Bernd Leitenbergers Blog

Ostfildern, das Hallenbad und die Politiker

Heute ist es mal Zeit für ein völlig anderes Thema im Blog, ein regionales Thema, aber ein für mich wichtiges: Das Hallenbad in Ruit macht zu! Das ist wahrscheinlich für jeden der nicht in Ostfildern oder Umgebung wohnt, unwichtig, aber ich habe mit dem Schwimmen im Hallenbad 30 Kilo abgenommen und halte auch durch regelmäßiges Schwimmen mein Gewicht. Dahinter steckt aber auch ein Politikum dass seinesgleichen sucht.

Für Außenstehende: Ostfildern ist eine künstliche Stadt aus den bis 1975 unabhängigen Gemeinden Kemnat, Ruit, Nellingen und Scharnhausen. Nach über 30 Jahren ist es noch keine Stadt im eigentlichen Sinn, denn zwischen jedem Stadtteil und dem nächsten liegen 2-3 km landwirtschaftliche Fläche oder Wald. Seit Mitte der 90 er Jahre entsteht ein neuer künstlicher Stadtteil in der Mitte, der Scharnhauser Park, auf einem früheren Gelände der US Army.


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Die Stadt hat 2005 beschlossen von den drei Hallenbädern zwei zuzumachen. Das Kemnater ist seitdem praktisch für die Öffentlichkeit geschlossen und nur für Vereine offen, das Ruiter, um das es geht, wurde seitdem von einem privaten Verein finanziert, der 310.000 Euro als Startfinanzierung aus einem Bußgeld bekam. Nun ist das Geld zu Ende und das Bad muss zu machen. Soweit so schlecht. Was mich ärgert: Die Stadt will sich praktisch aus der Verantwortung ziehen. Klar, ein kommunales Hallenbad kostet Geld und macht keinen Profit, aber es gehört eben auch zur Lebensqualität einer Stadt. Stadthallen, Büchereien und schulen kosten auch Geld und werden nicht zugemacht. Vor allem hat es der Verein fertiggebracht die Kosten rapide zu senken. Hier einige Fakten:

Anders ausgedrückt: Die Privatisierung hat den Finanzaufwand auf weniger als ein Drittel reduziert, bei viel attraktiveren Öffnungszeiten und einem besseren Angebot. Von dem Verlust entfällt die Hälfte auf die Pacht der Stadt, die vorher Miese machte und nun noch Gewinn herauszieht.

Nun will der private Verein versuchen, das Bad zu retten indem er anbietet das Nellinger mit zu betreuen. So hat man ja in Ruit schon die Kosten rapide gedrückt. Doch für den Gemeinderat kommt das nicht in Frage. Für mich ist das nur der Endpunkt in einer Stadtentwicklung die seit Jahrzehnten zentralistisch läuft:

Wohnqualität heißt für mich auch dass ich in meiner Nähe Sportmöglichkeiten habe, zu kulturellen Ereignissen komme und nicht, dass hier alles zugemacht wird und ich 3 km weit fahren muss, um schwimmen zu gehen. Dabei bin ich noch gut dran: Ich kann die Stadtbahn nutzen. Kemnater und Scharnhauser können das nicht. Neben dem zusätzlichen Zeitaufwand (vor allem abends, wenn die Bahn kaum noch fährt) ist für mich das Nellinger Bad schon alleine wegen der für Berufstätige ungünstigen Öffnungszeiten keine Alternative. Was habe ich von einem Bad, dass zumacht wenn ich abends Zeit habe?

Das ist nur der Endpunkt, in vielem was mich ärgert. Angefangen hat es mit dem Ausbau des Scharnhauser Parks. Seit die Stadt das Gelände wieder als Eigentum hat, baut sie dort im großen Still aus dem Nichts einen neuen Stadtteil für 10.000 Einwohner. Nur weil man mit dem Verkauf von Grundstücken als Baugrund gute Kasse macht. Was entsteht ist eine seelenlose Vorstadtsiedlung. Alle Häuer mehrgeschossig, mit Flachdächern, nur Mietwohnungen, keine Einfamilienhäuser oder wie es bei vielen hier heißt "Das Ghetto von Ostfildern". Die Folgen sind schon seit Jahren bei uns feststellbar: Lidl hat in den umliegenden Gemeinden alle Filialen zugemacht und dort eine neue, große eröffnet. Der Penny Markt hat dann bei uns auch noch zugemacht. Nachdem es massive Proteste gab, bekam plötzlich dann Aldi einen Bauplatz, der vorher über ein Jahrzehnt nicht möglich war, weil die Interessenvertreter des Einzelhandels im Gemeinderat blockierten. So ist die Lage beim Einkauf nun besser geworden – zumindest in Ruit. Die Kemnater schauen immer noch in die Röhre oder kommen nach Ruit.

Das die Bevölkerung unzufrieden ist, mit der Stadtverwaltung, zeigte sich schon bei den letzten OB Wahlen. Neben 3 völlig Unbekannten Kandidaten trat auch Rainer Lechner an, Finanzbürgermeister bei uns. Und obwohl er von allen Fraktionen des Gemeinderats über den Busch gelobt wurde, und vor der Wahl immer mehr "Wählt Lechner" Anzeigen erschienen, siegte der bei uns völlig unbekannte Christof Bolay im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. Das sollte unserem Gemeinderat doch zu denken geben. Charakteristisch für dieses Konglomerat aus Verwaltung und Gemeinderat ist auch, das Lechner nach der Wahlniederlage nicht abgetreten ist und immer noch Finanzbürgermeister ist. Charakteristisch ist auch, dass man von der Schließung des Bads hinten in unserem "Mittelungsblatt" informiert wird, bei den Vereinsnachrichten. Der regionalen Kreiszeitung war es einen größeren Artikel wert. Doch bei unserem Mittelungsblatt, das man wohl eher "Völkscher Beobachter" taufen sollte ist wichtiger, dass auf den vorderen Seiten mindestens ein Bild auftaucht in dem man einen Gemeinderat oder den OB sieht.

Für mich steht eines fest: Bei den nächsten Gemeinderatswahlen bekommt keiner, der derzeit im Amt ist von mir eine Stimme. Ich werde mich bei den nächsten Wahlen vorher bei jedem Kandidaten informieren in wie weit er meine Interessen vertritt, egal von welcher Partei er ist. Falls irgend jemand von Ostfildern diesen Blog liest: Überlegen sie sich ob der derzeitige Gemeinerat noch ihre Interessen vertritt: Etwa 50.000 Euro bräuchte man an Zuschuss pro Jahr um das Hallenbad Ruit zu erhalten. Der letzte Haushalt von Ostfildern weist Einnahmen von 84.4 Millionen Euro aus. Ich weiß wir: Schwaben sind phäb, aber das ist nicht phäb, das ist dumm. Für 50.000 Euro das einzige Bad zuzumachen, dass im westlichen teil der Stadt da ist, das einzige das Schwimmkurse, und von der Krankenkasse geförderte Kurse anbietet, und das einzige das auch für Berufstätige nach 8 Uhr offen ist.Aber wer weiß: Vielleicht liest das auch einmal einer unserer Gemeinderäte und es löst einige Schrauben, die vorher locker waren. Dann fällt vielleicht der Groschen….

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