… ist diesmal relativ kurz, viel Aktivität gab es ja nicht. Ein Starlink Start und der der Inspriation4 Crew. Noch immer warten alle auf den ersten suborbitalen Flug des Starships, wobei das wichtigste Indiz dafür nur ein Antrag bei der FAA ist, immerhin angeheizt von Musk durch Fotos von Arbeiten an der Kombination.
Wer mich kennt, weiß, dass ich wenig zur Inspriation4 Mission schreibe. Warum auch? Es gab schon seit Jahrzehnten Weltraumtouristen. Nun gibt es ein Vehikel, das wiederverwendbar ist und automatisch arbeiten kann, sodass (anders als bei der Sojus) ein Pilot entfallen kann und infolgedessen wird es auch mehr private Raumflüge geben, die so auch billiger sind, schlussendlich fliegen gleich vier ins All, teilen sich die Kosten und das Raumschiff hat die NASA bezahlt und SpaceX verwendet es nach dem (ersten) NASA-Einsatz nochmals.
Es wurde kritisiert, dass die Besatzung wenig von sich hören lies. Gewohnt von der ISS war, dass man den gesamten Sprechfunk abhören konnte. Aber es ist eben eine „private“ Mission. Da wird gefiltert weitergegeben was einem nützt. Es muss ja nicht jeder mitkriegen das einem schlecht wird oder man irgendwelche Probleme hat. So richtig „privat“ ist die Mission auch nicht, denn nicht umsonst wurde sie mit derselben Bahnneigung wie die ISS gestartet. Zwar hätte sie wegen der Cuopla nicht andocken können, kann so aber alle Bodenstationen und Kommunikationswege nutzen die für die ISS etabliert wurden. Das Starlink-Netz von SpaceX befindet sich bei der Orbithöhe von 575 km ja unterhalb der Mission, und selbst wenn, ob die Antenne auch im Weltall bei anderen Relativgeschwindigkeiten funktioniert hätte, ist zweifelhaft.
Was man von der Inspriration4 Mission erfahren hat, reiht sich aber in die Vorkommnisse bei der Erprobung des Starships ein, bei dem zuerst Prototypen bei der Druckbeaufschlagung explodierten und dann bei der Landung oder danach. Nun ist es eine Nummer kleiner – es dreht sich um eine nicht funktionierende Weltraumtoilette und kaltes Essen. Das verwundert. Warmes Essen gibt es im US-Raumfahrtprogramm seit Apollo, Weltraumtoiletten seit Skylab. Aber es passt zu SpaceX. Es scheint als müsste die Firma jede technische Entwicklung neu zu erfinden. Tanks und Druckbeaufschlagungssysteme die nicht explodieren, Weltraumtoilette, die Produktion von heißem Wasser oder den Mikrowellenofen. Die Dragon funktionierte, da war ja auch die NASA beteiligt, aber eine Toilette ist bei den Flügen zur ISS nicht notwendig, da das Andocken an die Iss schnell geht. So was kenne ich sonst nicht. Es ist ja auch nicht so, dass andere Firmen bei jedem Produkt bei Null anfangen. Wenn Daimler ein neues Auto baut, können sie auf 100 Jahre Erfahrung zurückblicken. Und seit Erfindung des Buchdrucks kann man diese Erfahrung auch weitergeben, indem man sie aufschreibt und druckt, heute ergänzt durch weitere Methoden, mit denen man Informationen aus den Leuten herausholt, die man als Erfahrungswissen bezeichnet, wie Audio- oder Videointerviews. SpaceX hat inzwischen alle hochkarätigen Angestellten verloren, die seit Firmengründung bei der Firma waren, letzten Monat kam Hans Koenigsmann bei einer neuen Firma unter, schon seit letztem November hat Tom Mueller die Firma verlassen und inzwischen eine eigene Firma aufgemacht. In den Nachrichten liest man immer wieder, wie ein ehemaliger SpaceX Mitarbeiter woanders anheuert. Doch erklärt dieser Schwund das Phänomen? Eigentlich nicht. Denn das Wissen über die Konstruktion steckt ja nicht in dem Chef, sondern auch zahllosen Mitarbeitern und – zumindest andere Firmen machen dies so – es wird dokumentiert, schon alleine, damit man neue Angestellte besser schulen kann.
Das wird dann noch interessant, wenn die SpaceX Pläne reifen. Bisher haben sie Dinge gebaut oder entwickelt bei denen sie auf Erfahrungen einer Weltraumindustrie zurückgreifen können. Das gilt auch für das Starship, ein geflügeltes Vehikel, das aus em Weltraum wiederkommt und landet gab es schon 1981 und seitdem mit dem X-37B sogar ein Zweites in den USA (Russland hat auch eines entwickelt). Aber das Auftanken von Nicht-Druckgeförderten Triebwerken mit leicht verdampfenden Treibstoff und das nicht nur einmal, sondern mehrmals wie für Mondmissionen benötigt, ist was Neues. Ebenso zum Mars zu fliegen und zu landen. Wenn ich dran denke wie viele Versuche es gab die erste Stufe zu landen – das geschah erst beim fünften Versuch – dann wird es sicher etliche Versuche geben, bis ein Lunar Starship Menschen zum Mond befördern kann oder man gar an Marsexpeditionen denken kann. Bei Letzteren kommt hinzu, dass man aufgrund der Startfenster auch nicht einfach nach einem Fehlschlag den nächsten Versuch starten kann, sondern 26 Monate warten muss. Spätestens dann wird das iterative Vorgehen von SpaceX an die Grenze kommen.
Dann hat noch die ct‘ im Betatest die Starlink Antenne getestet. Sie benötigt viel Strom, bis zu 180 Watt. Ohne aktive Heizung (im Winter nötig) rechnet die ct‘ bei 2 Stunden Nutzung pro Tag mit 120 Euro Stromkosten pro Jahr. Die Antenne selbst kostet 559 Euro, ein Monat 99 Nutzung Euro. Ohne Smartphone funktioniert der Router nicht, da man nicht über ein Webinterface an die Einstellungen herankommt. Wieder ein SpaceX Sonderweg, genauso wie das Kabel, dass über den Netzwerkanschluss die Antenne mit Strom versorgt. POE ist zwar standardisiert, aber das kümmert SpaceX wenig, denn über POE kann man maximal 100 Watt übertragen keine 180 Watt. Entsprechend hatte der Tester Probleme das Kabel für die Außenmontage zu verlegen, weil es zu dick war. Beim ersten Test in der Großstadt riss die Verbindung laufend ab, weil im verwendeten Frequenzband schon ein Blatt Papier genügend Strahlung blockiert, von Mauern und Gebäuden ganz zu schweigen. Auf dem freien Land auf dem Dach montiert – also mit idealen Bedingungen – gab es pro 24 Stunden im Durchschnitt 37 Sekunden Ausfall, maximal 10 Sekunden am Stück. Die Datenraten lagen in der Spitze bei 235 MBit Down und 24 Mbet/s Uplink, gingen aber auch auf 70 Mbit/s im Downstream zurück.
Das dürfte sicher der Knackpunkt neben den hohen Kosten von über 1300 Euro pro Jahr sein. Der Test fand im August statt, als die erste Sphäre für Starlink schon voll ausgebaut war. In der Betaphase kann man die Hardware nicht kaufen, sondern muss sich bei SpaceX bewerben. Versorgt Veden natürlich zuerst Influencer wie die Computerzeitschrift. Wenn schon die wenigen Kunden – weltweit waren es nach Musk Angaben 100.000, dazu führen das zeitweise die Downlinkrate unter die versprochenen 100 Mbit/s rutscht, wie wird das dann erst bei einem operationellen System mit viel mehr Kunden werdem? Jeder der ersten Generation der Satelliten hat je nach Quelle 10 bis 40 GBit Kapazität, kann also maximal 100 bis 400 Kunden mit der Nennkapazität versorgen. Entsprechend kommt eine Studie auch zu dem Schluss, das Starlink selbst bei „sehr optimistischen Annahmen“ in der BRD maximal 1,3 Mio. 100 Mbit/s-Anschlüsse bereitstellt. Selbst die Firmen, die sich seit Jahrzehnten mit Kommunikation über Satelliten beschäftigen, sehen Konstellationen (allgemein, nicht nur Starlink) skeptisch. Weil die Satelliten, wenn sie erst mal im Orbit sind, die Gefahr von Kollisionen vergrößern, würde ich mir wünschen, das man erst mal einige Jahre mit den beiden Netzen in der Ausbauphase 1 Erfahrungen sammelt, bevor man an einen Ausbau auf 12.000 oder gar 40.000 Satelliten in Betracht zieht. Ebenso wäre es wünschenswert, wenn andere Firmen wie Amazon mit dem Aufbau eigener Netze abwarten, wie sich die beiden Vorteiter schlagen. Denn sind die Satelliten einmal im Orbit, dann bleiben sie dort auch lange.
Zuletzt gibt es auch noch Ärger mit dem Kontrakt beim Lunar Starship. Inzwischen hat Blue Origin gegen die NASA-Entscheidung prozessiert. Inzwischen argumentieren die NASA Rechtsanwälte dahin gehend, das der Prozess es unmöglich machen würde auf dem Mond zu landen „but that it will never actually achieve its goal of returning the United States to the Moon,“. Das passt zu der Kritik an der Auswahl von SpaceX, die nicht nur meiner Ansicht nach nur erfolgte, weil es das billigste Angebot war und die Finanzierung zu gering. SpaceX musste auch eine Reduktion der ersten Rate deswegen hinnehmen. An der Situation hat sich nichts geändert, noch immer hat dieser Teil des Mondenlandeprojektes nicht die Finanzierung erhalten, um selbst das Angebot von SpaceX zu finanzieren. Warum man also einen Auftrag vergibt, wenn selbst der billigste Anbieter nicht finanziert werden kann ist mir ein Rätsel. Sollte man nicht erst mal eine Finanzierung haben? Erinnert mich irgendwie an das Mautdebakel von Andi Scheuer, wo er auch nicht warten wollte ….
Dann noch zu etwas anderem hat primär nicht mit SpaceX zu tun, fängt aber an zu nerven. Es ist das seit einigen Monaten wieder ausgebrochene Wettrennen um Rekorde. Das ging los mit dem Wettrennen Bezos und Branson, wer den ersten Suborbitalflug mit Passagieren durchführt und nebenher noch eines wer von beiden Firmengründern als Erster selbst fliegt. Das ging weiter mit Rekorden im Alter (jüngster / ältester Raumflieger), beide neu verbessert von Bezos Blue Origin.
Die Inspiration4 Mission war ja auch ein Beispiel dafür. Selbst in deutschen Medien wurde hervorgehoben, das nun die erste Protese ins All geflogen ist, oder der erste Mensch mit Protese. Isaakman hat extra das Kommando an Sian Prcotor abgegeben, die damit die erste schwarze Kommandantin eines Raumschiffs wurde – angesichts dessen das dieses völlig automatisch arbeitet, ist das relativ bedeutungslos. Und natürlich war dies der erste Raumflug der nur aus Personen bestand die nicht Angestellte einer Regierungsbehörde sind (Weltraumorganisationen, Militär). Nun setzen die Russen nach und starteten vorgestern eine Besatzung mit einer Schauspielerin und einem Produzenten um einen Film an Bord des russischen ISS-Segments zu drehen. Auch hier kam die Idee dafür erst, nachdem die Ankündigung kam, dass Tom Cruise einen Film an Bord der ISS drehen will. Man glaubt es kaum, mehr als 60 Jahre nach dem Beginn des Weltraumrennens müssen die Russen noch Rekorde vor den Amis aufstellen. Dann noch die Meldung, dass nun William Shatner beim nächsten Flug von Blue Origin mitfliegen wird, Shatner ist 90 und würde damit den erst wenigen Monate alten Altersrekord von Wally Funk mit 82 Jahren brechen.
Das ist wirklich albern. Weltraumfahrt dreht sich um Erkenntnisse, Wissenschaft. Schon die bemannte Raumfahrt an sich haben damit wenig zu tun. Es geht bei Nationen vielmehr um Prestige, mit dem man punkten kann, selbst bei uns, denn die ISS rückt immer dann in den Vordergrund, wenn ein deutscher Astronaut an Bord ist oder seine Mission bevorsteht. Andere europäische Astronauten (wo man doch sonst immer davon redet, dass wir Europäer sind und Europa als Ganzes agieren muss). Aber das Bestreben von Firmen neue Rekorde aufzustellen ist nochmals eine Größenordnung dämlicher, vor allem bei den beiden Suborbitalfirmen. Suborbitalmissionen von Raumfahrtagenturen gab es nur zwei von den Amis, und die waren Erprobungsmissionen des Raumschiffs, die wohl auch entfallen wären, wenn man gleich in den Orbit hätte starten können. Ich sehe das nicht mal als Raumfahrt an. Aber das ist eben das Kindergartenrennen von Milliardären mit zu schwachem Ego.
Eine andere Dimension hat der Film von Roskosmos. Also das ist schon fast dasselbe niedrige Kindergartenniveau, aber auch nicht ungewöhnlich. Kurz vor der ersten US-Amerikanerin Sally Ride startete man Sawizkaja als Kosmonautin zu Saljut 7, obwohl Valentina Tereschkowa, ja schon 20 Jahre vorher die erste Frau im All war. Wahrscheinlich befürchtete man das die USA die aktive Rolle von Ride bei der Space Shuttle Mission hervorheben würden, Tereschkowa war ja nur passiver Passagier. Danach gab es wieder keine Kosmonauteninnen für lange Zeit. Bis heute gab es nur fünf weibliche russische Raumfahrer. Etwas dürftig für ein Land mit 120 Raumfahrern. Allerdings ist Deutschland mit 10 Raumfahrern und keiner Frau da auch nicht gerade ein Vorbild. Wenn mich Roskosmos beeindrucken will, dann baut endlich die Venera D oder die vielen Luna-Nachfolgemissionen, die seit Langem angekündigt und vor allem führt die Mission auch erfolgreich durch – daran hapert es nämlich. Beide Raumsonden, die Russland nach Ende der UdSSR startete, nämlich Mars 96 und Phobos Grunt scheiterten. Aber bisher glänzt Russland vor allem durch Ankündigungen, nicht durch Taten.