So, nun bin ich in Nesselwang. Zeit mich mal wieder SpaceX zu widmen. Es gibt relativ wenig neues, zumindest substantielles von der Firma in den letzten 3 Monaten.
Ich gratuliere erst mal dem Eigentümer von FORMOSAT-5. Die Firma ist mit Abstand der treueste Kunde von SpaceX. Den der Satellit war einet der ersten für de Falcon 9 gebuchten Nutzlasten und die ist ja nun schon seit acht Jahren im Einsatz. Wer so lange warten kann, das sind sicher 4 Musks oder mehr, der hat meinen Respekt verdient.
Es gab einige Starts, zuletzt heute einen, aber soll ich die kommentieren? Es gibt zwei Startrampen, da ist das ohne Problem zu bewerkstelligen. Die USA haben schon mal pro Jahr 50 Raketen eines Typs gestartet, Russland bis zu 80 Sojus pro Jahr. Auch Europa hat mal 12 Ariane 4 pro Jahr mit einer Startrampe geschafft. Ich fürchte aber, ich werde trotzdem meine Wette gewinnen, denn das die Firma die restlichen Starts dieses Jahr schafft ist doch unwahrscheinlich. Zugegeben, gegen SpaceX kann man immer gewinnen und darum geht es in dem Blog.
Ich habe mir dann überlegt, ob ich was zum revidierten Konzept des Marstransporters sagen soll. Viel genaues gibt es ja nicht. Nur das die Rakete in ziemlich genau 12 Monaten deutlich kleiner wurde: 150 anstatt 500 t LEO-Nutzlast. 31 anstatt 42 Triebwerke (damit muss der Schub auch sinken, denn man würde bei gleichem Schub eher 13 erwarten, der Nutzlastanteil dürfte bei gleicher Technologie gleich sein) und 9 anstatt 12 m Durchmesser.
Aber dann dachte ich mir: Warum? Bevor das Ding gebaut wird, gibt es im September 2018 die nächste Ankündigung, wo sie wieder kleiner wird – 50 t Nutzlast, 27 Triebwerke, 3,66 x 11 m Durchmesser und mit viel Glück existiert die dann sogar zu dem Zeitpunkt. Wenn nicht warten wir nochmal 12 Monate und sind mit der nächsten Verkleinerung um den Faktor 3 bei 17 t Nutzlast, 9 Triebwerke und 3,66 m Durchmesser und ich glaube, diese Rakete wird’s dann wirklich rocken…
Auch die anderen Ankündigungen, das z. B. damit ein Interkontinentalflug zu Preisen eines normalen Fluges möglich ist, will ich nicht groß eingehen. Technisch ist das wahrscheinlich sogar noch am einfachsten – man braucht für eine ICBM Bahn 6-7 km/s, etwas weniger als für einen Orbit. Die Geschwindigkeit kann man mit einer Stufe erreichen und deren Landung hat SpaceX demonstriert. Der springende Punkt sind die Versprechen über Kosten. Man verendet jetzt schon die Stufe erneut und das reduziert die Kosten eines Raketenstarts gerade mal um 30 %. Wie soll man da auf die Kosten eines Flugtickets kommen, selbst wenn es eines aus der Luxusklasse ist? Im übrigen, wird auch das bald wieder revidiert werden.
Was mich ärgert sind solche Sätze wie dieses Zitat auf der Seite der Planetary Society:
SpaceX’s previous plan called for landing its first transport ship on Mars in 2022. The timeline Musk gave today was similar; two cargo landers would land on Mars in 2022, with four vehicles launching in 2024. Two of those 2024 ships would be crewed, meaning, in Musk’s timeline, humans could walk on Mars in just seven years.
„That’s not a typo,“ he said. „Though it is aspirational.“
Nein, das ist kein Tippfehler, es ist Fiktion. Es ist doch immer das gleiche. Sachen werden angekündigt. Das ganze wächst dann noch und wird immer utopischer, wie z.b. die Satellitenkonstellation, die inzwischen um weitere 7.518 Satelliten gewachsen ist. Aber es gibt keinen Fortschritt zu vermelden und dann wird es klanglos eingestellt. So wie die Falcon 1e, Falcon 5, Falcon 9 Heavy oder die Landung der Dragon an Land.
Nicht mal so was einfaches wie die Red Dragon schafft die Firma. Eigentlich wäre es ganz einfach. Sie müssten nur eine normale Fracht-Dragon (die existiert ja schon) mit einer Falcon Heavy zum Mars schicken. Die könnte normal landen, am Schluss eben durch Airbags gebremst, da sie keine Landetriebwerke hat (die man bei der Dragon 2 ja nun auch wieder gestrichen hat). Eine kleine Modifikation. Batterien (der Trunk geht bei der Landung verloren) würden einige Tage Arbeitsdauer erlauben. Das reicht, um durch ein Fenster ein Panorama aufzunehmen. Mehr wird man sowieso nicht erwarten können, denn SpaceX entwickelt ja keine Experimente und die NASA hat dankend nein gesagt. Also etwas wirklich Umsetzbares schaffen sie nicht und haben es erst verschoben und nun eingestellt. Wie kann man dann glauben, das sie was viel größeres hinbekommen, wenn selbst Musk angibt, dass sein BFR 10 Milliarden Dollar Entwicklungskosten aufweist. Wo sollen die herkommen? Sicher nicht von der NASA, die hat schon ihre eigene Schwerlastrakete. Das Militär ist auch zufrieden, mit dem was es gibt. Das reicht aus und die Atlas V hat eine gute Bilanz. Es ist ja schon offen, ob sich das Dod an der Vulcan und ATKs Rakete beteiligt. Selbst wenn SpaceX an jedem Falcon 9 Start 10 Millionen Dollar netto verdient, bräuchten sie 1000 Starts oder rund 40 Jahre um das Geld zusammenzubekommen.
Insgesamt ist mir Musk ein Rätsel. Er kündigt dauernd etwas an, muss das dauernd revidieren oder es dauert viel länger als angekündigt und man sieht keine Lernkurve. Er kommt ja aus dem Softwarebereich und da fallen mir zwei Vergleiche ein. Das eine ist die Ankündigung von Windows. Windows wurde mit großem Werberummel von Bill Gates persönlich angekündigt. Am 10.11.1983 kündigte er es an. Es würde im April 1984 ausgeliefert werden und Ende 1984 auf 90 % aller DOS-Pc laufen. Es erschien am 20.11.1985, also eineinhalb Jahre später, was damals im Softwarebereich eine Ewigkeit war. Die Zeitschrift infoworld verpasste Windows den Titel „vaporware“.
Allerdings hat Bill Gates diesen Fehler nie wiederholt und man muss ihm zugutehalten, das er einfach von seinen bisherigen Erfahrungen ausging. Microsoft war damals noch eine relativ kleine Firma, bei der jeder Programmierer an einem Projekte arbeitete – einer Programmiersprache oder einem Dienstprogramm für DOS. Es fehlte schlichtweg die Erfahrung, wie viel Arbeit mehr entsteht wenn nun wie bei Windows Dutzende von Personen an einem Programm arbeiten. Sie müssen sich absprechen. Es muss viel dokumentiert werden. Schnittstellen müssen definiert werden. Hinkt ein Teil hinterher, kann das Auswirkungen auf andere Entwickler haben.
Es gibt noch eine zweite Parallele. Das ist Adam Osborne. Adam Osborne war einer der ersten Computerjournalisten. Er schrieb auch Computerbücher die sich gut verkauften. Was ihn ärgerte, war, das er, wenn er Messen besuchte, seine Eindrücke und Artikel nicht gleich niederschreiben konnte. Es gab noch keine tragbaren Computer. Also beschloss er einen zu bauen, gründete eine Firma und der Computer Osborne 1 war zumindest tragbar, man konnte nicht mit ihm auf den Knien arbeiten, sondern er war eher als transportabler Computer gedacht. Das Gerät war trotzdem ein Verkaufserfolg. Osborne machte dann einen Fehler. Er kündigte das Nachfolgemodell Osborne Executive an, lange bevor es verfügbar war. Als Folge brach der Umsatz des Osborne 1 ein, denn nun warteten alle auf das neue Modell. Die Firma ging innerhalb weniger Monate in Konkurs. Das nannte man dann „osborne a product“. Wenn Musk nicht aufpasst wird es bald heißen „musk a rocket“. Passend zu seinen Vaporrockets.
Das Verhalten von Musk kann ich rational nicht nachzuvollziehen. Das er seine Ankündigungen revidieren muss, ist nichts Neues. Das die Zeitpläne viel zu optimistisch sind auch nicht. Und vieles wird gar nie umgesetzt. Trotzdem scheint er nichts dazu zu lernen. Er schadet doch sich schlussendlich damit selbst. Wenn er realistische Zeitpläne hätte und die einhalten würde. Die Faktenlage wäre eine andere und auch die Äußerungen anderer respektvoller. Die, glaube ich, naheliegendste Lösung ist es das es seine eigenen Ideen sind und keine Firmenprojekte, nicht mal rudimentär von Experten geprüft, geschweige den ein durchgerechnetes und geprüftes Konzept. Nehmen wir die Falcon Heavy. Als sie angekündigt wurde, war ich schon skeptisch, dass man so einfach mehrere Stufen kombinieren kann. Wenns so einfach wäre, warum hat man es nicht früher mit Stufen von vielen Triebwerken schon gemacht (bei einem geht es wie Delta Heavy und Energija beweisen)? Nun stellt sich raus das man „Tonnen an Hardware“ zusätzlich installieren muss. Das sieht nicht nach einem sauberen Design aus, obwohl es 2011 ja bei der Ankündigung hieß, man habe nun das Design abgeschlossen (es gab ja vorher schon eine Falcon 9 Heavy). Das passt dazu, das man nichts vom Satellitenprojekt hört, man bei der Dragon 2 wieder von Landetriebwerken abkommt etc. Alles wurde angekündigt, bevor man überhaupt technisch geprüft hat, ob es möglich ist. Man befand sich vor Abschluss von Phase A eines Raumfahrtprojektes, kündigt das aber mit Zeitfristen an, die suggerieren man wäre Mitte in Phase C, also der Entwicklung.
Musk hat einige Ähnlichkeiten mit Trump. Wie er kommuniziert er vorwiegend per Twitter, wie Trump meint auch er alles selbst ankündigen zu müssen. So was wie einen Medienbeauftragten, geschweige denn eine ganze Abteilung, wie bei Firmen dieser Größe üblich, gibt es zwar bei SpaceX, aber man bekommt von ihnen nichts mit. Was sie produzieren ist viel heiße Luft ohne Details. Ich glaube sie dürfen auch nicht mehr als das wiedergeben, was der Vorsitzende schon abgesondert hat oder sie erfahren erst gar nichts. Immerhin muss Musk so nicht seinen eigenen Pressesprecher düpieren, wie dies Trump tut. Genauso wie Trump scheint er beratungsresistent zu sein, denn das er Dinge ankündigt, die nie kommen oder extrem verspätet sind, ist ja auch nichts neues.
SpaceC
Eine andere Sache die mir in den Kopf gekommen ist ist der Firmenname. SpaceX ist ja die Abkürzung von Space Exploration Corporation, also Weltraum-Erforschungs-Unternehmen. Ist eigentlich jemand mal aufgefallen das SpaceX bisher nur Projekte hat die gar nichts mit Weltraumerforschung zu tun haben? Raketen mit denen man Geld verdient. Satelliten mit denen man Geld verdient. Bestenfalls einen Marstransporter der Menschen transportiert. Doch nichts mit Erforschung. Es würde die Firma nichts kosten, wenn sie bei den vielen Starts, die derzeit in den SSO gehen und bei denen die Nutzlasten nur einen Bruchteil der Nutzlast ausmachen, zumindest mal die Cubesats von Universitäten umsonst mit transportieren würde. Das wäre dann ein Beitrag zur Forschung. Geschweige denn das sie anderen kleinen Startups (und es gibt ja derzeit eine Menge Firmen die Kleinsatelliten bauen und die wenigsten haben die Finanzmacht von Planetlabs) unterstützen, schließlich sollte Musk ja selbst noch wissen, wie hart der Start von SpaceX war. Ohne den CRS Großauftrag der NASA wäre die 2008 nämlich den Bach heruntergegangen. Aber wie schon geschrieben: Musk ist wohl ein Egomane. Anderen helfen? Auf die Idee kommt er nicht. Angeblich hat er ja mal SpaceX gegründet, weil er etwas auf den Mars transportieren wollte und eine russische Rakete zu teuer war. Auf den Transport zum Mars warten wir heute noch. Wie schon geschrieben, das einzige was es gab, die Red Dragon, ist gestrichen worden. Es wäre kostenlos möglich: Formosasat wog nur 500 kg, das heißt, die Rakete hat noch genügend Treibstoff, um mehrere Tonnen auf eine Marstransferbahn zu bringen. Anderes Beispiel: warum beteiligt sich die Firma nicht am Lunar X-Price? Entweder indem sie anbietet, bei weiteren SSO Starts wo die Nutzlasten, nie die auf rund 15 t geschätzte Nutzlastkapazität erreichen, die Lander der Teilnehmer nach Absetzen der Hauptnutzlast zum Mond zu bringen oder indem er engagierten eigenen Ingenieuren die Zeit und etwas Geld bietet das sie selbst einen entwickeln. Das wäre gut fürs eigene Renomee, motiviert die Mitarbeiter und bringt interne Qualifikation, die man dann bei anderen Projekten einbringen kann. Okay, wenn ihr mit dem Lachen fertig seid; klar, das geht nicht, denn dann wäre ja Musk außen vor und andere in der Firma würden was machen. Wahrscheinlicher wäre, das er für den Lunar X-Price einen 50 t schweren Lander entwirft, den man mit der BFR startet und nebenbei dann auch noch auf dem Mond herumfährt. Einfach und klein geht ja nicht.
Ansonsten empfehle ich die Firma umzubenennen in SpaceC: Space Commercialiaztion Corporation
Das Musk
Die Beschäftigung mit Musk und seinen Ankündigungen, hat mich auf eine neues Maßeinheit gebracht, sinnigerweise als „das Musk“ bezeichnet. Das Musk ist eine Maßeinheit, mit der man Verzögerungen in Projekten quantifizieren kann. Es wurde von mir erfunden und ist definiert als:
Musk = (Verspätung eines Ereignis zum Ankündigungszeitpunkt in Monaten / Differenz des Zeitpunkts bei dem das Ereignis stattfinden sollte in Monaten zum Ankündigungszeitpunkt)
Nehmen wir die allererste Ankündigung von SpaceX vom 3.4.2003. Demnach sollte der Jungfernflug der Falcon 1 Mitte 2004 erfolgen („Mitte“ definiert von mir als Juli). Die Ankündigung war also 13 Monate vor dem geplanten Datum. Sie flog tatsächlich am 24.3.2006 also 20 Monate später.
Die Verzögerung beträgt also 20/13 = 1,5 Musk.
Die Rechenregeln für Musks:
- Monate werden nach unten gerundet
- Es wird immer 1 Dezimalstelle angegeben.
- Angaben wie „Mitte“ sind als geometrische Mitte zu interpretieren (Mitte des Monats = 15-ter)
- Angaben von Quartalen als die Quartalsmitte (15.2 / 15.5 / 15.8 / 15.11).
Zweites Beispiel: Pressemitteilung von SpaceX am 5.4.2011:
„Falcon Heavy will arrive at our Vandenberg, California, launch complex by the end of next year, with liftoff to follow soon thereafter.“.
„soon“ würde ich als 1.1.2013 interpretieren, da man ja sonst gleich von „begin of 2013“ sprechen könnte. Geplant ist derzeit (kann sich noch ändern) ein Start zum Ende dieses Jahres im Dezember. Wir haben also 21 Monate zwischen Ankündigung und geplantem Jungfernflug und 59 Monate zwischen angekündigtem Jungfernflug und tatsächlichen Jungfernflug. Das sind 2,8 Musk.
Tendenziell nehmen bei SpaceX die Musks der Ankündigungen zu.
Das Elon
Die zweite neue Maßeinheit ist das Elon. Das Elon wird genutzt, um die Gültigkeit von Aussagen zu quantifizieren.
Das Elon gibt in Monaten an, wie lange eine Aussage steht, bis sie dementiert oder revidiert wird.
Beispiel: Die Bundeskanzlerin sprach nach dem Dieselgipfel von einer guten Lösung. Einen Monat später sagte sie, die Automobilindustrie würde zu wenig tun und hätte Vertrauen verspielt. Das ist 1 Elon.
Gerade Politiker schaffen es Aussagen in weniger als einem Elon zu revidieren. So z. B. die Aussage der CSU ohne feste Obergrenze gäbe es keine Koalition und der Kompromiss bei dem es eben keine feste Obergrenze gibt. Aber auch Wirtschaftsbosse machen oft Aussagen die sich in weniger als 12 Elons ändern können, wie Standortgarantien. Musks Aussagen haben liegen oft zwischen 12 und 24 Elon. z.B. hat er sein BFR Konzept nach ziemlich genau einem Jahr auf ein Drittel reduziert, also nach 12 Elons.