Meine Lieblingsfirma SpaceX macht mit Ken Bowersox mal wieder Schlagzeilen. Wie in der Vergangenheit vor allem Negativschlagzeilen. So wurde nun der COTS 2/3 Flug vom 8.2.2012 auf einen späteren Termin, man munkelt >= 20.3.2012 verschoben. Dann hat die Galionsfigur von SpaceX die Firma verlassen: Ken Bowersox, ehemaliger NASA Astronaut war der einzige der eine längere Karriere vor SpaceX vorweisen konnte. Er hat schon Ende letzten Jahres SpaceX verlassen. Er war mit zwei Jahren Zugehörigkeit schon ein Veteran. andere Manager von Raumfahrtfirmen die SpaceX anheuerte, quittierten viel früher nach wenigen Wochen bis Monaten den Job.
Zeit mal wieder eine Breitseite abzufeuern. Fangen wir an mit dem COTS 2/3 Flug. Das er verschoben wurde überrascht nun nicht so sehr. Schon vorher gab es ja von der NASA Indizien, dass sie noch nicht die fertige Software von SpaceX zur Prüfung bekommen haben und daher war klar, dass der Novemberstart nicht zu halten war. Nur hat das SpaceX anders begründet. Da hiess es ja immer „Wir können sofort starten, aber die NASA und Russland lassen uns nicht“. Für die Firma kam der Ausfall der Progress im letzten August und dadurch die komplette Verschiebung des Zeitplans zur rechten Zeit, denn sie konnten nicht starten und hatten nun eine Ausrede. Dumm nur, wenn man drei Monate später immer noch nicht starten kann.
Mal ein paar unbequeme Tatsachen: Die Dragon wurde 2005 angekündigt. Das ist nun sieben Jahre her. Also von der schnellen Entwicklung, die die Firma verspricht, ist nicht so viel übrig. Nun mag der eine oder andere sagen: „Die Dragon ist doch schon 2010 geflogen“. Äh Jein. Was 2010 flog, war eine Aluminiumhülle mit Antrieb. Dieser zündete durch Kommando und bremste die Hülle nach drei Umläufen ab. Druckmesser lösten dann die Fallschirme aus. Es wurde bewiesen, dass dies geht. Das ist nun nicht so was besonderes. Es ist vergleichbar mit dem Flug des ARD beim zweiten Ariane 5 Teststart und da reklamiert die ESA ja auch nicht, dass sie nun eine einsatzfähige Raumkapsel hat. Was fehlt ist die eigene Energieversorgung, Computer mit Software, Navigation, Steuerung zur ISS und weiche Ankopplung, Lageregelung und nicht zuletzt die Lebenserhaltung. Also so ziemlich alle Systeme außer der Hülle die eine Raumfähre ausmachen.
Eine Firma deren CEO und „Chief Rocket Engineer“ behauptet, dass ein Astronaut beim nächsten Flug mitfliegen könnte (Hinweis Elon: Warum tust Du das nicht?) hat so viel Vertrauen in die Kapsel, dass sie die erste Dragon mit einem Käse als Nutzlast startet. Nein, das ist kein Witz. Damit hat man natürlich bewiesen, dass die Dragon geeignet zum Transport von Käseastronauten ist. Als Russland die Zond-Sonden um den Mond herumschickten, packten sie Tiere hinein, die eine Woche ohne Wasser und Nahrung auskommen konnten – darunter Schildkröten. Hier geht es um wenige Stunden. Da fragt man sich, warum SpaceX es nicht mal riskiert hat einige Ratten oder Schildkröten beim Testflug mitzuschicken und so zu beweisen, dass die Lebenserhaltung funktioniert. Warum nicht? Nun was wäre gewesen wenn die Tierchen tot ankommen?
Fluktuation bei SpaceX
Nun geht auch Ken Bowersox. Er ist nicht der einzige: Vorherige Manager die von ULA oder Grumman kamen haben schon vorher aufgehört. Was an Führungspersonal bleibt hat die Qualifikation von Musk: Ein Paradebeispiel ist Gewn Shotwell. Man muss sich nur mal ihre Performance bei der Pressekonferenz ansehen. Das haben andere mal getan, sodass ich auf diesen Blog verweise. Was bleibt, ist eine Firma mit nur wenigen Angestellten mit Industrieerfahrung und vielen von der Uni rekrutierten Neulingen, die natürlich alles besser machen, als schon etablierte firmen.
Interessanterweise erfährt man auf der Website weder etwas von dem Personalwechsel noch von der Verschiebung. Nachrichtenagenturen sind beide Tatsachen sehr wohl bekannt. Nun bin ich nicht naiv. Die Informationspolitik einer Firma ist natürlich eine andere als die einer Raumfahrtagentur. Das habe ich schon selbst bei Recherchen feststellen müssen. Aber andere Firmen berichten eben nur über echte Entwicklungen und Fortschritte und kündigen nicht ungelegte Eier an oder erheben den Anspruch den gesamten Transportsektor und die bemannte Raumfahrt umzukrempeln.
Aber vielleicht habe ich ja auch nur nicht alles mitbekommen, denn nach dem Launchmanifest von heute sollte der COTS 2/3 Testflug ja schon 2011 stattfinden… Das sie es in vier Monaten (so lange weiß man schon dass der Termin auf dieses Jahr rutscht) aktualisieren konnten, das lässt tief blicken. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es noch so viele SpaceX Jünger gibt, welche die Ankündigungen der Firma für bare Münze nehmen, und dabei weder andere Quellen zu Rate ziehen, noch ihren Verstand – so fallen die Wiedersprüche bei der SpaceX Website ja auch so auf. Die Daten sind bunt gemischt, also teilweise von den letzten Flügen, teilweise von irgendwelchen zukünftigen Upgrades, das Launchmanifest gibt Wunschdenken wieder und keine Terminplanung und es werden Raketen gelistet, deren Entwicklung schon vor einem Jahr eingestellt wurde (Falcon 1e).
Meine Meinung: Wenn sie Glück haben bekommen sie vielleicht drei Starts dieses Jahr hin. Dann darf aber auch nichts schiefgehen. Realistischer sind zwei Starts. Garantiert werden wir keine Falcon heavy starten sehen, auch wenn dies auf ihrem Manifest noch so steht. Es wäre mal Zeit auch beweise zu liefern. Also wenn ein Astronaut beim nächsten Flug mitfliegen kann, warum fliegt den keiner mit? Wie wäre es denn mit Elon Musk, der dann mal auch zeigen könnte, welches Vertrauen er in seine Dragon hat. Der Flug wäre ja umsonst und von der NASA bezahlt. Das würde mich überzeugen. Aber leere Luftblasen tun es nicht.