Mein letzter Beitrag zu Linux hat ja mehr Kommentare als SpaceX verursacht und wieder etwas Leben in den Blog gebracht. Da es so viele Kommentare mit unterschiedlichen Gesichtspunkten sind an dieser Stelle eine Antwort an alle.
Worauf ich wetten konnte, war das irgendjemand mit der Argumentation kommt: „Linux ist so weit verbreitet in Routern und Servern“…. Wenn man den Aufsatz liest, so dürfte klar sein, dass es um von Endusern genutzte Geräte geht. Dass bei anderen Gebieten Linux besser platziert ist, ist kein Wunder. Windows gibt es z.B. nur auf der x86 Schiene und es ist immer ein grafisches System. Nur ein Minimalsystem, das nicht mal eine Textoberfläche hat wie sie ein Server oder Router braucht kann man nicht draus machen, schon alleine weil es für viele Prozessoren nicht verfügbar ist.
Der zweite Punkt ist dass bei allen anderen Einsatzgebieten nicht damit gerechnet wird, dass Enduser am Betriebssystem sind, selbst Hardware und Software installieren. Wenn ich eine administrierte feste Umgebung habe, habe ich kompetentes Personal, dass ich darum kümmert und dann ist es egal welches Betriebssystem man einsetzt.
In der Tat sehr ich auch, dass für den Normaluser die Zyklen von Linux zu schnell sind, und vieles in dem Projekt sich aufsplittert. Der normale User setzt sein Betriebssystem einmal auf: wenn er den Rechner kauft. Er will nicht jährliche Updates. Auch Windows erscheint nur alle 3-4 Jahre neu. Er wird auch mehr verwirrt, durch zig grafische Oberflächen (neben KDE und Gnome gibt’s ja noch ein paar) und der Möglichkeit verschiedenste Dateisysteme einzusetzen (ich bin nicht genau informiert was es da gibt, werfe aber mal ReiserFS, ext2 und ext3 in die Runde).
Vielfalt hat auch manchmal Tücken, zumindest bei den Kernkomponenten eines Betriebssystems wäre ein Standard besser. Bei den Distributionen geht es weiter. Manche wollen nur absolut freie Software (unter der GPL) dabei haben, was dann schon Videotreiber von Herstellern, Openoffice, Java oder anderes populäres ausschließt. Auch so verprellt man Anwender.
Ich glaube auch nicht das es die Spiele sind, weswegen Linux noch ein Nischendasein führt. Glaubt man den verkaufszahlen, so steckt nur in 10-20% der PC’s ein spiele-grafikfähiger Chipsatz. Der Rest sind Büro PC’s. Die Leute die ich kenne die einen PC nutzen spielen auch meistens nicht damit sondern skypen, surfen etc. Natürlich gibt es Spieler, doch die sind eine Minderheit der PC-Nutzer.
Selbst wenn Laptops Desktops-PC’s abgelöst haben, ändert das nichts: Im Gegenteil, auf einem Notebook Linux zum Laufen zu bekommen ist noch schwieriger als auf dem Desktop wo es weniger Chipsätze und weniger Subversionen und Hardwarebesonderheiten gibt. Ob sich jemand auf Dauer mit den 4-6″ Bildschirmen von Smartphones zufrieden gibt? Ich denke sie werden den Computer ergänzen, aber nicht ersetzen. Das ist wie mit dem Smart, der kann auch keinen Kombi ersetzen….
Das Windows normalerweise vorinstalliert ist und man Linux in der Regel selbst installieren muss kann nicht das Argument sein. Denn erstens ist die Installation von Linux ja nicht schwieriger. Zum zweiten kann ja gerade der Hersteller für die Versorgung mit Treibern sorgen. Im Gegenteil, eigentlich müsste gerade bei Herstellern daher enorm beliebt sein, denn es spart bares Geld. Windows ist im Vergleich zur Hardware sehr teuer geworden. Mein erster Windows PC kostete rund 3.800 DM, Windows 79 DM mit Handbuch (gibts heute schon nicht mehr). Der letzte kostete 479 Euro, Windows Home Premium liegt bei 78 Euro. Das bedeutet. Heute kostet Windows rund ein Sechstel eines PC, es waren mal nur 2%. Es ist also um den Faktor 7-8 teurer geworden. So würde sich mit Linux ein deutlicher Preisvorteil ergeben.
In der Tat könnten große Unternehmen und Verwaltungen hier voranschreiten. Zum einen gibt es den Kern dessen was man braucht also Office, Browser etc. auf Linux, zum andern brauchen diese oft spezielle Branchensoftware, die ab einer bestimmten Größe auch spezielle entwickelt wird und die PC’s werden administriert, es gibt also eine EFV-Abteilung. Das Problem ist dann eher die Sozialisation. Also Windows kennt fast jeder, da muss man niemanden mehr einweisen. Bisher ist da der Durchbruch ausgeblieben. Die Stadt München hat vor einigen Jahren mal getönt alle PC’s auf Linux umzustellen. Seitdem hat man aber nichts mehr gehört. Ich glaube kaum, das irgendein Abteilungsleiter wegen Bestechung entscheidet, denn so was wird zentral und weit oben entschieden, denn wenn jeder Abteilungsleiter entscheiden könnte hätten wir zig- Insellösungen.
Das Linux nichts das beste vom Ei ist, merke ich auch gerade bei meinem Programmierjob. Da setze ich eine Explorerkomponente ein, also ein Programmteil, das meinen Programmen die Funktionalität des Windows Explrers gibt. Ich brauche nur einen kleinen Teil, es geht darum Dateien markieren und zu navigieren. Seit die Firma ihr „Netzlaufwerk“ von Windows Servern auf eine Linux Samba Lösung umgestellt hat gibt es Probleme. Erst wenige, dann immer mehr. Das ich die Komponente im Quelltext hatte nützte gar nichts, denn die Exceptions kamen beim Aufruf ganz normaler Windows API Funktionen. Wohlgemerkt: Die Komponente arbeitete vorher 10 Jahre ohne Probleme und tut es bei mir immer noch. Nun dachten wir, es ist zu alt, die Komponente wurde seit 2002 nicht mehr weiterentwickelt und sind zu einem kommerziellen Produkt gewechselt. Doch das Problem blieb und beim Beobachten alternativer Explorerersatzteile, wie den Salamander gab es auch merkwürdiges Verhalten. Verschob jemand ein Verzeichnis das ich gerade offen hatte, dann bekam das der Salamander nicht mit und man konnte es noch öffne, sah aber keine Dateien mehr drin. Wir werden damit leben müssen, denn die Windows Shell werde ich bloß wegen Samba nicht neu erfinden. Notfalls muss man eben den Zugriff auf Netzwerklaufwerke sperren.
So, nun der heutige Musiktipp. Ich kam drauf weil ich heute New Girl gesehen habe und da sollten Kids den Song mit Glocken spielen – klingt echt schräg. Es ist wohl einer der bekanntesten Movie-Songs, er stammt von einem Boxerfilm – muss ich mehr sagen?