Ist letztendlich der Mensch selbst. Aber holen wir mal aus. Als die bemannte Raumfahrt anfing, konnte man sich in die Zeit der Entdeckungen zurückgesetzt fühlen und die Weltraumagenturen machten das auch mit: Rekorde wurden angestellt: Erster Mensch im Weltraum, erster 24 Stunden Flug, erste Kopplung an eine Oberstufe, immer neue Dauerrekorde, immer neue Rekordhöhen, immer mehr Personen pro Kapsel. Das ging auch noch so weiter, als man die Sowjets abgehängt hatte (lange Zeit konnten die USA ja nur nationale Rekorde verbuchen – da hieß es dann „erster US-Amerikaner im All“ anstatt „Erster Mensch im All“. Bei Apollo ging es eben zuerst um die Mondumrundung und dann die Landung.
Doch kaum war die erreicht. nahm das Interesse schlagartig ab. Die zweite Landung war eben „nur“ eine Wiederholung der ersten – vorher hatte jede Mission andere Ziele. Und bei der dritten wurden die Übertragungen nicht mal life mehr im Fernsehen gezeigt.
Schon Skylab zeigte dann das Problem der Routine. Immerhin konnte man mit der Reparatur der Station noch zusätzliche Aufmerksamkeit schinden. Mit dem Space Shuttle schien es als ging es mit den Erstleistungen zumindest eine Zeitlang weiter indem man zwar nicht weiter flog oder höher, sondern sich auf andere Gebiete verlagerte. Länger ging damals schon nicht, nachdem die Russen an Bord von Saljut 6 länger im All waren als es ein Shuttle je konnte. Aber man konnte menschliche Rekorde aufstellen – erste Frau im All (noch kurzzeitig von den Russen weggeschnappt), erster Astronaut mit schwarzer, gelber und roter Hautfarbe (in den USA gaaaanz wichtig!) und dann eben das Starten von „Quereinsteigern“: Saudischen Ölprinzen, Senatoren, Lehrern, Journalisten … Dazu immer mehr Personen pro Flig.
Seitdem gibt es kaum noch neue Rekorde. Russland konnte neue Rekorde in der Aufenthaltszeit aufstellen – eher unfreiwillig, weil man die Besatzungen aufgrund der Finanzknappheit nicht so schnell auswechseln konnte. Das wars aber auch – an Bord der ISS gibt es keine neuen Rekorde. Mehr Astronauten waren schon vorher im All und länger bleiben sie auch nicht an Bord. Das Interesse ist eben dann nicht so da.
Wie gesagt: das erinnert an die Zeit der Entdeckungen: Erstleistungen sind das, was wir uns merken können. Dann hört es schon auf. Wer war nach Magellan der zweite der die Erde umrundete? Wer war nach Hillary und Tensing der zweite auf dem Mt Everest? Ich weiß es zumindest nicht. So begründet man heute die ISS auch mit Forschung.
Dosch Forschung machen wir auch unbemannt und auch hier gibt es dasselbe Prinzip. Wir machen nichts zweimal. Man sieht das sehr deutlich am Mars wo man über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Sonden hinschickte. Erst flog man vorbei, dann trat man in den Orbit ein und zuletzt landete man. Anders als bei der bemannten Raumfahrt konnte man dann aber noch was drauf setzen. Zwar gibt es heute auch nur Lander und Orbiter, aber jeder ist etwas besser ausgestattet als sein Vorgänger oder er untersucht was anderes als die bisherigen Sonden. Vor allem hat sich die Technik enorm weiter entwickelt. Mariner 3+4 konnten grobe Aufnahmen mit 200 x 200 Pixeln aufnehmen, die Details zeigten die eine Kilometer groß sind. Der MRO als letzter visuell ausgerichteter Mars Orbiter (MAVEN hat ja andere Aufgaben) machte Bilder mit über 22.000 x 65.000 Pixeln und 0,35 m Auflösung. Zu einer derartigen Steigerung der Performance ist der Mensch auch bei Hinzunahme von technischen Hilfsmitteln nicht fähig, bzw. wenn man durch die Technik mehr erreichen kann, dann kann man sie meist auch automatisieren, dass man keinen Menschen mehr braucht.
Zudem interessieren sich die meisten Menschen nicht für Forschung, sondern wollen herabschwebende Astronauten sehen. Mit Forschung die bemannte Raumfahrt zu begründen wird zum einen schwer, zum anderen gewinnt man damit nicht das Publikumsinteresse.
Vor allem steigt der Aufwand enorm an wenn wir die Erdumlaufbahn verlassen. Ein Marslander braucht eine 3-4 mal leistungsstärkere Rakete als ein gleichgroßer Satellit. Beim Flug von Menschen reden wir dagegen vom Faktor 40 vergleichen mit einer gleich großen Taumstation. Der Grund: man muss die gesamten Vorräte auch transportieren und das Ganze mit Behausung nicht nur zum Mars sondern auch zurück zur Erde, schließlich sollen die Astronauten anders als der Marslander ja zurückkommen. Die Folge: eine Raumstation haben bisher drei Nationen in den Orbit gebracht, finanziell möglich wäre es noch einigen mehr. Eine Marsexpedition, selbst multinational ist bisher noch nicht finanzierbar.
Dabei ist der Maes noch erreichbar und eine Expedition auch vom heutigen Standpunkt der Medizin noch durchführbar. Bei den anderen Planeten sieht es anders aus. Auf der Venus können wir vielleicht noch landen, aber zurückkommen sicher nicht mehr. Merkur wäre in relativ kurzer Zeit erreichbar, in der Zone der Dämmerung könnte man sogar landen ohne zu große Probleme mit der Hitze zu bekommen, doch was wollen wir da? Vorwarnungen gegen Sonnenstürme könnte es keine geben und sie wären zehnmal stärker als auf der Erde. Das erhöht das Strahlenrisiko deutlich. Im äußeren Sonnensystem gibt es das grundsätzliche Problem, dass die Reisen zu lang dauern. Selbst wenn man die Vorräte oder geschlossene Systeme entwickelt, muss man nach heutigem Stand künstliche Schwerkraft aufbauen damit die Besatzung das überlebt. Wenn man am Ziel ankommt, wird es erst problematisch: Jupiter hat solch starke Strahlungsgürtel das eine Abschirmung der Elektronik mit einem „Tresor“ aus Titan bei der Raumsonde Juno die Dosis nur auf 25 krad reduzierte. Dabei wiegt dieser Schutz für die nicht mal 0,5 m³ Raum schon 157 kg. Selbst für Bakterien sind aber 0,5 krad tödlich. Nach heutigem Stand der Technik ist die Strahlung bei Jupiter nicht so weit abschirmbar, das Menschen sie überleben können.
Auf Jupiter könnte man nicht landen. Immerhin gäbe es mit Io und Europa zwei Monde bei denen sich ein Besuch lohnen würde. Das gilt auch für Enceladus, Titan und die Saturnringe, zudem ist der Strahlungsgürtel von Saturn auch bescheidener. Allerdings braucht man doch ziemlich lange bis man dort hinkommt. Auf direktem Wege 6 Jahre und man braucht viel mehr Energie, auch um zurückzukommen. Der Aufwand dürfte den für eine Marsexpedition noch mindestens um den Faktor 10 überschreiten und ob die Öffentlichkeit so viel Geduld hat? Die Expedition hin und zurück würde sich über mehr als ein Jahrzehnt hinziehen.
So wird die Raumfahrt auf den erdnahen Raum, vielleicht noch den Mars beschränkt sein und Erstleistungen stehen da mal nicht an. Vielmehr erscheint mir die bemannte Raumfahrt als das Gagdet der Nationen: Sie ist nicht wirklich nützlich aber teuer. Man kann damit angeben in der Art „Sehr her ich kann mir das leisten. Ist das nicht Cool?“ genauso wie mit einer iWatch (auch die ist nicht wirklich nützlich und richtig teuer). Wer genügend Selbstbewusstsein hat und nicht gerade zu einer Angebernation gehört, der kann auch drauf verzichten – genauso wie auf die iWatch ….