Hallöchen,
Ihr habt lange Zeit auf einen neuen Blog warten müssen, das hat mehrere Gründe. Zum einen war ich eine Woche in Nesselwang wo ich ein ganzjährig vermietetes Ferienhaus habe und das ist kein Urlaub, sondern eine Arbeitswoche, diesmal gab es besonders viel zu tun. Davor habe ich mein eigenes Haus geputzt, es kommen ja fremde Leute ins Haus, die meine Katzen und Pflanzen versorgen und da ich ansonsten nach der Devise lebe, das ich Dreck erst dann wegputze, wenn er mich stört – und ich bin sein sehr toleranter Mensch – gab es auch so was zu tun. Und dann hat der Wind in der Woche die ich weg war, meinen Hanfpflanzen stark zugesetzt, viele Zweige sind abgebrochen, die ich nun Noternten musste. Eine Pflanze ging völlig drauf, bei der wurde an der Basis der Stamm durchbrochen. Die Blütezeit ist zur Hälfte rum, so gibt es wenig Ertrag, aber mehr Arbeit, weil man so viele kleine Blüten von Blättern befreien muss. Auch damit hatte ich viel zu tun.
Die beiden Hauptgründe sind aber, dass ich keine Idee für einen neuen Blog hatte und seit Jahren immer weniger Lust zum Schreiben habe. Da ich gerade auch meine VGWort Abrechnung für dieses Jahr bekommen habe, macht die Sache nicht besser. Die Blogs lohnten sich zumindest bisher finanziell gut, nachdem aber aus dem sanften Rückgang der Einnahmen dieses Jahr ein Erdrutsch auf ein Drittel geworden ist, denke ich werde ich nun wieder mehr Zeit in die Bücher stecken. Genügend angefangene Manuskripte habe ich ja.
Aber ich denke, ich bekomme genug zusammen für einen Blog und der hat mit meiner Lieblingsfirma zu tun. Ratet mal welche …
Okay das war leicht, es geht natürlich um SpaceX. Da warten wir ja alle auf den fünften Testflug des Starships. Zwischen dem dritten und vierten Test lagen zwei Monate, seitdem sind schon dreieinhalb vergangen und man fragt sich, wann es denn nun startet. Nach SpaceX ist das ganz einfach: Wie sie in ihren Updates schreiben. (Mit Google Translate, wie auch die folgenden Passagen übersetzt):
„Dies wird ein einzigartig neuartiger Vorgang in der Geschichte der Raketentechnik sein. SpaceX-Ingenieure haben Jahre mit der Vorbereitung und Monate mit Tests für den Booster-Fangversuch verbracht“ … “SpaceX unternimmt bei jedem Flug das größtmögliche Maß, um sicherzustellen, dass wir zwar Risiken für unsere eigene Hardware eingehen, aber keine Kompromisse eingehen, wenn es um die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit geht.
Es ist verständlich, dass eine solch einzigartige Operation aus Lizenzierungsperspektive zusätzliche Zeit für die Analyse benötigt. Anstatt die Ressourcen auf kritische Sicherheitsanalysen zu konzentrieren und an rationalen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Öffentlichkeit und Umwelt zu arbeiten, wurde der Lizenzierungsprozess leider immer wieder durch Probleme von leichtfertig bis hin zum offensichtlich Absurden behindert. Manchmal waren diese Hindernisse auf falsche und irreführende Berichterstattung zurückzuführen, die auf der böswilligen Hysterie von Online-Kritikern oder Interessengruppen basierte, die schlecht konstruierte wissenschaftliche Erkenntnisse als Tatsachen präsentierten.
Wir haben vor Kurzem von der FAA, der für die Lizenzierung von Starship-Flugtests zuständigen Regierungsbehörde, eine geschätzte Startlizenz für Ende November erhalten. Dies ist eine Verzögerung von mehr als zwei Monaten gegenüber dem zuvor mitgeteilten Datum Mitte September. Diese Verzögerung beruhte nicht auf neuen Sicherheitsbedenken, sondern auf überflüssigen Umweltanalysen. Die vier offenen Umweltprobleme veranschaulichen die Schwierigkeiten, mit denen Startunternehmen im aktuellen regulatorischen Umfeld für Start- und Wiedereintrittslizenzen konfrontiert sind.“
Es ist also wieder mal die böse FAA die blockiert. SpaceX hat auch den Kongress dafür gewonnen die FAA zu kritisieren. Dazu muss man in den USA nicht mal viel Lobbytum betreiben, dort herrscht eine allgemeine Skepsis gegenüber Regierungsstellen und es gibt die Überzeugung das die Wirtschaft besser dastände, wenn der Staat möglichst wenig reguliert.
Die FAA hat das nicht auf sich sitzen lassen:
„Wir arbeiten sehr gut mit SpaceX zusammen. Wir haben einen sehr engen Dialog mit ihnen“, sagte Dan Murray, Executive Director of Operational Safety im FAA Office of Commercial Space Transportation. „Sie erhalten den Großteil unserer Ressourcen, weil sie den Großteil der Operationen durchführen“, und das schließe 80 % der „Hunderte“ von Überstunden ein, die sein Büro jeden Monat registriere. „Wir tun alles, was wir können, um mit ihnen so effizient wie möglich zusammenzuarbeiten.“
Gut es gäbe vielleicht eine einfache Lösung: Die FAA wurde personell nicht dem Anstieg der Starts angepasst. Von 2001 bis 2019 gab es im Mittel zwischen 20 und 25 Starts proi Jahr. Seitdem werden es immer mehr 2023 waren es 99 und dieses Jahr wurden schon 96 und das vierte Quartal hat gerade erst angefangen.
Es gibt aber auch einen anderen Grund. Wie die FAA erklärte:
„Der Zeitplan, den die FAA für die Bewertung einer Lizenz vorsieht, basiert auf der Annahme, dass der Antrag vollständig ist und sich nicht ändert, sagte er. Die FAA wies in einer separaten Erklärung am 11. September darauf hin, dass die von der FAA für den letzten Starship-Start im Juni erteilte Lizenz mehrere Flüge mit demselben Profil erlaubte. SpaceX änderte jedoch das Profil für den nächsten Start und lieferte außerdem erst Mitte August Informationen darüber, „wie die Umweltauswirkungen von Flug 5 ein größeres Gebiet abdecken werden als zuvor geprüft“, was eine Konsultation mit anderen Behörden erforderte.“
Ist für mich eigentlich logisch. Man macht einen Teststart, findet Probleme oder Verbesserungsmöglichkeiten – das derzeitige Starship ist ja auch nur eine erste Version, die bald durch ein neues abgelöst wird, wie dies auch bei der Falcon 9 war. Dann bessert man nach und testet das beim nächsten Start. Auch das ist inkrementelle Entwicklung und bei der Falcon 1 und 9 ging SpaceX auch genau so vor.
Es ist ja nicht so das bisher alles klappte. Auch beim letzten Flug fielen wieder zwei Triebwerke der Superheavy aus. Das man auch in den Monaten seitdem kein Video der „Landung“ veröffentlicht hat – im entschiedenen Moment schwenkt die Perspektive immer von einer Kamera auf einem Schiff zur Superheavy, sodass man Relativgeschwindigkeit und Orientierung nicht beurteilen kann – zeigt das man hier noch einiges tun könnte und das Starship selbst wurde bei dem Reentry schwer beschädigt, kam Kilometer vom Kurs ab und ein Video der Landung gab es auch hier nicht (das Ding ist so groß, das man selbst aus mehreren Kilometern Entfernung es problemlos bei der Landung aufnehmen könnte, wie Amateure mit Aufnahmen aus sicherer Entfernung von der Starbase bei den bisherigen Testflügen auch zeigten).
Das SpaceX nun erneut neue Ziele ansetzt dürfte an Elon Musk liegen. Ich denke die meisten anderen Verantwortlichen in der Firma mit technischem Sachverstand würden erst mal die vorhanden Probleme lösen. Aber ohne Starship dauert der Aufbau des Starlink Netzes ewig, zumal die Falcon 9 ja nun von den schwereren Starlink Satelliten der zweiten Generation nur 20 anstatt wie bisher 50 bis 60 starten kann. Alleine für die noch ausstehenden 13.000 Satelliten die genehmigt wurden brauchen so 650 Starts, was beim derzeitigen Tempo über ein Jahrzehnt dauernd dürfte. So lange lebt aber kein Satellit. Das Netz ist noch keine fünf Jjahre alt und von 7062 gestarteten Satelliten arbeiten noch 6372 (nach der Statistik von McDowell), dabei wurden die meisten davon erst in den letzten zwei Jahren gestartet.
Zurück zur FAA: ich finde das logisch., Eine Genehmigung gilt für das, was man beantragt hat, wenn man das ändert muss man einen neuen Antrag stellen. Wenn ich einen Bauantrag stelle und dann was ändere, z.B. einen Wintergarten anbauen will, muss ich ja auch einen neuen Antrag stellen.
Es ist auch verständlich, dass die FAA nun genauer hinschaut. Schließlich gab es an ihr massive Kritik nach dem ersten Teststart als Bruchstücke nicht nur auf SpaceX Gelände, sondern auch über bewohntem Gelände niedergingen und das Flugterminsationssystem erst verzögert funktionierte.
Als Nebeneffekt dieses Fehlstarts hat SpaceX es nun auch mit vier Behörden zu tun, die das Okay geben, denn nun sind auch Umwelt- und Tierschutzbehörden involviert und nicht nur die FAA.
In ihren Updates nimmt SpaceX es mit der Wahrheit nicht so genau. So heißt es: „Die Fahrzeuge Starship und Super Heavy für Flight 5 sind seit der ersten Augustwoche startbereit.“. Stimmt nicht. Nachdem beim letzten Test massenweise Hitzeschutzkacheln wegflogen wurde zu diesem Zeitpunkt noch der gesamte Hitzeschutzschild ausgetauscht.
Die FAA hat dann mal nachgelegt und veröffentlicht, was es alleine in letzter Zeit an Strafen für SpaceX gab, die darauf beruhten, dass die Firma ohne Erlaubnis Veränderungen durchführte, die nicht durch die Lizenz gedeckt waren. Allein dieses Jahr gab es hier drei Vorfälle. SpaceX hat sich dann beim Kongress beschwert, das die FAA willkürliche Änderungen in ihrer Lizenzpolitik durchführt. Das setzte sich dann noch bei einer Kongressanhörung durch bei der der FAA Leitende primär über die Versäumnisse Boeings referieren sollte. Auch hier antwortete SpaceX das alles was er dort sagte unwahr sein. Ich will das nicht weiter breit treten, weil man als Außenstehender nicht nachprüfen kann, wer nun recht hat. Aber angesichts dessen das ich schon viele Lügen von SpaceX gehört habe, bis heute nicht die Nutzlastangaben auf der Webseite und die Startpreise mit realen Nutzlasten und abgeschlossenen Verträgen übereinstimmen, bin ich geneigt der FAA zu glauben. Warum sollte denn auch eine Behörde lügen, sie hat anders als eine Firma nichts davon.
Das Thema ist übrigens nicht neu. Beim Recherchieren fand ich folgenden Artikel vom 22.10,2021, in dem es heißt:
„Wenn alles gut geht, wird Starship nächsten Monat für seinen ersten Startversuch im Orbit bereit sein, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung“, twitterte Musk.“ Das war 19 Monate vor dem wirklich erfolgten Start. Schon zur Frühzeit der Falcon 9 wetterte er genauso gegen die USAF weil sie seiner Ansicht nach zu lange für die Zertifizierung der Falcon 9 für nationale Starts brauche-
Ein Nebenschauplatz ist das Handling von Abwasser. Auch hier gab es eine Strafe seitens der US-Umweltbehörde EPA aufgrund Verstoßes gegen den Clean Water Act. Die Ursache war, dass der Flammenabsorptionsmechanismus der Wassere versprüht jede Menge Abwasser verursacht. Das System produziert bei einem Start rund 1.500 m³ Abwasser und das hat SpaceX beim zweiten Teststart einfach in die Umwelt entlassen. Erst danach als es eine Anklage gab haben sie das Wasser überhaupt auf Verunreinigungen untersucht.
Insgesamt bestätigt sich meine Vermutung, die ich schon beim ersten Teststart geäußert habe, das wohl inzwischen alle Mitarbeiter mit Erfahrung aus der Entwicklung der Falcon 9 die Firma verlassen haben. Anders sind die vielen Fehlschläge und Versäumnisse bei den Testflügen nicht erklärbar. Das hat nichts mit inkrementeller Entwicklung zu tun. Wenn Triebwerke schon vor dem Start ausfallen, dann sieht man das auch in Tests am Boden und warum sollte ich ein Starship testen, dessen Hitzeschutzschild nicht hält? Es ist ja nicht so, das man dies nicht vorher herausfinden kann. Gerne vergessen: das Space Shuttle flog beim ersten Testflug bemannt, es war auch wiederverwendbar und das schon vor über 40 Jahren wo die Möglichkeiten zur Simulation viel schlechter waren. Da gab es auch Probleme beim Hitzeschutzschild, die wurden aber vor dem ersten Test gelöst.
Inzwischen wurden auch Falcon 9 dreimal gegrounded, erneut durch die FAA, nachdem eine Falcon 9 Erststufe bei der Landung verloren ging und zweimal die Wiederzündung der Oberstufe versagte. Das bedeutet das fehlende Know-How hat nun auch die Falcon Fertigung erreicht. Technisch ist es so, das Entwicklung und Produktion getrennt sind. Für die Entwicklung braucht man Ingenieure mit technischer Expertise. Für die Produktion reichen angelernte Arbeiter die eintrainierte Arbeiten durchführen. Warum es hier nun auch hakt, wird wohl nur SpaceX wissen. Vielleicht haben sie die Qualitätssicherung nach den Arbeiten reduziert oder Abläufe geändert.
Derweil hat der CEO wieder mal ein neues Datum für die erste Marslandung rausgehauen. Nämlich in vier Jahren. Das 2028 Startfenster für die kürzeste Route liegt zwischen Ende November und Ende Dezember 2028. Landen würde man im August/September 2029. Na ja, 2016 hatte er noch angekündigt das man in diesem Frühjahr landen würde, irgendwie ist die Landung immer einige Jahre in der Zukunft und das völlig unabhängig von laufenden Projekten. Gwyn Shotwell hat dagegen mehrfach betont das bei SpaceX niemand konkret an irgendwelchen konkreter Hardware für das Marsprojekt arbeitet, also etwas was Geld kostet. Macht sich schlecht, wenn man Geld von Investoren eintreiben will. Aber wenn man die Mannschaft zu unbezahlter Mehrarbeit animieren will, sind so regelmäßige Ankündigungen von Marsplänen nicht so falsch.