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Andy Grove

Einleitung

Die Geschichte des PC ist eng an einige Namen gebunden - Pioniere, Visionäre oder knallharte Geschäftsmänner. Zu letzteren gehört mit Sicherheit Andy Grove. Dieser Artikel befindet sich auch in druckbarer Form als PDF Datei zusammen mit anderen Kurzbiographien in dem Dokument "Väter des PC"

Andy Grove

Andy Grove1968 machten sich Robert Noyce - Manager und Gordon Moore - Chef der Entwicklungsabteilung - bei Fairchild selbstständig und gründeten Intel. Grund war, das beide sahen, das man bei Fairchild wie auch anderen Computerfirmen die Vorteile der 1961 entdeckten integrierten Schaltung kaum ausnutzte. Sie hatten kein Problem als schon erfolgreiche Geschäftsleute das Gründungskapital von 2.5 Mill. USD zusammen zu bekommen, bald holten sie den Generaldirektor von Fairchild Andy Grove nach, der seitdem die Geschäfte von Intel führt. Andy Grove wurde im Jahre 1936 in Ungarn geboren. Seinen echten Name Andras Grof legte er ab, als er 1957 in die USA einwanderte.

Die beiden Unternehmensgründer stehen in Popularität Grove nach, der gerne für Reklame auch in knallbunte Reinraumanzüge schlüpft. Moore ist jedoch bekannt geworden durch seine Regel, die man heute als Moorsches Gesetz gerne zitiert: "Alle 18 Monate verdoppelt sich die Transistormenge auf einem Chip und damit auch die Leistung". Diese 1968 aufgestellte Regel stimmt zumindest in der Tendenz, seit 1971 hat sich die Transistorzahl von Intel Prozessoren alle 26 Monate verdoppelt. Noyce schied schon im Jahre im Jahre 1979 aus dem Unternehmen aus und starb 1989 an Krebs. Moore trat seinen Posten als CEO im gleichen Jahr an Grove ab, der schon lange vorher die Unternehmenspolitik bestimmte.

Intel war vom Start ab erfolgreich: Die ersten Chips waren Speicherbausteine und ROMs. Der kommerzielle Erfolg kam 1969 mit dem Intel 1103 - einem 1 Kilobit statischem und 1970 mit dem Intel 1113, einem 1 Kilobit dynamischen RAM. Bisher waren Speicher durch kleine Eisenringe (Ringkernspeicher) realisiert worden die auf den Kreuzungspunkten eines Drahtnetzes lagen. Ein teurer, langsamer und voluminöser Speicher. Zum Markterfolg wurde schließlich das EPROM. Es wurde erfunden als man nach einem Fehler suchte, der den Ausfall von Chips verursachte. Es zeigte sich, dass man die Ursache als Basis für einen Baustein verwenden konnte, der seinen Inhalt nach dem Schreiben behält und durch UV Licht gelöscht werden konnte. Dies revolutionierte die Herstellung von ROM's, da man nun eine Neuprogrammierung innerhalb von Stunden durchführen konnte, anstatt eine neue Maske zu entwickeln, was Wochen dauerte. Intel war bald Marktführer bei den RAM Bausteinen und EPROMs.

Intel 4004 Eher beiläufig kam es zu der Entwicklung der Sparte die heute das Hauptgeschäft von Intel ausmacht: Den Prozessoren. 1971 bekam Intel den Auftrag von der Firma Busicom eine Schaltung für einen Tischrechner zu entwickeln. Dies wurde damals so realisiert, das man eine Schaltung entwarf die auf Druck von Taste "X" eine Aktion "Y" durchführte. Doch es gab Probleme, das ganze war so komplex, das man mehrere Schaltkreise gebraucht hätte und es wäre umständlich und teuer gewesen. Doch man hatte eine Idee: Anstatt direkt auf die Tasten zu reagieren entwarf man eine Schaltung mit einfachen Befehlen, die beim Druck auf eine Taste in einem ROM nachschaute welche Befehle sie ausführen musste um die Aktion durchzuführen. Als 1971 die Schaltung fertig war, befand sich Busicom in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und wollte sie nicht mehr, inzwischen hatte man bei Intel auch bemerkt, das man nicht einen Tischrechner gebaut hatte, sondern einen Chip der so tat als wäre er ein Tischrechner, und somit auch andere Aufgaben übernehmen konnte. Man kaufte die Rechte für 60.000 USD von Busicom zurück und brachte das Produkt als "Intel 4004" auf den Markt. Seitdem feiert sich Intel selber als "Erfinder des Mikroprozessors.". Leider hat Intel den Mikroprozessors nicht erfunden, dies geschah schon 3 Jahre vorher in den Entwicklungslabors von Texas Instruments. Allerdings konnte der Ingenieur die Chefs nicht von der Tragweite seiner Erfindung überzeugen, so das man sie zwar patentierte, aber kein Produkt auf den Markt brachte. Texas Instruments hatte mit seiner TMS 1000 Serie jedoch den größeren Markterfolg als Intel. Zum einen weil sie nicht nur den Prozessor herstellten, sondern fertige Tischrechner die den Prozessor verwendeten, zum anderen weil Sie später auf Basis des TMS 1000 den ersten Mikrocontroller (mit einem ROM und einem RAM auf dem Chip) entwickelten.

8080 Intel 4004 war für viele der Einstieg in die Computerei, so auch für Gary Kildall und Bill Gates. Die Leistung des 4 Bit Prozessors war jedoch noch zu gering für echte Anwendungen. Dies änderte sich mit Intels zweitem 8 Bit Prozessor dem 8080. Doch nun war Intel schon nicht mehr alleine auf weiter Flur. Zwar gab es bei den 4 Bittern bald den Konkurrenten TMS-1000 doch den nutzte Texas Instruments nur, um damit Tisch- und Taschenrechner zu bauen und eroberte damit praktisch alleine den gesamten Markt. Bei den 8 Bittern gab es aber mit Motorolas 6800 schon echte Konkurrenz. Beide Firmen sahen in den 8 Bit Prozessoren vollwertige Rechner die als Konkurrenz zu den Minicomputern gedacht waren - sie wurden teuer verkauft. Intel setzte lange Zeit als Erstpreis für jeden neuen Prozessor 360 USD an - in Anlehnung zu IBMs Verkaufsschlager dem System /360.

Nun kam der Zufall den Unternehmen zu Hilfe: Als Ed Roberts seinen Altair 8800 konstruierte wählte er den 8080 als Prozessor und nicht den 6800. Man glaubte bei Intel nicht an einen Erfolg, schließlich hatte man sich intern schon mit dem realen Nutzen eines Computers für Privatpersonen beschäftigt und nicht viel mehr als das Abspeichern von Kochrezepten als Anwendung gefunden. Doch der Altair wurde nicht nur zum Erfolg, er wurde auch zum Standard, zahlreiche andere Computer die danach erschienen, basierten auch auf dem 8080.

Doch Intel bemerkte rasch wie schnell sich der Markt wenden konnte. Schon 1976 sank die Gunst der Käufer. Zuerst erschien der 6502 Prozessor von MOSTEK, er wurde für 25 USD anstatt 179 USD (für den 8080) verkauft und fand dadurch bald reisenden Absatz. Es gab bald auch Computer die auf diesem Chip basierten, als Paradebeispiel der Verkaufsschlager Apple II. Zum anderen hatten sich aber Ingenieure von Intel die den 4040 entwickelt hatten, selbstständig gemacht und die Firma Zilog gegründet. Ihr erstes Produkt der Z80 war sofort ein voller Erfolg. Für Hardwareproduzenten war der Chip interessant weil er die gesamte Logik für die Ansteuerung der billigen DRAMs integrierte, auch beinhaltete er den Taktgenerator. Damit sparte man 2 Chips gegenüber dem 8080 ein. Für Softwahrentwickler war interessant das der Z80 softwarekompatibel zum 8080 war, jedoch neue Befehle und Register hatte, die das Programmieren vereinfachtem. Bald war Intel nicht mehr in neuen Systemen vertreten, daran änderte auch eine verbesserte Version des 8080 der 8085 nichts.

8086 Andy Grove hatte auf das falsche Pferd gesetzt. 1975 begann Intel mit der Entwicklung des I432, eines 32 Bit Prozessors, mit dem man wirklich den Großrechnern Konkurrenz machen wollte. Doch die Entwicklung zog sich hin, das Design war zu komplex und erst 1983 erschien der Chip. Inzwischen boomte aber der 8 Bit Prozessorenmarkt und Intel partizipierte nicht daran. Nun begann man in aller Eile einen neuen Prozessor zu bauen, der die Kunden an der Stange halten sollte bis der I432 fertig war. In nur 3 Wochen war das Design des 8086 fertig. Das ging deswegen so rasch, weil der Rechner zwar nominell ein 16 Bit Prozessor war, aber das Design nur von den 8 Bittern übernommen wurde. So konnte man wie bei einem 8 Bitter nur max. 64 Kilobyte Speicher am Stück ansprechen. Es gelang zwar 1978 vor der Konkurrenz Motorola am Markt zu sein, aber als 1979 der MC 68000 erschien, mit durchdachtem Design wehte Intel der Wind ins Gesicht. Sehr bald bemerkte man das Kunden den MC 68000 vorzogen, er war billiger, dreimal so schnell, unkomplizierter und technisch überlegen: Er adressierte 16 MB anstatt 1 MB ohne die 64 Kilobyte Segmente wie der 8086.

Andy Grove gab die Devise zur Operation "Crush" aus: Motorola platt machen, koste es was es wolle. Da der 8086 erwiesenermaßen schlechter als der 68000 war, tat man dies mit Ankündigungen für einen neuen 32 Bit Prozessor, den Intel 432 (auch bezeichnet als IAPX 432 oder I432), der als wahres Wunderwerk beschrieben wurde. Die Botschaft lautete "Lieber Kunde, Kauf jetzt einen 8086 und steige später auf der I432 auf, dann hast Du keine Probleme mit der Übertragung der Software". Außerdem brachte man eine Variante des 8086 den 8088 mit 8 Bit Bus auf den Markt um diesen in die bestehenden 8 Bit Rechner integrieren zu können. Damit die Rechenschwäche des 8086 nicht so auffiel kündigte man einen Coprozessor an, der diese 5 mal schneller als ein 68000 erledigen sollte - nur es gab ihn nicht mal auf dem Papier, er erschien erst 1983 als Intel 8087 und war dann 5 mal so teuer wie der 8086 selbst.

Bei den meisten Herstellern von Computersystemen änderte Operation Crush wenig. 1980, als sie anlief, kamen die ersten Workstations von Sun, HP und Silicon Graphics heraus - mit dem 68000. Bei dem von 8 Bittern dominierten PC Markt war es so, das man noch nicht einmal deren vollen Speicher bei den meisten Rechnern ausgenutzt hatte. Das Interesse an einem 16 Bit System war daher gering.

Doch Intel hatte IBMs Aufmerksamkeit erregt. Wie in anderer Stelle auf dieser Website zu lesen entstand damals gerade das Konzept des Acorn, der später als IBM PC auf den Markt kommen sollte. Das grundsätzliche Problem war, das ein neuer 8 Bitter auch von IBM eben nur ein 8 Bit System unter vielen sein würde. Die 16 Bit Prozessoren von Motorola, Zilog oder National Semiconductor wären aber in der Leistung schon zu nahe an IBMs größeren Rechnersystemen gewesen. Der 8086 war genau richtig: Ein 16 Bit System mit nur wenig mehr Leistung als ein 8 Bit System, und in der Version 8088 konnte man sogar die 8 Bit Peripherie übernehmen.

80286IBM legte jedoch Wert auf eine Unabhängigkeit. Wenn IBM den 8088 einsetzen sollte so musste es noch mindestens einen weiteren unabhängigen Hersteller geben. Dies führte dazu das die Technik des 8086 an AMD lizenziert wurde. (Daneben gab es andere Lizenznehmer wie Harris, National Semiconductors und auch Siemens fertigte den Prozessor in Lizenz). Mit dem 8086 wurde Intel riesig und die Prozessorsparte verdrängte die anderen Geschäftsfelder. Intel gewann dadurch, das es immer mehr IBM PC kompatible gab, die andere Computersysteme verdrängten. Doch auch die Konkurrenz war nicht zu vergessen: Zahlreiche Firmen wie AMD, Harris, NEC oder National Semiconductor bauten 8086 kompatible Prozessoren. Intel zog nach mit dem 80186 - Keine Architekturweiterung nur die Integration zweier externer Bausteine und dann mit dem 80286, der 1982 erschien, doch erst als 1984 der IBM AT erschien, wurde der Prozessor zum Erfolg. 1985 kam der 80386 heraus mit dem man die 286 Clones von Harris und AMD verdrängen wollte. Doch die ersten Exemplare erreichten keine 16 MHz Takt und mussten als 12 MHz Version verkauft werden, das passierte auch bei den ersten Pentiums. Doch es gab ein Problem: Derzeit unterstützte keine Software die Modi des 286 er, geschweige denn die 32 Bit des 386 er. So verkauften diese sich schleppend.

80386 (DX) Andy Grove kam auf einen Marketing Trick der seitdem immer wieder von ihm verwendet wird: Er kreierte ein Produkt speziell für den Low Cost Markt, mit abgespeckter Leistung, aber dem Namen des zugkräftigen High End Produktes. Dies war beim dem 386 er der 386 SX - nur mit 16 Bit Bus nicht schneller als ein 286 er. Er verkaufte sich dank des Marketings " 3 ist mehr als 2 " sehr gut. 1993 dann dasselbe Spiel mit einem 486 SX - ohne Coprozessor und nur mit 16-25 MHz Takt und 1998 dann der Celeron - ohne Cache. Bestimmend für diese Taktik war die Angst Andy Groves: " Only the paranoide survive ", denn selten hatten die Konkurrenten mehr als ein einstellige Prozentzahlen als Anteil und machten im unteren Preissegment auch nicht die Gewinne von Intel.

Gleichzeitig stieß Intel andere Fertigungsstraßen ab. Obwohl die Firma das DRAM erfunden hatte hinkte es der Enzwicklung hinterher und im Jahre 1979 als Japan erstmals das 64 KBit RAM auf den Markt brachte war es noch 2 Jahre von einem eigenen 64 KBit RAM entfernt. Der Grund war, dass man sich zu wenig um die Qualität der Fertigungsprozesse kümmerte, ganz einfach deswegen weil Mikroprozessoren einen so enormen Gewinn versprachen, das es egal war ob der Ausschuss 15 oder 5 % betrug. Der DRAM Bereich wurde zusehends zu einem Zuschussgeschäft und wurde 1986 abgestoßen. Im Jahre 1989 ging es der EPROM Sparte genauso.

Mit dem Pentium gelang es die Konkurrenz weitgehend auszustechen, er baute nicht mehr auf dem 486 er Kern auf, wodurch die Lizenzbauten (die Intel durch Prozesse verhindern wollte, dabei aber letztlich unterlag) letztlich zur Makulatur wurden. Die Konkurrenz musste nun eigene CPUs entwickeln und die meisten gaben diesen ruinösen Wettbewerb auf. Einzig AMD schaffte es. Ungewollte Schützenhilfe erhielt AMD durch Intel selbst. Durch den Wechsel von Sockel und Boards bei fast jeder Verbesserung des Pentium war es relativ egal, das AMDs Athlon einen eigenen Sockel und Chipsatz brauchte. Der Name Pentium wurde auch gewählt, weil man vor Gericht erfolglos gegen AMD klagte die Bezeichnung "386" nicht in ihrem Prozessor "Am386" zu verwenden. Zahlen waren nicht markenrechtlich geschützt. Der Name Pentium dagegen schon.

Sehr oft gingen die Schnellentwicklungen aber nach hinten los. Erste Baumuster der 386 und Pentium schafften die anvisierten Takte nicht, zehntausende von 486 er mussten wegen fehlerhafter Fertigung zu Schlüsselanhängern umgearbeitet werden. Am teuersten mit einer halben Milliarde USD an Kosten war aber ein Bug im Pentium, der sich bei bestimmten Zahlen verrechnete.

Nachdem Grove Intel in den achtziger Jahren zum reinen Prozessorlieferanten machte, kam in den 90 er ein umdenken. Er begann Gewinne in andere Geschäftsfelder zu lenken und dort durch Aufkäufe von Firmen, Patenten oder Lizenzen aktiv zu werden. Das betraf die PC Komponenten wie Chipsätze, Speicherchips, Festplatten und Grafikbausteine wie auch Know-How im High End Bereich. Intel entwickelte hochgradig parallele Superrechner wie ASCI Red und nutzte das Know-How für Mehrprozessorsysteme wie die Xeon Serie. "Chipzilla" ist heute auch führend bei den Chipsätzen. In anderen Bereichen wie der Einführung des RAMBUS oder der integrierten Grafiken ist der Erfolg ausgeblieben. Auch dahinter steckt eine strategische Idee: In den neunziger Jahren hatte Intel praktisch alle Konkurrenten vom Markt verdrängt. Damit man nun mehr verdienen konnte musste man dafür sorgen, dass die Kunden schneller einen PC kauften. Dies geschah mit Ideen wie dem Overdrive Prozessor (Ein 486 mit intern verdoppeltem Takt den man einfach gegen den bisherigen 486 austauschen konnte) aber auch der eigenen Entwicklung von Chipsätzen die so schon bei Markteinführung des Pentiums zur Verfügung standen und es vor allem kleineren Firmen möglich machten zur gleichen Zeit wie die großen einen Pentium PC auf den Markt zu bringen. Die Lebensdauer eines PC nahm dadurch ab und Intel konnte mehr Prozessoren verkaufen.

Auch hat man in der Neuzeit den Markt falsch eingeschätzt. So wurde mit enormen Aufwand der Itaniumprozessor als neuer 64 Bit Prozessor entwickelt. Obgleich seit der zweiten Version auch die Performance stimmt ist der Markterfolg bislang ausgeblieben, weil der Prozessor schlicht und einfach zu teuer ist. Dagegen konnte AMD mit einem auf 64 Bit aufgebohrten Athlon namens Opteron sehr schnell große Marktanteile gewinnen und mit diesem auch auf dem PC Markt erfolgreich sein. Inzwischen hat Intel die 64 Bit Erweiterung von AMD lizenziert im Austausch dafür darf AMD die SSE2 Erweiterung nutzen.

Intel und die Software

Noyce, Grove und Moore mit dem Intel 4004 SchaltplanEin trauriges Kapitel war die Zusammenarbeit des Hardwareproduzenten Intel mit Softwarelieferanten. Die erste große Schlappe kam schon beim 8080 Prozessor. Propagiert als Konkurrenz für große Maschinen schrieb Intel ein Betriebssystem namens ISIS dafür, das es dem Anwender ermöglichte in Hochsprachen den Rechner komfortabel zu programmieren. 1976 bot Gary Kildall Intel sein CP/M an. Man lehnte ab, denn ISIS war aus Intels Sicht das bessere System. Nur ISIS war nicht für kleine PCs mit wenig Speicher geschrieben sondern für gut ausgebaute Maschinen. Der Markt auf dem der 8080 sich aber verkaufte, war der von kleinen Computern für Privatleute und als Controller in Ampeln und Tankstellen. Im Jahre 1976 hatten Rechner typischerweise 4-8 KByte Speicher. CP/M wurde zu einem kommerziellen Erfolg. Dem ersten der Intel durch die Hände glitt. Die meisten Rechner mit CP/M liefen zudem noch mit den Prozessoren des Konkurrenten Zilog.

1980 schließlich will IBM den PC bauen und Bill Gates wendet sich an Intel um Schützenhilfe zu bekommen, damit Intel ein gutes Wort für Microsoft bei IBM einlegte. "Mein Chef, Chuck McMinn, kommt eines Tages in mein Büro und knallt mir ein Handbuch auf den Schreibtisch", erinnert sich John Wharton. " Und erzählt mir, eine Firma irgendwo im Norden versuche Intel dazu zu bewegen, ihr Betriebssystem zu lizenzieren oder zu unterstützen.". Zwei Tage darauf hatte sich Wharton mit MSDOS vertraut gemacht, das später zur meistverkauften Software überhaupt werden sollte, und kam zu einem knallharten Urteil. " Meine Empfehlung war ein uneingeschränktes Nein. Diese Leute sind Spinner. Sie machen nichts wirklich Neues und sie haben keine Ahnung von dem, was sie tun. Ihre Ansprüche sind ziemlich niedrig, und es ist nicht einmal sicher, ob sie wenigstens die eingelöst haben." Whartons negativer Eindruck wurde verstärkt durch das Chaos, das er bei einer eintägigen Besprechung mit Microsoft-Entwicklern in Seattle zu sehen bekam. Von da an musste Bill Gates feststellen, dass Intel seine Anrufe nicht mehr erwiderte. (Quelle: Inside Intel von Tim Jackson)

In der Folgezeit gab es für Intel ein großes Problem: Die Schere zwischen Software und Hardware klappte auf. Was nützte es wenn Intel mit dem 80286 Prozessor lineare 16 MB Adressierung einführte, wenn auf den Maschinen weiterhin DOS mit 640 K Maximalspeicher lief? 1985 folgte der 80386 Prozessor mit 32 Bit Adressierung, Multitasking.... Nur : Noch immer lief DOS auf den Maschinen. Als nun Microsoft 1995 endlich Windows 95 ankündigte, witterte man Morgenluft: Endlich ein Betriebssystem für den Massenmarkt, welches die 32 Bit Befehle effektiv nutzte, die Intel vor 10 Jahren eingeführt hatte. So machte es Sinn den Nachfolger des Pentium, den Pentium Pro auf 32 Bit Befehle zu optimieren. Als er im November 1995, zwei Monate nach Windows 95 erschien kam aber die Ernüchterung sofort. Erste Benchmarktests zeigten, das ein 150 MHz Pentium Pro langsamer als ein Pentium 120 war, dafür aber um ein mehrfaches teurer. Sehr bald zeigte sich die Ursache: Wesentliche Teile des Windows 95 waren eben nicht "32 Bit" sondern verwendeten 16 Bit Befehle welche die Befehlswarteschlange des Prozessors aufhielten.

Intel und Microsoft werden vom Verbraucher als zwei Firmen gesehen, die zusammen arbeiten um andere Hard- und Softwareproduzenten das Leben schwer zu machen. Doch dies ist mehr eine Zweckehe als eine Allianz. Intel versuchte Ende der achtziger Jahre vergeblich Microsoft zu bewegen den 386 er besser zu unterstützen. Die Pentium Pro Schwäche bei Windows 95 zeigte auch, dass sich daran einige Jahre später nichts geändert hatte. Versuche Intels Audiofunktionen in den Prozessor zu integrieren wurden von Microsoft abgebügelt indem sie signalisierten, dass sie in Windows diese Technologie nicht unterstützen würden. Noch heute nutzt Windows die Multimedia Erweiterungen MMX, SSE, SSE2 nur rudimentär und Microsofts Compiler sind hier auch keine Ausnahme.

Intel hat dazugelernt und sorgt dafür das bei der Einführung des 64 Bit Itanium Prozessors es auch Betriebssysteme gibt die ihn unterstützen. Darunter auch Linux und nicht nur Microsoft Produkte. Man hat in den letzen Jahren auch neue Geschäftsfelder erschlossen. Neben Speicher und FLASH Speicher (ein boomendes Geschäft angesichts dessen dass diese Bausteine in jedem USB Stick, jeder Speicherkarte, jedem Handy und vielen MP3 Playern stecken) baut Intel heute auch Chipsätze und Grafikchipsätze. Seit dem PCI Bus legt Intel auch die Hardwareentwicklung des Motherboards fest: Seien es Steckplätze (PCI, PCI-X, AGP, PCI Express) oder der Formfaktor (ATX, BTX). Zeitweise erwog die Firma auch Festplattenanbieter zu werden, dann hätte sie fast alle Komponenten eines PC hergestellt. Nur die Software überlässt Intel nach wie vor Microsoft. Daher werden beide Firmen auch gerne als Kartell gesehen. Dies ist nicht von der Hand zu weisen, denn für den Itanium gab es von Anfang an eine neue Version von Windows. Dagegen gibt es 2 Jahre nach Einführung des Athlon 64, der weit näher mit der alten 32 Bit Architektur verwandt ist noch kein 64 Bit Windows. Dies ist erst für den Herbst 2005 angekündigt - just dann wenn Intel seinen ersten 64 Bit Prozessor mit AMD64 Erweiterung auf den Markt bringen will: Ein Schelm wer arges dabei denkt...Daneben wird man die 32 Bit Linie noch weiterführen.

Intel inside

Wer das Buch "Inside Intel" durchgelesen hat bekommt einen Eindruck warum Intel so erfolgreich ist. Neben Glück und Versagen der Konkurrenten, war es auch ein gutes Marketing. So konnte die Kampagne "Intel inside" seit Beginn der neunziger Jahre zum Beispiel die Zeit bis ein neuer Prozessor mehr als 50 % Marktanteil am x86 Gesamtmarkt beim Pentium von 5.5 Jahren beim 386 über 4.5 Jahre beim 486 auf nur 1 Jahr beim Pentium zu senken. Da es anfangs noch keine Konkurrenz gab und man neue Prozessoren sehr teuer verkaufen kann hat dies Intels Gewinn enorm gesteigert. Intel wurde aber auch erfolgreich durch Klagen gegen die Konkurrenz wie AMD. Zwar waren diese selten erfolgreich, aber sie kosteten AMD Millionen und hielten die Markteinführung von Konkurrenzprodukten teilweise über Jahre auf. Anfang bis Mitte der neunziger Jahre klagte Intel gegen fast jeden, sogar gegen die eigenen Kunden, wenn diese AMD Chips einsetzten.

Auch intern arbeitet Andy Grove mit zweifelhaften Mitteln. So gibt es monatliche Leistungsbeurteilungen durch den Vorgesetzten. Fallen diese zweimal "unterdurchschnittlich" aus, so wird man in der Regel entlassen. Dieses Mittel wird auch benutzt um Mitarbeiter welche die 40 überschritten haben durch schlechte Beurteilungen los zu werden. Auf diese Weise trennt sich Intel ständig von den 10 % der Mitarbeiter die vermeintlich oder tatsächlich am Ende der Leistungsskala liegen. Kommt ein Mitarbeiter nach 8 Uhr, so muss er sich in eine "Verspätungsliste" eintragen, egal ob er erst um Mitternacht nach Hause fuhr oder eine reguläre 40 Stunden Woche hat.

Intel genehmigte in seinen Betrieben nichts was nicht unmittelbar mit der Arbeit zu tun hat. Als Terry Oppendyk, Schöpfer des 8086 Prozessors einmal zu einer Besprechung Ingenieure aus der Hardwareecke und Softwareecke in eine Bowling Bahn einlud und dabei gemischte Teams aus beiden Lagern bildete - mit dem Effekt dass sich beide Abteilungen besser kennen lernten und nicht mehr gegeneinander arbeiteten, bekam er einen Rüffel weil die Besprechung auf einer Bowling Bahn stattfand. Das rieche zu sehr nach Freizeit. In Intels Fertigungsbetrieben wurden erst Anfang der neunziger Jahre Duschen installiert und jedes Jahr gab es kurz vor Weihnachten ein Rundschreiben von Grove, intern "Onkel Dagoberts Weihnachtsgruss" genannt, in dem er darauf hinwies, dass der 24.ste Dezember ein regulärer Arbeitstag sei.

Kündigt ein Mitarbeiter dagegen von sich aus und trägt sich mit dem Gedanken selbstständig zu werden, so wird ihn Intel mit Klagen überziehen, um zu verhindern, dass er eine Firma gründet die Intel irgendwie Konkurrenz machen können. Andy Grove selbst wird als cholerisch beschrieben, der in Besprechungen Leute zusammenschreit.

Die Managementmethode von Grove ist "Intel Management by Objectives". Jeder Mitarbeiter bekommt von seinem Vorgesetzten Ziele definiert, die er erfüllen muss. Schafft er dies nicht so muss er darüber Rechenschaft ablegen. Sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Leistungsbeurteilung wie oben erläutert auch dazu dient Mitarbeiter zu feuern. Über diesen Weg trennt sich Intel permanent von den 10 % der Mitarbeiter die am wenigsten produktiv sind (oder einfach nur mit ihrem Chef nicht auskommen). Mit seinem Ausspruch "Nur die Paranoiden überleben" definiert Grove auch eine Haltung der permanenten Angst das Unternehmen könnte den Bach herunter gehen. Neben dem positiven Aspekt auch neue Wege zu erforschen - schließlich könnten daraus zukünftige Produkte werden. drückt sich dies vor allem in einer Prozesslawine aus die von Intel ausgeht. Jeder potentielle oder echte Konkurrent wird von Intel mit Klagen überzogen die nur den Sinn haben seine Marktposition zu schwächen oder den Start von Produkten zu verzögern. Die meisten Verfahren hat Intel verloren doch es ging ja nicht darum sie zu gewinnen sondern dem Konkurrenten zu schaden. Die Liste solcher Verfahren ist lang und füllt beim Buch "Inside Intel" fast 200 Seiten. An dieser Stelle sei nur eines exemplarisch genannt.

Im Dezember 1997 schlossen AMD nach 10 Jahren Rechtsstreitigkeiten einen Lizenzvertrag ab, der die Streitigkeiten zwischen beiden Firmen beenden sollte. Darin bekam AMD auch das Recht in seine Prozessoren die Multimediaerweiterung MMX, die Intel entwickelte hatte in Lizenz einzubauen. Als 3 Monate später AMD ihren K6 mit MMX vorstellte reichte Intel schon wieder Klage ein weil AMD in der Werbung von MMX sprach, welches ein Warenzeichen von Intel sei. Diesen Prozess verlor Intel, weil zum einen MMX nicht als Warenzeichen eingetragen war und zum anderen die Verbraucher es nicht als ein Produkt von Intel sondern ein Teil einer Prozessorarchitektur sahen. Aber alleine die Klage zeigt schon wie Intel denkt: Obgleich man gerade eben einem Konkurrenten das Recht gab ein Produkt in Lizenz zu fertigen versucht man als nächstes wieder ihm mit fadenscheinigen Argumenten Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Auch für diese Politik steht Andy Grove, denn eines seiner Vorgaben war als Intel seinen ersten Justiziar einstellte "Eröffnung von mindestens 2 neuen Klageverfahren pro Quartal".

Im Jahre 1997 übergab Grove das Unternehmen an Craig Barett. Seit 1998 ist Grove nur noch Aufsichtsratsvorsitzender von Intel. Gegenüber der Business Week gab Andy Grove jetzt an, 2005 endgültig in den Ruhestand gehen zu wollen.

Mehr über die Intel Prozessoren auf einer eigenen Seite!


Zum Thema Computer ist auch von mir ein Buch erschienen. "Computergeschichte(n)" beinhaltet, das was der Titel aussagt: einzelne Episoden aus der Frühzeit des PC. Es sind Episoden aus den Lebensläufen von Ed Roberts, Bill Gates, Steve Jobs, Stephen Wozniak, Gary Kildall, Adam Osborne, Jack Tramiel und Chuck Peddle und wie sie den PC schufen.

Das Buch wird abgerundet durch eine kurze Erklärung der Computertechnik vor dem PC, sowie einer Zusammenfassung was danach geschah, als die Claims abgesteckt waren. Ich habe versucht ein Buch zu schreiben, dass sie dahingehend von anderen Büchern abhebt, dass es nicht nur Geschichte erzählt sondern auch erklärt warum bestimmte Produkte erfolgreich waren, also auf die Technik eingeht.

Die 2014 erschienene zweite Auflage wurde aktualisiert und leicht erweitert. Die umfangreichste Änderung ist ein 60 Seiten starkes Kapitel über Seymour Cray und die von ihm entworfenen Supercomputer. Bedingt durch Preissenkungen bei Neuauflagen ist es mit 19,90 Euro trotz gestiegenem Umfang um 5 Euro billiger als die erste Auflage. Es ist auch als e-Book für 10,99 Euro erschienen.

Mehr über das Buch auf dieser eigenen Seite.

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© des Textes: Bernd Leitenberger. © der Bilder Intel Corporation. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.

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