Bernd Leitenbergers Blog

Wenn ihr Geld zum Verbrennen habt …

… Dann zündet damit das Grillfeuer an, aber kauft keine SpaceX Aktien.

Kapitalismus ist schon was Seltsames. Der Wert eines Unternehmens in Form der Marktkapitalisierung, die man bei Aktiengesellschaften berechnen kann durch Anzahl der Aktien x Handelswert der Aktie, hat nicht sehr viel mit den wirtschaftlichen Daten des Unternehmens zu tun. Also zum Beispiel wie viele Schulden das Unternehmen hat, welche Sachanlagen in Form von Fabriken etc. vorhanden sind. Eher schon, ob Gewinn gemacht wird und wie viel Dividende ausgeschüttet wird. Wobei die am höchsten bewerteten US-Unternehmen kaum Dividenden ausschütten. Aber der Aktienkurs selbst wird mehr von Erwartungen, Gerüchten oder Hoffnungen bestimmt. Vor allem scheint er abgekoppelt zu sein vom Umsatz, Mitarbeiterzahl und Gewinn.

Am deutlichsten sieht man dies bei den Indizes. Nehmen wir den DAX. Der hat in den letzten 20 Jahren um 304 % zugenommen, was einem jährlichen Mittel von 7,2 % Steigerung entspricht. Demgegenüber steig der Umsatz nur um 76 % (von 980 auf 1.750 Milliarden Euro) und der Gewinn um 62 % von 80 auf 130 Milliarden Euro also um 2,9 bzw. 2,45 Prozent pro Jahr.

Alle DAX Konzerne sind derzeit 2.128 Milliarden Euro wert, das wird gleich von drei US-Firmen geschlagen: Microsoft: 2.900 ist Milliarden Euro „wert“, Apple 2.700 Milliarden Euro und NVIDIA 2.500 Milliarden Euro.

Man kann sich auch die Beschäftigten ansehen. In allen DAX-Konzernen sind zusammen 3,95 Millionen Mitarbeiter beschäftigt. Demgegenüber hat Microsoft nur 228.000 Beschäftigte, Apple nur 166.000 und NVIDIA sogar nur 42.000, also ein Hundertstel aller DAX Konzerne, bei größerem Firmenwert. Das ist zum Teil dadurch zu erklären, dass IT-Konzerne hohe Gewinnmargen haben, aber geringe Produktionskosten. Das gilt vor allem für Softwarehäuser, wo man inzwischen ja nicht einmal ein Bürogebäude braucht, sondern der Mitarbeiter von Daheim mit dem PC arbeiten kann. NVIDIA ist das Paradebeispiel. Ihre GPU sind die schnellsten, wenn es um KI-Anwendungen geht, das hat der Firma einen enormen Gewinn eingebracht. Eine KI-GPU wird für 10.000 bis 40.000 Euro verkauft, ein Vielfaches des Preises einer High-End Grafikkarte, aus der sie entwickelt wurde.

Ein anders gutes Beispiel ist Siemens Energy. Ich investiere gerne in Firmen die mit alternativen Energien zu tun haben oder wie bei Siemens Energy die Infrastruktur bauen, damit die auch dahin gelangt, wo sie benötigt wird. Nach dem Kauf 2023 fiel die Aktie zuerst stetig um einen Tiefpunkt von 6,40 Euro zu erreichen, ich kaufte ständig nach, dann begann vor etwa zwei Jahren eine enorme Höhenfahrt mit einem Spitzenkurs von 195,50 Euro. Meine Aktien sind nun das zehnfache dessen wert, was ich investiert habe. Der Grund: der KI Boom. Da wird enorm viel Energie benötigt. Die größten Rechenzentren in Deutschland brauchen 3 GW, in den USA werden sogar welche mit 9-10 GW geplant. Das ist die Leistung von 9-10 Atomkraftwerken. Aber sicher sind nicht Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Gewinn um den Faktor 30 gegenüber dem Tiefstkurs gestiegen.

Ich mache diese lange Einführung, deswegen weil Börsenwert oder Marktkapitalisierung einer Firma nicht direkt mit Umsätzen, Gewinnen, Sachvermögen oder Mitarbeiterzahl korrespondieren. Kurse werden von Spekulation, Erwartungen getrieben. Das zeigt Tesla, als schon von Musk börsennotiertes Unternehmen, schon. Der Firmenwert ist enorm hoch verglichen mit anderen Automobilherstellern. Schaut man sich dagegen die Mitarbeiterzahl, Absätze oder gefertigte Fahrzeuge an, so spielt Tesla bestenfalls im Mittelfeld mit. Der Kurs blieb hoch, wenngleich nicht auf dem Maximalhoch, obwohl Musks Rechtsruck zu massiven Umsatzverlusten führte und die Produktpalette veraltet ist. Vieles von dem SpaceX IPO und dem anvisierten Kurs dürfte auf diesem Musk-Effekt beruhen.

SpaceX IPO in Zahlen

Schauen wir uns mal an was man weiß. Verschiedene Artikel bewerten den Wert von SpaceX berechnet aus Nennwert der Aktie x Anteilen auf 1.500 bis 2.000 Mrd. Euro. Der IPO jetzt soll nur 75 Milliarden in die Kasse spülen. Es wird also nur ein Teil der Aktien in den öffentlichen Handel gelangen. Die Aktien sollen in 13 Tranchen von je 67 Millionen Stück aufgeteilt werden. Davon dürfte nun eine Trance also 67 Millionen auf den Markt kommen, jede einzelne Aktie müsste also über 1.000 Dollar Nennkurs haben. Im IPO Prospekt wird dagegen von 10.670.000.000 Anteilen gesprochen. In jedem falle, wird nur ein Teil der Aktien an die Börse gebracht werden. Derzeit hält Elon Musk 12,3 % des Class A Aktien und 93,6 % der Class B Aktien mit einem Gesamt-Stimmrecht von 85,1 %. Die erste Tranche mit 66,6 Millionen Aktien soll die Marktkapitalisierung auf 500 Mrd Dollar bringen, die letzte Tranche dann unglaublich 7.500 Mrd. Dollar

Der Prospekt enthält viele bunte Bilder aber nur wenige Fakten, insbesondere gibt es viele Lücken. Eine Besonderheit ist das es zwei Arten von Aktien gibt „Class A und B“ genannt. Die eine Klasse hat pro Aktie 10 Stimmen, die andere nur 1. An die Börse gelangt natürlich nur die Charge mit 1 Stimme pro Aktie. So kann Elon Musk, wie auch andere frühere Anleger mit relativ kleinem Aktienpaket den Kurs weiter bestimmen, theoretisch braucht Musk nur 10 % der Aktien um die Mehrheit zu haben. Da schon früher Anteile verkauft wurden, um Investments zu bekommen wird Musk nach diesem Aktiengang noch mindestens 85 % der Stimmrechte besitzen. Wenn ihr also Anteile an einem Unternehmen haben wollt, bei dem ihr nichts zu sagen habt, greift zu!

Nebenbei erfährt man auch einiges zu SpaceX das bisher unbekannt war. So sind noch 9.600 Satelliten im Orbit, aber nur 75 % aktiv, dabei sind die meisten erst vor einigen Jahren gestartet worden. Das Starship soll im zweiten Halbjahr Nutzlast im Orbit aussetzen. Es sollen 60 Starlink V3 Satelliten mit der 20-fachen Kapazität einer Falcon 9 sein, das lässt darauf schließen das sie nur 1,5 t wiegen. Die Nutzlast des letzten Starts wäre so 40,5 t.

Ebenso kann man den durchschnittlichen Preis über die Einnahmen von SpaceX und die Zahl der kommerziellen Starts berechnen für die letzten drei Jahre:

2025 2024 2023
Kommerzielle Starts: 43 45 33
Einnahmen: 4.086 Mill. $ 3.796 Mill. $ 3.500 Mill. $
Pro Start: 95 Mill. $ 84,3 Mill. $ 106 Mill. $
Ausgaben: (ohne Entwicklung) 1.739 Mill. $ 1.940 Mill. $
Nettogewinn pro Start 54,5 Mill. $ 41,2 Mill. $

Man sieht schon, das die Firma sich tatsächlich an den Starts „dumm und dämlich“ verdient. Die Verdienstspanne pro Start stieg nach Prospekt vor allem durch die höhere Anzahl an Wiederverwendungen der Erststufe. Klar ist aber auch das die Website Preise nicht stimmen, wen wunderts …. Neue Träger wie die New Glenn, Ariane 6 und Vulcan bewirken, das man die Preise pro Start senken musste. Durchschnittlich heißt: Regierungsstarts + kommerzielle, Wiederverwendung + Einmalverwendung. Falcon 9 + Heavy zusammen als Summe.

Was die Bilanz immer mehr verhagelt ist der rapide steigende Posten „Entwicklung“ sprich Starship, der stieg um 63,7 % von 1835 auf 3004 Millionen Dollar an und ich denke, das wird auch 2026 so sein.

Die Firmenausrichtung

Wir nehmen SpaceX als Raumfahrtfirma wahr. Das gilt auch noch, aber der Fokus hat sich verschoben wie schon die Ankündigung von KI Satelliten durch Musk zeigt. SpaceX hat in den letzten beiden Jahren massiv in KI investiert-Sie betrieben schon zwei Rechenzentren COLOSSOS I und II mit 1 GW Gesamtstromverbrauch – immer noch klein gegenüber den Rechenzentren die alleine in Deutschland geplant werden. 2025 gab SpaceX 3.832 Millionen Dollar für Space, 4.178 Millionen für Connectivity (Starlink) und 12.712 Millionen für KI aus. Letztes Jahr machte die KI Sparte 3.201 Millionen Dollar Verlust bei Einnahmen von 6.350 Millionen Dollar, im ersten Quartal 2026 waren es 2469 Millionen Dollar Verlust bei 818 Millionen Dollar Einnahmen. Dort sieht Musk aber die Zukunft, wie die Übersicht der Märkte zeigt, die die Firma adressiert:

Marktsegment Wert „adressierbarer Markt“
AI 26.500 Mrd. Dollar
Connectivity 1.600 Mrd. Dollar
Space 370 Mrd. Dollar

Also an den Zahlen kann man schon Zweifel haben. Klar, das ist der Gesamtmarkt nicht das, was SpaceX erreichen kann, esw wird auch Mitbewerber geben und welcher Zeitraum da drin steckt ist auch nicht bekannt. Einen Hinweis kann die Sparte Connectivity geben. Da ist SpaceX sowohl was Anzahl der Kunden wie Satelliten angeht, dominierend. Diese Sparte hat als einziges Gewinne gemacht und zwar 4.423 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 11.387 Millionen Dollar bei durchschnittlich 8 Millionen Abonnenten im Jahresschnitt. Jeder Kunde hat also 1.423 $ Gewinn eingebracht. (Es gibt neben den Privatverträgen auch Business Verträge. die erheblich teurer sind aber garantierte Bandbreiten und Verzögerungen haben, die z.b. die Ukraine für ihre Terminals nutzt). Bei 1.600 Mrd. Dollar reden wir von der 140-fachen Summe, also selbst. wenn diev 1.600 Mrd. Umsatz einen Zeitraum von 10 Jahren abdecken, müsste SpaceX 14-mal mehr Kunden haben als heute um nur den Umsatz zu erreichen.

Noch spekulativer ist die AI, zumal der Kurs mit Satelliten im Orbit sehr unwirtschaftlich klingt. Als Begründung wird gesagt das dort die Energie fünfmal ertragreicher wäre. Aber zum einen ist das Falsch – es gibt 4.320 Sonnenstunden im All bei 30 % höherer Intensität, gegenüber 2.500 Sonnenstunden im Idealfall auf der Erde (bei uns 1.500 bis 2.000 pro Jahr) zum anderen sind die Energiekosten nicht der Hauptkostenfaktor bei KI, die Karten kosten zwischen 10.000 und 40.000 pro Stück, haben aber Energiekosten von nur 300 bis 400 Euro pro Jahr und es gibt neben Solarstrom auch andere Stromlieferanten die anders als im Weltraum auch 24/7 zur Verfügung stehen. Die neuen 10 GW KI-Rechenzentren in den USA wollen z.B. 9 GW Gaskraftwerke bauen.

SpaceX Finanzen

Interessant ist der Blick auf die Finanzen von SpaceX. Die Firma mischt übrigens recht geschickt die Zahlen. Manchmal werden nur das erste Quartal von 2025 und 2026 verglichen um Zuwachs zu zeigen, manchmal geht es zurück bis 2023, doch das ist die Ausnahme. So sollen wohl schlechte Jahre verschleiert werden.

Alle Bereiche machen Verluste bis auf Starlink. Das verwundert beim Launch Service / Space, doch hier schlagen die Entwicklungskosten vom Starship durch:

1 Quartal 2026 1 Quartal 2025
Einnahmen 619 865
Ausgaben für Einnahmen 281 297
Entwicklung + andere Kosten 1000 638
Bilanz -662 -70

An anderer Stelle steht das Entwicklungskosten 63 % der Ausgaben für „Space“ ausmachten. Alleine 2025 soll das Starship 3 Mrd. Dollar gekostet haben, insgesamt bisher 15 Mrd.

AI macht bisher nur Verluste:

1 Quartal 2026 1 Quartal 2025
Einnahmen 818 727
Ausgaben für Einnahmen 456 456
Entwicklung + andere Kosten 2831 1207
Bilanz -2469 -936

Der einzige profitable Bereich ist Connectivity, also Straflink:

1 Quartal 2026 1 Quartal 2025
Einnahmen 3257 2475
Ausgaben für Einnahmen 1651 1214
Entwicklung + andere Kosten 418 228
Bilanz 1188 1033

In der Gesamtbilanz macht SpaceX Verluste

2025 (Mill. $) 2024 (Mill. $) 2023 (Mill. $)
Einnahmen: 18.674 14.105 10.387
Ausgaben: 21.263 13.549 13.892
Einnahmen/Verlust aus Operationen -2.589 466 -3.505
Bilanz -4.937 791 -4.628

Nur 2024 gab es einen kleinen Gewinn, 2025 und 2023 massive Verluste und das scheint, auch wenn man die in den letzten Jahren spärlich publizierten Daten ansieht schon vorher so gewesen sein. Alleine in den letzten drei Jahren reden wir von 9 Milliarden Dollar Verlust. Klar ist das Starlink sowie die AI-Satelliten vom Starship abhängen, das belastet die Bilanz zum Einen. Zum andern sieht es nicht so aus, als würde das Starship das liefern, was man sich erhofft. Erdgebundenes KI könnte Gewinn abwerfen, klar ist das die Hardware erst mal kostet, dann aber nur geringe Betriebskosten verursacht, doch das rechtfertigt sicher nicht den enormen Firmenwert der nach der Schätzung mit (im Mittel) 1.750 Milliarden angegeben wird. Bei aktuell 10.607 Beschäftigten (jeder Beschäftigte müsste also 164 Millionen Dollar zum Firmenwert beitragen).

„Space“ könnte lukrativ sein ohne das Starship, generiert aber nur 1/20 der Gesamteinnahmen die sowieso recht klein sind für eine so hoch bewertete Firma. 200 der 500 größten US-Unternehmen haben mehr Umsatz als SpaceX. NVIDIA als vergleichbares Unternehmen, was den Börsenwert bei kleiner Mitarbeiterzahl angeht, machte im ersten Quartal dieses Jahres 85,3 Mrd. Dollar Umsatz bei 58,3 Mrd. Dollar Gewinn (also rund 2/3 des Umsatzes!) und keine Verluste.

Die Einnahmen aus Starlink dürften auch sinken, wenn die Satelliten ersetzt werden müssen, schon jetzt sind ja nur 75 % nach Prospekt aktiv. Derzeit steigt die Satellitenzahl an, aber wenn die Satelliten die in den letzten Jahren gestartet wurden, ersetzt werden müssen, erzeugt das nur Kosten, bringt aber keine neue Kapazität und damit nicht neue Kunden.

In der Summe halte ich den Firmenwert bei weitem überschätzt, selbst wenn sich alle Prognosen erfüllen sollten. Vor allem sprechen die Fakten eine eindeutige Sprache: Die Firma macht Verluste und das seit Jahren, wie sollen Anleger dann jemals eine Dividende sehen, Firmen die Verluste machen, verlieren zudem an Marktwert, der Kurs fällt, steigt nicht, da wird es auch nichts damit auf steigende Kurse zu hoffen. In dem aufgerufenen Preis für die IPO ist das Wachstum der nächsten Jahrzehnte schon eingepreist.

Elon Musk trägt dazu bei, indem er immer, wenn es schlechte Neuigkeiten gibt ein neues Projekt, das noch nicht mal angefangen ist, aus dem Hut zaubert. Nicht neu bei SpaceX, sondern auch bei Tesla die nun humanoide Roboter bauen sollen, wenn man schon keine Autos verkauft. Klar eine schöne Idee, nur haben andere Firmen schon so was entwickelt. Merz bekam bei seiner Chinareise welche vorgeführt, die Unitree schon entwickelt hat. Das wäre doch was für unsere Autobauer und würde dem Schimpfwort Technologieoffenheit eine ganz neue Bedeutung geben. Wirtschaftsministerin Reiche, die das Wort dauernd in den Mund nimmt, kann es nicht mal korrekt aussprechen. Schaut euch Extra 3 ab 00:45 (also fast am Anfang) an: Reiche spricht von „Technogieoffenheit“. Bei ihr wird sogar bei den Silben gespart. Aus den meisten von Musks Ideen ist nichts geworden, nur wenige wurden überhaupt angegangen wie Hyperloop.

Für alle SpaceX Fans noch ein Hinweis: europäische Anleger können keine Aktien direkt kaufen, da müsstet ihr euch an einem Fond beteiligen, der die Aktie im Portfolio hat.­

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