Ich mache diese Nachlese wie die bei ITF-7 nicht mehr so ausführlich wie die vorherigen, sondern konzentriere mich auf die wesentlichen Ereignisse.
Hier die wesentlichen Ereignisse der Super-Heavy. Bei ihr fielen beim Boostback-Burn zwei der 13 inneren Triebwerke aus. So ist der erste Brennschluss (nach dem nur noch die innersten drei Triebwerke arbeiten) deutlich verzögert und vor allem arbeiten diese nun fast 30 Sekunden länger, während es vorher einige Sekunden waren. Entsprechend verschiebt sich auch die Landesequenz. Auch bei der Landung fällt erneut eines der 13 Triebwerke aus.
| Plan | ITF-7 | ITF-8 | |
|---|---|---|---|
| MECO | 2:32 | 2:35 | 2:34 |
| Stufentrennung | 2:40 | 2:41 | 2:40 |
| SuperHeavy Boostback-Start | 2:45 | 2:45 | 2:43 |
| SuperHeavy Boostback-Ende | 3:30 | 3:29 / 3:39 | 3:39 / 4.07 |
| Super Heavy Landeburn Start | 6:37 | 6:31 | 6:35 |
| Super Heavy Landeburn Ende | 6:57 | 6:54 | 7.00 |
Der Brennschluss der Superheavy findet bei dem Übergang zu V2 bei immer geringerer Höhe statt. Gegenüber ITF-7 ist die Trennhöhe nochmals um 3 km gesunken, dafür ist das Starship wieder etwas schneller. Beide Parameter hängen zusammen, da man für das Erreichen der Höhe natürlich ebenfalls Energie aufwenden muss. Man hat wohl die Aufstiegskurve etwas abgeflacht. Das Sinken der Brenndauer spricht dafür, das SpaceX sich langsam dem Nennschublevel nähert.
| ITF-6 | ITF-7 | ITF-8 | |
|---|---|---|---|
| Höhe: | 62 km | 60 km | 57 km |
| Geschwindigkeit: | 5.288 km/h | 4.430 km/h | 4.570 km/h |
| Zeitpunkt: | 2:36 | 2:35 | 2:34 |
So ganz problemlos verlief auch die Landung der Superheavy nicht. Man sieht auf dem Video sowohl aus den Triebwerken (nach Boostback und vor dem Landeburn) Gase austreten, wie auch aus der Sektion unter dem Tank direkt darüber. Das die Rakete also Treibstoffe verliert scheint bei SpaceX ganz normal zu sein. Nur mal zum Vergleich: Als man bei den ersten Tests des Mondlandes LM bei der NASA mit portablen Massenspektrometern Druckgas außerhalb des Mondlandes nachweisen konnte (solche Geräte können einzelne Moleküle nachweisen!) wurde dem Hersteller Grumman bestätigt sein LM wäre „Garbage, Chunk“ und „is leaking like a sieve“. Aber das war ja nicht MurksX da gelten andere Maßstäbe. Auch bei der Landung fiel eines der Triebwerke im äußeren Ring aus. Sollte dies – was nun ja bei zwei Flügen dreimal vorkam – mal die inneren drei Triebwerke betreffen, die Schubasymmetrie wäre nicht mehr auffangbar und die Superheavy würde bei der Landung verloren gehen oder noch schlimmer in den Startturm krachen. Selbst bei nur einem Ausfall, wie bei den letzten beiden Flügen, im Außenring steigt so der Treibstoffverbrauch. Nach den Anzeigen landete die Superheavy mit praktisch keinem Resttreibstoff als Reserve mehr. Das kann unter anderen Umständen dann auch zum Totalverlust führen.
Triebwerksausfälle
Was beim achten Flug nicht aufgehört hat obwohl es zwischendurch nach einer Besserung aussah, sind die Triebwerksausfälle. Die Super Heavy hat drei Zündungen:
- Beim Start: alle 33 Triebwerke arbeiten.
- Beim Boostback 2 der 13 Triebwerk die dort eingesetzt werden fallen aus.
- Bei der Landung: eines der 13 Triebwerk die dort eingesetzt werden fällt aus.
Wir haben also insgesamt 59 Zündungen (33+13+13), davon scheitern drei, das ist eine Zuverlässigkeit von etwa 1:20. Das ist doch blamabel schlecht, egal ob man dies mit Triebwerken bei anderen Trägern oder mit den Merlins von SpaceX vergleicht. Dabei sind nach acht Testflügen insgesamt 311 Triebwerke geflogen (eines flog zweimal bei Flug 5 und 7). So viele Triebwerke werden bei Raketen die nur eines oder zwei einsetzen nicht mal während der ganzen Lebensdauer eingesetzt und immer noch fallen welche aus.
Ich denke es liegt an dem Entwurf. Wäre es so, das SpaceX technische Probleme in der Praxis hat, z.B. einen zu hohen Brennkammerdruck, so würden sie nicht noch weitere Generationen mit noch mehr Schub und besseren Leistungsparametern entwickeln. Vielmehr deutet der 50 Prozent Schubüberschuss der auch beim Starship V2 und V3 beibehalten wird darauf hin, das man mit einer geringen Zuverlässigkeit und häufigen Triebwerksausfällen auch bei den folgenden Versionen rechnet.
Doch selbst wenn man ein Triebwerk abschalten kann, ohne das es Auswirkungen auf die Nachbarn hat, so ist die Überlegung dahinter riskant: Denn es gibt bei allen drei Manövern immer auch Augenblicke wo nur die mittleren drei Triebwerke der SuperHeavy arbeiten und hier erzeugt ein Triebwerksausfall eine nicht zu kompensierende Schubassmymetrie. Das führt zum Taumeln der Rakete. Bei einer rechnerischen Zuverlässigkeit von 1:19,7 bei den letzten beiden Starts, sollte das mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:7 pro Start vorkommen und das ist kein zu vernachlässigendes Risiko. Die Falcon 9 startet übrigens wie andere Raketen mit flüssigen Treibstoffen nur mit einem Schubüberschuss von 25 %, hier rechnet man also offensichtlich nicht mit einem Triebwerksausfall.
Ob ein ausgefallenes Triebwerk auch die Mission des Starships gefährdet, weiß wohl nur SpaceX. Ich denke die drei Vakuumtriebwerke sind fest eingebaut und nur die drei mittleren mit kurzen Düsen sind schwenkbar, da nur diese am Ende der Betriebszeit arbeiten. Da könnte wegen der Position in der Mitte auch schon ein ausgefallenes Vakuumtriebwerk zum Taumeln führen, wenn es vorher gerade seitlich ausgelenkt war.
Das Starship
Nach dem Plan brennt das Starship länger als bei den vorherigen Flügen. Ich habe in der folgenden Tabellen die offiziellen Brenndauern nach dem Manifest angegeben, weil es nie zu dem Brennschluss kam, sind diese relevant.
| Test | ITF-1 | ITF-2 | ITF-3 | ITF-4 | ITF-5 | ITF-6 | ITF-7 | ITF-8 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Brennzeit Starship | 352 s | 352 s | 351 s | 348 s | 346 s | 348 s | 373 s | 364 s |
Der Schub der Raptor 2 Triebwerke von ITF-1 bis 6 wurde langsam gesteigert, ebenso die Treibstoffzuladung, so schwanken die Brennzeiten um 350 s, nehmen aber tendenziell ab. Da nach wie vor Raptor 2 Triebwerke eingesetzt werden – das ergibt sich aus der Brennzeit und MurksX hätte, wenn es Raptor 3 gewesen wären uns sicher dies mitgeteilt – hat man entweder den Schub gesteigert oder – meine Meinung – nachdem es beim letzten Flug ja mit etwas mehr Treibstoff Probleme gab, wieder etwas weniger Treibstoff zu geladen haben. Zu berücksichtigen ist auch das diesmal nur drei anstatt zehn Starlinksimulatoren an Bord waren, was bei einem Gewicht von rund 2 t pro Stück 14 t an Gewicht einspart und so natürlich auch die Brenndauer reduziert. Als Nebeneffekt sinkt die Nutzlast so weiter ab von 40 bis 50 t bei den ersten Testflügen auf nun 6 t.
Ja und das hat auch was genützt! Beim letzten Flug fiel das erste Triebwerk nach 7:40 aus, diesmal fiel das erste Triebwerk erst bei 8:05 aus und man erhielt Telemetrie bis 9:25, beim letzten Flug nur bis 8:26! Zuerst fielen bei 8:05 nahezu gleichzeitig drei Triebwerke aus, dann folgte bei 8:08 ein viertes, sodass nur noch zwei Vakuumtriebwerke übrig blieben. Damit hat das Vehikel einen asymmetrischen Schub und es begann sich zu drehen. Die Triebwerke hielten dagegen und konnten das mal abbremsen aber nicht stoppen. Ebenso fielen nun auch die Tankanzeigen verrückt und suggerierten das nun sogar noch mehr Treibstoff vorhanden wäre als vorher. Bei 9:09 fiel dann ein weiteres Triebwerk aus, bei 9:26 das letzte und offiziell hat man bis 9:30 Telemetrie erhalten.
Wenige Minuten später wurden Trümmer beobachtet. Ich bin mir sicher auch diesmal wird MurkX behaupten das wäre das FTS, obwohl sie natürlich gar keine Telemetrie mehr haben und das nicht beweisen können. Ich würde mir diese Aussage wirklich überlegen. Ein FTS das nicht auslöst, wenn die Rakete taumelt und somit verloren ist oder wenn kein Triebwerk mehr brennt, das taugt nichts und bestätigt dann nur noch den Tatbestand, nachdem ich die Firma nun benannt habe: MurksX.
Das Verhalten ist das gleiche wie beim letzten Mal, ja sogar der Zeitpunkt ist bis auf wenige Sekunden derselbe. Das verwundert mich nicht, denn wie ich schon bei der Ankündigung was sie nach dem letzten Vorfall, der sich genauso bei ITF-7 abspielte, sagte: SpaceX ist die Probleme nicht angegangen, die zur Explosion führten. Denn es gab offensichtlich Lecks, die dann zu einem Feuer und einer Explosion führte. Anstatt die Ursache der Lecks zu finden und sie auszuschalten war der Tenor der Maßnahmen der das man ihre Folgen bekämpft, also Entlüftungsöffnungen vergrößert, ein Feuerlöschsystem installiert. Man übertrage das nur mal gedanklich auf irgendein anderes Verkehrsmittel wie ein Kraftfahrzeug, Schiff oder Flugzeug das Treibstoff verliert. Da würde auch keiner auf die Idee kommen, nur einen Feuerlöscher zusätzlich mitzuführen.
Was wirklich peinlich ist, eigentlich unverzeihlich nicht bei einem Startup, sondern einer Firma, die seit 20 Jahren im Geschäft ist und über 450 Falcon 9 gestartet hat – eine kleine Änderung, hier eine Verlängerung um 1,5 m und ein bisschen mehr Treibstoff (viel kann es bei 14 bzw. 23 Sekunden mehr Brennzeit nicht sein, unter 100 t) führt dazu das Starship zweimal hintereinander explodiert, und zwar unter denselben Umständen.
Dies war der achte Start eines Starships in 23 Monaten. Dreimal klappte die Landung einer SuperHeavy, einmal (soweit man dies von Videoaufnahmen nachvollziehen kann, runterkommen sie ja von alleine) auch des Starships, wenn man bei eienr Landung im indischen Ozan auch nicht weiß, ob es punktgenau aufsetzte. Es wurde in acht Starts nicht einmal ein Orbit erreicht oder eine Nutzlast ausgesetzt. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal ist das Starship schon seit einigen Flügen das Raumfahrzeug mit den meisten Fehlstarts am Beginn der Entwicklung, ein Platz von dem es auch nicht mehr herunterkommt. Alle anderen Projekte mit ähnlich vielen Fehlstarts nach dem Jungfernflug wie die N-1, Europa oder Project Pilot wurden spätestens nach dem fünften Flug eingestellt.
Die NASA will mit diesem Ding bei Artemis 3 Astronauten auf dem Mond landen, derzeit geplant für September 2027, nach dem ursprünglichen Vertrag hätte das allerdings schon 2024 erfolgen sollte. Vorher gibt es einen unbemannten Testflug. Also mal ehrlich: Bisher hat SpaceX gerade mal eine weiche Landung auf Wasser hinbekommen, nicht unebener Mondoberfläche mit Kratern. Das bei acht Flügen. Fünf davon endeten in Explosionen. (ITF1-3,7+8). Ich würde das mal mit dem Auftrag überlegen. Das wäre doch etwas für das neue Ministerium DOGE. Braucht die NASA denn zwei Mondlander? Es gibt einen, bei dem die Trägerrakete keine Probleme beim Jungfernflug hatte und schon einen Orbit erreichte und Nutzlasten transportiert haben, dessen Architektur sich an die des Apollo Mondlanders anlehnt, die ihre Praxistauglichkeit sechsmal von 1969 bis 1972 bewies und wir haben eine zweite Firma die seit zwei Jahren in acht Flügen keine Nutzlast transportiere und keinen Orbit erreicht hat und deren Starship fünfmal dabei explodierte und genau dieses soll auf dem Mond landen. Welches Unternehmen sollte man da beibehalten?
Vor allem mehren sich, nachdem es beim Starship Programm schon von Anfang nicht richtig funktioniert, nun auch die Ausfälle bei der Falcon 9. Letzte Woche ging eine Falcon 9 Erststufe bei der Landung verloren, sie war vorher nur viermal eingesetzt worden. In den letzten 6 Monaten gab es drei Ausfälle der Oberstufe, zweimal bei Deorbit Burns, aber auch einmal bei der zweiten Zündung wobei Starlink Satelliten verloren gingen. Vier Versager bei rund 60 Starts, das ist eine ganze Menge, vor allem wenn man bedenkt, dass die Rakete nicht neu ist, sondern die mit den meisten Flügen aller noch eingesetzten Typen und es vorher jahrelang überhaupt keine Vorfälle gab.
Offensichtlich ist nun auch bei dem Teil von MurksX, dass die Falcon 9 fertigt der Verlust an Wissen angekommen. Ich habe das schon beim ersten Starship Starts bemerkt. Die Pannen waren einfach zu skurill. Man denkt nicht daran das 70.000 t Schub und 25 t verbrannter Treibstoff pro Sekunde auf der Startbasis ohne Sprinklersystem anrichten können, es klappt nicht mal die Auslösung des FTS (das übrigens bei keinem der bisherigen Explosionen und davon gab es, wenn man sie Superheavy dazunimmt insgesamt sieben) aktiv wurde. Also das FTS muss funktionieren, es muss schließlich Schäden verhindern. Dafür muss es nicht komplex sein, im Gegenteil, je einfacher es ist desto besser (das einfachste FTS das die meisten aus dem Alltag kennen ist der rot-gelbe Notaus-Knopf). Ich habe nun schon mindestens drei Flüge des Starships gesehen, bei denen jeder Beobachter, ohne irgendwelche Messwerte zu haben, sieht, dass das Gefährt verloren ist – bei ITF-1 drehte es Loopings, bei ITF-7 fielen die Triebwerke nacheinander aus und bei ITF-8 kommt zum Triebwerksausfall noch das Drehen dazu (vielleicht auch schon bei ITF-7 vorgekommen, da damals nach der Landung der Superheavy nicht mehr das Video zurückgeschaltet wurde, sodass man dies nicht kontrollieren kann).
Also wenn ich nicht mal eine so kleine Änderung hinbekomme, wi soll das dann weitergehen? Probieren und Testen bis man nach 10, 100, 1000? Flügen alle offensichtlichen und versteckten Fehler gefunden hat? Vor allem: dieses Starship unterscheidet sich wie das letzte von den von ITF 1-6 nur dadurch das die Treibstofftanks um 1,5 m länger sind. Es sind noch keine Raptor 3 Triebwerke an Bord. Diese kleine Änderung reicht aus, dass nichts mehr geht. Wie soll das dann erst werden, wenn bei V2 noch die Raptor 3 kommen und bei V3 es noch mehr Triebwerke werden und beide Stufen deutlich verlängert werden?
Das Starship – die N1 des dritten Jahrtausends.
Edit 8.3.2025:
Lecks, die zu Feuern führen scheinen inzwischen auch bei der Falcon 9 vorzukommen:
„A Falcon 9 booster that was destroyed after landing March 2 suffered a fuel leak during its flight that triggered a fire. … a fire broke out about 48 seconds after what appeared to be a normal landing of the booster. That fire eventually resulted in the deterioration of the structural integrity of the landing leg in that booster and toppled over“
Komisch das ich bei anderen Trägern noch nie von solchen Vorkommnissen gehört habe.
Edit 11.3.2025
Wie nun bekannt wurde sind Treibstofflecks nun auch bei der Falcon 9 ein Problem:
„Bill Gerstenmaier, vice president of Build and Flight Reliability at SpaceX, said about 85 seconds into the launch of the Starlink 12-20 mission, there was a fuel leak in the first stage booster, tail number B1086, and kerosene sprayed onto a hot component of the engine. He said that caused it to vaporize and become flammable.
Because there wasn’t enough oxygen to interact with the leaked fuel, it didn’t catch fire during the ascent, he said. But about 45 seconds after B1086 landed on their droneship, ‘Just Read the Instructions,’ there was enough oxygen available to get into the engine compartment and a fire broke out.“