Bernd Leitenbergers Blog

Kommunismus

Irgendwie bin ich vor einigen tagen an eine Diskussion erinnert worden, die ich in den frühen achtziger Jahren geführt habe. Wir hatten eine Mitschülerin, die war für die MLDP (marxistisch – leninistische Partei Deutschlands – gibt es die überhaupt noch? Lange nichts mehr von ihr gehört). Sie meinte der Kommunismus sei das Heil für alle. Ich hielt das für baren Unsinn. Nun waren das eine andere Zeit, wer damals für den Kommunismus war, bekam meistens gleich zu hören „Dann geh doch nach drüben“. Doch selbst wenn man sich von dem „Real existierenden Sozialismus“ mal losmacht, kann man doch das Konzept diskutieren. (Wobei ich bis heute noch nicht weis, was nun der Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus ist, ob eines besser als das andere ist, und ob der real existierende etwas Besonderes ist oder nur die „kleine“ Ausgabe).

Mein Hauptkritikpunkt damals, wie heute war, dass der Kommunismus ein Menschheitsbild hat, das schlicht und einfach nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Es geht davon aus, dass wenn alles geteilt wird, also es zum einen kein Privateigentum gibt, zum anderen alle viel arbeiten, weil ja alle etwas davon haben. Das ist aber nicht das, was die meisten Menschen wollen. Die meisten wollen das Sie selbst weiterkommen, oder das sie mehr verdienen, es ihnen oder ihrer Familie besser geht. Der Mensch ist zwar nicht das egoistische Wesen, als das ihn der Fundamentalkapitalismus sieht, aber er hat soziale Bindungen zu seiner Familie einigen Freunden und dann hört es auf. Er hat in der Regel (es gibt immer Ausnahmen) keinerlei Gefühle für ein Kollektiv von Hunderten, Tausenden und Millionen Menschen. Wir brauchen dazu nicht in die DDR schauen. Wenn das Bild stimmen würde, dann würden alle korrekt ihre Steuer zahlen. Ich verrate nichts Besonderes, wenn ich sage, dass die meisten bei der Steuer tricksen. Es mag eklatante Fälle geben, die dann in der Presse kommen, aber wer noch nie den teilweise privat genutzten Computer steuerlich abgesetzt hat, der möge mal die Hand heben.

Das Interessante dabei ist, dass es bei den wenigsten ein Schuldbewusstsein gibt. „Der Staat braucht die paar Kröten doch nicht“. „Die sollen erst mal aufhören Geld zum Fenster rauszuschmeißen“. Dass Steuerhinterziehung strafrechtlich als Raub betrachtet wird, weil man den Staat beraubt, überrascht dann viele. Deswegen sind die Strafen für Steuersünder auch nicht ohne. Selbst der Staat räumt dem eine Sonderrolle ein. Wenn sie einer alten Oma die Handtasche rauben, zum nächsten Polizeirevier gehen und das anzeigen. Glauben sie, Sie kommen mit der Rückgabe der Handtasche weg? Nein, bei Anzeigen wegen Steuerhinterziehung ist dem so.

Aber ich schweife ab. Das Zweite ist, das Leute unterschiedlich viel wollen. Ich musste mich nur im Klassenzimmer umsehen. Da gibt es die die wollen ein gutes Abi machen, die sich auch und gerade in Fächern anstrengen, die ihnen nicht liegen. Andere sind nur gut in den Fächern die sie interessieren und den Rest vernachlässigen sie, zugunsten von mehr Freizeit. Manche bemühen sich auch, kommen aber nicht vorwärts und es gibt eine Gruppe, denen ist die Schule, die Note und ihr Abi egal. Spätestens, wenn man mit 18 sich selbst Entschuldigungen schreiben kann, nehmen da auch die Fehlzeiten zu.

Und das gibt es auch in der großen Gesellschaft. Ich käme mir blöd vor, wenn ich mehr arbeiten würde, aber davon nichts hätte, weil es sich über Hunderte und Tausende ausniveliert. Das führt dann entweder zu Resignation, das heißt man macht nicht mehr als man unbedingt muss oder man geht dorthin, wo man für Leistung noch einen Gegenwert bekommt und in der Tat haben die DDR vor dem Bau der Mauer ja etliche verlassen.

Wo es vielleicht funktioniert mit dem Kommunismus ist, wenn man das auf die Verwaltung von Dingen beschäftigt, die von Natur aus viele betreffen, sei es eine größere Fabrik, die Verwaltung einer Stadt etc. Doch interessanterweise gab es, da ja nirgendwo eine demokratische Abstimmung was man produziert, wie man die Einnahmen der Staat verteilt sondern dort wurde genaues wie bei uns von einzelnen entscheiden. Einziger unterschied ist, dass es noch weniger demokratisch war und man gleich längere Zeiträume anvisiert, die berühmten 5-Jahrespläne. Ich stelle mir das bei allen Produkten, die kurze Entwicklungszyklen und Moden haben sehr komisch vor, wie z.B. in der Textilindustrie. Immer wenn ich die Bilder von der Wende sehe, fallen mir die Jeansmode der DDRler auf, die war bei uns Ende der siebziger in Mode, hatte sich aber Ende der achtziger schon ausgelaufen – nun ja, wenn man aber immer 5 Jahre in die Zukunft plant, kann man das schlecht vorhersehen.

Schon damals zeigten sich die Grenzen des Kommunismus. In Russland sollte es so sein, dass die privaten Grundstücke, die Datschas, auf denen jeder Gemüse und Obst anbauen konnte, signifikant die Versorgung deckten, obwohl ihre Fläche nur ein Bruchteil der Fläche war, die von den LPG bewirtschaftet wurde. Bei denen kam es dagegen regelmäßig vor, dass die Ernte auf dem Feld blieb und durch Regen unbrauchbar wurde, weil die Leute nach Feierabend nun nicht das gute Wetter, das bald zu Ende ist, nutzten, um sie einzubringen, sondern sofort zu ihrer Datscha eilten.

Ich weis nicht, ob es stimmt, aber in einer ZDF-Sendung über Karl Marx wird ihm ein Zitat untergeschoben, in dem er sinngemäß etwas sagte wie „Gott Gnade uns, wenn meine Ideen mal umgesetzt werden“. Ich halte es für etwas unglaubwürdig, denn, wenn ich nicht an das glaube, was ich verzapfe, dann ändere ich mein Konzept.

Na ja die Schulkameradin habe ich nicht wieder gefunden. Zum einen hat sie keinen so seltenen Namen und zum andern wird sie in den letzten 23 Jahren wohl mal geheiratet haben, da nützt mir dann auch der Geburtsname nichts.

Die mobile Version verlassen