Das Grundproblem der bemannten Raumfahrt

Ist letztendlich der Mensch selbst. Aber holen wir mal aus. Als die bemannte Raumfahrt anfing, konnte man sich in die Zeit der Entdeckungen zurückgesetzt fühlen und die Weltraumagenturen machten das auch mit: Rekorde wurden angestellt: Erster Mensch im Weltraum, erster 24 Stunden Flug, erste Kopplung an eine Oberstufe, immer neue Dauerrekorde, immer neue Rekordhöhen, immer mehr Personen pro Kapsel. Das ging auch noch so weiter, als man die Sowjets abgehängt hatte (lange Zeit konnten die USA ja nur nationale Rekorde verbuchen – da hieß es dann „erster US-Amerikaner im All“ anstatt „Erster Mensch im All“. Bei Apollo ging es eben zuerst um die Mondumrundung und dann die Landung.

Doch kaum war die erreicht. nahm das Interesse schlagartig ab. Die zweite Landung war eben „nur“ eine Wiederholung der ersten – vorher hatte jede Mission andere Ziele. Und bei der dritten wurden die Übertragungen nicht mal life mehr im Fernsehen gezeigt.

Schon Skylab zeigte dann das Problem der Routine. Immerhin konnte man mit der Reparatur der Station noch zusätzliche Aufmerksamkeit schinden. Mit dem Space Shuttle schien es als ging es mit den Erstleistungen zumindest eine Zeitlang weiter indem man zwar nicht weiter flog oder höher, sondern sich auf andere Gebiete verlagerte. Länger ging damals schon nicht, nachdem die Russen an Bord von Saljut 6 länger im All waren als es ein Shuttle je konnte. Aber man konnte menschliche Rekorde aufstellen – erste Frau im All (noch kurzzeitig von den Russen weggeschnappt), erster Astronaut mit schwarzer, gelber und roter Hautfarbe (in den USA gaaaanz wichtig!) und dann eben das Starten von „Quereinsteigern“: Saudischen Ölprinzen, Senatoren, Lehrern, Journalisten … Dazu immer mehr Personen pro Flig.

Seitdem gibt es kaum noch neue Rekorde. Russland konnte neue Rekorde in der Aufenthaltszeit aufstellen – eher unfreiwillig, weil man die Besatzungen aufgrund der Finanzknappheit nicht so schnell auswechseln konnte. Das wars aber auch – an Bord der ISS gibt es keine neuen Rekorde. Mehr Astronauten waren schon vorher im All und länger bleiben sie auch nicht an Bord. Das Interesse ist eben dann nicht so da.

Wie gesagt: das erinnert an die Zeit der Entdeckungen: Erstleistungen sind das, was wir uns merken können. Dann hört es schon auf. Wer war nach Magellan der zweite der die Erde umrundete? Wer war nach Hillary und Tensing der zweite auf dem Mt Everest? Ich weiß es zumindest nicht. So begründet man heute die ISS auch mit Forschung.

Dosch Forschung machen wir auch unbemannt und auch hier gibt es dasselbe Prinzip. Wir machen nichts zweimal. Man sieht das sehr deutlich am Mars wo man über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Sonden hinschickte. Erst flog man vorbei, dann trat man in den Orbit ein und zuletzt landete man. Anders als bei der bemannten Raumfahrt konnte man dann aber noch was drauf setzen. Zwar gibt es heute auch nur Lander und Orbiter, aber jeder ist etwas besser ausgestattet als sein Vorgänger oder er untersucht was anderes als die bisherigen Sonden. Vor allem hat sich die Technik enorm weiter entwickelt. Mariner 3+4 konnten grobe Aufnahmen mit 200 x 200 Pixeln aufnehmen, die Details zeigten die eine Kilometer groß sind. Der MRO als letzter visuell ausgerichteter Mars Orbiter (MAVEN hat ja andere Aufgaben) machte Bilder mit über 22.000 x 65.000 Pixeln und 0,35 m Auflösung. Zu einer derartigen Steigerung der Performance ist der Mensch auch bei Hinzunahme von technischen Hilfsmitteln nicht fähig, bzw. wenn man durch die Technik mehr erreichen kann, dann kann man sie meist auch automatisieren, dass man keinen Menschen mehr braucht.

Zudem interessieren sich die meisten Menschen nicht für Forschung, sondern wollen herabschwebende Astronauten sehen. Mit Forschung die bemannte Raumfahrt zu begründen wird zum einen schwer, zum anderen gewinnt man damit nicht das Publikumsinteresse.

Vor allem steigt der Aufwand enorm an wenn wir die Erdumlaufbahn verlassen. Ein Marslander braucht eine 3-4 mal leistungsstärkere Rakete als ein gleichgroßer Satellit. Beim Flug von Menschen reden wir dagegen vom Faktor 40 vergleichen mit einer gleich großen Taumstation. Der Grund: man muss die gesamten Vorräte auch transportieren und das Ganze mit Behausung nicht nur zum Mars sondern auch zurück zur Erde, schließlich sollen die Astronauten anders als der Marslander ja zurückkommen. Die Folge: eine Raumstation haben bisher drei Nationen in den Orbit gebracht, finanziell möglich wäre es noch einigen mehr. Eine Marsexpedition, selbst multinational ist bisher noch nicht finanzierbar.

Dabei ist der Maes noch erreichbar und eine Expedition auch vom heutigen Standpunkt der Medizin noch durchführbar. Bei den anderen Planeten sieht es anders aus. Auf der Venus können wir vielleicht noch landen, aber zurückkommen sicher nicht mehr. Merkur wäre in relativ kurzer Zeit erreichbar, in der Zone der Dämmerung könnte man sogar landen ohne zu große Probleme mit der Hitze zu bekommen, doch was wollen wir da? Vorwarnungen gegen Sonnenstürme könnte es keine geben und sie wären zehnmal stärker als auf der Erde. Das erhöht das Strahlenrisiko deutlich. Im äußeren Sonnensystem gibt es das grundsätzliche Problem, dass die Reisen zu lang dauern. Selbst wenn man die Vorräte oder geschlossene Systeme entwickelt, muss man nach heutigem Stand künstliche Schwerkraft aufbauen damit die Besatzung das überlebt. Wenn man am Ziel ankommt, wird es erst problematisch: Jupiter hat solch starke Strahlungsgürtel das eine Abschirmung der Elektronik mit einem „Tresor“ aus Titan bei der Raumsonde Juno die Dosis nur auf 25 krad reduzierte. Dabei wiegt dieser Schutz für die nicht mal 0,5 m³ Raum schon 157 kg. Selbst für Bakterien sind aber 0,5 krad tödlich. Nach heutigem Stand der Technik ist die Strahlung bei Jupiter nicht so weit abschirmbar, das Menschen sie überleben können.

Auf Jupiter könnte man nicht landen. Immerhin gäbe es mit Io und Europa zwei Monde bei denen sich ein Besuch lohnen würde. Das gilt auch für Enceladus, Titan und die Saturnringe, zudem ist der Strahlungsgürtel von Saturn auch bescheidener. Allerdings braucht man doch ziemlich lange bis man dort hinkommt. Auf direktem Wege 6 Jahre und man braucht viel mehr Energie, auch um zurückzukommen. Der Aufwand dürfte den für eine Marsexpedition noch mindestens um den Faktor 10 überschreiten und ob die Öffentlichkeit so viel Geduld hat? Die Expedition hin und zurück würde sich über mehr als ein Jahrzehnt hinziehen.

So wird die Raumfahrt auf den erdnahen Raum, vielleicht noch den Mars beschränkt sein und Erstleistungen stehen da mal nicht an.  Vielmehr erscheint mir die bemannte Raumfahrt als das Gagdet der Nationen: Sie ist nicht wirklich nützlich aber teuer. Man kann damit angeben in der Art „Sehr her ich kann mir das leisten. Ist das nicht Cool?“ genauso wie mit einer iWatch (auch die ist nicht wirklich nützlich und richtig teuer). Wer genügend Selbstbewusstsein hat und nicht gerade zu einer Angebernation gehört, der kann auch drauf verzichten – genauso wie auf die iWatch ….

23 thoughts on “Das Grundproblem der bemannten Raumfahrt

  1. Schade dass es auf Mond und Mars keine seltenen oder wertvollen Elemente gibt, sonst gäbe es schon längst eine Mondbasis und vermutlich auch schon eine auf dem Mars…
    Glaube irgendwie nicht, dass der Abbau und Rücktransport in größeren Mengen (also in der Größenordnung 1000 Tonnen/Jahr) völlig unbemannt sinnvoll möglich wäre, ohne dass sich mal zwischendurch einer um die Wartung der Maschinen kümmert.
    Auf dem Mond wäre es zu verhältnismäßig günstig, Leute einzusetzen und auf dem Mars dürfte die Hohe Signalverzögerung eine unbemannte Abbaustätte unmöglich machen.

  2. Autsch, das die Strahlung im Jupitersystem dermassen stark ist, wusste ich bisher nicht. Soviel zum Skiurlaub auf dem Jupitermond Europa. (Mit dem eine durchaus seriöse Astronomiezeitschrift tatsächlich mal in einem Raumfahrtartikel vor Jahren gesprochen hat.)

    Was den Mars betrifft:

    Ich glaube ich muss mich mal erkundigen, was Hr. Zubrin aktuell treibt. Um ihn ist es ja in den letzten Jahren doch recht still geworden, was allerdings (leider) größtenteils seine eigene Schuld war.

    Ich mochte ja sein Buch „The Case for Mars“. Allerdings würd eich wirklich gerne wissen wieviele seiner Argumente dort auf „Handwaving“ beruhen, was ihm ja viele seiner Kritiker vorwerfen. (Ich entschuldige mich an dieser Stelle, dass ich diesen etwas unklaren englischen Begriff verwende, aber es ist spät und mir fällt grade das deutsche Equivalent nicht ein…)

  3. Moin,

    > Erstleistungen sind das, was wir uns merken können.

    Zitat Heise.de 8 Oktober 2014 auf der Titelseite als erster Artikel:

    „Ein Abenteuer wagen“
    Deutscher Raumfahrer absolviert Außeneinsatz Bilderstrecke

    Als überhaupt erst dritter Deutscher ist Alexander Gerst in den freien Weltraum ausgestiegen. Nach vier Monaten auf der ISS konnte er sein Domizil von außen anschauen. Eigentlich ging es aber um Montagearbeiten.
    [mehr] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ein-Abenteuer-wagen-Deutscher-Raumfahrer-Gerst-absolviert-Ausseneinsatz-2413249.html

    Lustig ist hier die Formulierung „erst dritter Deutscher“, um daraus eine nationale Erstleistung zu machen. *aehm* Zumindest der Artikel ist dann recht detailliert.

    > Zudem interessieren sich die meisten Menschen nicht für Forschung, sondern wollen herabschwebende Astronauten sehen.

    Genau 😃 Daher bin ich dafür dass die ISS nachdem die Amis aussteigen von Bolywood und den Russen betrieben wird. Dann gibts wenigstens geile SciFi Weltraum Opern!

    ciao,Michael

    ciao,Michael

  4. Ist bemannte Raumfahrt eine Prestigefrage? Sicher nicht alleine, aber realistisch gesehen ja, so what. Wobei mir der Vergleich mit iWatch zu „billig“ ist. Es ist nichts Neues, dass klein und groß sich mit Statussymbolen versieht. (Heutzutage kann ja schon eine eigene Webseite der Ausdruck des eigenen Status sein.
    Diese Webseite ist vielleicht auch interessanter, weil sie bemannt ist als „Bernd Leitenbergers Blog“, als wenn hier nur sachliche Inhalte ausgelistet werden.
    Ich freue mich aber schon jetzt über den Beitrag „Das Grundproblem der unbemannten Raumfahrt“ 😉

  5. @tomtom: „Ich freue mich aber schon jetzt über den Beitrag “Das Grundproblem der unbemannten Raumfahrt”“

    Das Grund“problem“ (wenn es denn überhaupt eines sein sollte) der unbemannten Raumfahrt dürfte eher sein, daß es für die meisten halbwegs an der Raumfahrt interessierten langweilig ist.

  6. Ich muss Elendsoft recht geben !!
    Das Grundproblem der unbemannten Raumfahrt ist die bemannte 🙂

    Aber das Potenzial für Erstleistungen ist bei der unbemannten Raumfahrt auf jeden fall größer…

    Was soll nach dem Mars und Asteroiden noch kommen? Ich denke auch nicht, dass diese Missionen die gleiche Resonanz hätten wie die Mondlandung, da sie einfach zu lange dauern und der Spannungsbogen nicht über 1-2 Jahre aufrecht erhalten werden kann.

    Gruß
    M

  7. Ohne jetzt ketzerisch der Grundlagenforschung gegenüber zu sein, aber letztendlich erwartet man von aller Forschung das sie irgendwann und sei es eben erst in 100 Jahren, deshalb ist es Grundlagenforschung und die ist ohne Frage wichtig, einmal nutzbare Ergebnisse erzielt. Zumindest habe ich den Eindruck das dies der Gedankengang vieler Menschen ist, nur wenigen genügt die Erkenntnis an sich.

    Wenn man die unbemannte Raumfahrt als Grundlagenforschung ansieht dann will man irgendwann mal was davon haben. Um es anders zu formulieren: Das Grundproblem der unbemannten Raumfahrt ist das sie ohne die bemannte Raumfahrt nicht direkt sinnlos ist aber von vielen glaube ich als so etwas wie der Vorbote der bemannten Raumfahrt angesehen wird. So lange die Aussicht besteht irgendwann mal Menschen zum Mars zu schicken finanziert man auch die nächsten Marsrover.

    Was ohne die bemannte Raumfahrt passiert, ist das man irgendwann auch das Interesse an der unbemannten Raumfahrt verlieren wird und das war es dann mit der Raumfahrt, ausser für Satelliten.

    Möglicherweise wäre es tatsächlich sinnvoll die ISS abzuschießen (eben keine Erstleisungen und spannend ist das nicht so sehr was dort passiert).
    Was man aber auf jeden Fall tun sollte ist bemannt in kleinen Schritten zum Mond zurück zu kehren und dann möglicherweise so etwas wie eine Marsmission in Angriff zu nehmen. Mit kleinen Schritten meine ich so etwas wie erst mal eine Mondumkreisung und dann die Landung usw. Alle 5 Jahre so eine kleine Erstleistung (oder eben seit über 40 Jahren das erste Mal) hält das Interesse wach und sorgt möglicherweise für höhere Raumfahrtetats und hilft damit möglicherweise auch der unbemannten Raumfahrt.

    Ich müsste das mal durchrechnen aber zumindest eine Mondumkreisung sollte nicht so viel Entwicklungsaufwand erfordern weil die Bahn gar nicht mal so aufwendig ist (man braucht dann zumindest für diesen Schritt keine Schwerlastrakete) und möglicherweise kann man durch Zusammenbauen im LEO auch eine Mondmission ohne Schwerlastrakete durchziehen.

  8. @Anja, ich hätte es nicht besser zusammenfassen können. 🙂 – unbemannte Raumfahrt ist tendentiell langweilig.

    Ich verstehe schon, das manch einer die (amerikanischen/russischen) Mittel für bemannte Raumfahrt lieber in unbemannter Raumfahrt fließen lassen würden, berücksichtigen aber nicht, dass genau das eben nicht passieren wird. Die Entscheidungsträger ticken da anders als die, ich sag mal Physiker, die nur ihre Astronomie sehen. Das NASA Budget zeigt es, 1,6 Mrd$ weniger Ausgaben durch die Shuttle Ausmusterung, aber auch 1,2 statt früher 1,5 Mrd$ (-20%) für Planetary Science und keine Europa Mission.

    Die ESA gibt 9% für bemannte Raumfahrt aus, also sagen wir 70-80% für unbemannte, außerdem noch EU-Research-Projekte im Horizon 2020 – alles unbemannt.

    Noch können wir uns über ATV und ISS freuen, aber mir scheint das tendentiell in Auflösung begriffen. Sind hier die Freunde der unbemannten Raumfahrt am Ziel ihrer Wünsche angelangt oder glaubt man wirklich, dass die 9%, anders ausgegeben, die europäische Raumfahrt interessanter gestalten würden.

    Mir wäre eine Neujustierung und Stärkung des Human Spaceflight Programms jedenfalls lieber.

  9. Gratulation an Bernd, der den richtigen Blick hat bzw. die wirklich wichtigen Fragen stellt, z.B. wird wild spekuliert wo und unter welchen Umständen Leben im Universum existiert – Bernd erklärt Chemie, daß es auf Kohlenstoffbasis existieren muß und auch viele andere Randbedingungen gelten müssen, die wir nur mit der Erde im Sonnensystem haben – was viele übersehen; viele fabulieren vom Marsflug, Kolonisierung und Eroberung des Weltraums, dank Bernds Ausführungen wird deutlich, daß dabei die ersten 100km überhaupt das Problem sind (Höhe und Geschwindigkeit für Orbit); viele träumen von bemannter Raumfahrt, es gibt aber realistische, harte Grenzen wie Merkur und Mars – den meisten fehlt der Blick dafür. Ich glaube, man findet noch viele andere Beispiele.
    Wieso kommt man von der Venus nicht mehr weg – weil man wegen der Dichte der Atmosphäre und der Bedingungen nicht mehr starten kann oder nicht überlebt wie Venera? Immerhin die Wolken in oberer Atmosphäre könnte man besuchen, aber was will man da?
    Natürlich ist bemannte Raumfahrt spannend und alles in einem Raumfahrt-Enthusiasten schreit danach, aber was bringt es, außer dem Beweis, daß man es kann? Da man den Mars nicht kolonialisieren/terraformen kann (auch dank Bernds Erläuterungen klar geworden), bringt es nichts, dort Basen aufzubauen. Verdammt, ist die Wahrheit aber unangenehm. Solang wir keine exotische Materie finden und Alcubierres Antrieb bauen können, werden wir wohl nie wirklich von der Erde wegkommen…

  10. Also erstmal das ganze Geld sowohl für bemannte wie unbemannte Raumfahrt streichen und umleiten: In die Realisierung des Weltraumlifts!
    DAS wäre dann eine ganz andere Voraussetzung und die Menschheit (Nein, natürlich nicht die ganze) könnte ihre Wiege verlassen.

    Bernd

  11. Bei der ISS hat man die Chance verpasst, dort Techniken zu erproben, die man für weiter reichende bemannte Raumfahrt in der Zukunft brauchen würde. Z.B. komplett geschlossene Kreisläufe, Zentrifungen-Modul für Lebewesen, um zu erproben, wie groß muss so ein Modul sein und wie schnell muss die Rotation/wie stark die künstliche Schwerkraft sein, um effektiv Abbauprozesse im Mensch/Tier zu bremsen, starke Ionen-Triebwerke zur Lageregelung, Lebensmittelerzeugung im All usw.
    Auf der ISS hätte man das alles quasi vor der Haustür testen können.

    Den Weltraumlift sehen viele, auch Bernd, so viel ich weiß, kritisch bis unmöglich. Auch ich seh da noch viele offene Fragen. Aber mittelfristig wird man den brauchen, um größere Lasten kostengünstig zu transportieren. Menschen würde ich trotzdem noch mit Raketen in den Orbit bringen, schon um die Strahlungsgürtel schnell zu durchfliegen und die Transportzeit zum Ziel nicht zu lang werden zu lassen (im Moment sind da 2 Wochen und mehr im Gespräch für den Weg bis zum geostationären Orbit). Lasten dagegen können problemlos so lange unterwegs sein und vertragen die Strahlungsgürtel besser als Menschen.
    Aber mal schnell sämtliche Raumfahrt stoppen und mit dem Geld nur noch am Weltraumlift arbeiten? Keine Chance.

  12. @T.J. Bei der Venus ist es die Dichte der Atmosphäre, man kann dort gar nicht so stark beschleunigen wie man es bräuchte oder müsste extrem viel Treibstoff verbrauchen um in eine dünnere schicht zu kommen. Zudem sind die Treibstoffe die 480″C auch nur kurze Zeit überstehen eher dünn gesät.

    @Bernie: Der Weltraumlift ist sogar idesl um die erde zu verlassen, denn ist er lang genug hat das Seil eine höhere Geschwindigkeit als die Fluchtgeschwindigkeit und wenn man dann dort was nur leicht anschubst (z.B. Mencehn) fliegen sie für immer weg. So kann man natürlich auch das Bevölkerungsproblem lösen ….

  13. @Atmosphäre:

    Da muss ich gleich daran denken wie Michael Khan bei Scilog suborbitale Flüge ala SpaceShip One nicht als richtige Raumfahrt bezeichnet hat, weil sie keinen irchtigen Orbit erreichen können. (Weil dafür einfach noch viel mehr Energie von nöten wäre.)

    Promt wurde er von Weltraumethusiasten dafür angegriffen…

  14. „@Anja, ich hätte es nicht besser zusammenfassen können. 🙂 – unbemannte Raumfahrt ist tendentiell langweilig.“

    Das kann ich nicht nachvollziehen.. Vor allem nicht bei einer Diskussion hier im Blog. Als ich auf Bernds Seite gestoßen bin, fand ich es unheimlich spannend über die Missionen zu lesen.
    Man darf auch nicht vergessen, dass auch hinter der unbemannten Raumfahrt Menschen stecken, die Höchstleistungen vollbracht haben.

    Gruß
    M

  15. Ich respektiere wirklich deine Meinung, Bernd (und lese auch sonst immer gern deine Einträge, speziell zum Thema SpassX 🙂 ), aber ich frage mich, was du uns damit sagen willst?
    Dass die bemannte Raumfahrt nicht funktioniert, weil sich keiner dafür interessiert? Weil es kaum noch Möglichkeiten für Erstleistungen gibt?
    Ich finde dass das höchtens ein Faktor ist, um an Geld zu kommen, mehr nicht. Es gibt so viele Dinge (Forschung usw. ) die trotz mangelndem öffentlichen Interesse doch funktionieren.
    Umgekehrt, sollen wir etwa nur darauf hören, was die Bevölkerung gern hätte oder nicht hätte? Bitte nennt mich kulturpessimistisch, aber ich habe nicht den Eindruck, als ob sich der Durchschnittseuropäer für etwas anderes interessiert als für das neueste Smartphone mit noch höherer Bildschirmauflösung usw., oder anders ausgedrückt für noch mehr Konsum.
    Ich finde es nicht gut, nur so zu argumentieren.

    Das Hauptproblem der (heutigen) bemannten Raumfahrt ist, finde ich, ein ganz anderes. Wir sind heute an einem Punkt angelangt, an dem wir schon durchaus routiniert ins All fliegen, es aber immer noch sehr aufwändig ist und es auch noch gar kein richtiges Ziel gibt. „Damals“ war das eigentlich anders, damals gab es das Ziel überhaupt in den Weltraum zu gelangen, und zwar möglichst vor der Konkurrenz. Später aber wird es Technologien geben, mit denen der Flug ins All leichter wird und es auch Ziele geben wird. Denn Raumfahrt ist vor allem Grundlagenforschung, eben nur mit einer ungewöhnlich langen Amortisationszeit. Solche Sachen wie Forschung, Inspiration und sowas sind eben nur nützliche Begleiterscheinungen, nicht aber der Hauptgrund, warum man ins All fliegen sollte.

    Du hast bestimmt recht wenn du schreibst, dass sich keiner weiter als bis in den LEO wagen wird mit der heutigen Technologie. Aber meinst du wirklich, dass wir bis in alle Ewigkeit mit Raketen und Kapseln ins All fliegen werden? Ich weiss nicht welche Erfindungen noch kommen werden, aber ich bin absolut sicher, dass sie kommen werden!

    Willst du denn nicht eigentlich die Nutzlosigkeit der bemannten Raumfahrt beweisen? Als ob wir das nicht wüssten! Natürlich ist bemannte Raumfahrt überflüssig. Aber ist es die unbemannte nicht auch? Was hat ein ganz normaler Erdenbürger davon, dass man jetzt weiss dass es auf dem Mars an der und der Stelle Perchlorate gibt? Dass in der Galaxie soundso eine Gammaquelle steckt? Da kann man nur mit den Schultern zucken. Genauso nutzlos wie der LHC. Sehr schön, man kann damit eine physikalische Theorie beweisen, aber kann man von der Erkenntnis im Warmen sitzen? Kann man sie essen?

    Ich zitiere hier die ganze Zeit unfreiwillig aus Lems „Rückkehr von den Sternen“. „Der Mensch muss essen, schlafen und sich kleiden, der Rest ist Unsinn“.
    Aber vielleicht gibt es doch einen Sinn, nur eben einen nicht-materiellen? Vielleicht deshalb ins All fliegen, einfach weil wir es wollen? Ich möchte es. Einfach weil die Welt doch aus mehr besteht als nur Komfort und Konsum. Ich studiere Luft- und Raumfahrt, und möchte auch in der Branche später arbeiten. Aber doch nicht um noch effizienter Fernsehsatelliten am Himmel aufzuhängen, damit der (entschuldigt bitte) Pöbel noch mehr Fernsehsender hat! Sondern weil es meinem Leben einen Sinn gibt. Und es viele, die so denken! Was gab es denn am Mt. Everest, oder am Südpol? Das einzige was Scott oder Amundsen von diesem Ort wussten, war dass man dort umkommen kann. Trotzdem war für sie der Pol wichtiger als die Luft zum Atmen…

    Raumfahrt gehört zu unserer Kultur und ist genau so nutzlos. Und genauso wichtig, finde ich!

    PS: Ich bedanke mich bei jedem, der es bis hierhin ohne Hilfe der mentalen Durchrutschkupplung geschafft hat 🙂

  16. @Sophie:

    Danke für Dein Statement!
    Und ebenfalls viel Erfolg bei Studium und Arbeit. Du hast eine (Ein-) Sicht die mir gefällt. Und Bernd hat recht, der Mensch ist das Problem. Allerdings in einem etwas anderen Sinn als er schrieb. Der Mensch ist für „echte“ Raumfahrt viel zu klapprig; körperlich und geistig. S. Lem hat es in seinen Sterntagebüchern (speziell 8. Reise) auf den Punkt gebracht. Es ist m.E. sinnlos, einen riesigen Aufwand zu treiben, um einen Pups auf dem Mars zu lassen. (Das wäre ja auch ein „first“. Wen’s wohl treffen wird?) Es ist gleichzeitig sehr sinnvoll, bemannte Raumfahrt als Idee zu vertreten. Ziolkowski’s Wiege läßt sich mit dem jetzigen Stand der Technik eben nicht verlassen. Das muß aber nicht so bleiben.

  17. Ich denke, das eigentliche Problem ist, dass die bemannte Raumfahrt derzeit nicht wirklich in die politische Landschaft passt. Das bischen, was man macht, dient entweder dem Prestige oder weil man an Verträge gebunden ist, die sich nicht so leicht kündigen lassen. Dabei wäre es meiner Meinung nach gerade von politischer Seite aus notwendig, der Raumfahrt mehr Aufmerksamkeit und vor allem Förderung angedeihen zu lassen. Das gilt für die Bemannte Raumfahrt ebenso, wie für die unbemannte. Aber gerade, weil die bemannte Raumfahrt noch mit einem Berg voller Probleme behaftet ist, existiert dort auch noch ein riesiges Potential, das bisher aber nicht genutzt wird. Wenn man mal daüber nachdenkt, welcher Aufwand nötig ist, um in den Weltraum zu kommen, und dort auch längere Zeit zu bleiben, wird man feststellen, dass dafür eine gewaltige Infrastruktur nötig ist. Eine solche Infrastruktur, wenn sie im grossen Stil aufgebaut und umgesetzt wird, wirkt in alle Bereiche der Volkswirtschaft herein. Also nicht nur in die unmittelbar betroffenen Bereiche wie Technik oder Medizin, sondern auch etwa ins Bildungswesen. Dann will man ja Forschen, und die Ergebnisse sollten allgemein zugänglich gemacht werden, und schliesslich lassen sich Entwickelungen oder Forschungsergebnisse daraus auch irgendwann mal anderwo einsetzen. Sprich: dort wird Pionierarbeit geleistet, auf die spätere Entwicklungen aufbauen können. Dazu bedürfte es allerdings einer grösseren gesellschaftlichen Akzeptanz. Und diese zu schaffen ist meiner Ansicht nach eine Aufgabe der Politik, die dadurch auch gleich noch sinnvolle Wirtschafts- und Gesellschafts- sowie Forschungs- und Entwicklungspolitik betreiben könnte. Aber das scheint mir momentan eher nicht gewollt zu sein, weil man glaubt, dass könnten sogenannte private Investoren besser und man denen deshalb mehr oder weniger viel Macht einräumt, die sie dann nutzen, um ihre Profite zu erhöhen, anstatt dass sie gesellschaftliche Entwicklungen voran treiben…

    P.S. @Sophie: Guter Beitrag!

    Um über den LEO hinaus zu kommen, wird man mMn rotierende Systeme (Stationen) brauchen, um die künstliche Schwerkraft zu erzeugen und da hat man, wie Sebastian meint, auf der ISS wirklich eine Chance vertan, diese Forschung anzustossen und zu intensivieren.

  18. Was wäre mit einer leicht verrückten Idee für einen Antrieb: man nehme einen großen Kernreaktor, wie er in Betrieb ist, der hat ca. 1000 MW Output elektrisch und betreibe ein elektrisches Triebwerk damit. Laut Bernds Grundlagenartikeln steigt die Leistung pro Gewicht mit der Größe des Reaktors überproportional an (x^3/x^2), d.h. bei der Größe hat man viel Leistung. Die Kühlung ist ein großes Problem vermutlich. Was wiegt so ein Reaktor? Schwer zu sagen, zum EPR-Kern findet man irgendwas um die 700t, nehmen wir aber für Reaktor und Raumschiff mit Antrieb/Brennstoff mal 10000t an, also ein richtig großes Schiff, z.B. für eine Marsreise. Der beste verfügbare elektrische Antrieb hat 0,127N Kraft bei 0,5kW Stromverbrauch. Skaliert man das hoch, kann man 2 Millionen solcher Antriebe konstant betreiben (also konstante Beschleunigung!), das sind dann 254kN oder bei der Masse eine Beschleunigung von 0,0254 m/s^2. Berechnet man die Dauer für die halbe Strecke (Beschleunigen/Abbremsen) zum Mars wären das bei einer Entfernung von 100 Mio km (Abstand zwischen 56 und 401, nehmen wir mal 200 im Mittel) dann nach newtonscher Mechanik ca. 32,5 Tage. Für die ganze Distanz dann also 65 Tage.
    Es ist also recht groß und sehr teuer, durch die permanente Beschleunigung kann man aber ein großes Raumschiff bauen, das zum Mars nur ca. 9 Wochen braucht (relative Geschwindigkeiten und Bahnen usw. mal ganz ignoriert), falls ein solch großer Reaktor in ein 10000t-Raumschiff paßt. DAS wäre doch mal eine Herausforderung.

  19. Das Problem wäre nicht der Reaktor, sondern die Kühlung. Sieh dir mal bei einem Kraftwerk die Kühltürme an, dagegen ist der Reaktor recht klein. Und dabei wird noch ein Teil der Wärmeenergie durch Verdampfung abgegeben. In der Raumfahrt hat man aber keinen Fluß in der Nähe, den man anzapfen kann.

  20. Zum Reaktor:
    Weltraumreaktoren kommen auf eine höhere Leistungsdichte als 1 GW auf 10.000 t. Das sind ja 100 W/kg. Die erreicht man bereits mit Solarmodulen:
    http://www.emcore.com/wp-content/themes/emcore/pdf/Paper_Navid_9-22-00.pdf

    Bei Reaktoren ist das Hauptproblem die Kühlung, wofür man ebenfalls große Flächen braucht, da Abstrahlung in den Weltraum die einzige Möglichkeit ist. Allerdings kann, wenn man den unteren Arbeitspunkt ausreichend hoch wählt (300 bis 500 °C halte ich für realistisch) schon die 10-fach höhere Leistung pro Fläche erreicht werden als bei Sonnenkollektoren. Dafür dürften Kühlelemente pro Fläche etwas schwerer sein als Sonnenkollektoren, und es kommt ja auch noch der Reaktor und der Generator dazu. Bei Kühlung durch Abgabe der Wärme an den Treibstoff (Minerva etc.) sind natürlich ganz andere Leistungsdichten möglich, aber bei wesentlich kleinerem Isp als nuklearelektrischen Antrieben.

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