn direkt zum Mond bringen kann und die für den Transport von Experimenten gedacht ist, dafür bekam Blue Origin gerade erst einen Auftrag und einen Mark II für die Beförderung von Astronauten, der mindestens einen Auftankvorgang mit einem cislunaren Transporter erfordert. Die Wikipedia scheint die beiden bei den Abmessungen durcheinander gebracht zu haben, und schreibt Blue Moon Mark II wäre 16 m hoch, hätte aber nur 3,08 m Durchmesser.

Mark I ist etwa 8 m hoch, hat aber 3,08 m Durchmesser. Die Dame hier steht vor einem Mockup von Mark I und da kommen die 3 m Durchmesser hin, klar ist aber auch das dieses Mockup nicht 16 m hoch ist. Wie hoch Mark II ist, zeigt das nächste Bild und das dritte zeigt den Apollo Mondlander und die beiden von Blue Origin als Blaupause im Vergleich. Ich habe die Blaupause ausgemessen und komme auf ziemlich genau 6 m als maximalem Durchmesser, was übrigens zu dem maximalen nutzbaren Innendurchmesser der New Glenn nach Users Manual passt. Damit passt er in keine Nutzlasthülle einer existierenden Rakete die maximal 4,60 m im Durchmesser bieten und auch von der Höhe her wird es knapp. Vulcan und Ariane 6 haben Nutzlasthüllen die länger als 16 m sind, aber sie laufen oben ja spitz zu. Die New Glenn Nutzlasthülle ist 21,9 m lang. Vom Volumen her gäbe es also keine kommerzielle Rakete, in der der Mondlander hineinpasst. Die Falcons sind mit 13,1 m langen Verkleidungen schon bei der Höhe raus. Das gilt übrigens auch für das Starship. Zum einen wegen der Nutzlastverkleidung, die insgesamt nur 17 m lang ist und nur 8 m im zylindrischen Teil Platz bietet zum anderen, das zeigte ja IFT-12, gibt es in der Hülle nur einen kleinen Schlitz für das Aussetzen von Satelliten. Ach ja und einen Orbit hat sie anders als die New Glenn und alle anderen kommerziellen Alternativen auch noch nicht erreicht.

Aber es gäbe ja noch die SLS und hier sieht man die Bigotterie dieser Forderung. Die SLS könnte den Blue Moon problemlos transportieren, nur existiert keine Nutzlastverkleidung bisher und nach dem Streichen des Lunar Gateways und damit auch der Entwicklung einer Oberstufe wird man sicher erst recht die Nutzlastverkleidung für Cargo Transporte gestrichen haben. Für die nun noch anstehenden Orion Transporte braucht man keine Verkleidung, die sitzen direkt auf der letzten Stufe. Vor allem: Das Artemis 3 schon im nächsten Jahr stattfinden soll halte ich für pures Wunschdenken. Zwischen Artemis I und II lagen fast dreieinhalb Jahre (Artemis I: Start am 16.11.2022, Artemis II Start am 2.4.2026) und jetzt soll Artemis 3 in maximal eineinhalb Jahren stattfinden? Wie soll das gehen, schon optimistische Planungen für die SLS sehen nur einen Start alle zwei Jahre vor. Im Januar dieses Jahres war noch von einem Start von Artemis III im Laufe des Jahres 2028 die Rede, was mindestens 12 Monate für Blue Origin Zeit lassen würde, Flüge durchzuführen.

Bisher hat die NASA noch nicht demonstriert, dass sie selbst Pläne im Mondprogramm einhalten kann, der Start von Artemis I war ursprünglich für 2017 vorgesehen. Die Kernstufe für Artemis III ist ohne die Triebwerke am 26. April verladen worden. Bei Artemis I kam sie (mit Triebwerken) am 27. April 2020 an, zweieinhalb Jahre vor dem Start und bei Artemis II war es (ebenfalls mit schon montierten Triebwerken) der 25. Juli 2024, 21 Monate vor dem Start. Die Triebwerke werden nicht vor Juli verschifft und es dauert Monate sie zu montieren und zu überprüfen.

Das zweite ist das bei Ankündigung des neues Plans im Februar – Artemis 3 sollte ja eigentlich eine Mondlandung sein – es ja hieße man würde für Artemis III den Mondlander nehmen, der zu dem Zeitpunkt fertig wäre (zuerst bekam SpaceX ja im April 2021 den Auftrag für sein Lunar Starship, das nach damaliger Ankündigung schon 2024 hätte landen müssen, Blue Origin bekam erst im Mai 2023, also zwei Jahre nach SpaceX einen Auftrag für den Blue Moon und scheint nun trotzdem schneller zu sein. Das Isaacman nun gar nicht mehr vom Starship spricht, im Februar hieß es ja noch man werde den Lander nehmen, der als erstes fertig wäre, lässt den Schluss zu, dass er nach IFT-12 nicht mehr daran glaubt, dass dieses bis Ende 2027 nur für Tests im Erdorbit zur Verfügung steht (dafür braucht man keine Auftankmissionen, es würde reichen, wenn es einen Erdorbit erreicht, für die MASA ist es völlig egal ob SuperHeavy oder Starship geborgen werden oder nicht).

Die zweite Erkenntnis – ich komme nun auf den Anfang des Blogs zurück – die ich gewonnen habe, ist das nach der Tätigkeit von DOGE man offensichtlich bei der NASA so viel qualifiziertes Personal verloren hat, dass man bevor man eine solche (unqualifizierte, naive, dumme) Äußerung tut oder den Administrator vor einer solchen Äußerung berät (es gibt im obigen Artikel auch andere NASA Stimmen, die aber natürlich nur das wiedergeben, was der Administrator schon gesagt hat, man will sich ja nicht gegen den Chef stellen) man doch mal in die Wikipedia schaut (eigentlich müsste die NASA ja Daten über den Blue Moon haben, die nicht öffentlich sind, wie zum Beispiel die Abmessungen und das Gewicht, mehr braucht sie ja nicht, um zu prüfen ob er zumindest von der Größe her kompatibel mit anderen Trägern ist).

Bei der NASA herrscht zur Zeit Chaos! Anders kann man es nicht sagen. Wir haben zum einen eine Finanzplanung die völlig unvorhersehbar ist – letztes Jahr und dieses Jahr sollte/soll das Budget um ein Drittel gekürzt werden. Das wurde letztes Jahr gekippt, aber nur weil es keinen eigenen Beschluss für das NASA-Budget gibt, sondern es Bestandteil der „Big beautiful Bill“ ist. Ob des dieses Jahr auch so ist weiß man nicht. Die Raumsonde Juno hat man auf jedenfalls voll funktionsfähig abgeschaltet, weil ihre im September 2025 auslaufende Missionsverlängerung nicht erneut verlängert wurde. Noch schlimmer: in dem Artemisprogramm herrscht völlige Anarchie. 2025 sah das NASA Budget noch die Landungen mit Artemis III und 4 vor, danach die Einstellung. Dann bewilligten Senatoren, weil dann Arbeitsplätze in wegbrechen würden mal einfach so 10 Mrd. Dollar für bestimmte NASA-Zentren ohne das dieser Finanzierung neue Missionen gegenüberstehen würden. Dann im Januar die Kehrtwende. Man stellt das Lunar Gateway ein – die Oberstufe, die die SLS dafür braucht, war seit September 2025 in der Qualifikation, dem allerletzten Schritt vor der Flugtauglichkeit. Sie wird gestrichen, weil man ohne Module ja sie nicht braucht. Dann hat man gemerkt, dass Boeing die Delta IV eingestellt hat und man keine Oberstufen mehr hat, die letzte schon vor Jahren an die NASA gelieferte wird bei Artemis III eingesetzt und bezahlt dann wieder weiteres Geld an ULA für die Anpassung der Centaur der Vulcan. Also viel besser kann man Geld nicht aus dem Fenster werfen. Das schon fertiggestellt Propulsion Module des Lunar Gateways soll nun mit Kernreaktor zum Mars fliegen. Dafür hat man dann wieder Geld. Ja sogar enorm viel Geld, denn während letztes Jahr, das Artemis Programm nach der vierten Mission eingestellt werden sollte, will Isaacman jetzt eine bemannte Mondbasis aufbauen. Also zumindest die NASA und Isaacman. Im Haushaltsentwurf von Trump sieht man aber nur Streichungen in Höhe von 6 Milliarden Dollar für die NASA. Also ich weiß nicht wie das gehen soll und ehrlich gesagt denke ich nicht das Isaacman ein so gutes Verhältnis zu Trump hat. Der hat ja seine Nominierung zuerst zurückgezogen, nachdem er spitz gekriegt hat das er vor Jahren mal die Demokraten mit Spenden im Wahlkampf unterstützte und wie wir wissen ist Trump sehr nachtragend. Ich glaube nicht das er die benötigten Milliarden freigibt, allerhöchstens, wenn die Mondbasis vor Ende seiner Amtszeit steht und das ist nun eher unwahrscheinlich.

Was ich in jedem Falle glaube, ist das trotz des Rückschlags Blue Origin eher ihren Mondlander startbereit haben werden als SpaceX ihr Lunar Starship. Aus zwei Gründen: sie hängen sich in das Projekt rein, haben jetzt schon SpaceX überholt, obwohl sie erst zwei Jahre später einen Auftrag bekamen und ihre New Glenn hat schon drei mehr oder weniger erfolgreiche Flüge hinter sich, darunter einen Transport von NASA-Raumsonden. Klar es gibt Probleme, ziemlich viele auch für eine neue Rakete, aber SpaceX startet das Starship seit 2023 und hat noch keinerlei Fortschritte beim Flugprofil vorzuweisen, IFT-13 wird erneut nur suborbital sein, weil das Bremsen der SuperHeavy nicht funktionierte wird man IFT-12 wiederholen müssen, dieselbe Wiederholung wie seit dem ersten Flug. Wenn irgendeine andere Firma so was machen würde, man würde sich darüber kaputtmachen und sie wäre wahrscheinlich bankrott, weil niemand sich 12 Testflüge einer 5000 t schweren Rakete leisten kann. Die deutlich kleinere N-1 hat man nach dem vierten misslungenen Test eingestellt.

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