Bernd Leitenbergers Blog

Ein (Raumfahrt-) Spielchen gefällig?

Ja, ihr seid von mir Raumfahrt‑Blogs gewohnt, aber auch das hier ist im Grunde einer. Ich habe vor einer Woche ein Spiel installiert namens Power & Revolution, das ich allerdings nicht weiterempfehlen kann. Man kann dort die Geschicke eines Staates lenken, doch vieles ist meiner Ansicht nach schlecht umgesetzt – das wäre eine eigene Kritik wert. Gefallen hat mir nur ein Aspekt: Man kann Raumfahrtprojekte initiieren, die logisch aufeinander aufbauen. Für bemannte Missionen muss man zum Beispiel erst eine superschwere Trägerrakete und ein Wohnmodul entwickeln.

Die Budgets sind jedoch – zumindest für anspruchsvolle Missionen – ein schlechter Witz: Eine bemannte Mission zu Pluto, die insgesamt 219 Monate dauert (inklusive Forschung und Entwicklung), erfordert ein Mindestbudget von 293 Millionen Euro; vorgeschlagen werden als Finanzierung 586,1 Millionen Euro. Für dieses Geld bekam man nicht einmal den Start der unbemannten Vorbeiflugsonde New Horizons. Ein reiner Vorbeiflug an Pluto ist im Spiel gar nicht vorgesehen; das kleinste Projekt ist eine Orbitalsonde, die mindestens 39,1 Millionen Euro kostet und 121 Monate benötigt – das dürfte allein die Flugzeit sein.

Aber das Spiel hat mich an etwas erinnert: Zu DOS‑Zeiten habe ich Buzz Aldrin’s Space Race gespielt. Dort schlüpfte man in die Rolle eines NASA‑Administrators und musste vor den Sowjets auf dem Mond landen. Ich fand das damals recht frustrierend, weil man nie wusste, wo man im Vergleich stand, bis die Sowjets einen Triumph verkündeten. Es ging um die typischen Meilensteine – zuerst Satelliten, dann Raumsonden, dann bemannte Missionen – und parallel die Entwicklung der Trägerraketen.

Das Spiel könnt ihr heute kostenlos spielen. Der Quellcode wurde freigegeben, und ein paar Enthusiasten haben es als Windows‑EXE neu kompiliert; ihr findet es auf GitHub. Hier ist der direkte Download‑Link für Windows, aber es gibt Versionen auch für verschiedene Linux‑Distributionen und Mac-OS. Große Ansprüche an die Grafik dürft ihr nicht stellen – das Spiel stammt aus dem Jahr 1992 und läuft in CGA‑Auflösung.

Ich habe dann entdeckt, dass es eine Neuauflage von 2019 gibt und sie mir besorgt. Dazu zuerst ein allgemeiner Hinweis: Heute installiert man Spiele ja meist über Steam und benötigt im Grunde nur einen gültigen Key. Den kaufe ich allerdings nie direkt bei Steam, sondern bei anderen Anbietern, weil man dort die gleichen Keys oft deutlich günstiger bekommt. Ich bin Kunde von G2A.com. Das Spiel von dem ich rede „Buzz Aldrin’s Space Program Manager“ gibt es dort aktuell (das variiert über die Zeit) für ab 2,38 Euro, zur gleichen Zeit bei Steam 5,79 Euro. Das Spiel ist preislich heruntergesetzt, weil es bereits 2019 erschienen ist. Die Grafik ist jetzt gut, aber es sind größtenteils Trickfilme, und wie im Original gibt es nur Schaltflächen anzuklicken – also nichts Komplexes. Ich habe nur einen Rechner mit Onboard‑Grafik, und darauf läuft es problemlos.

Wenn ihr ein VR‑Headset habt, könnt ihr bei Steam auch „Buzz Aldrin: Cycling Pathways to Mars“ spielen, und das sogar kostenlos. Ich kann dazu aber nichts sagen, da ich kein VR-Headset habe. Was mich persönlich erstaunt, ist, dass Buzz Aldrin noch lebt – es gibt nur noch drei lebende Astronauten der Apollo‑Ära, und er ist mit 96 der älteste. Danach folgt David Scott mit 94 und Rusty Schweickart mit 90. Erstaunlich deswegen, weil Buzz Aldrin nach Apollo in eine tiefe persönliche Krise stürzte, seien Ehe ging in die Brüche und Alkoholiker wurde, was ja nicht unbedingt zur Lebensverlängerung beiträgt.

Also worum geht es bei dem Programm? Es gibt einen Einzelspieler‑ und einen Mehrspielermodus. Ich habe bisher nur einzeln gespielt, und dort gibt es sechs Optionen:

Die ersten beiden sind das Wettrennen um den Mond – wer zuerst landet, hat gewonnen. Bei der GSA kann man aus Projekten der UdSSR, NASA, ESA und JAXA wählen und muss ein Ziel in einer bestimmten Zeit erreichen.

Bei den Sandkasten‑Optionen gibt es ein erstes Ziel, das man nach vier Jahren erreichen muss, und danach hängt das Budget von den Erfolgen (Prestige‑Punkte) ab. Ich habe die NASA‑Sandbox‑Kampagne mal durchgespielt und fand blöd, dass sie Open End ist. Selbst wenn ich das größte Ziel, die Mondlandung, erreicht habe, ist es nicht zu Ende.

Man heuert Flugkontrolleure an, deren Kompetenz wichtig ist, wenn es Probleme gibt, sowie Wissenschaftler und Techniker, die die Zuverlässigkeit der Hardware verbessern. Jeder hat Spezialisierungen in einem bis drei Gebieten. Jedes neue Projekt hat eine bis etwa zehn Missionen, die man erfüllen muss. Für eine Mission braucht man vor allem genügend Flugkontrolleure – das können bei bemannten Missionen bis zu elf sein, bei unbemannten nur drei bis vier. Diese Flugkontrolleure können bei interplanetaren Missionen aber bis zu 21 Quartalen gebunden sein.

Setzt man eine Mission an, kann man sie in Trickfilmen verfolgen, deren Charme vor allem in den Originaltönen liegt (ich bin ein Fan der Go/No‑Go‑Abfragen, die erzeugen automatisch Spannung; das Niveau erreichen die bezahlten Jubel‑SpaceX‑Leute wohl nie). Die Oberfläche hat nur Schaltflächen zum Anklicken, bei den Raketenprogrammen ist das Scrolling verbesserbar, man scrollt oft so das man nichts einstellen kann. Aber man braucht eigentlich nie die Tastatur, das ideale Spiel für ein Windows-Tablett.

Also mir machte das Programm Spaß, ich bin gerade bei der zweiten Kampagne. Ein paar Tipps:

Also: Für weniger als drei Euro finde ich, ist das viel Spielspaß und eine volle Empfehlung von mir.

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