Warum tut man sich so schwer, auf etwas völlig Überflüssiges zu verzichten?

Gestern war erneut das „Klimakabinett“ aktiv. Sie haben den Ausbau der Ladeinfrastruktur und des Netzes an Wasserstoffnetzen beschlossen. Mal abgesehen davon das dies nicht in den Verantwortungsbereich der Bundesregierung, sondern der Betreiber der entsprechenden Stationen fällt, ist das wieder ein Beispiel für Aktionismus. Genauso wie die nun erhöhte Elektroautoprämie.

Wer meinen Blog regelmäßig liest, weiß ich halte sehr wenig vom Auto. Ich sehe es heute eher als Hindernis denn Vorteil an. Hindernis, weil es so viele davon gibt und es in Städten schwer ist einen Parkplatz zu bekommen und man auf den Straßen nur langsam vorwärts kommt. Trotzdem hält die Politik eisern an dem Auto fest, wegen der 813.000 Arbeitsplätze, die in der Automobilindustrie samt Zulieferern sitzen. Das ist ein typischer Fall von Betriebsblindheit. Anfang des Jahres hat die Groko ein Paket beschlossen, das 40 Mrd. Euro kostet, um den Braunkohleausstieg zu finanzieren. Aber alleine im ersten Halbjahr fielen in der Windkraftbranche durch umständlicher Genehmigungsverfahren und größere Schutzabstände 26.000 Arbeitsplätze weg, weil der Ausbau dramatisch zurückging. Die Bundesregierung zahlt also viel Geld, um Arbeitsplätze langsam abzubauen, die sowieso keine Zukunft haben und behindert aktiv eine alternative Energieform die weitestgehend emissionsfrei ist und nimmt in Kauf das dort innerhalb eines Jahres mehr Arbeitsplätze verloren gehen als man mit 40 Mrd. Euro woanders abbaut. Analog sollte die Bundesregierung mal nachrechnen wie viele Arbeitsplätze im öffentlichen Nah- und Fernverkehr entstehen, wenn alle Autofahrer Bus und Bahn nutzen müssen. Alleine die DB hat 318.000 Mitarbeiter. Dazu kommen sicherlich noch mindestens genauso viele in zahllosen regionalen Verkehrsverbünden und wenn die 27,2 Millionen PKW-Besitzer (siehe unten) alle nicht mehr mit dem Auto fahren, wage ich zu prognostizieren, wird es in dem Sektor mehr neue Arbeitsplätze geben als es heute in der Automobilindustrie gibt.

Doch kommen wir zurück zum Auto. Das die Bundesregierung da ihre schützende Hand auf die Industrie hält, ist ja nicht gerade neu. Während in den USA VW & Co Milliardenstrafen zahlen müssen, müssen Verbraucher bei uns einzeln klagen, wenn sie auch nur den Wertverlust der Diesel ersetzt bekommen wollen, die nun nahezu unverkäuflich sind. Es wäre dann auch die Weigerung ein allgemeines Tempolimit einzuführen zu erwähnen, als wäre das was Unerhörtes und nicht etwas, was es in jedem anderen europäischen Land gibt.

Die Automobilindustrie ist auch nicht schlauer. Da (ich verrate mal ein Geheimnis, das sich in deren Managementetagen anscheinend noch nicht herumgesprochen hat) Akkus viel weniger Energie speichern als in Benzin oder Diesel steckt, sollte man als schlauer Konzern die Konstruktion des Wagens anpassen, wenn die Batterie nicht enorm schwer sein soll. Und eine schwere Batterie macht das Auto schwerer, erfordert mehr Masse auch bei den Restsystemen (die Struktur muss das Gewicht ja aushalten, das Fahrwerk ebenso etc. und steigert so durch den höheren Rollwiderstand wiederum den Verbrauch. Daher sollte man, als schlauer Automobilbauer versuchen, wieder Gewicht einzusparen. Zum Beispiel, indem man von Stahl als Hauptwerkstoff auf leichtere übergeht. Kohlefaserverbundwerkstoff ist wohl nicht finanzierbar aber der deutlich billigere Glasfaserverstärker Reinststoff und nach den Datenblättern 2,1 mal leichter bei der gleichen Zugfestigkeit ist. Flugzeugrümpfe werden schon seit Jahrzehnten aus dem Material gefertigt.

Daneben könnte man die Autos auch wieder kleiner bauen. Sie wurden nicht nur schwerer, sondern auch größer. Hier ein Vergleich vom ersten mit dem aktuellen Golf:

Golf 1

Golf 7

Länge:

3705 mm

4255-4799 mm

Breite:

1610 mm

1799 mm

Gewicht:

705 – 820 kg

1205 – 1610 kg

Motorisierung: (Ottomotor)

37 – 82 kW

63 – 285 kW

Wie man sieht, ist der Wagen doppelt so schwer geworden, die Motorisierung auch. Würde man ein Elektromobil nur mal so fertigen, dass es so viel wiegt wie der erste Golf, man hätte schon viel für die Reichweite getan.

Das zweite ist das die Modelle der größeren Automobilhersteller (Sparteehersteller wie e.Go sind da schlauer) ausgelegt ein normales Auto zu ersetzen – mit der großen Reichweite und Übermotorisierung für hohe Spitzengeschwindigkeiten. Beim Tesla Modell S wiegt die Batterie alleine 600 kg, die Motoren für 562+ PS weitere 158 kg und das macht auch den Rahmen 362 kg schwer. Zusammen sind dies 1120 von 2109 kg Gesamtgewicht. Nur mal angenommen, Motor und Batterie würden halb so viel wiegen (immer noch 281+ PS und 200+ km Reichweite), dann wäre auch der Rahmen leichter, wenn es hier ein Drittel weniger wäre, so wäre das Auto um ein Viertel leichter, was die Reichweite dann auch wieder um ein Viertel erhöhen würde. Dabei wird dieses von Musks Firma gefertigte Auto wenig innovativ genauso aus Edelstahl hergestellt wie woanders auch. (Ja die DDR hat es mit dem Trabi besser gemacht….).

Meine Meinung: Das Auto ist das ineffizienteste Verkehrsmittel, das es gibt. Selbst wenn man fliegt, braucht man pro Kilometer weniger Kerosin als ein Auto Sprit. In meiner Vorstellung setzt man für kurze Strecken wie zum Pendeln zur Arbeit ein Fahrrad, E-Bike oder für ganze Faule einen E-Roller ein. Die gibt es auch in Versionen mit 45 km/h Spitze (analog Moped/Mofa) für Führerscheininhaber und schneller kommt man eigentlich bei uns in den Städten eh nicht vorwärts.

Für längere Strecken nimmt man dann Bahn / Bus. Das setzt aber ein Umdenken in der Politik voraus, die zum einen den Teil fördern sollten, der noch öffentlich ist wie Bahn, aber auch viele Verkehrsbetriebe mit Buslinien. Zum anderen würde es ja reichen, wenn alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt wären. Das heißt z. B. Autos dürfen nicht auf öffentlichem Grund parken. Das dürfen Fahrräder ja auch nicht, das heißt auch Straßen werden zugunsten von Wegen für Fußgänger und Zweiradfahrer aufgegeben. (Gleicher Platz für andere Verkehrsteilnehmer) Dann würden auch bald die Autofahrer umsteigen.

Doch das ist alles nicht neu, solche Anmerkungen finden sich auf meinen Blogs schon an verschiedenen Stellen. Neu ist, dass ich mir mal den Gedanken gemacht, was so ein Auto kostet – ich habe ja noch nie eines besessen. Also habe ich eine Seite besucht, die garantiert nicht als „autokritisch“ verrufen ist, die des ADAC. Da kann man errechnen, was einen ein Auto mit allen Zusatzkosten und Abschreibung des Werts kostet. Bei einem VW Golf VII als „Volkswagen“ kommt die Webseite beim günstigsten Modell auf monatliche Kosten über die Lebenszeit von 577 Euro. Was dann Kosten von 47,2 ct/km entspricht. Die Abschreibung (Wertverlust) macht dabei den Löwenanteil von 357 Euro aus, das entspricht einer Nutzungsdauer von 80,5 Monaten. Ich halte das für etwas wenig, aber ich denke, das ist mit Verzinsung gerechnet. Laut Focus wird ein Auto bei uns im Durchschnitt 8 Jahre lang genutzt und hat eine Lebensdauer, begrenzt durch Verschleiß von 12 Jahren (ich nehme an bei durchschnittlicher Fahrleistung, denn wenn es in der Garage steht dürft es wesentlich länger halten).

Nun mal eine Gegenrechnung. Das Jahresticket für zwei Zonen kostet bei mir 865 Euro. Damit kommt man nach Esslingen, Stuttgart und alle Vororte von Stuttgart. Damit käme ich zu allen Orten in denen ich in meinem Leben gearbeitet oder studiert habe. Daneben kann man damit auch Einkäufe erledigen, Veranstaltungen besuchen etc. Nehmen wir an es gäbe dann noch 10 Fahrten über 200 km (jeweils hin und zurück) im Jahr und man schafft sich eine Bahncard 50 an, dann kommen nochmals 400 Euro drauf. Mit (nach oben gerundet) 1300 Euro jährlich = 110 Euro pro Monat, ist man ohne Auto mobil. Das Auto ist also ein teurer Luxus.

Ich habe mir mal gedacht „wenn man das über die Lebenszeit macht, kommt man ja auf enorme Summen“ und bin auf folgende Idee gekommen: Ein hypothetischer Automobilbesitzer muss ja auch wohnen. Was wäre, wenn er in dem Alter in dem er sein erstes Auto selbst finanziert auf die Idee kommt sich eine Eigentumswohnung anzuschaffen und auf das Auto zu verzichten? Er spart ja 470 Euro pro Monat ein und wenn er dann noch die Miete einspart, dann sind das – wenn es 600 Euro sind, darunter wird man zumindest hier nichts bekommen – über 1000 Euro im Monat die man zur Tilgung verwenden kann. Ich habe bei der Kreissparkasse einen Baufinanzierungs-Rechner gefunden und den voreingestellten Zinssatz von 2,5 % so gelassen wie er ist und bin von 25.000 Euro Eigenkapital (das Auto will ja auch abzahlt werden) ausgegangen. Bei insgesamt 1.070 Euro Gesamtbelastung im Monat und einem Immobilienwert von 144.000 € (entspricht ungefähr dem Preis einer Eigentumswohnung. die die 600 Euro Miete einbringt) ist man nach weniger als 11 Jahren Besitzer der Immobilie. Ab da zahlt man keine Miete mehr (sollte aber mit Instandhaltungskosten von etwa 1.500 Euro/Jahr rechnen). Das heißt ab da spart man nicht nur 460 Euro pro Monat, sondern auch noch die Miete – fast 950 Euro pro Monat. Im Laufe des Lebens – sagen wir mal 40 Jahre, (mit 18 wird man ja noch kein Auto mehr finanzieren können und hoffentlich hört man mit 75 auf zu fahren) könnte man sich also drei weitere Eigentumswohnungen dieser Preisklasse kaufen oder ein eigenes Haus mit Grundstück kaufen (340.000 € – da man bei steigendem Kredit immer mehr für Zinsen zahlt, würde der schlaue Nichtautofahrer erst sich eine kleine Eigentumswohnung kaufen, dann diese verkaufen und dann erst das Haus mit mehr Eigenkapital bauen).

Wir haben 47 Millionen PKW Besitzer – sicher nicht alle Besitzer von neuen Wagen, aber immerhin werden pro Jahr 3,4 Millionen Autos neu zugelassen und bei 8 Jahren durchschnittlicher Nutzungsdauer sind das 27,2 Millionen Automobilbesitzer die sich ein neues Auto kaufen. Das sind dann auch 27,2 Millionen Menschen, die sich eigentlich eine Eigentumswohnung leisten können wenn sie auf das Luxusgut Auto verzichten würden. Diese müssten sich nicht über steigende Mieten aufregen.

Ja Autos sind ein Luxus, das ist eine Binsenweisheit. Doch wie luxuriös sie sind, das man anstatt dessen sich im Leben drei Eigentumswohnungen kaufen könnte war auch mir nicht klar. Ab der zweiten Eigentumswohnung spart man ja nicht nur, sondern verdient, wenn man sie vermietet und bei der dritten (nach 36 Jahren, also zum Rentenalter) hat man dann 1200 Euro zusätzlich zur Rente (brutto, realistischerweise noch 800 Euro netto).

Man könnte das Geld auch ansparen, doch da es leider dafür keine Zinsen mehr gibt, ist das etwas hypothetisch. Immerhin. 470 Euro pro Monat angespart, würden bei nur 1 % Zinsen (netto, nach Abzug der Inflationsrate und Kapitalertragssteuer) nach 36 Jahren auch fast 245.000 Euro einbringen. Bei 2 % Zinssatz wären es schon 298.000 Euro. Man kann zwar in Aktien investieren und das ging die letzten Jahre auch gut, aber es ist eben keine langfristig sichere Anlage und sehr schwer eine Rechnung über Jahrzehnte zu machen.

Eines ist mir zumindest klar geworden – das ich nie ein Auto hatte, hat maßgeblich dazu beigetragen, das ich mich schon mit 45 weitestgehend aus dem Erwerbsleben zurückziehen konnte.

7 thoughts on “Warum tut man sich so schwer, auf etwas völlig Überflüssiges zu verzichten?

  1. Im Prizip muss ich dir vollkommen recht geben. Jeder Euro, der zur Stützung von Automobilen, in welcher Form auch immer, ausgegeben wird, ist genauso schädlich für die Zukunft unserer Kinder als würde man gar nichts tun. Auch wenn man den Energiebedarf während des gesamten Lebenscyclus eines Autos und den damit verbundenen CO2-Ausstoß berechnet, findet man zwischen e-Mobilität und Verbrennungsfahrzeugen keinen riesigen Unterschied. Aber klar, Menschen müssen mobil sein. Es gibt in der heutigen Zeit aber keine brauchbare Alternative. Alle Konstruktionen, die man mit Hilfe von öffentlichen Verkehrsmitteln andenkt, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die dazu nötige Infrastruktur über Jahrzehnte vernachlässigt wurde. Dort hinein Geld zu investieren – viel Geld – ist weit sinnvoller als Prämien für e-Neuwagen. Ich bin schon einige Male in China gewesen und bin dort viel mit der Bahn gefahren, etliche Male über Strecken von 5000km. Dabei sind mir mehrere Dinge aufgefallen, nicht nur die Fülle von Menschen, die die Bahn benutzen, sondern z.B. dass bei einer Fahrstrecke von 5000 km der Zug bis auf die halbe Minute pünktlich den Fahrplan einhielt. Dabei fuhr der Zug auch einmal 33 Stunden am Stück ohne Halt mit einer Geschwindigkeit von zeitweise 300 km/h. Kein Rütteln kein Fahrgeräusch, nur den Fahrtwind hörte man. Und das Schönste: In einer Ecke des Wagons das Typenschild und dabei ein weiteres Schild „made in Germany“. Also es geht doch!!!! Technisch ist alles kein Problem, das einzige Problem ist der Wille und die Einsicht Verantwortlicher, an der richtigen Stelle zu investieren. Auch so können Arbeitsplätze gesichert werden, so wie es überall aussieht, viele Arbeitsplätze. Übrigens: in dem abgelegenen Tibet sind 70% aller Fahrzeuge mit Elektroantrieb versehen, Zwei- und Dreiräder mit Verbrennungsmotor sind verboten! (In Peking gibt es keinen Dieselkraftstoff mehr an Tankstellen zu kaufen.) Als ich fragte, wo sind die Ladesäulen, wurde ich nur angelächelt. Ich hätte aber auch gar nicht fragen müssen. Am Straßenrand parkten die Kleintransporter. Ein Verlängerungskabel führte über den Gehweg durchs Wohnzimmerfenster in die Steckdose (auch ohne deutsche Gründlichkeit).

  2. Das Problem beim Elektroauto sind nicht die fehleden Ladesäulen, sondern die völlig sinnfeie Konzeption, analog der Verbrenner in Form von Übermotorisierung und damit verbundener Gewichtszunahme durch die Kapazitätsanforderungen an die Akkus, was dann wieder zu völligen Mondpreisen der E-Autos führt. Eine sinnvolle E-Auto Mobilität wäre ein Auto von der Größe eines Smart mit einer Reichweite von 100 bis 150 km, was für die meisten Pendler völlig ausreichen würde. So ein E-Auto wäre auch schon vor 30 Jahren mit Blei- oder Nickel-Cadmium-Akkus zu einem bezahlaren Preis zu realisieren gewesen. Warum pendeln denn so viele Menschen? Weil sie in der Regel am Stadtrand oder im Umfeld der Stadt in ihren eigenen Immobilien wohnen. Diese Pendler könnten ganz entspannt jede Nacht ihr E-Auto in der eigenen Garage aufladen. Aber solche Konzepte sind in unserer dekadenten wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft nicht mehr umsetzbar. Mit dem E-Auto als Massenbobilität kommt noch ein weiteres geerelles Problem auf uns zu. Durch das überhastete Abschalten unserer Kern- und Kohlekraftwerke und damit dem Wegfall grundlastfähiger Energieerzeuger im großen Maßstab, bei gleichzeitiger Etablierung eines weiteren Elektro Großverbrauchers in Form der E-Autoflotte, wird die ehemals sicherste Energieversorgung der Welt und damit die industrieelle Basis unseres Wohlstands in Frage gestellt.

  3. Neuwagen sind nur für Leute interessant, die das Dienstwagenprivileg in Anspruch nehmen können. Und dort profitieren besonders die Besserverdiener.
    Es werden überwiegend teuere und schwere Fahrzeuge und überproportional viele SUVs beschafft. Eine typische Reichen-Subvention. Warum nicht den Steuervorteil z.B auf Fahrzeuge mit kleiner 50g Co2 Ausstoß begrenzen? Klimapolitik könnte man hier zum Nulltarif haben. Ach ja, Autolobby…

    Wir haben nie einen Neuwagen gekauft.
    3 -Mal Zünschlüssel umdrehen und das Teil hat schon 1000 EUR Wertverlust – ist doch einfach bekloppt.
    Immobilien steigen in der Regel meistens im Wert….. Bingo!

    1. Es reicht, wenn alle maximal in dem selben finanziellen Umfang des effektivsten, also günstigsten, Pkw gefördert werden. Das ist dann auch Gleichberechtigung. Wer sich mehr leisten will, muss dann auch mehr bezahlen. Angemessenheit der Wegekosten. Berücksichtigung der tatsächlichen Lebenserwartung bei der Afa, also für die maximal angemessenen Anschaffungskosten des Pkw dann nicht 6 Jahre, sondern eher 15 oder 20 Jahre (mein Pkw) ist volljährig!

  4. Als vermutlicher einziger E-Auto Fahrer hier, gebe ich mir meinen Senf.
    Die 100-150 km gelten Reichweite bei diesen Auto gelten im Sommer bei 30C. Bei Minustemperaturen (wie hier in Norwegen) geht die Reichweite bei den grossen Autos um 20-30% zurück, bei den kleinen die Bernd vorschlägt sogar um die Hälfte oder mehr. Begründet durch kalte Batterie, mehr Reibung durch Winterreifen, Schnee und vor allem durch die Heizung. (Sicher man kann sie abschalten, aber bei -5 eine Stunde zu sitzen ist nicht so toll). In meinen Tesla Model 3 brauche ich im Sommer ca. 135-140 Wh/km, im Winter ist 170-180 Wh/km. Die Reichweite sinkt dann von knapp 500 km, auf unter 400 km. Hat man so ein kleines kann es sein, dass man nicht mehr die ganze Strecke schafft, und unterwegs laden muss, was die Zeit massiv erhöht. Ausser der Arbeitgeber hat eine Ladestation für die Angestellten.
    Ich habe nur ein Auto, deshalb reicht ein kleines mit kleiner Reichweite nicht. Mein Rekord liegt an 1388 km an einem Tag mit dem Tesla (Amsterdam-Oslo, statt Flieger). Ich benutze das Auto nicht zum Pendeln (zu viel Stau) sondern in der Freizeit, und da fahre ich etwas weiter. Letztes Wochenende war ich an einer Modelbahnmesse, und bin da total 372 km gefahren.
    Auto haben ist ein Luxus, denn ich mir gönne. Den Tesla habe ich gekauft, weil es 1. ein geiles Auto ist. 2. Keine Mwst drauf bezahlen musste, was ein Riesenposten ist. Hätte es das nicht gegeben, hätte ich mir das Auto nicht leisten können, und es hätte auch kein neues gegeben.

  5. Hallo Herr Leitenberger,
    Ihrem Blog-Beitrag wohnt eine gewisse Verbitterung inne und einen nicht unmaßgeblichen Anteil an „Fundamentalismus“ kann man auch ablesen. (Was mich persönlich etwas irritiert)

    Ja, Autos sind teuer in der Anschaffung und das fahren damit ist nicht billig. Die Frage sollte aber sein was sind die ECHTEN Alternativen. Sie schreiben von ÖPNV, von E-Bikes u.a. Aber sie ignorieren die „Währung“ der Moderne… die Zeit.

    Über den Zustand des ÖPNV im ländlichen Bereich will ich mal schweigen. Und obwohl in Deutschland etwa die Hälfte der Bevölkerung auf dem Land lebt ist hier der ÖPNV um 100 Jahre zurück, wenn man als Vergleich die Städte heranzieht.

    Das bedeutet, DAS AUTO IST der Anschluss von 50% der Bevölkerung an die moderne Welt. Anders gesagt… ja sie haben recht, die anderen 50% bräuchten kein Auto, da ihnen ja (von den 100%) ein ÖPNV bezahlt wurde und sie innerhalb eines „Oberzentrums“ bestens versorgt sind… theoretisch. Und das „angesparte“ Eigenheim ist nur möglich weil z.B. in Stuttgart und Umgebenung ALLE Steuerzahler den ÖPNV mitfinanziert haben und weiter subventionieren. Denn die realen Kosten für den ÖPNV will man den Kunden nicht zumuten oder andersrum, würden reale Preise verlangt, wären die Fahrgastzahlen geringer und das Draufzahlgeschäft höher.

    Warum also überhaupt ÖPNV? Weil das System „Großstadt“ ohne nur schlecht funktionieren würde. Dies ist weltweit das gleiche Verkehrsproblem.

    Nun, was würde eine flächendeckender ÖPNV bedeuten. Zuerst mal eine Annahme. Der Weg zum Arbeitsplatz beträgt 20Km. Auf dem Land sind diese großzügig in 20Min zu schaffen. Eine Buslinie (nicht der Bus) benötig für die gleiche Strecke min. 45Min. Diese setzen sich aus der geringeren Durschnittsgeschwindigkeit (Haltestellen mit ein- und aussteigenden Fahrgästen) und der streckenmäßig nicht optimalen Anfahrt der Haltestellen zusammen. In meiner Gegend braucht ein Bus für die 20Km etwa 1,1/4 Stunden, aber das ist eine andere Geschichte. Aber mit den 45 Min ist es nicht getan. 5Min. Zur Bushaltestelle, und nochmal 5Min. zum Arbeitsplatz kommen noch hinzu. Als ehemaliger Münchner der U- und S-Bahn genutzt hat, weiß ich, dass diese Zeit schon sehr knapp kalkuliert ist. Es gehen also im Optimalfall pro Tag etwas mehr als eine Stunde Lebens-Zeit verloren. Bei den meisten Landbewohnern dürften es sogar wesentlich mehr sein, wenn ein ÖPNV angeboten würde.

    Kann man Zeitgewinn mit ökologischem Fußabdruck gegenrechnen? Ja, man kann, weil es jeder macht, das ist die Menschliche Natur der wir nicht entkommen. Man könnte natürlich die Urlaubsziele ohne Flugzeug erreichen… Die UrlaubsZEIT würde es nicht erlauben. Man könnte sich auf den Standpunkt stellen das außer dem Bauer keiner auf dem Land etwas zu suchen hat. Aber genau diese Modelle (Mittelalter) hatten wir schon alle und wurden durch die Technik überflüssig.

    Und wenn es auch von der Werbung anders suggeriert wird, und wenn auch das Auto des Deutschen „Liebstes“ ist… für sehr Viele (weit über 50%) ist es unverzichtbar da es beträchtlich Lebenszeit spart, oder schlimmer noch, es keinerlei Alternativen gibt.

    Aber drehen wir die Sache mal um und gehen davon aus das Zeit keine Rolle spielt. Bieten wir eine ÖPNV für Alle an. Bauen wir Bahnen zu allen Zentren mit 30Min. Takt, Buslinien für alle Dörfer mit 100 Einwohner und 30Min Takt in der Hauptverkehrszeit. Neben der Tatsache das weder das Geld noch der Personal da ist um dies zu realisieren würde es bedeuten das „Nur der Pendelverkehr“ von der Straße verschwindet, der Rest, und damit die Autos wären immer noch da.

    Auf dem Land wird es keine ÖPNV geben der mit dem der Großstädte vergleichbar ist. In Zukunft vielleicht, wenn es selbstfahrende Shuttles usw. gib. Heute sind wir aber noch weit weg vom Beschriebenen.

    Und machen wir uns keine Illusion, wäre in den Städten Autofahren einfacher und schneller (vor allem letzteres) dann würde der ÖPNV auch dort darben.

    Das Auto ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es ist das „Pferd“ der Moderne. Wir dürfen nicht übersehen, was Pferde für frühere Generationen bedeutet haben. Pferde waren teuer, enorm Energieintensiv, waren Konkurrenten bei der knappen Ressource Nahrung. Sie waren aber auch Prestige, bedeuteten Einsparung der körperlichen Kraft und ermöglichten Technikeinsatz der nur mit Muskelkraft nicht möglich war. So wie heute das Auto… man hätte darauf verzichten können, aber trotz Nahrungskonkurrent… man lebte besser mit Pferd.

    Die Frage die wir uns stellen sollten: Welche Technik wird das Auto ablösen? Denn eins ist gewiss, es wird in dem Maße abgelöst werden wie das Pferd. Es wird ein Spielzeug für die Reichen bleiben und zum Spazierenfahren werden ein paar Straßen dem Denkmalschutz unterstellt. Aber da ist noch ein langer Weg hin und außer KI mit selbstfahrenden Kabinen sehe ich derzeit Nichts was das System Auto ersetzen könnte.

    Diese „Weisheiten“ werden mit Sicherheit nicht ihre Weltsicht in Sachen Auto umkrempeln. Aber vielleicht werden sie mit dem einen oder anderen Gedankengang der Autolobby versöhnt. Und auch, wenn sich mein Kommentar nicht direkt in der Gestalt interpretieren lässt, ich würde liebend gerne auf das Auto verzichten, nicht aber auf meine Zeit. Ich bin in Ihrem Alter und betrachte die Lebenszeit zwischenzeitlich vom Ende her… frei nach dem Motto… koste es was es wolle.

    Schöne Grüße
    Johann Gerner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.