Bernd Leitenbergers Blog

Europas unbekannte Beteilligung an der ISS

Ich denke jeder weiß, das das Columbus Labor Europas Hauptbeitrag zur ISS ist. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Europa ist viel mehr an der ISS beteiligt als allgemein bekannt.

Cupola, Node 2 und 3 wurden von der ESA kostenlos an die NASA entwickelt für …. tada .. einen Space Shuttle Flug, der das Columbus Labor in den Orbit brachte und die Mitführung von Fracht (die Racks die man nicht beim Start von Columbus mitführen konnte, weil das Space Shuttle es nicht voll beladen transportieren kann.

Angesichts dessen finde ich sind wir wieder übers Ohr gehauen worden, wie damals beim Spacelab das wir entwickelt haben und als Gegenleistung gerade mal einen halben Jungfernflug bekamen. Europa hätte die Fähigkeiten gehabt das Columbus Labor selbst zu starten. Man hätte nur das Druckmodul des ATV durch Columbus ersetzen müssen. 21 t wären so nicht möglich gewesen (doch das schafft das Shuttle ja auch nicht). Aber wir müssen ja die 5 US Experimentracks nicht mitführen. Das reduziert die Masse auf 16 t und das ist durchaus kompatibel mit einer Ariane 5 ES mit 20.75 t Nutzlast.

Europa ist nominell mit 8.3 % am "nicht russischen" Teil der ISS beteiligt. Rechne ich alle Module zusammen so komme ich auf 255 m³ Volumen – deutlich mehr als 8.3 % vom Gesamtwohnvolumen der Station (wie ich den ESA Nachrichten entnehme ist es sogar kurzzeitig noch mehr geworden: Die Astronauten nutzen das ATV um sich in dieses zurückzuziehen und Hygiene zu betreiben. Das ATV liefert weitere 48 m³ Volumen).

Das interessante: Russland hat einen Sonderstatus. Ihm gehören nach wie vor exklusiv die russischen Module. Irgendwie ist es an der ISs beteiligt oder auch nicht. Wenn Putin wöllte könnte Russland seine beiden Module abkoppeln und die (angeblich geplanten) Forschungsmodule dazu nehmen und damit eine Mir-2 aufbauen. Russland taucht so überhaupt nicht im Verteilungsschlüssel der Labor auf weder bei den Versorgungsgütern noch den Ressourcen. Toll, denn die NASA darf so Sojus Flüge und Progressstarts bezahlen. Irgendwie haben wir da was falsch gemacht, selbst im Vergleich zu Japan. Denn Japan steuert nur sein Raumlabor Kibo bei, das zwar größer ist und zudem noch eine Luftschleuse und einen Vakuumteil beinhaltet, aber sonst nichts. Die Anzahl der Racks die Japan so nutzen kann ist größer und die Gesamtbeteiligung an der Station beträgt 12.2 %. Selbst Kanada ist gut weggekommen. Für den Robotarm Canadaarm2 bekommt es satte 2.3 % der Stationsressourcen. Man vergleiche das mit den 0.85 % welches Italien für 3 Versorgungsmodule erhält…. Selbst die NASA hat es sich einfach gemacht und nach dem Verlust der Columbia eigene Module gestrichen und wird dafür das MPLM Donatello als Wohnmodul starten. Von Russland ganz zu schweigen: Vom bescheidenen Anteil von 4 Modulen, davon nur zwei neuen die man nicht von der NASA finanzieren lässt hat man nur die Hälfte gestartet und für diese Module hat auch noch die NASA bezahlt. Russland hat eigentlich die ISS Beteiligung für umsonst bekommen.

Ach ja noch was, man ahnt es vielleicht schon angesichts der Ausführungen: Ich habe die Arbeit an meinem zweiten Buch begonnen. Es handelt vom ATV, den anderen Versorgungsflügen zur ISs und der Trägerrakete Ariane 5. 36 Seiten sind schon geschrieben, aber noch nicht redigiert. es wird wahrscheinlich so dick wie das Gemini Buch werden. Vielleicht sogar etwas mehr, den Abbildungen sind bislang noch gar nicht dran und es kommt sicher nochmal so viel Text dazu.

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