Bernd Leitenbergers Blog

Reiches Endlager

Man ist ja von der derzeitigen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche einiges gewohnt. Mal will sie 40 neue Gaskraftwerke bauen, dann die Förderung regenerativer Energien ab dem 1. Januar 2027 einstellen, schon jetzt bekommen nach einer Gesetzesreform Betreiber von Windkraftanlagen keine Vergütung mehr für Strom. den sie nicht einspeisen können, weil die Netzbetreiber auch 20 Jahre nach der Energiewende noch nicht die Netze ausgebaut haben und zuletzt Streit mit dem Koalitionspartner über die Kompensation der hohen Benzinpreise und ob wir genügend Kerosin haben oder nicht.

Aber jetzt hat sie sich selbst übertroffen. Sie hat innerhalb weniger Tage ein Problem gelöst, dass die BRD seit Jahrzehnten mit sich herumträgt: wo und wie lagern wir denn den Atommüll? Die älteren unter uns erinnern sich: dafür war mal Gorleben vorgesehen. Kaum zu glauben aber am 22.2.1977 verkündete der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen Ernst Albrecht, das dort das Endlager entstehen sollte. Das galt damals zumindest in der CDU als ein Standortvorteil. Viele Arbeitsplätze sollten in der Region entstehen. Dagegen will heute keiner ein Endlager mehr haben. Bayern hat z.B. bei den wenigen Plätzen in Bayern, die geologisch infrage kommen eigene Geologen mit einem Gegengutachten beauftragt hat, die natürlich zum Schluss kommen, das Bayern völlig ungeeignet für die Lagerung von Atommüll ist. Der derzeitige Umweltminister Carsten Schneider ließ bei dem aktuellen „Forschungsbericht“ zur Suche nach einem Endlager das bisherige Entscheidungsdatum 2021 streichen und spricht nun von „Mitte des Jahrhunderts“ (sprich am Sankt-Nimmerlein-Tag) bei Interviews. Derweil hat unsere umtriebige Wirtschaftsministerin sich dem Problem angenommen und eine Lösung präsentiert.

Da keiner in Deutschland ein Endlager vor der Nase oder unter den Füßen haben will, hat sie nach Alternativen für Deutschland gesucht. Andere europäische Länder die gerade ein Endlager aufbauen, wie Finnland oder die Schweiz wollten den Atommüll aber auch nicht haben.

Die Lösung kam durch ein Treffen mit ihrem alten Duzfreund Peter Thiel. Der empfahl ihr, sich doch mal bei Elon Musk zu melden, der würde gerade das Starship entwickeln, das hätte eine enorme Nutzlast und sei wahnsinnig preiswert. Damit könnte man den Müll im All zu entsorgen.

Das tat dann Reiche. Die gleichen Experten, die schon bei den bisherigen Vorschlägen von Reiche aktiv waren, fanden dann rasch heraus, dass es am besten ist den Müll dort zu entsorgen wo er nicht mehr zur Erde zurückkommen kann, also nicht in einem Erdorbit oder einem Sonnenorbit. Das nächst erreichbare Ziel wäre der Mond. Auf der Mondrückseite könnte der Atommüll, selbst wenn er dort aufschlägt und sich so weit verteilt nicht mehr zur Erde zurückkommen, anders als bei der Mondvorderseite.

Zusammen mit SpaceX haben die Experten des Wirtschaftsministeriums nun einen Masterplan ausgearbeitet:

Ein Castor wiegt beladen zwischen 107 und 120 t, insgesamt haben unsere Atomkraftwerke in den vergangenen Jahrzehnten 1900 Castoren mit hochradioaktivem Atommüll produziert. Ein Starship V4 kann mit einmaligen Auftanken diese Masse auf die Mondrückseite bringen – nicht weich landen, aber gezielt zum Absturz bringen. Ohne Auftanken geht es bei der Nutzlast von 200 t in den Erdorbit nicht. Dort gäbe es genügend Krater, die sich für die Endlagerung eignen. Dadurch das ein Castor so stabil gebaut ist, ist die Gefahr, dass Atommüll den Mond verlässt gleich null, aber er dürfte sich dort um die Aufschlagstelle herum verteilen. Die Sicherheit ist gewährleistet, sogar doppelt: De Castor ist zum einen so stabil, dass er einen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre übersteht und er befindet sich im Starship das bei einem Problem weich landen kann.

SpaceX verlangt nach Reiche für einen Flug des Starships 20 Millionen Dollar, also mit einem Tankflug rund 40 Millionen Dollar pro Castor-Transport. Bei 1,900 Castoren sind dies 74 Milliarden Dollar, doch zuletzt wurden die Kosten für ein Endlager auf 170 Mrd. Euro geschätzt, davon bezahlen die Betreiber von Kernkraftwerken übrigens nur 24 Mrd. Euro in einen Fond. Wenn schon wenigen Jahren tägliche Flüge des Starships stattfinden wie man Reiche versprochen hat dann könnten in sechs Jahren dann alle Castoren der BRD auf dem Mond entsorgt werden. Es gäbe durch den Bau größerer Castoren die Möglichkeit die Zahl der Flüge deutlich zu reduzieren. Die derzeitigen Castoren nehmen nur etwa 10 % ihrer Leermasse (12 t) an Brennelementen auf und wiegen leer 96 t. Größere Castoren die 150 t leer wiegen sollen bis zu 30 t Brennelementen aufnehmen. Sie erfordern einen Tankflug mehr aber die Gesamtzahl der Flüge würde sinken.

Wie das ganze ablaufen sollte, ist offen, meiner Meinung nach muss bei dem Preis das Starship wieder verwendet werden. Eine Lösung wäre, dass das Starship die Castoren auf einen Kollisionskurs zum Mond bringt, aus himmelsmechanischen Gründen schlagen sie dann in jedem Falle auf der Rückseite auf und danach ihren Kurs leicht abändert, sodass sie den Mond nur umfliegt wie die Artemis II Mission und dann zur Erde zurückkehrt.

Warum ist da vorher bloß keiner drauf gekommen? Sie hat zumindest eine neue Diskussion angestoßen. Jens Spahn hat sich angesichts der neuen Situation schon für den Bau neuer Atomkraftwerke ausgesprochen.

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