Ich denke wenn der Blog erscheint, ist die COTS 2+ Mission zu Ende gegangen. Selbst wenn die Dragon noch beim Eintritt verglühen sollte – gemessen an den Missionszielen (die NASA verlangt ja keinen Rücktransport, das wird nur mit unwichtigem Equipment demonstriert) ist das COTS Programm dann abgeschlossen worden.
Schon gibt es an einigen Stellen den Jubel, so im Stil „neue Ära in der Raumfahrt“ und mancher sieht nun schon die Marsmissionen kommen. Zeit mal drüber nachzudenken, was passiert wenn SpaceX nur die angekündigten Ziele umsetzt, welche sind:
- Falcon 9 und Heavy fliegen regelmäßig und zu den angekündigten Preisen
- Sie können später sogar noch die Preise durch Wiederverwendung senken.
- Dragon Flüge mit 7 Astronauten sind für 140 Millionen möglich
- Sie werden enorm viele Aufträge erhalten, kommerziell und von der US-Regierung
Was wären die Folgen?
Fangen wir mit den Trägern an. Für die US-Regierung wird die gleiche Politik wie bisher gelten: zwei Linien beim DoD. Die Einsparungen sind dort wegen der Zuschüsse bei wenigen Starts also nicht so hoch. Die NASA könnte mittelfristig auf die Falcon umsteigen und so Startkosten sparen. Doch bei beiden Agenturen gilt eines: Die Startkosten machen bei den wissenschaftlichen und militärischen Satelliten nur einen kleinen Teil der Projektkosten aus. Die eingesparten Kosten werden wohl kaum in neue Missionen investiert, denn die NASA muss wie alle US-Behörden nach dem Haushaltsgesetz sparen.
Das gleiche wird bei Flügen zur ISS gelten. Wenn diese billiger werden, dann senkt das die Fixkosten. Ob die NASA deswegen Orion und SLS aufgibt? Vielleicht weil sie zu teuer sind, aber bisher wird parallel entwickelt – kommerziell und Orion und wenn nun einer der kommerziellen Anbieter gewählt wird, was soll dies ändern? Zudem haben beide ja auch unterschiedliche Ansatzpunkte. Orion für Missionen ins Sonnensystem und kommerzielle für die ISS-Versorgung. Meiner Ansicht nach völliger Blödsinn, aber bemannte Raumfahrt war noch nie logisch.
Für Orbitaltourismus sind 140 Millionen pro Flug immer noch teuer, zumal dann ja noch eine Raumstation gebraucht werden und es bei 24 Millionen pro Sitz (ein ausgebildeter Astronaut muss ja mitfliegen) es nur bleibt, wenn ein Flug vollständig ausgebucht ist. Bei den Russen war es ein Tourist alle paar Jahre und daran wird sich bei den Preisen auch nichts ändern. Das Interesse der Industrie an Forschung ist gering. Schon bei der ISS gibt es trotz Sonderkonditionen wenig, was da vorzuweisen ist. Also ob sich Bigelows Station, die ja dann mit SpaceX kooperieren wollen, rentiert?
Warum man vor allem in Deutschland jubelt ist mir noch unerklärlicher. Ariane 5 braucht wegen der niedrigeren Preise der Proton Subventionen, rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Wenn tatsächlich SpaceX für 60% des Preises starten kann werden die Aufträge noch mehr wegbrechen, die Subventionen werden noch höher werden. Also zahlen wir mehr oder müssen bei den ESA Missionen sparen. Schlimmer noch: Wenn die Ariane 6 entwickelt wird, dann werden dann Milliarden in den Sand gesetzt.
Für alle weitergehenden Vorstellungen von Elon Musk, der ja mal zum Mars will, ist es recht einfach: selbst im optimistischsten Fall, wenn er also alles baut Träger, Raumfahrzeuge, Habitate, braucht er eine Fremdfinanzierung einer Regierung und die ist in absehbarer Zeit nicht sichtbar. Zum einen soll ja die ISS weiter betrieben werden und zum anderen muss ja wie schon gesagt gespart werden. Schon jetzt ist das NASA Budget gesunken, das wird noch mehr werden.
Also zu viel Jubel sehe ich keinen Grund, im Gegenteil.