Heute mal ein Blog, bei dem ich aber schon prognostizieren kann das ein bestimmter Kommentator, der den Blog nicht mal ohne Übersetzungshilfe lesen kann, sich meldet.
Das Jahr ist ja noch jung. Bei uns ist bis heute noch Weihnachtszeit denn der 6.te Januar /Heilige drei Könige) ist ein Feiertag und erst danach sammeln Jugendliche des CVJM die Weihnachtsbäume ein bzw., in anderen Städten tut dies die Müllabfuhr. Also noch Zeit für einen Jahresrückblick. Es geht darum wer im abgelaufenen Jahr die schlechteste Performance hingelegt hat.
Der Loser des Jahres ist für mich Elon Musk. Ich halte nichts von ihm. Schon alleine weil ich mich viel mit SpaceX beschäftigt habe und die Falschaussagen, optimistische Pläne die nie umgesetzt wurden und Versprechungen die nie erfüllt wurden, von Musk kann man kaum zählen. Das würde nicht auffallen, wenn nicht gefühlt die gesamte SpaceX Öffentlichkeitsarbeit nur aus Twitter-Posts von Musks bestehen würde. Dazu kommen andere Aktionen, die dann auch anderen aufgefallen sind, wie das Hochtreiben des Tesla-Kurses durch Twitter-Posts oder Aussperren der Medien bei Eröffnung der Tesla-Fabrik, nachdem das ZDF einen neutralen Beitrag, in dem nicht nur die Einwände gegen die Fabrik (sie entsteht in einem Grundwasserschutzgebiet und verstößt eigentlich gegen die landeseigenen Vorschriften von Brandenburg) erwähnt wurden. Musk twittetrte sogar öffentlich gegen das ZDF. Inzwischen wissen wir, das die Befürchtungen des Beitrags sich bewahrheitet haben. Tesla will nun noch mehr Grundwasser fördern, obwohl in der Region Wassermangel herrscht (übrigens auch kein Heldenstück der Regierung die ja bevor man das Angebot an Musk unterbreitet, mal sondieren könnte ob es denn auch umgesetzt werden kann) sondern auch der Aufschwung den die Fabrik dem Arbeitsmarkt bringen sollte, ist ausgeblieben – meine Vermutung ist das der Standort deswegen so gewählt wurde, damit Arbeiter aus Polen es nahe haben, denn das Grundgehalt liegt mit 2.700 Euro weit unter dem IG-Metall Tarif. Die Fabrik liegt aber 60 km von der Grenzstadt Frankfurt-Oder entfernt und ist in unter 60 Minuten von der polnischen Grenze sowohl mit dem Auto wie auch Zug erreichbar. Die Lage muss so ernst sein, das Tesla nun schon ehemalige Soldaten für die Sicherheit anwerbt.
Aber nach dem allgemeinen Ausführungen. Warum ist Elon Musk der Loser des Jahres? Es gibt ja genug was positiv für ihn lief. SpaceX hat 61 Starts abgewickelt, mehr als in jedem Jahr zuvor, mehr als die ganze restliche USA und jeder anderer Staat. Die Abonnentenzahl von Starlink steigt schneller als der Ausbau der Flotte, was allerdings für die Abonnenten nicht so positiv ist, denn die Übertragungskapazität steigt so langsamer an als der Bedarf, die Datenrate sinkt ab. In den USA um ein Drittel von 80 auf 50 Mbit/s in den letzten zwei Jahren, während sie bei anderen Providern in der Zeit um 25 Prozent zunahm. Nun beginnt SpaceX mit dem Aufbau der zweiten Orbitshell, die mit einer neuen Generation von Satelliten erfolgen soll. Diese sind wesentlich schwerer als die erste Generation und sollten eigentlich mit dem Starship starten. Doch das hat auch 2022 keinen Flugversuch absolviert.
Anfang des Jahrs hat Musk sich noch positiv in die Schlagzeilen gebracht als er kostenlos Starlink-Terminals an die Ukraine lieferte. Die Nutzung von Starlink soll zum militärischen Erfolg der Ukraine beigetragen haben, weil sie eine schnelle Kommunikation und gute Vernetzung der Streitkräfte erlaubten. Wie wichtig dies ist, zeigt auch der Schlag gegen russische Streitkräfte an der Jahreswende. Dabei wurden die Handys der russischen Soldaten geortet.
Damit ist die positive Bilanz aber auch schon durch. Fangen wir an mit der Ukraine. Das Lob das er im Frühjahr bekam, schlug schnell in das Gegenteil um. Erst war er dafür das man in den annektierten Gebieten abstimmt. Das ist im Prinzip das gleiche was dann auch Russland tat, nur eben nicht – wie in Russland üblich – unter freien Wahlen. Damit hat er sich nicht nur auf die Seite Russlands geschlagen, sondern auch keine Ahnung vom Völkerrecht. Die Gebiete gehören zur Ukraine, einem von der UN anerkannten Staat.
Dann wurde es noch besser. Er wollte nun vom DoD eine Bezahlung für die Starlink-Dienste. Und zwar nicht das was die normalen Abonnenten bezahlen, sondern das 24-fache dessen, 2500 Dollar pro Monat und Terminal. Als er das nicht bekam, hat SpaceX Tausende von Terminals in der Ukraine deaktiviert. Geld ist bei SpaceX eben wichtiger als die Unterstützung der Ukraine, obwohl die wahren Kosten für SpaceX minimal sind: Man benötigt weder zusätzliche Satelliten, noch gibt es in der Region (in Russland und Weißrussland ist Starlink nicht zugelassen, in der Türkei noch nicht) andere Nutzer, deren Bandbreite so beeinträchtigt werden könnte. Was für SpaceX an Kosten entsteht, sind die Einspeisekosten ins das terrestrische Internet die in der Größenordnung von 10-20 Euro pro Terminal und nicht 2500 Dollar liegen. In einem halben Jahr vom gefeierten Ukraine-Unterstützer zum geldgierigen Russland-freund, das muss man ihm erst mal nachmachen!
Am meisten kam er in die Schlagzeilen durch die Twitterübernahme. Musk glänzte bei Twitter ja nicht dadurch, dass er andere Meinungen duldet. Dann die Übernahme damit zu begründen, dass er für mehr Meinungsfreiheit wäre ist dann schon ein Hohn. Es folgte ein halbes Jahr der Ungewissheit. Erst wollte Musk nicht mehr, weil es (angeblich) Millionen von Fake-Accounts gab, dann wollte Twitter die Übernahme, was angesichts des Rufs von Musk für mich unverständlich ist, schlussendlich übernahm Musk Twitter aber mit geborgtem Geld. Was dann kam, ist das genaue Gegenteil dessen, was Musk versprach. Nicht mehr Meinungsfreiheit. So wurden die Konten von Journalisten, die kritisch über Musk berichteten, gesperrt. Viele legten noch mehr Fake-Accounts an, die sie gerne für 8 Dollar pro Monat als „offiziell“ bestätigen ließen. So versprach ein offizieller „Eli Lilly“ Account das Insulin des Pharmaunternehmens nun umsonst sei, das führt zu einem kurzzeitigen Kurseinbruch für das Unternehmen. Eli Lilly entschuldigte sich für diesen fake Account. Viele andere Werbekunden sprangen ab, weil Musk die Hälfte der Mitarbeiter entließ und so viele Posts, die gegen die Regeln verstoßen, nicht mehr gelöscht wurden. Damit gerät Twitter noch mehr in die finanzielle Schieflage. Bei den anderen Mitarbeitern machte sich Musk unbeliebt, weil nun Home-Office nicht mehr möglich ist, eigentlich bei einem Unternehmen, das nur einen Online-Dienst hat und bei dem man für die Arbeit nur einen PC braucht, ein Unding. Inzwischen hat Twitter bei den genutzten Immobilien seit Monaten die Miete nicht mehr bezahlt. Es kommen auf das Unternehmen noch größere Zahlungen zu, wenn die gekündigten ihre fälligen Abfindungen einklagen werden. Musk will nun den CEO Posten nach einem Votum der Twitter-Nutzer abgeben, sobald er einen gefunden hat der „dumm genug dafür ist“. Das „dumm genug“ dürfte sich meiner Ansicht nach weniger auf die finanzielle Situation von Twitter beziehen, sondern darauf das Musk natürlich auch weiterhin als Eigner aktiv ist und wie wir wissen, mit Tweeds den Aktienkurs von Unternehmen innerhalb von Stunden ins Bodenlose stürzen lassen kann, aktiv bleibt.
Persönlich am meisten dürfte ihn gewurmt haben, dass er sein Vermögen in einem Jahr halbiert hat. Genauso wie er es durch Versprechungen in den letzten Jahren in die Höhe trieb hat er es durch undurchdachte Äußerungen nun halbiert. Jeder dessen Vermögen in Aktien steckt, hat im letzten Jahr Geld verloren, so hat auch mein Aktiendepot im letzten Jahr um 12 % an Wert verloren. Aber es ist eben nur ein Teil meines Vermögens, Immobilien wie mein Eigenheim, behielten ihren Wert. Musks Vermögen steckt in den Anteilen seiner Firmen und da hat Teslas Kurs ist in einem Jahr von 314 auf 99 Dollar gefallen, auf ein Drittel. Manche führen das auf die Äußerungen Musks und die Twitter-Vorkommnisse zurück. Ich sehe das als eine normale Wertbereinigung. Der Firmenwert war durch von Musk angezettelten Hype hochgetrieben worden, zeitweise war der Börsenwert von Tesla der zweitgrößte aller Automobilkonzerne, höher als der von VW und Daimler zusammen, die viel mehr Mitarbeiter haben, ein Vielfaches an Automobilen produzieren und viel höhere Gewinne einfahren. Das klappte, solange bis die anderen Automobilfirmen auch E-Fahrzeuge auf den Markt brachten und das erfolgte eben in den letzten Jahren. Nun kann man vergleichen und es gibt Alternativen zu Tesla. Nachträglich gesehen wäre es für Musk wohl besser gewesen Tesla Anteile zu verkaufen um Twitter zu kaufen, denn zwischen dem 4.11.2022 und heute sank der Tesla Kurs von 208 auf 99 Euro. Aber ich denke er spekuliert darauf, dass bei einer Pleite von Twitter die Banken auf ihren Krediten sitzenbleiben.
Auch bei SpaceX läuft es nicht so wie gewünscht. Zwar nimmt Starlink immer weiter an Fahrt auf, aber selbst nach Musks optimistischer Haltung ist die Phase 1 finanziell nur schwach abgesichert. Das ganze Konzept baut darauf, das das Starship die viel größeren Satelliten der zweiten Generation zu viel niedrigeren Startkosten starten kann. Die Falcon Heavy die ja schon eine Einsparung offeriert, kommt nicht in frage weil die viel zu kleine Nutzlastverkleidung von SpaceX es nicht erlaubt ihre höhere Nutzlast bei den erdnahen Bahnen voll auszunutzen. Und von dem Starship gibt es wenig neues, außer das schon ein statischer Triebwerkstest des Boosters scheiterte. SpaceX bricht nun schon NASA-Verträge – sie sollen ja den Mondlander, HLS abgekürzt bauen. Damit der aber auch die Besatzung vom Mond zurückbringen kann muss das Starship sowohl die Gewichtsvorgaben einhalten wie auch die Auftankung über ein Dutzend Mal funktionieren. Und das bis 2024. Das dem nicht so ist habe ich schon bei Auftragsvergabe bezweifelt und siehe an, zwei Jahre später merkt das auch SpaceX. Nun wird der erste Lander nur ein „Skelett“ sein, der lediglich demonstrieren soll, das er landen kann. Weder ist davon das er eine Besatzung am Leben erhalten kann noch das er zurück starten kann. Es ist also ein leicht umgebautes Starship für unbemannte Transporte, das auf dem Mond landet, kein bemanntes Raumfahrzeug. Nur zur Erinnerung: Für den Umbau der unbemannten Dragon Kapsel zur Crew Dragon brauchte SpaceX ein Jahrzehnt. Dabei hinkt das Programm immer weiter hinterher. Anfang 2022 war die Rede von einem ersten Start im Juli 2022, dann im Oktober zu Jahresende. Nun soll es irgendwann 2023 starten. Der Firmenwert von SpaceX ist nachdem die Firma weitere 2 Mrd. Dollar an Finanzierung im letzten Jahr eingetrieben hat von 127 auf 137 Mrd. Dollar gestiegen. Aber hier haben wir das gleiche Phänomen wie bei Tesla: Der Firmenwert ist ein spekulativer, nicht gekoppelt an Einkünfte oder betriebswirtschaftliche Zahlen, wie Anzahl der Beschäftigten oder Umsätze oder gar Gewinn. Sobald hier Ernüchterung einsetzt, dürfte auch dieser Firmenwert wie bei Tesla auf ein für die Firmengröße und Finanzen normales Maß sinken.
Was Musk zum Verlierer macht, ist aber selbst verschuldet. Ich meine hier weniger den Verlust an Vermögen, als vielmehr das er durch unbedachte, oft innehab von Stunden wechselnde Äußerungen seinen guten Ruf ruiniert. Deswegen ist er für mich der Loser des Jahres.